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Neue jüdische Presse · 1904-06-24 · Heft 24 (24.6.1904) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 24 (24.6.1904)
Date
1904-06-24
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Frankfurter Israelitischer FamMenblM. * Gesinnung zu betätigen hat. Auch nach dieser Richtung muß er gerüstet sein, damit er keine krummen Wege cinschlägt. — Mit dem ABC der Schule beginnt das ABC der Pflichtaufgaben des Lebens, also sobald das Kind in die Schule getreten. Sie, die Bannizwoh-Vorbereitung muß so sein, daß sie vorbildend, anleitend, fortsetzend für das ganze Leven wirkt. Daraus folgt, den Schüler an die Quelle führen, zunächst an den Pentateuch, den Weg zeigen, damit man als Knabe' Jüngling, Mann und Greis selbständig den Lebenstrunk aus dem ewig klaren Born zu schöpfen versteht. Das kann nicht durch sog. systematischen, katechetischen Religionsunterricht erreicht werden. In dem „Al pi darkau“ liegt auch der pädagogische Wink, individuell zu erziehen, vielleicht in dem „Pi“ eine Andeutung von „Tauroh schehaal peh“ in dem „Darkau“ der Gedanke, den Weg des späteren Lebens im Auge zu behalten, den einstigen Dar mizwoh vorbereiten, daß er, wenn er auf seinem Lebenswege mit Gottes-Gesetzesverächtern in Verbindung kommt, standhaft bleibt. In keiner Zeit als gerade in der unsrigen muß man so vorbereitet sein auf das »Wiste, was du zu envidern hast dem Gejetzesverächter." Es wird gut sein, bei passender Gelegenheit die älleren Schüler auf so manche negierende, sezierende Strömung und literarische Produkte aufmerksam zu machen, ihnen das Material zur Verteidigung zu geben, damit sie durch die »Bibel-Babel“-Erzeugniste nicht das Fundament ihrer Gläubigkeit verlieren und stets geistige Waffen zur Hand haben gegen die Amaleksrotte. Hochachtung, Begeisterung für unsere Emunoli und Tauroh wachzurufen, ist Hauptsaktor des Unterrichts. Hinweisen, daß Gesetze neuerer Zeit schon vor 2000 Jahren in der Thora gegeben, wie: gesetzliche Sonntagsruhe, Pfändungsgesetze, strenge Fleischbeschau u. s. w.; betreffs der Nächstenliebe die Priorität der heiligen Thora betonen und die diesbezüglichen Stellen nachschlagen u. s. w.! (Schluß folgt). Aus aller Welt. Deutschland. Frankfurt a. M. Im Hinblick aus den deutschen G o t t e s d i e n ft, den die hiesige Israelitische Gemeinde einzurichtcn beabsichtigt, ist uns von geschätzter Seite die folgende Notiz zugcgangen: „Beim Begräbnis von Mosenthal's Gattin, bei welcher Oberkantor Sulzer die Leichenfeier leitete, wurde Friedr. Hebbel, der zum ersten Male die Laute der Bibel in der Ursprache hörte, so wunderbar ergriffen, das; er sich darüber wie folgt äußerte: Es muß ein wunderbares Gefühl sein, in einer Jahrtausende alten Sprache zu reden; weil sie an ihrer Sprache fcsthalten, sind die Juden ewig. Kein Volk der Erde hat ein Dokument auszuweisen, wie das alte Testament ist. Die Juden allein können noch sprechen, wie Moses sprach, mit denselben Worten, denselben Wendungen.