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Neue jüdische Presse · 1904-09-16 · Heft 36 (16.9.1904) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 36 (16.9.1904)
Date
1904-09-16
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Gette 4 -tr. 36. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Knabe um keine» Preis abkaufe» lieft, dem Vater das Gebetbuch nachzutragen, wenn er in die Synagoge ging; wie glücklich ich mich fühlte, wenn ich am Sabbatabend das Kerzchen hielt, oder wenn es mir glücklich gelang, dem, Vater am Passahabcnd den Afikomen^) zu stehlen; wie trostlos ich war, wenn man mich die Sslichos verschlafen lieft, und dergleichen mehr. Ta Lberkam mich ein heftiges Heimweh und ich weinte bitterlich. Darauf faftte ich den schnellen Entschluß, mir über die Feiertage Urlaub zu nehmen, welcher mir auch, obwohl mit Mühe, gewährt wurde. Ms ich bei meinem Major darum anhielt, sprach er: „Gib Acht, daß Du das nur nicht anderswo sagest, sonst hält man Dich für unsinnig! wo hält man jetzt noch auf.Feiertage? wo gibt es noch Juden oder Christen? Die gehören schon längst zu den Toten." Da erwiderte ich: „Bürger Major, vermengen Sic die Begrifse nicht! Glaubenssätze können geleugnet werden; Judentum ist Tat, welche alle .§ascrn des Lebens durchzieht und kann nur mit dem Tode abgelegt werden." Der Major sah mich staunend an und gewährte mir meine Bitte." „9hin erkenne ich Dich wieder als mein Kind an," rief' der Vater, sich vom Sitze erhebend und dem Eliah die Hand drückend; „ein Kind, welches sich beim Anblick eines Gebetbuchs seiner Kindheit erinnert, ist für seine Eltern noch nicht verloren! — Esther, wir haben unser Kind heute wiederbekommen, für uns hat heute schon der.Festtag begonnen; fort mit den Kartoffeln, gib her, was schon für morgen fertig ist und hole den besten Wein aus dem Keller herauf; wir werden morgen, will's Gott, auch satt werden." „Jetzt aber bleibst Du schon bei uns; picht wahr, Eliah?" sprach die Mutter mit zärtlichem Tone. „Unmöglich, liebe Mutter; nach dem Bersöhnungstag mutz ich wieder fort." „Ja Versöhnungstag, geschwind werden wir Dich nach dem Bersöhnungstag wieder weglassen; vor dem Ende des Laubhüttenfestes wollen wir von Abreise gar nichts hören. Wer was sollen wir heute, schon darüber streiten, wo Du erst angekommen bist; wir haben noch Zeit, darüber zu reden!" „Weißt Du, liebe Esther, der Boden wird vielleicht schon im schönen Zimmer trocken sein; wir könnten hineingeh'n essen," entgegnete der Hausherr. „Auch recht, jetzt lasse ich. mir schon Alles gefallen; Lisette, decke darin den Tisch für zwölf Personen," sprach die Frau, zum Dienstmädchen sich - wendend. Als sich eben Alle anschickten, die Küche zu verlassen, öffnete sich die Haustüre, und die bereits erwähnten Herren, Meier aus St. Menehould und Wolf aus Chapeaubas, traten mit triefenden Kleidern und Reiseröcken ein. „Willkommen, willkommen, meine Herren; das sind doch ehrliche Juden, haben sic uns doch nicht verlassen; ich habe Sie wahrhaftig bei dem heutigen Wetter hier nicht erwartet!" rief freudig der Hausherr. „Wir haben uns wahrlich mit dem heutigen Weg ein Stück Gan-Edenb) verdient, denn wir sind mehr geschwommen als gegangen! — Schon waren wir im Begriff, nach Verdun zu gehen, wohin wir viel näher haben; aber der Gedanke, daß durch unser Ausbleiben vielleicht der Gottesdienst hier gestört würde, bewog uns, um jeden Preis herzukommen. Und was ist dabei? Der Herrgott tut uns noch so viel Gutes, daß wir ihm zu Gefallen anderthalb Stunden im schlechten Wetter gehen dürfen. Erlauben Sie uns, liebe Frau, daß wir unsere Festtagslleider da am Ofen zu trocknen hängen; sie sind ganz durchnäßt," sagten die Herren. „Machen Sie fich's nur ganz bequem, meine Herren, ich will Ihnen jedem ein Paar Pantoffeln herausbringen, daß Sie mit den nassen Stiefeln den .Fußboden nicht beschmutzen," entgegnete die Hausfrau und begab sich in's Zimmer; als sie aber daselbst die nassen .Fußtapfen der Soldatenstiefeln und die Lachen um die auf dem Boden umherliegenden Tornister gewahrte, schlug sie verzweiflungsvoll die Hände zusammen und rief: „Kommen mir da die *) Das Stück ungesäuerten Brotes, welches der Hausherr hinter seinem Rnhekissen am Passahabende verbirgt, um es als Andenken für das kommende Jahr aufzubewahren. 