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Neue jüdische Presse · 1904-07-29 · Heft 29 (29.7.1904) · p. Seite 6

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 29 (29.7.1904)
Date
1904-07-29
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 29. setzte dem ungestümen, rohen Gegner einen Bruststoß, daß er taumelnd mit dem Kopf an den Tisch siel. „Bravo, bravo!" erscholl cs aus den Kehlen der Soldatenschar, indem einige den halbtrunkencn Kameraden packten, ihn aufrichtcten und mit den Worten zu beruhigen suchten: „Jetzt, Bruder, begib Dich ruhig an Deinen Platz und laß Dich und andere zufrieden; Du hast nicht mehr und nicht weniger bekommen, als Dir gebührte." Er aber wollte sich gewaltsam aus ihren Händen loswindcn und schaute wutknirschend seinen Gegner an. Dieser blieb ruhig stehen und rief mit stolzem Lächeln: .Laßt ihn nur, Kameraden, laßt ihn; wahrscheinlich 'hat ihm die erste jüdische Zunft so gut geschmeckt, daß cs ihm nach einer zweiten gelüstet!" Die Anwesenden aber schleppten den Wütenden gewaltsam an den Tisch, wo sie ihn in ihrer Mitte zurückhielten. Nach einigen Minuten der Stille begann ein anderer: „Wisset ihr, daß wir bald von hier abmarschieren, die Zeiten gestalten sich böse." „Nun, wir haben nichts dagegen einzuwenden; wir haben schon lang genug aus dem Strohsack gedient und möchten später auch einmal gern erzählen, daß wir Pulver gerochen haben," meinten darauf einige. „Pulver wird man uns mehr zu riechen geben, als cs uns angenehm ist. Wie die Zeitungen berichten, hat unser Kaiser mit dem Könige von Preußen bei ihrer jüngsten Zusammenkunft in Pillnitz beschlossen, vereint mit bewaffneter Macht in Frankreich einzuschrcitcn, um den dortigen König in seine alte Gewalt wieder einzusetzen und überhaupt die alten Zustände daselbst wieder 'einzuführen. Besonders deshalb ist der Kaiser gegen Frankreich erbittert, weil infolge der Einziehung der adeligen Güter mehrere kaiserliche Prinzen sehr ansehnliche Besitzungen im Elsaß verloren haben." „Da habt ihr's, muß der arme Soldat sich erschießen lassen, um de» kaiserlichen Prinzen wieder zu ihren Gütern zu verhelfen; — haben sic denn ohne diese nicht zu leben?" bemerkte ein anderer. (Fortsetzung folgt.) Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Uebersetzter Auszug eines hebräischen Brieses, den ich dieser Tage an Set Ehrwürdcn, Herrn Rabbiner Silberstcin-Waitzen gerichtet habe: (Fortsetzung.) Zu den unreinen Vogelgattungen gehören der Adler und der Rabe. Der Adler unterscheidet sich von allen anderen Vogelgattungen darin, daß er kein einziges reines Merkmal besitzt; — und doch war das erste Wort der sinaitischen Offenbarung: Ich erhebe euch auf Adlcrfittigen. Wie? — ein Vogel, der kein einziges Zeichen der Reinheit besitzt, ist von Gott erwählt worden, Israel auf seinen Flügeln zum Gottcsvolke zu erheben! — Ja, erwidern unsere Weisen, dieser unreine Vogel versteht es, seine Jungen zu schützen. Warum ward der 3iabe erwählt, den Gottesprophcten Eliah zu ernähren? — Und unsere Weisen antworten: Der 3iabe bringt dem unter dein Drucke der Völker leidenden Israel Trost. Siche, so ruft der Rabe Israel zu, hast du es betrachtet, daß ich mein Nest verlasse, sobald ich die Eier ausgebrütct habe. In den weißen, federlosen Geschöpfchen erkenne ich meine Jungen nicht, und ich fliege fort und suche meine Jungen in den Nestern von räuberischen Genossen. Trostlos kehre ich nach meinem alten Neste zurück, dort finde ich jetzt meine Kinder, sic sind während meiner Wanderschaft schwarze Vögelchen geworden. Es sind meine Kinderchen. Gott selbst hat ihnen Nahrung bereitet, kein Vater, keine Mutter hatte sich um sie gekümmert. Meine Kinderchen, — ich und meine Gattin, wir wollen sie Pflegen und großziehen (Talmud Kcthubath 49b, siche 3!aschi) — Und dann ruft der Rabe dem leidenden Israel die Worte des Propheten zu: „Durch die Wüste bahnet den Weg des Herrn, ebnet durch die Wildnis eine Straße unserem Gotte." (Perek Schiroh. Kore ist der Name des 3labcn in der Midraschsprachc; siche Levi, Stichwort Kore.) Tatkräftige