“ Berlin. Der Verband der deutschen Juden. Die konstituierende Versammlung des Ausschusses des „Verbandes der deutschen Juden" hat zu Vorsitzenden der einzelnen Abteilungen die folgenden Herren erwählt: Für die juristische, zur Bearbeitung von Gesetzes- und Berfassungsfragcn bestimmte Mteilung, Herr Rechtsanwalt Dr. H o r w i tz; für die Kommission des Innern zu Verhandlungen mit den jüdischen Gemeinden und Verbänden, Herr Prof. Philippso n; für die literarisch-apolegetische Kommission, Herr Rabb. Prof. M ap b a u m. Der Gesamtausschuß des Verbandes setzt sich aus folgenden 40 Herren zusammen: Rechtsanwalt Dr. Hör Witz, Justizrat Dr. Fuchs, Prof. Dr. Philippson, Justizrat Breslauer, Justizrat Dr. Friedemann, Geheimrat Pros. Dr. Ar o u, Lehrer Dr. Ziegel, Geheimrat Prof. Dr. Pinner, Martin Simon, Oscar Berlin, Oberlehrer Dr. Schneider, Syndikus Dr. Apt, Oberlehrer Dr. Schaefer, Rabb. Prof. Dr. Maybaum, Justizrat Timendorfer, Dr. H. Hildesheimer, Rabb. Dr. Eschelbacher,VerlagsbuchhändlerRud. Masse, Rechtsanwalt Dr. M a k o w e r, Sanitätsrat Dr. Neumann, Dr. Klee, Prof. Dr. Barth, Landgerichtsrat Eugen Löwe (sämtlich in Berlin), Rechtsanwalt Dr. Blau- Fransiurt a. M., Rechtsanwalt Dr. Cohn-Dessau, Landgerichtsrat Wöllstein»Breslau, Rechtsanwalt Dr. Samson-Hamburg, Benjamin Hirsch-Halbersiadt, Stadtrat Fritz Hamburger-Karlsruhe, Bankier Ignatz Goldschmidt- Posen, Philipp S i m s o n - Danzig, Dr. med. Apfel-Köln, Justizrat Dr: Geiger-Frankfurt a. M., Rabb. Dr. Horovitz -Frankfurt a. M., Stadtrat A r o n s o h n - Brombera, Rabbiner Dr. V o g e l st e i n - Stettin, Geh. Hofrat Josepht h a l- Nürnberg, Kirchcnrat Dr. K r o n e r -Stuttgart, Rabbiner Dr. Cohn- Kattowitz, Wilhelm Langenbach- Darmstadt, Geh. Baurat Professor Landsber g - Darmstadt, Prof. Tr. Lassar C o h n- Königsberg i. P., Hermann G u m p e r tz - Haniburg, Rechtsanwalt Dr. L e w i n - Stettin, Geheimrat Prof. Dr. Cohen-Marburg, Geh. Kommerzienrat Prof, n e n t h a l - Dessau und Abraham L e w a n d o w s k y- Hamburg. Als Beisitzer des engeren Ausschusses sollen in der nächsten Ausschiißsitzung fünf außerhalb Berlins ansässige Mitglieder nominiert werden. Personalien. Sprendlingen» Kreis Offenbach. Am Sonntag feierte die hiesige Freiwillige Feuerwehr das Fest ihres 25jährigen Bestehens. Unserem Glaubensgenossen, Herrn Isaak Stern, der noch einzig lebende Gründer der Wehr, wurde vom Großherzog das Ehrenzeichen für 25jährigen treuen Dienst verliehen. Der Jubilar wurde durch eine Ansprache des Vertreters des Großhcrzogs, Kreisrat vom Homberg, besonders ausgezeichnet Herr Stern wird außerdem in kurzer Zeit sein 5 0 j ä h r i g e s A m t sj u b i l ä ii m als 1. Vorsteher der israelitis ch en Gemeinde feiern können. Berlin. Am 8. d. M. ist hier Herr Sanltätsrat D r. Alexander Oppenheim, der leitende Arzt des Sanatoriums am Hansaplatz, gestorben. Oppenheim, der seit 1883 die ärztliche Praxis betrieb, ist wissenschaftlich mehrfach an die Oefsentlichkeit getreten. Nürnberg, iS. Junt Der Juwelier Weng er, Führer der hiesigen Antisemiten, hat sich erschossen. Wcngcr lag mit seiner Frau im Scheidungsprozeß. Stntlgart. Auf dem israelitischen Friedhofe wurde Sonntag vormittag der im Alter von 60 Jahren a ns dem Leben geschiedene Arzt D r. Rosenf e l d zu Grabe getragen. Ein zahlreiches Trauergefolge, worunter auch Oberbürgermeister Gauß und viele Aerzte, gab dem Dahingeschiedenen das letzte Geleite. Grätz. Die Kaufleute Selig B i ck und Markus Jablonski wurden in den Vorstand der jüdischen Gemeinde gewählt. Prag. In L e i p a ist der Sekretär der dortigen israelitischen Kultusgemeinde Herr Wilhelm Flaschner im 60. Lebensjahre verschieden. Budapest. Kaiser Franz Joseph hat den ungarischen jüdischen Reichstagsabgcordneten Theodor