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Neue jüdische Presse · 1904-07-01 · Heft 25 (1.7.1904) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 25 (1.7.1904)
Date
1904-07-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 25. Seite 5. handelt zu haben; — nein; die bewußte Absicht, das Schiff immer weiter nach links zu steuern, hat sie geleitet. Nie kann man es denn anders deuten, wenn kürzlich der Vorstand auf Ko ste n seiner Steuerzahler die Festpredigt des Herrn Rabbiner Dr. Seligmann anläßlich der Philantropin-Feier hat drucken lassen, eine Predigt, welche die religiösen Gefühle vieler Gemeiudemitglieder verletzten mußte. Und wie steht es mit dem Philantropin, das dem Gemeindesäckel 100 000 JL jährlich kostet? — Ich habe bei der Jubiläumsfeier die zahlreichen Namen des Festausschusses durchgcsehen, und ich glaube, daß kaum einer dieser ehemaligen Philantropinschüler seine Kinder wieder in das Philantropin geschickt hat. Und wer von den Mitgliedern des Schulrates oder gar des Gemeindevorstandes hat seine Kinder diese Schule besuchen lassen? — Auch das Philantropin — in seiner heutigen Gestalt wenigstens — ist fine Institution, die, um den persönlichen Wünschen einiger wenigen zu dienen, zum Schaden der Gemeinde geleitet wird. Die ausgesprochen neologen Kreise, in deren Sinne sich das durchschnittliche Lehrerpersonal und der Geist der Schule aufbaut, frequentieren die Schule überhaupt nicht, und es ist deshalb auch kein Wunder, wenn die Schule materiell so ungünstig steht. Das Philantropin kann nur dann wieder ausblühen, wenn es einen religiösen Zug bekommt, damit Kreise, die sich ihm heute fern halten, hinzugezogen werden. — Es war seiner Zeit ein Fehler, das Philantropin ans dem Kompromiß wegzulasseu. So gut wie für die orthodoxen und für die neologen Steuerzahler gesorgt wurde in betreff des Hospitals, daß beide dort existieren können, hätte auch dafür gesorgt werden müssen, daß beiden Richtungen durch — sagen wir — ein unparteiisches, objektives Direktorium des Philantropins Genüge geleistet worden wäre. Nur die Schaffung einer öffentlichen M e i - n u n g in der Gemeinde, kann den gerechten Ausgleich bringen; deshalb Oeffcntlichkeit der Sitzungen! Auch ein Gemeindemitglied. * » * Sehr geehrter Herr Redakteur! Ich bin mit Ihrer Kritik der hiesigen Gemeindeverhältnisse einverstanden und begrüße es, daß endlich einmal jemand den Akut gehabt hat, ein offenes Wort zu sprechen. Uns Konservativen in der Gemeinde jedoch tun Sie unrecht, denn wir sind zu wenig, um Seitensprünge der Gemeindeverwaltung hindern zu können. Ist den Konservativen unserer Stadt überhaupt ein Vorwurf zu Liachen, dann trifft er nicht uns, sondern die, die schuld daran sind, daß unsere Zahl so gering ist. Mit aller Hochachtung ' Ein Konservativer. Bunte Chronik. D i e „D e u t s ch e O r i e n t g e s e l l s ch a f t". In ihrem soeben erschienenen 6. Jahresberichte gibt die „Deutsche - Orientgesellschaft" interessante Mitteilungen über ihre an wichtigen Ergebnissen reiche Tätigkeit. In den Euphrat- und Tigris ländern bildeten den wichtigsten und erfolgreichsten Teil der Arbeiten des Berichtsjahres die am 18. September 1903 von Dr. Kvldewey begonnenen, seit Ende Oktober von W. Andrae geleiteten Grabungen in Assur (jetzt Kalat Schirgat), wo zunächst, ähnlich wie früher in Fara, ein .großes festungsartiges Unterkunftshaus für die Expedition errichtet werden mußte. Gleich im Anfang haben die Ausgrabungen hier einen Palast des Königs Asurnazirpal (9. Jahrh.), welcher mehrfache Veränderungen und Erneuerungen des ursprünglichen Baues deutlich erkennen läßt, ferner einen Tempel und Reste von weiteren Palästen freigelegt. Dabei sind eine große Zahl von Ton- und namentlich Steininschriften gefunden worden, die den ganzen Zeitraum des assyrischen Reiches vom 19. bis