Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 2 (1904)
- Issue
- Heft 33 (26.8.1904)
- Date
- 1904-08-26
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. einige Zeit mit festem Quartier und sicherer Kost versorgt wird, damit er über die außerordentliche Höhe seiner Kampsesweifc und die glänzende Reinheit seiner Waffen Nachdenken könnte.' Wenn dies nicht geschah, und er auf Abbitte und Widerruf, sowie mit dem Versprechen auf Besserung, das; er von nun ab loyal kämpfen werde — ein Versprechen, das er immer bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit zu umgehen suchte — immer wieder laufen gelassen wurde, u n d d c n i h m f ü r s e i n e a u s der Luft gegriffenen „Scheker Bilbulim" gebührenden Lohn nicht erhalten hat, dankt er einzig und allein dem Uinst a n d c, d a h d i e v o n i h m B c r u n g l i m p f t e n sich nicht entschließen konnten, ein einziges Mal das zu tun, was unser Ritter ohne Furcht zu tun nicht aufhörte, nämlich einen „Chilul Huschern" zu verursachen. Tenn schon seit Jahren ergießt sich aus seinem ungewaschenen Munde eine unversiegbare Flut von Schmutz; .Lüge und Verleumdung sind die Waffen, mit denen er die vielen Hunderttausende, die hart für die Erhaltung ihres bedrängten Volkes arbeiten und ringen, sodaß der Mindeste von ihnen zur .Erhaltung und Stärkung des Judentums beiträgt, Niederkämpfen zu können glaubt, i Wenn man die Kampfesweise des Israelit be- . obachtet und den guten Ton, den er anschlägt, (Siehe ' die Polemik gegen den Oberrabbincr von Papa, Dr. Roth) so hat cs den Anschein, als ob Herr Oskar LchmaNn und Konsorten sich zur Ausgabe gemacht haben, den Namen „Israelit" zu einem ebenso vollwichtigen Schimpfwort zu machen, wie es der Name „Jude" leider längst schon ist; und wenn die Besseren in unserer Mitte hier kein Veto cinlegen, wird es ihnen sicherlich gelingen. Aus übel angebrachter Milde sah man zu, wie diese Giftsaat ausgestreut ward, ohne von den wirksamen. Gegenmitteln Gebrauch zu machen, und nun ist man entsetzt, da man sie keiinen und in die Halme schießen sieht. glicht die Tatsache, daß viele orthodoxe Rabbiner sich gegen den Zionismus ausgesprochen haben, ist : für uns so beschämend, denn jede ehrliche Ansicht, : sie mag noch so verschroben sein — wie die, daß der /Zionismus eine Gefahr für das orth. Judentum bedeute — muß geachtet werden, sondern die Art; und Weise, wie sie es getan haben, ist es, was uns fassungslos macht. Wenn eine Gemeinschaft von vielen Zehntausenden gesetzestreuer Juden, in deren Mitte sich Hunderte von Gaoniiu und Zaddikim befinden, die nicht nur für ihr Judentum leben, sondern wenn nötig, auch dasür zu sterben wissen, wie wir es alle schaudernd miterlebt haben, für ihren guten Willen und lautere Absichten, von orth. Rabbinern, . die bislang für das Judentum ihre Gesundheit sorgsam gepflegt haben, als eine „Gesellschaft von Uebeltätcrn" . . . und mit dergleichen Ehrennamen mehr (die zu übersetzen, wir aus Rücksicht auf die Ehre dieser Herren Obcrrabbiner lieber unterlassen) belegt werden, so muß man sagen, dieser Ton aus ,Lundsdors" hätte sich nimmer hervorgewagt, wenn von Mainz nicht schon seit Jahren derselbe Sang, voll Lüge und Verleumdung, angestimmt worden wäre. Es ist der Fluch der bösen Tat, daß sie fortzeu- .gcnd', Böses muß gebären. So nur, durch lügnerische Verleumdungen und irreführende Verhetzungen konnten diese Enmuiziationen orth. Rabbiner, die — es muß gesagt werden — nichts sind, als eingeblasene Denunziationen, zu unübersehbarem Schaden des wahren Judentums und zu unserer unauslöschlicher Schande das Licht erblickten. Man braucht diesen Brei nur zu riechen, um zu wissen, in welcher Hexenküche er gebraut wurde. Ms nun gar einer der Hetzer, ein hetzerischer Mcberläufer, der mit am eifrigsten zur Entstehung dieser wahrhaft beschämenden Auslassungen von Rabbinern auf Grund eben dieser Proteste zeine neue Hetze gegen nainhaste Gaonim mit offenbarer Schadenfteudc und maßloser Frechheit begann, da dachten wir, nunmehr sei das Maß voll! Wir haben cs als unsere Pflicht als Zeitungsschreiber angesehen, hier eist klein wenig üuseru Zein- Ken die Maske zu lüsten und unseren Lesern einen Mick in ihre Karten zu gestatten, damft offenbar merde, daß hier ein" gefährliches und unaufrichtiges- -.i.