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Neue jüdische Presse · 1904-08-12 · Heft 31 (12.8.1904) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 31 (12.8.1904)
Date
1904-08-12
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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»tue au. Mmilsurlcr ^stEUscybS d-dtttutttfbidtt. 1 ■ . ““TJE^TT Zcntralbureau der Zionistischen Vereinigung für Deutschland ist in Berlin, Friedrichstr. öfc>, 2. St., Ecke der Lcipzigcrstraße, also iin Mittelpunkt des Verkehrs vor einigen Wochen eröffnet worden. Es hat Telephonanschluß (Amt I. 2604) und ist wochentäglich wo» 2—8 Uhr geöffnet. Mit dem Bureau ist eine Lesehalle verbunden, die den ganzen Tag über (auch am Samstag) geöffnet ist und nicht nur zionistische Zeitungen enthält. Lesehalle und Zentralbureau find mit dem Restaurant Baumann, das sich in demselben Hause befindet, verbunden. Das Restaurant Baumann steht unter der Aufsicht des Rabbinats der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Rabbiner Dr. Josef Eschelbachcr. So wird das Restaurant Baumann mit der Lesehalle der Zionistischen Vereinigung ,ür Deutschland der Miltelpunlt des zionistischen Lebens in Berlin. Durchreisende Zionisten und Freunde jüdischen Lebens werden dort stets Anregung und Aufschluß über jüdische Verhältnisse erhalten. Oesterreich-Ungarn. Wien. Alte Grabsteine. Anläßlich von Rekonstruttionsarbeitcn in der tzosburgkapellc in Wien wurde in unterirdischen Räumlichkeiten eine Anzahl jüdischer Grabsteine cingemaucrt aufgefuudcn, die aus dem Mittelalter stammen. Ohne Zweifel handelt es sich um Grabsteine aus dem Judenfriedhofe vor dem Kärntnertorc, der nach dtr großen Judenverfolgung im Jahre 1421 demoliert ivnrdc, worauf, die Grabsteine vielfach als Baumaterial verwendet wurden. Personalien. . Somogy - ftaräd (Ungarn). Am verflossenen Donnerstag haben lvir die sterblichen Ucbcrrcfte des über allen Ausdruck ehrwürdigen Mannes. Jakob Mizky, zur ewigen Ruhe gebettet. Der verstorbene Goaun, der in jeder Beziehung ein fruchtreichcS Tatenleben hinter sich hat, und trotz der ihm in den mustergültigsten Gemeinden Ungarns angcbotenen Rabbinerposten, es vorzog, als bescheidener Privatmann zu leben, gehörte zu jenen guten Zionisten Ungarns, die das schöne Verdienst haben, ihrer Umgebung den Begriff des Zionismus — der in Ungarn selbst in manchen von vixlen Juden bevölkerten Ortschaften fremd ist — beigebracht zu haben. Jakob Mizky war mit Leib und Seele Misrachist und führte dieser Partei zahllose Kräfte zu. Im Testamente soll er seiner Schwester, die die einzige Erbin des hinterlassenen, kaum schätzbaren, .Vermögens ist, den Auftrag erteilt haben, eine beträchtliche Summe an das Landeskomitee zu senden, zur Verwendung für zionistische Zwecke. Die gebührende Grabpredigt 'mußte aus Wunsch des Verblichenen, der wie im Leben auch nach dein Tode die Beseitigung jeder Ehrenbezeugung zu seinen schönsten Tugenden rechnen darf, ausfallen. Bloß bei Senkung des 'Sarges widmete Rabb. Cand. Piukas Keller in kernhaftcr Kürze dem frommen, unverfälschten Juden und Zionisten einen ausgezeichneten Nachruf. Samuel Büchler. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. In der ani Montag Abend im Kursaal Milani stattgehabten Mitglicdervcrsammlung der Z i o n i st i s ch e n Vereinigung sprach Herr H. Kv l l i n c r über das Thema: Unsere Agitation. Redner zeigte in klaren Ausführungen, loie eine planvolle Agitation sich zu vollziehen hat'und zwar nicht nur bei Nichtzionisteu, sondern auch bei Zionisten. Er gab mannigfache Anregungen für die Vergrößerung des Nationalfonds (Aufkleben von Nationalfondsmarken auf Verlobungs-:c.