W o l f n e r, der bisher Husaren-Oberleutnant a. D. war, zum H u s a r e n - H a n p t m a n n befördert. Es ist dies eine besondere Auszeichnung, weil nicht aktive Offiziere nicht zu avancieren pflegen. Nur drei nichtjüdische Abgeordnete sind bisher dieser Auszeichnung tcilhaft geworden. Aus den Beremeu. Berlin. Der Verein.Jüdisches Genesung s h e i m", der Mmtcr der Leitung des Herrn Martin Simon steht, hat in dem Jahre 1903 358 weiblichen Pfleglingen für durch schnittl i ch vier Wochen A u f n a h m e in dem Heim gewährt. Die erzielten Erfolge waren durchweg gut. In der ordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins, die ' am 13. d. Akts, stattfand, wurden die bisherigen Vorstandsmitglieder wiedergewählt. Es folgte darauf ein Ausflug imch Lehnitz zur Besichtigung des dort gelegenen Genesungsheims. Vakanzen. R u ch h e i m bei Ludwigshafen. Kantor u. Schächter per 1. August evtl, früher. Gehalt 600 Jk nebst freier Wohnung und Nebeneinkünftcn. Offerten an Herrn S. Neuberger einreichen. G o l l u b (Westprenhen). Kantor und Schachet per gleich. Gehalt 1200 Jk und Nebeneinkommen. Meldungen vom Synagogen-Vorstande erbeten. Sprechsaal.*) (Ohne Verantwortlichkeit bet Redaktion.) „Ich bin Friede, auch wenn ich rede; Sie sind des Krieges." (Psalm 120.) Ich bin meinem Freunde, Herrn Dr. Klein, der sich mir gegenüber stets als ein treuer Anhänger des Zionismus aus dem Boden des Baseler Programms ansgegeben hatte und mit dem ich — da ich wohl Zionist bin, aber nicht vollständig auf dem Baseler Programm fuße — deshalb häufig in erregte Diskussion geriet, dankbar, daß «r in der letzten Nummer des „Israelit" in einem antizionistischen Artikel, den Text eines an ihn gerichteten Briefes des Herrn Rabbiner Silber st ein in Waitzen mitteilt, dem zufolge Herr Rabbiner Silberstein keine *) Anschließend ait seinen Auszug aus dem Tel Talpiauth in Nr. 22 unseres Blattes, sendet uns Herr Liepmann Philip Prins den obigen Brief. W» Sk. 24. Verantwortung übernimmt für den Artikel von dem Herausgeber des Tel Talpiauth, worin dieser sich als ein Fürsprecher für den Zionismus zeigt. - Konnte ich dies wissen? — Mit großen Buchstaben steht an deni Haupte des Blattes: „Unter Aussicht des Rabbiners und Gaons Jesaja Silberstein nsw." Und wenn auch in -einer folgenden .Nummer dieses Blattes Rabbiner Schweiger aus Topolschan der Meinung von Rabbiner Kätzburg (dem Herausgeber des T. T.) zugetan ist in der Huldigung des Zionismus, Rabbiner Eph. Lindenfeld aus Sarazpotsacz mit neuen Citaten dem Artikel zustimmt, — auch Rabbiner Bähr Hakohn aus Senzzuocz die Bestrebungen der Führer der zionistischen Bewegung dankbar anerkennt —, so hat es mir doch geträumt, daß Katzburg's Schreiben von vielen, leider vielen, ii ich t mit Freude würde begrüßt - werden. Trotzdem fühle ich mich in meiner Aufgabe, — die eigentlich die Aufgabe eines jeden Juden ist — für das Wohl unserer heiligen Religion zu arbeiten, nur gekräftigt. — Ich schreibe für keine Partei, für keine jüdische Sekte. Ich ergreife das Wort, um dem Judentum zu nützen. — Die Seele von jedem einzeln Juden stand am Sinai. Die heilige Lehre wurde s o eine Erbschaft der gesamten Gemeinde Jacob's. Und die Gemeinde Jacob's ist nicht eine vereinzelte Gruppe. Wenn auch eine einzelne Gruppe alle Institutionen einer jüdischen Gemeinde hegt und Pflegt, hat sie kein Recht dazu, sich als die allein