5) Paradies. Schnapphähne und bringen mir alle» Schlamm aus dem Ärgonncrwald herein; wäre wahrlich nötig, daß ich noch einmal die Stube putzte." „Laß' gut sein, liebe Frau, wir nehmen's nicht so genau," beruhigte sic der. Herr: „aber liebes Weib, ich will Dich was Anderes fragen: ist das Magazin schon leer?" „Glaubst wohl, ich habe gewartet, bis Tu mich daran erinnerst? Du weißt, ich lasse mir's um keinen Preis nehmen, das Magazin vor den Festtagen zu leeren und für den Gottesdienst herznrichten. Ihr könnt Euch's indessen ansehcn, während wir hier schnell aufwaschcn und den Tisch decken." Sämtliche anwesende Gäste begaben sich mit dem Hausherrn aus dem Empfangszimmer durch ein kleines anstoßendes Zimmer in das daran liegende Wolle- Magazin, welches immer an Sabbaten und Festtagen zu einem Bctsaal ningestaltet wurde. Es war ein recht luftiges und helles Gemach mit geziegeltem Fußboden, der aber zum Gottesdienst mit schönen Teppichen belegt war. Rechts gingen auf die Straße zwei ziemlich hohe .Fenster, links war seit Kurzem ein lleines Fensterchen in's Schlafgemach durchbrochen, welches Letztere für das halbe Dutzend jüdischer.Frauen zu Valmy und der Umgegend als Frauensaal gebraucht wurde. Zu diesem Zwecke wurde immer während des Gottesdienstes das Fensterchen geöffnet, damit, das anwesende schöne Geschlecht denselben anhören und in das „Hochheilig," „Gepriesen sei Er und Sein R'ame" und „Amen" einstimmcn könne. An den Wänden standen gegen fünfzehn Stühle, vor jedem ein sogenannter Ständer (Bcrpult), wie er in jüdischen Bethäuscrn üblich ist; oben ein abschüssiges Brett, worunter eine Latte, um das Gebetbuch darauf bequem zu legen, darunter eine Art Schrank zum Verschließen für Gebetbuch, Bibel, Gebetmantel usw.; um Fuße ebenfalls ein schmales Brettchen, woraus der Betende die Füße stellen konnte. An der vierten Wand befand sich ungefähr gegen die Mitte rechts eine umgekehrte Kiste, welche als Altar dienen sollte; sie war mit einem schimmernd weißen Tuch bedeckt; aus der Oberfläche befand sich ein mit Silberbuchstaben durchwirktes gelbseidencs Deckchen. Links stieg man auf einer dreistufigen, mit Teppichen vollkommen belegten hölzernen Treppe zu einem kleinen Kleiderschränkchen, welches die Stelle einer Bundeslade vertreten sollte; ein rotsammtencr Vorhang, mit goldgewirkten, in grünseidene Schnüre eingefaßten Buchstaben verziert, wallte von der Decke bis zum Boden herab. Beim Antritt sprach der Hausherr zu den Gästen: „Bitte, meine Freunde, die Pfeifen aus dem Mund; — das ist ein heiliger Ort!" Die Gäste betraten das neugeschaffene Bethaus mit Ehrfurcht und drückten einstimmig durch ein tief hervorgeholtes „Aahh" ihr freudiges Behagen über diese niedliche Einrichtung aus. „Soll ich!s. erleben bei meinen Kindeskinder»!" ries Herr Meier entzückt aus. „Ei was ist denn das?" rief der Hausherr, als ihm die Stickerei auf dem' Märchen auffiel und begab sich schnell, gefolgt von' den Gästen, hin und las die hebräischen Worte: „Dies gelobte und widmete zum heiligen Dienst, ich Esther, Frau des Nephtali Herz zu Valmy, zum Neujahrsfest 5853 (1792—3)." Darauf rief er mit innigster Rührung aus: „Lang soll sie mir leben!" „Ein gottesfürchtiges Weib ist lobenswert," meinte Herr Meier. „Ein biederes Weib, wer findet das?" stimmte Herr Wolf ein. > Esther, welche