Männer brauchen wir, um den Leidenden Hülfe zu bieten, ihnen eine ruhige Zukunft zu bereiten. Tatkräftige Männer, welche das Wollen zeigen und durch ihre soziale Stellung im Stande sind, die Gunst der Erdenmächtigcn zu crlverbcn. Die Hülfe Gottes wird solchen Männern zur Seite stehen, der Geist Gottes wird sie beleben und aus den edlen Zionswächtern werden echte, treue Anhänger des altüberlieferten Judentums erstehen. Sie müssen es niir verzeihen, geehrter Herr, das; ich jetzi ein großes Wort gelassen ausspreche. — Wozu brauchen Sie bei ihrer Bekämpfung des Zionismus die Ermächtigung eines 3iabbiners aus Minsk und freuen sich, daß auch ein holländischer Rabbiner das Wort zur Bekämpfung ergreift? Wissen Sie nicht. daß viele Rabbiner, welche in Talmudwissen und Anhänglichkeit an die Tradition jenen nicht nachitehen, mit Leib und Seele dieser Bewegung angchören? Ist cs klug, dem Zionismus entgegenzutrcten, oder ist es nicht vielmehr klüger, ihn zu stützen und ihn in solch ein Geleise zu führen, daß eine Gefahr für die Frommen vollständig ausgcchlossen ist? Wir wollen und wünschen nichts anderes, als daß die Krone Israels, das Gottesgesetz und das Verlangen nach Beobachtung der göttlichen Gebote, wieder Israels Haupt ziere, daß jeder einzelne Jude sich wieder als ein Mitglied der jüdischen Nation fühle, dem cs obliegt als Jude und Mensch nach dem geoffenbartcn Gottcsgesetze zu leben. Kann man gesctzestreuer Jude sein, ohne das Wollen und das Bestreben zu haben, nach dem Lande unserer Väter zurückzukehren? Hat nach Nachmanides doch selbst die Handhabung jener Gebote, deren Ausübung nicht von dem Wohnen in Erez Jisroel abhängig ist, viel von ihrer Bedeutung cingebüßt: „Ich bin dem Diänstc fremder Götter unterworfen, nachdem ich vor Saul ins Ausland flüchten mußte," klagte König David. Leider hat unser heutiges Israel seine Zusammengehörigkeit aus dem Herzen und aus dem Auge verloren. Der heutige Jude verlangt die Gleichberechtigung mit der Motivierung, daß er, da er dieselben Lasten trage als die Bekenner der anderen Konfessionen, auch dieselben Rechte verlangen dürfe; er'vcrgißt, daß cs nicht die Konfession ist, welche uns von den anderen Staatsbürgern scheidet, sondern die Abstammung, die Nationalität. Wir haben das 3iecht, die Gleichberechtigung zu fordern, wie Ausländer, die in Deutschland heimisch geworden sind. Als Israeliten liegt uns die Pflicht ob (Jeremiah 29, 7), däs Wohl des Landes, in das Gott uns geführt, zu fördern; wir haben die Pflichten, die dem Staatsbürger aufcrlegt sind, zu übernehmen und uns zu beteiligen an allem, >vas zum Heile des Landes dienen kann. Sind doch die Gebote der jüdischen Lehre, die Mizwaus, nicht nur konfessioneller, sondern in der Hauptsache nationaler Statur, indem sic sämtlich den Gedanken ausdrücken: „Ascher bochar bonn mikol am, der uns auscrwählt aus allen Völkern." Israel hat eben keine 3ieligion in der Bedeutung der Konfessionen. Wenn dieser Gedanke uns beherrscht in all' unscrm öffentlichen Auftreten, dann wird die antisemitische Bewegung uns mehr nützen als schaden! — Ms vor ungefähr 110 Jahre» in Holland die Emanzipation in der Staatskammer besprochen wurde, da weigerten sich unsere damaligen jüdisch-traditionellen Brüder, sie zu akzeptieren, weil sie auf konfessioneller Gleichberechtigung fußte, — und erst, als der Staat die Israeliten als niederländische Israeliten (zu unterscheiden von israelitischen Niederländern) anerkannte, erst dann wurde dankbar die Emanzipation angenommen und fühle» sich die holländischen Israeliten glücklich unter dieser Verfassung. Israel hat sein Vater- und sein Mutterland. Das deutsche Reich ist für den deutschen Juden sein Vaterland, Palästina sein Mutterland. Dieses entspricht den Forderungen des Zionismus, und deshalb sollen grade wir gesinnungstreuen Juden den Zionisnius unterstützen, aber keinesfalls dürfen mir ihn — wenn wir uns nicht einer jüdischen Pflichtverletzung schuldig machen wollen — bekämpfen. Liepman Philip Prins. (Schluß folgt.) Vakauzert. G a i l i n g c u (Baden). Kantor und Schächter