jüdische zu betrachten und sich über andere, die nicht weniger treu für die Pflege der Thora Sorge tragen, zu überheben, beide gehören der jüdischen Gemeinschaft an. Lind selbst jdicj von jüdischen Eltern Geborenen, nicht mehr die jüdischen Mizwaus Beobachtenden, sind und bleiben Juden, so lange sie sich als Juden bekennen. Hauptsächlich jene wieder zu beseelen und sie näher zum Jndentume zu bringen, liegt auf unserem. Wege und nach wie vor — bis es besser Ivird — besteht die jüdische Gemeinde aus Frommen, Gemäßigten und Uebertretern. Bis es besser wird, bis die endgültige Göuloh kommt, welche wir in dein Prophet Elijahu begrüßen, dessen Aufgabe es sein wird, die dann noch Zurückgebliebenen mit seiner Kraft wieder eiiizuvcrleiben. Der Streit der Gruppen und Leiten hat uns den Verlust unserer Nationalität, unseres Tcnipels, nuferes Landbesitzes gebracht. Vor einem halben Jahrhundert hat aber der Abfall von der jüdischen Lehre derartige Propaganda gewacht, daß eine Sammlung der Minorität — denn nur eine Minorität in den Hauptstädten Deutschlands bildeten die Gesctzcstreuen — sich ausraffte, um wieder gesetzestreue Gemeinden zu bilden, und Männer wie Rabb. Hirsch s. A., Rabb. Lehmann s. A. und Rabb. Hildesheimer s. A. verstanden cs, dahin zu wirken, daß man auch mit gesetzestreuen Glaubensgenossen zu rechnen hat. — Aber Stolz, Dünkel und Selbstsucht auf beiden Seiten, haben dazu beigetvagcn, das; Spaltung der Kräfte nicht ausgeblieben ist und wir erheben unsere Fahne, worauf der Spruch: „Ich bin Friede auch wenn ich rede. — Sie sind des Krieges." Nufere abfälligen Brüder sind unsere Gegner nicht mehr, sie gehen ihren eigenen Weg. Gleichgiltig oder garnicht beobachten sie unseren Streit. Und wie in Deutschland, geht es in Ungarn. Orthodoxe und Status - quo - Gemeinden stehen sich feindlich gegenüber. An eine Vereinigung ist nicht zu denken, wenn auch der Streitpunkt, uni den es sich handelt, längst begraben sein sollte. Nun wird von einer Seite, von der man es am wenigsten erwartete, Licht in die Finsternis gebracht. G e s e tz e s ü b e r t r e t e r wollen unseren leidenden Brüder Hülse bringen. Sie glauben, daß diese Hülfe aus Zion kommen wird und lagen es nnverholen: nur dann kann geholfen werden, wenn alle Brüder mit zur Hülfe eilen. Und man stutzt. — Die Frommen haben Furcht, den Gesetzesübertretern mit dem nötigen Zutrauen entgegen zu komnien. Hosfentlich wird allmählich das Zutrauen größer werden, besonders, da eine Besserung aus diesem Gebiete schon heute zu konstatieren ist. In gewissen Kreisen fürchtet man aber, daß, wenn man dem Zionismus Beitritt, dadurch der Streit im eigenen Lager beseitigt wird. Denn die Möglichkeit liegt nahe, daß man sich in den zionistischen Vereinen gegenseitig kennen und würdigen lernt. Für die Neologen ängstigt man sich ja nicht, aber wo sollen die Prediger des Hasses und des Zwistes bleiben? Deshalb auch trauten wir dem Artikel des Rabbiner Kätzburg nicht ganz und völlig. Die Sache hat sich, geklärt. Liepman Philip Prins. Kunst. Der Juni-Ausstellung in Schneiders Kunstsalon wurden neu eingereiht: Ein Pastell .Bismarck" von F. von Lenbach. ein Gemälde von G. Süs, sowie ein Gemälde .Homburg v. d. H." des Frankfurter Künstlers I. G. Mohr. In den Sommermonaten Juni, Juli und August bleibt die Ausstellung Sonntags geschloffen.

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