zum 7. Jahrhundert v. Ehr. umspannen und unsere bisherigen geschichtlichen Kenntnisse in ersreulicher Weise sehr erheblich "erweitern. Auch Kunstdenkmäler, wie bemalte Tonfliesen, glasierte Ziegel, ähnlich unseren babylonischen, Reliefornamente, Alabasterschalen, mehrere Statuen, io eine des Königs Salmanassar II. (9. Jahrhundert) mit Inschrift, und vieles andere, haben die Arbeiten an dieser aussichtsvollen Stätte bereits jetzt zutage gefördert. In Babylon wurden die Grabungen unermüdlich fortgefiihrt. Nach Beendigung der Arbeiten am Jstartor, von dessen Freilegung der letzte Jahresbericht so Bedeutsames melden konnte, wurde etwas weiter südwestlich die Nordost-Ecke des Süd-Palastes Frankfurter Israelitisches Familienblatt. auf dem Kasrhügel in Angriff genommen, und hier eine größere Anzahl von Palasträumen freigelegt, die einen besonderen Palastteil' zu bilden scheinen. Hier wurden etwa 200 Tontafeln gesunden, die sich ihrem Inhalt nach auf wirtschaftliche Dinge beziehen und aus Nebukadnezars Zeit stammen. Sodann wurde der östlich im Stadtgebiet liegende. Hügel Homera näher untersucht und dabei zunächst die Reste eines griechischen Theaters aufgcfunden. Auf dem Boden Palästinas wurden im vergangenen Jahre zwei Monate lang 'Ausgrabungen in Teil el-Mutesellim, der wahrscheinlichen Stätte des alten Megiddo, vorgenommen. In Egypten hat Dr. Borchardt die 'Arbeiten an der Pyramide und dem Totentempel des Königs Ne-woser-re bei Abusir in diesem Jahre durch eine dritte Kampagne zum 'Abschluß gebracht. Das Innere der Pyramide ist untersucht und, so weit es möglich ist, ausgenommen. Bei den 'Abschlußarbeiten vor der Pyramide ergab sich, daß vor der Südost-Ecke eine kleine Pyramide gestanden hat, die wohl als das Grab der Königin anznsehen ist. Als das wichtigste Resultat dieses Winters ist aber die Freilegung und Aufnahme des monumentalen, mit Säulen geschmückten Portals zu betrachten, das im Tale den 'Ausweg eröffnet. Bisher war nur eine einzige ähnliche Anlage bekannt, die den Anfang des Weges zu dem Sonncnheiligtum des Königs schmückte. Doch ist das jetzt freigelegte Portal zur Pyramide reicher als jenes. Beide aber bilden ein neues wichtiges Glied in der Geschichte der egyptischen 'Architektur. Bo» dem Schmuck der Wände, die den 'Ausweg zu beiden Seiten einfaßten, ist noch genug erhalten, um uns auch hier eine kunstgcschichtliche Ueberraschung zu bieten. Hier war in einer langen Reihe von vortrefflich gearbeiteten Reliefs dargestellt, wie der König als Löwe mit Menschenkopf die Egypten benachbarte» Völker niederwirst. Bisher waren die ältesten bekannten Beispiele dieser Szene um etwa 700 Jahre jünger. Die Gcsichtstypen der Fremden sind vorzüglich getroffen. * « * Cohn contra Kohn hieß der etwas absonderliche Rechtsstreit, der kürzlich vom Amtsgericht und Landgericht zu Gunsten des Verklagten entschieden worden ist. Bei dem Verklagten Kohn hatte sich der Kläger unter dem Namen „Cohr s" um die Stelle eines Reisenden schriftlich beworben und war unter diesem Namen angestellt worden. Erst als er zur Krankenkasse angemeldet werden sollte, stellte es sich heraus, daß er nicht Cohrs, sondern Cohn hieß. Er wurde infolgedessen entlassen, beanspruchte darauf Gehaltszahlung, wurde gegen den Prinzipal klagbar, ist aber in beiden Instanzen mit seinem Anspruch abgcwiesen worden. In dem Urteile des Amtsgerichts heißt es u. a. nach dem Bl. f. Rechtspfl.: „Wenn sich der Kläger dem Verklagten gegenüber bei Abschluß des Vertrages „Cohrs" nannte, so setzte er diesen über eine Eigenschaft in Irrtum. Diese Eigenschaft muß als eine im Verkehr wesentliche angesehen werden. Der Kläger hat sich beim Besuche der Kundschaft dieser mit seinem Namen vorzustellen. Es ist aber eine durch die Erfahrung bestätigte Tatsache, daß ein den Kunden sympathischer Name diese eher zur Erteilung