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Neue jüdische Presse · 1904-08-19 · Heft 32 (19.8.1904) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 32 (19.8.1904)
Date
1904-08-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ir«ritkfrtr4er ^e-akti-n Md Hefchäftsstekts: Zrankfurt a. IN.. Leiligkeuzgaffe 32, Lcke Llaxperfeldstraße (gtgeitüber der Neuen Zeit). -HK- - Herausgeber: Salg Geis. 2. Jahrgang. Freitag, de« 8. Ellul 5664 (19. August 1904). No. L2. Jnsertionspreise: Die viergefpaltene Petitzeile. 25 M. Die Reklamezeile. 100 .. Stellen-Angebote und -Gesuche die Silbe 2 „ Beilagen: Das Tausend Mk. 5.— bis ML 8- - —————————————— Diese Zeitung erscheint jeden Freitag. .Sämtliche Postanstalten de» In-und Auslandes, sowie die Geschäftsstelle des Frankfurter Israel. Familienblattes in Frankfurt a. M. nehmen Abonnements- Bestellungen schriftlich und mündlich entgegen. (Abonnementspreise siehe Schluß des redaktionellen Teiles). ' ..— > - -- FMÜmmtt. Inhalt des Hauptblattes: Artikel: Den Männern des Misrachi ein Gruß. — Die Erben des zionistischen Vermächtnisses, von Schalmaun. — Das Judentum und sein Verhältnis zur Natur, von cand. phil. Salkinowitz. _ Zellenantisemitismus. — Aus aller Welt. — Personalien. — Feuilleton: Im Abnehmen begriffen, von I. L. Perez, deutsch von M. Kohen. — Aus bewegter Zeit, von R. :c. re. Dev Männern des Misrachi ein Grutz! (Zur Welt-Konferenz des Misrachi in Preßburg.) Seid gegrüßt, Ihr Männer der Arbeit, Ihr Männer der Liebe und der Begeisterung! Für alles Große und Erhabene in Israel, für Jsrael's Gott und seine Tauroh, für Jsrael's Land und seine Hoffnung, für Jsrael's Ehre und Ruhm, für seinen Frieden und für seine Eintracht habt Ihr Euch die Hand zum Bruderbund gereicht! Groß ist das, was Ihr bereits erreicht habt, denn zum ersten M a l e seit dem Sturz unserer herrlichen Zionsveste haben die Getreuen des Sinaigesetzes aus Orient und Occident, aus Nord und Süd, aus Ost und West sich wieder vereint. Lange genug war Israel zerklüftet, lange genug hatte es sein Land vergeffen; nun aber kann das heilige Losungswort „Zion" — Alles Alles, die Einigkeit, die Treue und die Liebe für das Volk, seine Tradition und sein Land — wieder in Israel einkehren. Und wenn Ihr Männer des Misrachi um die Schaffung eines Bodens mit Hilfe Gottes für das Judentum und seinen Träger, das unglückliche jüdische Volk, zusammen beratet; — welcher gute Jude wollte da vorbeiziehen, ohne Euch seinen innigen Gruß zu geben und seinen tiefen Dank auszusprechen! Lastet Euch nicht abschrecken von ungerechten, häßlichen Angriffen! Mögen die Männer des Hasses und der Trennung noch so sehr wühlen, der heiligen Sache schadet es nicht; Israel weiß, wer es ehrlich mit ihm meint. So wisset denn, daß die Augen aller ehrlichen Gesetzestreuen in Israel auf Euch gerichtet find und daß man von Euch Vieles erwartet zum Segen des gesamten Volkes und seiner Ueberlieferung! Wir aber rufen Euch nochmals zu: Seid gegrüßt Ihr Männer der Liebe und des unververfälschten Judentums! Eure Arbeit für Volk und Tradition sei gesegnet! 6. * * * Es ist ein ernster Gruß, den wir dem Misrachistentag in Preßburg entbieten. Denn ernst ist das Werk, das er schaffen soll. Das Heil des jüdischen Volkes, die Aufrichtung des traditionellen Judentums soll von diesem Werk ersprießen. Die ernsten Hosfnungen und berechtigten Erwartungen der Besten unserer Nation,. alle, die ihr Volk auftichtig lieben und seinen Traditionen treu sind ohne Falsch, sind auf dieses Werk gerichtet. Es soll ein Prachtwerk sein; ein Ruhm für unsere Nation, eine Bürgschaft für ihre Neubelebung im Zionismus, — aber auch eine starke Feste für unsere Thora, für unsere religiöse Tradition, für den jüdischen Geist. In c r n st e r Zeit versammeln sich die Misrachisten der ganzen Welt. Ter große, unsterbliche Führer des jüdischen Volkes ist heimgegangen zu 'einen Vätern — und in dem Monat, da die Männer des Misrachi zur Beratung sür das Heil des führerlosen Volkes sich zusammentun, erschallt der weckende Ruf des Schofars in unseren Bote! Kenesijauß, in den Versammlungshäusern Israels. Der Ruf des Schofars sei das Symbol des M i s r a ch i st e n t a g e s. Es ist der Ruf zur Einkehr und zur Sammlung. „Und wenn in die Trompete geblasen wird, versammelt sich die ganze Gemeinde." Wie in der Wüste den ihr Land erobernden Scharen, so mag auch der Tekiorus allen -ür Zion und Juda, für Thora und Tradition begeisterten die Sammlung bedeuten. Einkehr und S a m m.l u n g. Einkehr aller, das Wohl ihres Volkes erstrebenden und seinen Traditionen treugebliebenen in das Lager des Zionismus und Sammlung, beherzte, treue Sammlung in diesem Lager, um die große Lücke zu füllen, die