per 1. September. Einkommen 2000 JL Offert, musikalisch und seminaristisch gebildeter, streng relig., lediger Bcrwcrbcr au die Bezirks-Synagoge. War bürg b. Kassel. Schächter und 2. Borbctcr per 1. September oder früher. Einkommen ca. 1800 JL Offerten ledig., streng relig. Belvcrber an den Vorstand. Geroda (Bayern). Religionslehrcr, Kantor und Schächter. Mk. 1100 Einkommen und freie Wohnung und Garten. Bad Nauheim. Hilfsvorbeter für die hohen Feiertage. Mk. 100 bei fteier Station. Breiten (Baden). Hilfsvorbeter für die hohen Feiertage. '_ Briefkasten. Alter Aboiinc n t. Rewyork hat unter 3,500,000 Einwohnern 700,000 Inden. Im Jahre 1900 waren cs nur 500,000, aber durch die stete Einwanderung ist ihre Zahl ständig und rapid fortgewachsen. Das „Frankfurter Israel. Familienblatt" kostet: Frankfurt a. M. (durch Postkarte bei der Geschäftsstelle des „Frankfurter Israel. Familienblattes" zu bestellen) Mk. 1.— frei ins Haus pro Vierteljahr. Auswärts (am Postschalter zu bestellen) Mk. 1.02 einschließlich Bestellgeld pro Vierteljahr. Auch im Auslände nehmen sämtliche Postanstalten zu dem gleichen Preise — in Landesmünze umgcrechnet — Abonnements entgegen. Bei direktem Streifband-Bezug von der Geschäftsstelle des „Frankfurter Israel. Familienblattes": in Deutschland Mk. 1,50, Oesterreich- Ungarn Kr. 2.—, Rußland Rubel 1.—, Holland fl. 1,25, Frankreich, Schweiz, Belgien, Italien Frcs. 2,50 vierteljährlich. Emgegangerre Bücher. Die Wiederherstellung Israels unter d e n A ch ä m e n i d e n. Kritisch-Historische Untersuchung mit inschristlicher Beleuchtung von Sigmund Jambel, Breslau 1904. Kommissions-Verlag von Wilhelm Koebner. 171 Seiten. 3. FahresbcrichtdesJsrael. Vereins für Ferienkolonien zu Str astb ur g. Dr. Herzl's Grab. Nachruf gehalten von Dr. Ad. Surrein, Preis 20 Heller. Jüdischer Bnch- und Kunstverlag, Brünn. 50»/» des 3ieinertragcs dem Nationalsonds zum Andenken an Dr. Herz! gcwidniet. Jüdischer Volks-Kalender für das Jahr 5665, III Jahrgang. Preis 70 Heller, 152 Seiten Text und zahlreiche Abbildungen. Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Brünn. Fainilienuachrichteu. (Aufnahme in diese Rubrik kostenlos.) Geburten. Einen Sohn, Herrn Rosenkranz (Grünglück), Frankfurt a. M., Albusstr. 48. Verlobte. Emmy Wolf, Frankfurt a. M , mit Julius Eiscnheimer, Frankfurt a. M. Lisel Meyer, Frankfurt a. M., mit Paul Königsberger, Aachen. Jda Slotschild, Fürth i. B., mit Siegmund Strauß, Halberstadt. Frieda Schwarzschild, Mannheim, mit Eduard Hochstädter, Mannheim. Vermählte. Alfted Hcimann mit Slosalie geü. Kahn, Frankfurt a. M. Sam. Rosenbaum mit Helene geb. Flörsheim, Gießen. , Sterbesälle. Lazar. Jos. Seligmann, Frankfurt a. M., 81 I. Louis Jsaac, Frankfurt a. M., 68 I. Johanna Abenheimer, Mannheim. Jos. Ullmann, Frankfurt a. Al., 85 I. Heber und Sommerbatarrhe werden in der Regel viel zu leicht genommen. Die sollen von selbst vergehen, und doch nehmen sie oft einen chronischen Charakter an. Darum gilt auch im Sommer die Regel: Bei Heiserkeit, Husten, Schlingbeschwerden, etc. allemal sofort Fay’s Sodener Mineral-Pastillen anwenden! Die 85 Pfg. für eine Schachtel machen sich tausendfach bezahlt, ln jeder Apotheke, Drogerie u. Mineralwasserhandlung zu haben. Trauungen. (Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit. Wir bitten um gefl. Mllteilung der Trauungen; die Aufnahme ge- . schieht kostenlos.) 2. August, 1 Uhr mittags im Hotel Goldschmidt, Würzburg, Trauung von Fräulein Julie Strauß, Frankfurt a. M. mit Herrn Alexander Birnbaum, Fürth. Barmizwohs. (Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit. Wir bitten um gefl. Mitteilung der Barmizwohs; die Aufnahme geschieht kostenlos.) Sidney Simon, Sohn des Herrn Adolph Simon, Gaußstraße 30, Benni Blaskowsky, Sohn des Herrn M. Blaskowsky, Brückhofstraße 8, in der Neuen Gemeinde-Synagoge am Börneplatz. Hebräischer Sprachverein. Wiederbeginn der Unterrichtsstunden: Sonntag, den 31. August, vormittags 8 Uhr in der Aula der Israel. 9leligionsschule, Herniesweg 25/7.

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