Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 2 (1904)
- Issue
- Heft 26 (8.7.1904)
- Date
- 1904-07-08
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 26. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 11. Personalien. ' Metz, 30. Juni. Seit dem Tode des Rabbi Laib, der vor etwa sechs Jahren im Mer von 102 Jahren hier starb, wird wohl schwerlich ein älterer Mann hier das Zeitliche gesegnet haben, als der heute zu Grabe getragene ehemalige Zahnarzt Elias Hecht, welcher vorgestern im hohen Alter von 85 Jahren zu seinen Vätern versammelt wurde. Hecht, dem seine noch etwas bejahrtere Gattin schon früher Im Tode vorangegangen war, bot das Bild eines echten hebräischen Patriarchen der alten Zeit und war bei Christen und Bet'ennern des mosaischen Glaubens gleich geachtet. Bis nahe an sein Lebensende hatte sich der Verstorbene eine außerordentliche Rüstigkeit und Beweglichkeit bewahrt, und wenn er auch seinen schwierigen Beruf nicht mehr betrieb, wußte er sich sonst Mißlich zu machen. Der wackere Greis hatte das Glück, seine drei Kinder zu durchaus tüchtigen Leuten heranwachsen zu sehen. Paris. Henri Deutsch de la Meurthe hat einen Preis von 100000 Fr. gestiftet, der in fünf Teile zerlegt und ein lyrisches Drama, eine komische Oper, ein sinfonisches Werk, ein Ballett und eine Operette züm Gegenstand haben soll. Lstrowo (Posen). Der jüngst in Berlin verstorbene Rentier Glaser hat der hiesigen Synagogengemeinde testamentarisch 420 JL hinterlassen. Bunte Chronik. Eine hi st arische Erinnerung. In den zwanziger Jahren des vor. Jahrhunderts forderte die Landesregierung des damaligen Herzogtums Nassau die dortigen Juden aus, sich Familiennamen beizulegen, und es erging dieserhalb eine allgemeine Verfügung an die 28 Aemtrr des Landes, u. a. auch an den Amtmann Freiherrn von Schütz zu Rüdesheim. Nachdem vier Wochen verstrichen waren, erkundigte sich dieser bei seinen zwei Accessisten (so hießen Reserendar und Assessor, in Nassau), ob die „Juden-Angelegenheit" erledigt und die Vorlage reif für die Landesregierung sei. Beide Amtsgehilfen bestätigtem ihm, daß alle Juden im Amtsbezirk nunmehr Familiennamen sich beigelegt hätten, blos einer sei noch im Rückstände und dieser wolle nur dem .Herrn Amtmann selbst nähere Erklärung abgeben. Der anwesende Landjäger, so hieß der nassauische Gendarm, erhielt nunmehr den Auftrag, den Juden Salomon aus Preßburg nächsten Mittwoch vorzuführen. Der Mittwoch erschien und mit ihm Jude und Landjäger. Elfterer gab die Erklärung ab, daß ein Familienname für ihn und seine Nachkommen überaus wichtig sei und er die Sache sich reiflich überlegen müsse; nach langem Nachdenken habe er endlich einen passenden Namen gefunden, doch zweifle er sehr, daß der Herr 'Amtmann damit einverstanden sei. Darauf bemerkte der 'Amtmann, er könne Sonnenschein oder Mond sich nennen, vielleicht sei auch der Name Rothschild schön. Salomon fand die Namen aber nicht passend und erklärte schließlich, er könne sich nicht Rothschild nennen, weil er nicht reich genug sei, und fürchte, bei der Steuerveranlagung mit dem Frankfurter Glaubensgenossen verwechselt zu werden. Die Geduld des Amtspersonals war. nunmehr. erschöpst, und es wurde dem Salomon amtlich erösfnet, daß er nach Ablauf einer Viertelstunde von amtswegen einen Fainiliennamen erhalten werde und in Zukunft wahrscheinlich Lumpacius heiße, «alomon fand wohl Gefallen an dem Namen, meinte aber nach einigem Nachdenken, er könne ihn doch nicht annehmen, weil die Leute — die schöne Endung vergessend — ihn einfach Lump neunen würden; mit einem solchen Nainen könne er aber unmöglich Handelsgeschäfte treiben. 4!ach Ablauf der gestellten Frist ganz in die Enge getrieben, erklärte Salomon sich endlich bereit, den verlangten Namen zu Protokoll zu geben, nur ,nüsse der Herr Amtmann ihm vorher erklären, daß er nichts dagegen habe. Der Amtmann — in der Arbeit vertieft — nickte bejahend und sagte, es fei ihm ganz egal, Ivie Salomon sich nennen wolle. Dieser, sichtlich erfreut,. räusperte sich und erklärte dem Amtmann, er wolle sich in Zukunft wie er —* Freiherr von Schütz nennen. Moderne Heiratsgesuche. „Für 1 Waise, 21 Jahre alt, g e b. I ü d i n, j e d o ch sehr f r eiben k e n d, recht gut, aber solid erzogen, aristokratische Erscheinung, Mitgift vorläufig 126060 in bar, später mehr, suche ich als christl. Vormund passende Partie. Herren in fester Position, wie Richter, Rechtsanwälte, Reg.-Baumeister, Mediziner, höhere Beamte usw. Juden e v e n t. auch getaufte, ersuche um ihre Ofserten unter B. H. 1235 an Rudolf Masse, Berlin SW. Diskretion Ehrensache; Briefe auf Wunsch zurück." (Aus dem Berliner Tageblatt.) Heirat. Ich wende mich diesem Weg zu, um für meinen Verwandten, dem es an geeigneten Beziehungen mangelt,' passende Lebensgefährtin zu suchen. Derselbe ist Anfangs 30, Kaufmann, f r e i - denk. 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