- W.". "-."VA.C;'- - "t- , Frankfurter Israelitisches Familienblatt. ( 9lr. 33. —7-'-:---—---!-— «piel gespielt wird. Unser Zweck war dabei einzig und allein, der, zu verhüten, 'daß nicht , noch größeres Unheil entsteht. Wir waren Uns wohl bewußt, damit eine Sprosse an der Leiter.herabgestiegen zu sein, an deren unterste der Israelit und seine Helfershelfer in diesem unrühmlichen Kampsc hausen. Wir-tatcu cs mit innerem Widerstreben, aber es mußte sein! Sollten wir aber trotzdem gefehlt haben, so war der' Israelit der Allerletzte, der berechtigt war, uns eine Zurechtweisung zu. erteilen, denn cs war ja nur eine kleine Münze von dem großen Konto an Bclcidigungeii und unverschuldeten Angriffen, mit denen er uns von Anfang an verfolgt, die wir ihm ausbezahlt haben. Wir hoffen, er stellt an uns keine neuen Mahnungen, und wird von jetzt ab den Kampf, den er führen zu müssen glaubt, mit ehrlichen, unvergifteten Waffen führen, wozu jeder anständige Mensch verpflichtet ist, und er sich noch obendrein ausdrücklich, dazu verpflichtet hat. Dis vor kurzem ist er ja diesem Versprechen noch zur Not nachgekommen, da mußte ihm sein Unstern den „Ehrwürdigen Berichterstatter" zuführen, und das alte Spiel begamr von neuem. Daß der (Ehr) würdige Berichterstatter trotz der größten Mühe sich nicht bewegen ließ, irgend eine materielle Entschädigung anzunehmen, ist ja sehr glaubhaft, aber wir hoffen, daß bei fortgesetztem Bemühendoch noch ein Erfolg zu erziehen sein wird. Wir Juden sind nun einmal große Optimisten! Auch glauben wir .gern, daß der „ehrwürdige Berichterstatter", cs „Leschem Schomaim" tut, lehren doch unsere Weisen, auch der „Satan", der unerschöpflich war in Anklagen und im Ersinne» neuer Leiden gegen und für den schwergeprüften „Hiob", habe es auch Leschem Schomaim gemeint. Hoffen wir, daß auch diesmal der Ankläger beschämt verstummen wird müssen, Juden und Judentum verjüngt und sieggekrönt aus diesem Kampfe hervorgehen werde. Die Redaktion d. I. B. Bunte Chronik. Tic W i cd er entdeck» n g des alten Ed o m. Professor Dr. Alois Musil in Olmütz, der Entdecker des Kalifcnschlosses Amra, sendet an die Akademie der Wissenschaften eine von ihm ausgearbeitcte, ausführliche Karte des alten Edoms, die erste Karte dieses Landes Überhaupt, und zeigt' die bevorstehende Ausgabe eines .topographischen Werkes über dieses wenig bekannte und doch so interessante Gebiet an. Professor Musil hat dieses unwirtliche Land in den Jahren 1896, 1897, 1900, 1901 und 1902 bereist und cs gibt kaum ein Tal oder eine Ruine daselbst, welche er nicht kennt. Natur und Menschen kommen dort dem Wanderer gleich feindselig entgegen. Oben auf dem Plateau der Hochebene in einer Höhe von mehr als 1500 Meter stiert man in der Nacht, andererseits gibt es Niederungen, 395 Meter unter dem Spiegel des mittelländischen Meeres, wo die Temperatur bis auf 56 Grad Celsius in der Sonne steigt. Die großen Karawaneystraßen sind noch verhältnismäßig sicher und doch wurden dort noch in den letzten Jahren europäische Reisende ausgeraubt oder ermordet. „Aber wenn man erst die Karawancnstraße verläßt," sagt Professor Musil, „und sich in die öden, von wilden, ausgestoßencn, kleinen .Räuberstämmen durchstreiften Gebiete hineinwagt und sie nicht durchreisen, sondern durchforschen will, so ist man wahrhaftig nur auf Allah und sich selbst angewiesen." Unter solchen Umständen weiß selbst der Eingeborene nur einen Rat, nämlich den, welchen die Worte des folgenden Liedes wiedergeben: „Junger Mann, o der du die Lanze schwingest. Ganz allein bist du, hast keinen Gefährten! Die Lebenstage haben jedoch eine eng begrenzte Dauer, Gib einen'Fußtritt dem Tode uiid — vorwärts!" Dieses Land ist es, das Professor Musil neu entdeckt hat, wodurch er der Geschichtsforschung einen wesentlichen Dienst geleistet hat. Denn einst war Edom (Jdumäa), die südliche Fortsetzung von Palästina, ein mächtiges Reich, das in heftigen Kriegen mit den Israeliten seine Unabhängigkeit verlor. Von dem edomitischen Hafen Ezeongeber ging Salomos Flotte nach Ophir. Der große Hcrodes war ein Jdumäer. Später