Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 2 (1904)
- Issue
- Heft 37 (23.9.1904)
- Date
- 1904-09-23
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Frankfurter Israelitisches Familienblatt. «aeut 11 Nr. 37. Ter Er uw der Zeit führt Dich »ur bis zu mir. An meiner Schwelle endet nun Dein T ch n m - Schabos. Besinge mich. Sterblicher! Ich werde Dir den verwickelten Knäuel des Lebens auseinanderwickeln. Ich werde Dir jenes Geheimnis anvertraue», das Du so gerne wissen möchtest. Erfahren wirst Du vvn mir, was Du nicht erfahren konntest. Daher sollst Du mich preisen und in Deinen schönsten Gesängen verherrlichen. Zahle mir doch Deinen Tribut seht — solange Du noch zahlen kannst. Ter Mensch. Und der Mensch wandte seinen Blick gen Ost und West, und er sprach: Prächtig und zanbervoll seid Ihr alle beide. Heilig ist der Traum meiner Kindheit, der über meiner Wiege schwebte. Und e r n st ist die Gestalt der Gedanken, die über nrei» Grab zittern. Wiege und Grab! Ich bin das Lcbensmeer, in dein Ihr beide Euch abspiegelt. Ich habe ein hübsch' Liedchen für Dich, meine Wiege. Es ist aber kurz und kindlich, wie die Zeit unseres .Beisammenseins. Ich bin doch jetzt zu groß für Dich, und Du — zu klein sür mich. Mein Schatten, ist über Deine Wände hinausgewachscn, und meine Phantasie — über Deine Himmel. Mir ist jetzt das Herz zu schwer und es kann nicht mehr lustig singen. 'Allzu belastet ist inein armes Herz — es wird zerbrechen und zerfallen unter seinen starken Tönen ... Aber allenfalls! — Bin ich Dir denn etwas schuldig? Alt Deine Geschenke liest ich doch bei Dir zurück und einsam wandere ich nun in der finsteren, Nacht des Lebens. — Und Du, Grab? Auch Du, schwarze Residenz meines Lebens — auch Du forderst von mir Liebeslieder!! Du verlangst gar: ich soll Dir im Voraus bezahlen — aber wofür denn? Du wirst mir, sagst Du, ewige Ruhe gewähren — werde ich aber fühlen, das; ich ruhe. Ich werde, meinst Du, der Sorgen vergessen — werde ich aber der Freuden gedenken? Deine Blumen, versicherst Du mir, pslückt man nicht — werde ich aber ihren Duft riechen? Nein, mein Tchum-Schabos endet nicht an Deiner Schwelle! Denn das eine Ende meines Eruws ist fest au die Ewigkeit angebuilde», an den Himmel, an die Sonne, an alles, was lebt und strebt, was sich vorwärts bewegt, sich cmporreißt und zum Lichte sich drängt — zum ewigen, zum ewig reinen; Lichte, das in der Finsternis webt... Auch Du, Grab, bist nicht das, was Du bist — wie ich es nicht bin, was ich bin . . . Was? Du wirst mir ein Geheimnis anvcrtrauen? Vertraue es doch mir jetzt an! O, elender Großtuer! Vergebens prahlst Du so damit: Du weißt cs ebensolveuig, wie ich — »ein: ich weiß cs besser. Denn ich bin Teilhaber an jener Kraft, die zerstört und schafft . . . Bunte Chronik. Lassalle als Jude. ('Aus dem Tagebuch des 15jährigen Lassalle.) „. . . . Ich glaube, ich bi» einer der besten Juden, die es gibt, ohne auf das Zeremonialgefetz zu achten. Ich könnte, wie jener Jude in Bulwers „Leila" mein Leben wage», die Juden aus ihrer jetzigen drückenden Lage zu reißen. Ich würde selbst das Schaffott nicht scheuen, könnte ich sic wieder zu. einen; geachteten Volke mache». O, wenn ich meinen kindischen Träumen nachhänge, so ist es imnrer meine Lieblingsidee, an der Spitze der Juden mit den Waffen in der Hand sic selbständig zu machen." Tie Mißhandlungen der Juden in Damaskus im Mai 1840 entlockten ihm de» 'Ausruf: „Ein Volk, das dies erträgt, ist schrecklich, es räche oder dulde die Behandlung." Und au den Satz eines Berichterstatters: „Tie Juden dieser Stadt erdulde» Grausamkeiten, wie sie nur von diesen Parias der Erde ohne furchtbare Reaktion ertragen werden können," knüpfte er die charakteristische Bemerkung an: „'Also sogar die Christen wundern sich über unser träges Blut, daß wir uns nicht erheben, nicht lieber auf dem Schlachtfelde, als auf der Tortur sterben wollen. Waren die