von Bestellungen veranlaßt, als wenn der Reisende einen Massennamen führt. Es kann dem Verklagten ohne weiteres geglaubt werden, daß er den Kläger nicht engagiert haben würde, wenn er seinen wahren Namen gekannt hätte, zumal er mit- Rücksicht auf seine Kundschaft einen christlichen Vertreter engagieren wollte und der Name Cohrs ihn in der Annahme bestärken mußte, einen solchen engagiert zu haben. Mit Recht weist ferner der Verklagte daraufhin, daß die Gleichheit seines eigenen Namens — Kohn — mit dem des Klägers leicht Verwechslungen hätte veranlassen können." Das Landgericht hatte sich diesen Grinden angeschlossen und den Verklagten zur sofortigen Entlassung für berechtigt erachtet, da die Beilegung des Namens Cohrs seitens des Klägers ein unzulässiger Vertrauensmißbrauch sei. „Gerade das Verhältnis des kaufmännischen Prinzipals zu seinen. Reisenden beruht, wie wenige andere Dienstverhältnisse, auf dem Vertrauen des ersteren und der Zuverlässigkeit des letzteren, besonders deshalb, weil der Reisende bei feiner fortgesetzten räumlichen Trennung vom Handelsgeschäfte der unmittelbaren Kontrolle durch den Prinzipal entzogen und seiner eigenen Gewissenhaftigkeit unterstellt ist. Zu der hiernach vom Reisenden dem Prinzipale geschuldeten Offenheit seiner äußeren Persönlichkeit in einer Weise, die den Prinzipal jedem Zweifel hierüber enthebt. Es versteht sich ganz von selbst, daß hierfür oberstes Erfordernis die Nennung des wahren, dem Reisenden rechtlich zukommenden Namens ist." Xosodsr. Koscher. Hotel und Pension Parkhaus Bad Harzbupg. Schönste Lage. — Vornehmes Etablissement I. Banges. — 46 Salons. Illustrirte Prospecte gratis und franco. Briefkasten. 2. B. Der noch existierende Rest chinesischer Juden wohnt in K'aifeng-Tu, Hauptstadt von Honan. Hebräischer Sprachverein, Sonntag den 3., 10. und 17. Juli, fallen die Unterrichtsstunden aus. Familieunachrichteu. (Aufnahme in diese Rubrik kostenlos.) Geburten. Ein Sohn. Herrn Cohn (Steinberg), Frankfurt, gr. Friedbergerstraße 53. Ein Sohn. Herrn Heinrich Strauß (Strauß), Darmstadt. Stiftstraße 7. Ein Sohn, Herrn Hermann Stahl (Kugelmann), München. Verlobte. Helene Dornberger, Dürkheim, mit Heinrich Rothschild. Frankfurt, Uhlandstraße 23. Clara Löbenstein, Hanau, mit Emil Rothschild, Friedberg. Hertha Pollock, Freiburg, mit Hugo Hirschler, Stuttgart. Selmy Guggenheini, Baden, mit Joseph Bernheimer, Gailingen. SterbefSlle. Hannchen Goldschmtdt geb. Mainz, Wwe.. 68 I., Frankfurt, Uhlandstraße 38. Dagobert Friedländer. 79 I., Frankfurt. Josua Lange, 52 I., Frankfurt, Eschenheimer Anlage 7. Mathilde Fränkel geb. Thumauer, 64 I., Nürnberg. Max Maas, 47 I., London, z. Zt. Ems. Das „Frankfurter Israel. Familienblatt" kostet: Franksurt a. M. (durch Postkarte bei der Geschäftsstelle des „Frankfurter Israel. Familienblattes" zu bestellen) Mk. 1.— frei ins Haus pro Vierteljahr. Auswärts (am Postschalter zu bestellen) Mk. 1.02 einschließlich Bestellgeld pro Vierteljahr. Auch im Anslande nehmen sämtliche Postanstalten zu dem gleicheu Preise — in Landesmünze umgerechnet — Abonnements entgegen. Bei direktem Streifband-Bezug von der Geschäftsstelle des „Frankfurter Israel. Familienblattes": in Deutschland Mk. 1,50, Oesterreich- Ungarn Kr. 2.—, Rußland Rubel 1.—, Holland fl. 1.25, Frankreich, Schweiz, Belgien, Italien Frcs. 2.50 vierteljährlich. Wocheu-Kaleuder. Samstag, den 2. Juli. Wochenabschnitt: Pinchos. Sabbath-Ausgang in Frankfurt a. M. 9 Uhr 40 Min., Berlin 9 Uhr 33 Min., Straßburg 9 Uhr 30 Min. Kaiser Friedrich Quelle -Offenbach a. M.- Vornehmstes Tafelwasser. Frtseurgescliaft 1. Ranges gy Schillerstrasse 9. B ST orderncy, h C. Wagner» Dentist, steiuweg 8. Sprechstunden von 9—12 und 2—6 Uhr. Zahnplomben In Gold, Porzellan, Silber n. Emaille, sonie Zahn, krönen n. 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