das .Hinscheiden des verewigten Führers hintcrlassen. Einkehr und Sammlung, das seien die Ziele des Misrachistentages. Und er möge für dieses Ziel arbeiten, mutig und ohne Furcht. Die Sache des Misrachi ist die Sache der Wahrheit; sie hat nicht zu scheuen, weder die Begeiferung von der einen, noch den Kamps von der anderen Seite. Niemandem zu Liebe und niemandem zu Leide, nur für die Sache des Volkes und für sein heiligstes Gut. Die schon kampfbereiten in unserer Partei mögen getrost sein, der Misrachi will Gesinnungsuntüchtige nicht in unser Lager locken. Der Standpunkt des Misrachi ist klar. Seine Grundlage ist der politische Zionismus, wie er im Baseler Programm festgelegt ist, und der Misrachistentag wird irgendwelchen persönlichen Aspirationen zuliebe, kein Jota davon vergeben, zum Leiden und Schaden unserer festen Organisation. Dabei ist der Misrachi der Ueberzeugnng, daß die Interessen der gesetzestreuen Zionisten, die Ziele des überlieferten Judentums mit den Interessen und Zielen des Zionismus eng verknüpft sind. Der Misrachi wird die geistigen Interessen der Gesetzestreuen im Zionismus fördern und damit auch den Zionismus stärken. Den gesetzestreuen Zionisten ist der Zionismus ein Begriff, der ihre ganze 'Auffassung über das Wesen des Judentums in sich schließt, nach der treffenden Formel jenes geistvollen Mannes unter unseren Besten: der Zionismus ist das Judentum. Er soll nun das ganze Judentum sein. Das will der Misrachi und das soll der Misrachistentag programmatisch aufrichten. Das historische, traditionelle Judentum faßte von jeher jüdische Gesetzestreue und jüdisches Volkstum in sich. Der Misrachi ist der Erbe des traditionellen Judentums, so will er auch ein Judentum im Geiste dieser Tradition. Als der Zionismus die Geister unserer Ersten ergriff und sie zu den edlen Wegebahnern für unsere nationale Bewegung machte, da war ihr Werk ein Zurückgreifen auf die alte Tradition. So meinten sie es, so sagten sie es klar und so erfordert es auch die historische Konsequenz. Wenn nun der Misrachi diesen Gedanken in seiner ganzen Tiefe erfaßt und ihn in Erfüllung bringt, so schasst er das größte nationale Werk, sür das ihm der Genius der jüdischen Geschichte Dank wissen wird. Weisheit und Mut wünschen wir den Teilnehmern des Misrachistentages. Weisheit, um das Richtige z» finden, für das Wohl unseres Volkes, und Mut, um die feindlichen Hindernisse, die dem großen Werk gestellt werden, zu besiegen und die Begeiferung nicht zu achten. Ihr Räte unseres Volkes, Anakim bezorche zibbnr beemuno: stärket das Werk, und das Werkwirdeulhstärken;schützetdieBurg, und die Bnrg wird euch schützen! 8. F. Die Erben des zionistischen Bermächtniffes. Bon Schalmaun. «Fortsetzung). Zwei Wege stehen also dem jüdischen Volke offen: völliges Verschwinden oder Wiederauferstehung. Daß ein stark individuell veranlagtes Volk, wie das jüdische, auf den ersten Weg nicht eingehen kann und darum nicht eingehen wird, braucht nicht gesagt zu werden. Die 2000jährige, blutige Geschichte und die ftirchtbare Lage, in der sich das jüdische Volk gegenwärtig befindet, das freiwillige Sichabsondern von anderen Nationalitäten und die freiwilligen Ghettos Newyorks und Londons, beweisen es zur Genüge. Gewiß hat es Assimilationsbestrebungen in Israel im vorigen Jahrhundert gegeben; allein dieselben hatten als Motive eher Anpassung s v e r s u ch e als Auflösung. Hie und da haben Einzelne Assimilationsbestrebungen verfolgt; — aber unter welchem noch so charakterfesten Volke befinden sich nicht solche Elemente! Im Verhältnis zu der verzweifelten sozialen Lage der Judenheit muß der Abfall sogar als ein geringer bezeichnet werden. Das jüdische Volk hat sich nicht assimiliert, weil es sich nicht assimilieren kann — allerdings hat es dank der Verhältnisse, in denen es sich befindet, manches von seinem Gehalte eingebüßt —; es ist ja kein Träger einer auf ge zw ungenen, seinem Geist und Charakter unvereinbaren Kultur, sondern einer ethisch-sozial-nationalen Gesetzgebung» die vollständig mit seinem sittlichen Gehalte, Geist und Charakter übereinstimmt; der Träger einer Kultur, die ein wahres Bild seines inneren Wesens ausmacht, und ein Aufgeben seiner Kultur kann nur bei einer völligen Umgestaltung seines Charakters, seines ganzen inneren Gehaltes, Denkens und Füh« lens stattfinden; — und wer ist so töricht, von einem Volke solche ungeheueren Opfer zu fordern! Und in wessen Interesse sollte es geschehen? — Etwa des der Menschheit! — Nein! Die Menschheit kann nichts von einem sich bewußt moralisch verstümmelnden und verkrüppelnden Volke, das seines Innern bar ist, profitieren. Zu Nutzen und Frommen

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