Bedrückungen, um dereutivillen sich die Schweizer einst erhoben, größer? . . . Feiges Volk, du verdienst kein besseres LoS." Roch leidenschaftlicher äußert er sich einige Monate später (80. Juli): „Wieder die abgeschmackten Geschichten, daß die Juden Christenblnt brauchten. Dieselbe Geschichte wie in Damaskus, auch in Rhodos und Leinberg. Daß aber aus allen Winkeln der Erde man mit diesen Beschuldigungen hervortritt, scheint mir anzudeuten, daß die Zeit bald reis ist, in der wir durch die Tat uns helfen werden. Tie Würfel liegen, es kommt auf den Spieler an." Vakanzen. H o r o w i tz (Böhmen). Rabbiner, zugleich Religionslehrer, Kantor, Äoreh. Gehalt 11540 MX Rebencinkommcn ca. 700 Kr. R'ähere Auskunft durch den Kultusvorsteher. _ Famttiennachrichte». (Aufnahme in diese Ruüril kostenlos.) tteftnxtetu Ein Sohn, Herrn Albert Moos, München. Eine Tochter, .Herrn Locvcnich, Frankfurt a. M.» Falkstr. 40. Ein Sohn, Herrn Isidor Kahn, Frankfurt a. M., tzlaußstr. 84. Eine Tochter, Herrn Tannenbaum, Frankfurt am Main, Sandwcg 10. Eine Tochter, Herrn H. Elias, Frankfurt a. M., Rothschildallee 24». Ein Sohn, Herrn Goldcnbcrg, Frankfurt a. M., Wollgraben 12. Ein Sohn, Herrn Steiner, Frankfurt a. 'Ui., Osteiidstr. 20. Verlobte. Frieda Marx, Bruchsal, mit Siegmund Fried, Jugenheim. Rosa Scheidt. Frankfurt a. M., mit Hermann Klibanski, Frankfurt a. Ai. Klara Neugaß, Bad Homburg v. d. H., mit Hans Königsberger, München. Berta Stern, Frankfurt a. M., Rückerlstr. 8, mit Bertram Jeidel, Frankfurt a. M., Rechneigrabenstraße!). Emmq Baß, Frankfurt a. Ai., Palinstr. 5, mit M. Barkany, Berlin. Sterbefälle. David Aberle, Frankfurt a. M., 74 Jahre alt. Leopold Marx, Sandhaufen, 80 Jahre alt. Ch. I. Bernstiel, Nürnberg. 66 Jahre alt. Jonas Wolf Wotpe, Frankfurt a. M., HO Jahre alt, Bäckerweg 13. Frau Rabbiner Tr. Schwarz, Köln, 74 I. alt. Julius Ullniann, Frankfurt a. M. Leopold Falkenstein, Frankfurt a. Ai.. 4l Jahre alt, Elkenbachstr. 50. Kunst. Wir halten heule Gelegenheit in den Lokalitäten der Firma H. K e m P e l, hier, neue Zeit, ein ganz neues und eigenartiges Musiki n st tumcnt zu hören. Dieser in Italien fabrizierte, selbstspielende kleine Flügel, aus akustischen Prinzipien fußend, brachte uns die Tannhäuser-Quverture so köstlich, fast bezaubernd, zum Bortrag, daß wir ein Theaterorchester zu hören vermeinten. Tie feinsten Pianostellen bis zu»; stärksten Forte kommen deutlich zur Geltung. Wir halte;; dieses Knnstmerk für Musikliebhaber und für Gesellschasts-'Abende als ein notwendiges Bedürfnis. Verein „Mekor Chajim". Bereinslokal Schützenstraße 14. Samstag, den 24. September 1004, Samstag, den 1. Oktober 1904, Nachmittags 3‘/* Uhr: Mikroh-Bortrag. Wocheu-KaleuÄer. Freitag, den 23. September: Erew Suckoth. Sabbath-Anfang in Frankfurt a. M. 5 llhr 50 Min., „ Ausgang „ 7 Uhr. Freitag, den 80. Septenlber: Hascbano rabbo. Sabbath - Anfang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 85 Min., „ Ausgang „ „ 6 »"50 „ Das „Frankfurter Israel. Familienblatt" kostet: Frankfurt a. M. (durch Postkarte bei der Geschäftsstelle des „Frankfurter Israel. Familienblattes" zu bestellen) Mk. 1.— frei ins Haus pro Vierteljahr. Auswärts (am Postschalter zu bestellen) Mk. 1,02 einschließlich Bestellgeld pro Vierteljahr. Auch im Auslände nehmen sämtliche Postanstalten zu dem gleiche» Preise — in Landesmünze umgerechnet — Abonnements entgegen. . Bei direktem Streifband-Bezug von der Geschäftsstelle des „Frankfurter Israel. Familienblattes": in Deutschland Mk. 1,50, Oesterreich- Ungarn Kr. 2.—, Rußland Rubel 1.—. Holland fl. 1,25, Frankreich, Schweiz, Belgien, Italien Frcs. 2.50 vierteljährlich. Wir bitte« unsere Leser, ihre» Bedarf unter Bezugnahme aus unser Blatt bei nuferen Inserenten zu decke». Frankfurter Israel. Familienblatt. Unserer heutigen Auflage liegt bei ein Prospekt betreuend das bekannte Werk: 4ie». 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