-Karten, auf Ansichtskarten, in der privaten und geschäftlichen Korrespondenz; Selbstbesteuerungen usw.) und wies insbesondere auf die Wichtigkeit der zionistischen Presse hin, für deren Verbreitung jeder Zionist zu wirten hat. In der nun folgenden Diskussion, die einen anregenden und sachlichen Verlauf nahm, wurde besonderer Nachdruck ans de» hiesigen Hebräischen Sprachverein gelegt, dessen Bedeutung für die Förderung jüdischen Interesses, sowie für die Fördcrugg der Kenntnis des Judentumes picht nur von Nichtzionisteu, sondern auch von Zionisten noch nicht vollständig gewürdigt wird. » Der dritte Punkt der Tagesordnung, Äem e i n d e w a h l c n , rief eine lebhafte Debatte hervor. Die scharfe Verurteilung der Einrichtung eines deutschen Gottesdienstes und des unhaltbaren Zustandes, daß die Genieindemitgliedcr nur von den endgültigen Resultaten der „Gemeindcsitzuugen" erfahren und auch davon nur soviel, als den Herren „Offiziellen" gefällt, waren die .Kernpunkte dieser Debatte, die gleichfalls anregend, sachlich und würdig verlief. R. Bunte Chronik. Der bekannte verstorbene Times- Korrespondent Blowitz hat in seinen nachgelassenen Memoiren bestimmt bestritten, daß er jüdischer Abkunft sei, und durch einen lithographierten Stammbaum und durch eine angebliche .Kirchenbuch- Eintragung zu beweisen versucht, daß er l.S2"i auf dem Schlosse Blowski) bei Pilsen als Abkömmling eines böhmischen Adelsgeschlechts geboren fei. Wie nun das Jewish Chronicle niitteilt, hat jetzt Dr. G. Deutsch in Cincinnati Blowitz' Herkunft genau festgestellt und das Resultat der Feststellungen in der American Hebrew vcröfsentlicht. Danach ist der „de Blowitz" genannte Adolf Opper am 20. Oktober 1827 in Blowitz (in Böhmen) geboren worden. 'Sein Vater, Markus Opper, war Kaufmann und zeitweilig auch Vorstand der Synagogen-Genieinde in Blowitz. Ein Bruder des verstorbenen Times-Kvrrespondenten, Herr Gustav Ernst -Opper, und eine Schwester, Frau Porges, leben noch, letztere in Wien. Wolf Opper besuchte bis zu seiner Konfirmation die israelitische Schule in Blowitz, darauf ging er noch zwei Jahre in die böhmische Noriiialschule. Während er bei einem Pastor Haneplick Privatunterricht hatte, schwand sein Inter-- esse an der Religion, in der er erzogen worden war, und er trennte sich dann gänzlich von der jüdischen Gemeinde. In Frankreich gab sich Blowitz einige Zeit als katholischer Priester aus, später wurde er Jurist. Im Jahre 1853 war Opper noch einmal in Blowitz, um sich taufen zu lassen, was wegen seiner späteren Verheiratung nötig war. Kunst. Die August-Ausstellung iin Ku n st s a l o n H e r -- in e s, Göthestraße 37, beim Opernplatz, vereinigt eine auserlesene Anzahl von Meisterwerken. — Neben einer Reihe Bildnisse von Lenbach, F. A von Kaulbach, Wilhelm Trübner, F. von Defregger und Anderen sind als Landschafter vor Allem Hans Thoma mit 6 Gemälden, Peter Burnitz mit '3 Veduten, Keller Reutlinger mit 5'Werken, Joseph Wcnglein, Franz Courtens, A. Lier, Victor Gilsoul, Paul Matbien und Ludwig Richter mit (Änzelbilderu zu nennen. — Im Figurenbild dominieren A. Böcklin, Fritz v. Uyde, Max Liebermann, Eugene Lacrmaus und Walter Firle, während A. Heugeler, Ed. Grützner, Kowalski und Hugo Kausfmann die Genrebilder repräsentieren. — Tierbilder haben H. Zügel, Otto Gabler und Schramm-Zittau ausgestellt. — Eine Anzahl Studienköpfe von Ed. v. Gebhardt und eine Kollektion Original - Handzeichnungcn von Ad. Menzel vervollständigen die reiche Sammlung. Luna-Sect-Perle bestes alkoholfreies Erfriscliungs-Getränb. Ueberall erhältlich. Preis pro Flasche 20 Pfennig excl. --.- Bei Bezug für den Hausbedarf durch die Verkaufsstellen 15 Pfg. excl. L. W. Wagner L Co., Frankfurt a. M. Telephon 6899. Israelitischer Mädchenklub Fahrgasse 140. WF" Jeden Abend von 7Vs—10 Uhr geöffnet. "M StrCCfiiflprmittfunfl für jmWö fl-Mifdmt uiiit Fraum, Langestraße 30. Unentgeltliche Sprechstunden: Sonntag %y2—11 Uhr vormittags, Mittwoch 3—5 Uhr nachmittags. 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