wurde das Land zu Arabien gerechnet, die Kreuzfahrer setzten sich dort fest. Ganz verfiel cs erst, da es. seine Richtigkeit als Verbindpngsstraße zwischen. Egypten, Phönicien, Damaskus, einerseits und Südaräbien, Indien, Ostafrika andererseits verlor.. Professor.Musil.ist/den Spuren der Vergangenheit nachgegangen und wird in ' seinem Werke namentlich die Identität zahlreicher in der Geschichte verschieben bezeichneter Orte, Flüsse und Dinge Nachweisen. . * Tolstoi ü6er den Antisein i tis mus.' In der Fr. Ztg. veröffentlicht Dr. Hugo Ganz eine Unterredung mit Tolstoi, der wir folgendes'entnehmen: Das Thema von der Massensuggestion hat Tolstoi auch in anderem Zusammenhänge behandelt. Er sprach von dem Unheil, das die Zeitungen in der Welt anrichten, wählte aber dafür meines Erachtens ein recht ungeeignetes Beispiel: „Während des Dreyfus-Prozcsses", sagte er, „erhielt ich wohl tausend Briefe aus allen Weltgegenden, die mich zu einer Kundgebung auffordertcn. Wie hätte ich dem Folge leisten können. Ich bin hier in Rußland, die Verhandlung war in Frankreich. Es war absolut unmöglich, ein richtiges Bild von den Vorgängen zu erlangen, denn jede Zeitung berichtete anders. An und für sich: was war geschehen? Ein Offizier war unschuldig verurteilt worden. Das ist eine unbedeutende Angelegenheit. Es waren ganz andere Verbrechen von, ■ denen verübt, die die Gewalt haben. Aber es wurde die ganze Welt alarmiert, und jeder hatte eine unumstößliche Uebcrzeugung von der Schuld oder Unschuld eines Mannes, den niemand kannte, und dessen Richter uieniand kannte. Das ist eine Seuche und kein Denken mehr". Man mnß schon ganz eigene und einsame Wege gehen, um zu verkennen, daß gerade in diesem Falle die Presse ein ungeheures Werk vollbrachte, indem sie die Menschheit aufrüttelte und ihr die vom Klerikalismus und Militarismus drohende Gefahr zeigte. Tie Treyfus-Asfäre gehört der Geschichte an als epochale Begebenheit. Und Graf Tolstoi, der die Bekämpfung des Militarismus als eine seiner Lebensaufgaben betrachtet, erlebt die Hauptschlacht in diesem Kampfe und ahnt es nicht! Freilich darf man nicht vergessen, daß er in Rußland lebt, wo die Einkerkerung Unschuldiger ein alltägliches Vorkommnis ist, und daß die russischen Zeitungen ihrer Älliirtenpflicht dadurch zu genügen glaubten, daß sie die Affäre im Kinne der Meline und Mercier behandelten. Keinesfalls ist die Abneigung Tolstois gegen diese Affäre aus etwaigen Antisemitismus znrückzuführen. Tolstoi liebt die merkantilen Juden nicht, die am wenigsten vom christlichen Geiste erfüllt seien, aber er verurteilt de» Antisemitismus aufs, entschiedenste. „Der Antisemitismus", sagte er, „ist nicht ein Unglück für die Juden. Denn wer Unrecht erduldet, ist nie zu beklagen, sondern wer übt. Der, Antisemi-, tismus demoralisiert. Er ist das ärgste Uebel unserer Zeit, denn er vergiftet ganze Generationen. Er macht sie blind gegen Recht und Unrecht und ertötet jedes moralische Gefühl. Er verwandelt die Seele in eine Trümmerstätte, ans der alles Gute und' Edle vernichtet ist." Familieunachrichteu. (Aufnahme in diese Rubrik kostenlos.) Geburten. Eine Tochter, Herrn Sally Haas, Marburg. Eine Tochter, Herrn vr. Rudolf Plaut, Hannover. Ein Sohn, Herrn Hermann Rosenthaler, München. «Vtiniiwpugcii. Rabbiner Moses Hoffmann, Randegg, mit Elise Wechsler, Fürth i. Bayern. Gustav Frankel, Biblis, mit Gustine Oppenheimer, Reinheim i. O. Sterbefälle. Rosalie Simon, Frankfurt a. Ai., 92 I. alt. Neue Zeit 15. - Moritz Rothfeld. Frankfurt a. Ai., 68 I. alt. Sophie Moos, Karlsruhe i. B., 64 I. alt. Emil Bähr, Worms, 64 I. alt. Barmizwohs. (Ohne redaktionelle VerantworUichkeft. Wir bitten um gefl. Mitteilung der Barmizwohs; die Aufnahme geschieht kostenlos.) Samstag, den 27. August, Barniizwoh des Hans Hermann, Sohn des Herrn Bernh. Heimann, Wittelsbacher Allee 2 und des Benno Lind, Sohn des Herrn David Lind, Hermesweg 26, in der Synagoge am Börneplatz._ , Wochen-Kalender. Samstag, den 27. August. Wochenabschnitt: Li Lvvau. - Säböäth-Ausgang in Frankfurt a. M. 8 10 Min., Berlin 7 Ähr 53 Min., Straßburg 8 5 Min. ' ' »r ir Kaiser Friedrich Quelle -Offenbach a. 3L—— Vornehmst es T a f e 1 w a s ser.