aus weiblicher Eitelkeit den Herren leise nachgeschlichen und an der Türe des Bethauses stehen geblieben war, um zuerst in ihrer Abwesenheit .ihr Lob zu vernehmen und dann persönlich ihre Lorbeeren einzuernten, trat ein und sprach freudig zu ihrem Manne: „Na, Nephtali, hättest Du je geglaubt, daß Du eine so geschickte Frau hast?" „Bis hundert Jahre sollst Du die Meinige bleiben," erwiderte Nephtali, sie herzlich umarmend. „Gut, daß wir nichts Schlechtes von Ihnen geredet haben," sagten lächelnd die beiden Gäste; >,aber, da ist.ja noch was Neues zu sehen," meinte Herr Wolf, auf den Vorhang der Bundeslade zeigend. (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. X.?). Die Adresse des Jüdischen Verlages lautet: Berliu-Charlottrnburg, Hcrderstraße 3/4. Familieuuachrichten. (Aufnahme in diese Ruvrll kostenlos.) Geburten. Eine Tochter, Herrn Alfred Hirsch, Frankfurt ain Main, Gaußstr. 8. Eine Tochter, Herrn Carl Fried, Köln a. Rh. Eine Tochter, Herrn Simon Wertheimer, Mannheim. Verlobte. Rebecka Jakob, Stuttgart, mit Benzion Rachelsohn, F-rankfurt a. M. Ella Bondy, Horowitz, mit Karl Münz, Horazdowitz. Bettina Elsas, Frankfurt a. M., mit Julius Wisloch, Frankfurt a. M. Martg Hellmann, Ulm, mit Stephan Hirschmann, Mrnberg. Sterbefälle. Babette Ullmann, Frankfurt a. M., 66 Jahre alt, Günthersburgallee 16a. M. Ehrmann, Homburg v. d. H., 76 Jahre alt. Lazarus Neu, Tarmstadt, 65 Jahre alt. ln einem kühlen gründe da saß ich neulich und trank von dem köstlichen Neuen. Aber am Morgen war ich swckheiser, denn ich' hatte mir eine gehörige Erkältung zugezogen. Mein Freund Georg riet mir sofort eine Schachtel Fay's ächte Sodener Mineral-Pastillen zu kaufen und zu lutschen. Gesagt, getan, und am anderen-Morgen war ich wieder ganz in der Reihe und konnte nochmal den Neuen probieren. Für 85 Pfgdie Schachtel in allen Apotheken, Drogerien und Mineralwasserhandlungen zu haben. Das „Frankfurter Israel. Familieublatt" kostet: Frankfurt a. M. (durch Postkarte bei der Geschäftsstelle des „Frankfurter Israel- Familienblattes" zu bestellen) Mk. 1.— frei ins Haus pro Vierteljahr. Auswärts (am Postschalter zu bestellen) Mk. 1,02 einschließlich Bestellgeld pro Vierteljahr- Auch im Auslände nehmen sämtliche Postanstalten zu dem gleicheu Preise — in Landesmünze umgerechnet — Abonnements entgegen. Bei direktem Streifbaud-Bezug von der Geschäftsstelle-des „Frankfurter-Israel. Familienblattes": in Deutschland Mk. 1,50, Oesterreich- Ungarn Kr. 2.—, Rußland Rubel 1.—, Holland fl. 1,25, Frankreich, Schweiz, Belgien, Italien Frcs. 2.50 vierteljährlich. Wochen-Kaleuder. Samstag, den 17. September: Lchabbos Schuwob. Wochenabschnitt: Haasinu. Sabbath-Ausgang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 20 Min., Berlin 7 Uhr 01 Min., Straßburg 7 Uhr 20 Min. Sonntag, den 18. September: Lrew Jomkippur. Festtag-Anfang in Frankfurt a. M. 6 Uhr. Montag, den 19. September: Jomkippur. Festtag - Ausgang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 10 Min., Berlin 6 Uhr 55 Min., Straßburg 7 Uhr 15 Mn. Einem Teil unserer heutigen Auflage liegt ein Prospekt des Juteruat. Sanatorium, Davos-Dorf bei» daS wir einer gefl. Beachtung empfehle«. 7MT i^Tmnn Schuhwaren, Allerheiligenstrasse61. (In der Nähe des Schwimmbades.) Reichhaltiges Lager von nur erstklassigen Fabrikaten. Hochmoderne Katpons. Für Haltbarkeit gewähre ich rolle Garantie. ■ - Auswahlsendungen werden auf Wunsch ins Haus gebracht. ■■ Maassarheit in. feinster Ausführung. Billigste Preise. Fachmännische, streng reelle Bedienung. 5? Georg Boersch ** Telephon 8695. I*»B^®hleil, HColz «1«. Keplerstrasse 29. Vierte 50 Zeit 50 an der Hauptpost. Billigste und reellste Bezugsquelle von Uhren und Goldwaren Werkstatt für fachgemässe Reparaturen. 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