Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 2 (1904)
- Issue
- Heft 24 (24.6.1904)
- Date
- 1904-06-24
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 5. Nr. 24. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. dem Tone fernen Vortrag, der bald durch die unterbrechenden Einwendungen und Widerlegungen der Schüler immer lebhafter wurde. Ms eben die Diskussion am heftigsten war, öffnete sich die Türe und der Gemeindevorsteher trat mit hastigen Schritten ein. „Verzeihen Sie, Rabbi, daß wir Sie im Lernen stören; schaffen Sie schleunigen Rat; die Gemeinde ist in höchster Not!" „Was ist vorgefallen?" fragte der Rabbi erschrocken. „Unsere Gemeinde muß wiederum und zwar innerhalb acht Tagen, fünfzig Mann zum Kriegsdienste stellen." „Schon wieder Truppenaushebung: wir haben doch 'erst vor sechs Monaten eine gehabt!" (Fortsetzung folgt.) Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Geehrter Herr Redakteur! Ihre Mitteilungen aus dem Z-ranksurter Ge mein beleben haben großes Interesse hervorgerufen, denn man erfährt ja in'Frankfurt garnicht, was hinter den Kulissen sich abspielt. Es gibt da einige Regisseure, die einen Spielplan anfertigen und der wird dann dem Publikum angeboten. Wenn das Programm Beisall sinket, geht man zu größeren Taten vor. Das ist sehr traurig! Im Gegensatz zu anderen Gemeinden, wo alle Verhandlungen öffentlich stattfinden und die Zeitungen alles dem Publikum mitteilen können, werden uns hier nur kait aeeowplis gebracht. Die vor 40 Jahren geplante Reform, die von gutgemeinter Seite das Judentum stützen wollte, hat gezeigt, daß man damit nicht auskommt und hat s. Zt. eine Spaltung in der Gemeinde hervorgerufen, ohne einen Erfolg zu hinterlassen. Der große Kreis von begeisterten Männern von damals ist zu.einer heutigen; Minorität cingeschrumpft, und der heutige Versuch geht nur von Einigen aus, die keine Hintermänner haben; sie sind auf der Entdeckung begriffen und schaffen ein neues Gebetbuch und einen provisorischen Gottesdienst. In Mnerika hat man früher Städte mit Kirchen und Häusern gebaut und auf den Zuzug gewartet, der auch cintraf; — ob dieses Experiment hier anwendbar ist, wird stark bezweifelt. Ein Gemeindenlitglied. Bncherschan. 4 0. Jahresbericht der Israelitischen T h eologische n Le h ran st altin Wiens ür das Schuljahr 1002—1903. Voran geht die Gesetze Hammurabis und die mosaische Gesetzgebung von Hofrat Prof. Dr. D. H. Ai tt l l e r. Wien 1903. Im .allgemeinen kann uns Osfenbarungsgläubigcn ziemlich gleichgiltig sein, was über die Entstehung des mosaischen Gesetzes geschrieben wird, ob sie aus Hammurabis Gesetz sich herauskrhstallisiert hat oder nicht. Wir werden in ihm immer die ewig geltende unabänderliche Willensäußerung des ewigen Gottes. Israels erkennen und anerkennen. Wenn wir auf obige Arbeit dennoch hier zurückkommcn, so hat dies seinen Grund lediglich darin, daß sie als Programinärbeit einer Anstalt erscheint, deren Zweck es ist, Rabbiner heranzubilden, und weil ihre Veröffentlichung als Programmarbeit einer solchen Anstalt einen Rückschluß erlaubt auf die Tendenzen, die wohl bei der Ausbildung von Rabbinern an einer solchen Anstalt gelten mögen. Hofrat Müller weist die Anuahiue, Moses sei von Hammurabi abhängig, zurück, lediglich aus dem Grunde, weil die Thora mit ihrer knappen Diktion und ihrer schwächer entwickelten Kasuistik ein viel ursprünglicheres Gepräge habe, als Hammurabis Gesetz. Die Aehnlichkeit mit diesem führt Müller zurück auf eine gemeinschaftliche, ältere Quelle, aus der sowohl Moses wie Hammurabi geschöpft haben, und zwar 4nuH nach ihm, diese Quelle als „z u s a m m e nhängendes System in best'immter Fassung, Gruppierung und Reihenfolge" auf Moses überkommen sein. Das ist doch eine ganz klare Leugnung der Offenbarung. Wir wollen hier nicht'darauf eingehen, auf die' himmelweiten Unterschiede zwischen beiden Gesetzgebungen hinznweisen, oder die Aehnlichkeiten beider anderweitig zu erklären. Nur eins wollen wir bemerken. Müller hat seinem Werke eine Uebersetzung des Hammurabi'schen Gesetzes ins Hebräische beigegeben, wobei er sich bemüht, nach Tunlichkeit den biblischen Ausdruck für den babylonischen zu geben, andererseits aber dieselbe Wurzel und dieselbe Wendung wie im babylonischen zu gebrauchen. Wenn Müller durch diese Uebersetzung einen Vergleich zwischen Thora und Hammurabi liefern wollte, der die Verwandtschaft beider dartun soll, so ist ihm dies, wie ja nach den Grundsätze^, die ihn bei der Uebersetzung leiteten, nicht anders zu erwarten, nicht gelungen; den» diese Uebersetzung ist ihrer Sprache nach durch und durch ünbiblisch, ja sie trägt zu sehr den Stempel sklavischer Uebersetzung an sich, um überhaupt hebräisch zu sein. 8. h. L. Prag. JüdischeSchriftenvon M. D e I o n g e, D r. j u r. Verlag von Hugo Schildberger, Berlin NW. 1903. I. Höret Rathenau und Genossen. 56 Seiten. Oktav. 1 Jk II. Jerusalem oder Mo Nikosia. 63 Seiten. Oktav. 1 Jk Dem Rezensenten wird seine Ausgabe sehr erschwert, wenn der Verfasser gar zu viel Persönliches in sein Werk einsließen läßt: er wird Mühe haben, seine Unbefangenheit zu wahren. Besonders gilt dies, wenn der Autor eine so bewegte Vergangenheit hinter sich hat und auch seine gegenwärtige Stellungnahme zu großen in Betracht kommenden Fragen so unklar ist, wie die des Dr. M. De Jonge. Tr. M. Jonge ist gebürtiger Jude, ließ sich taufen, wurde Antisemit und will jetzt wieder Jude werden unter gewissen evangelischen Vorbehalten. Doch wir wollen uns von diesen biographischen Angaben des Verfassers nicht beirren lassen und seine Schriften unparteilich prüfen. In der ersten bekämpft De Jonge mit sehr gut angewandter Ironie die Assimilationstheorie des bekannten Berliner Bankdirektors Rathenau. Er weist seinem Gegner nach, wie dieser selbst sich so wenig von den ihm verhaßten jüdischen Angewohnheiten freizuhalten weiß, daß sie sogar in seinen Assimilationsschriften immer wieder zum Vorschein kommen. Er weist weiter nach, wie all die großen Apostel der Assimilation ihre Erfolge nur dem Umstande zu danken haben, daß sie mit erzjüdischen Geistesmitteln und mit erzjüdischer Methode arbeiteten. Das Büchlein schließt mit einem begeisterten Ausblick auf die Zukunft Israels. Das zweite Schriftcheu enthält einen sehr scharfen Protest De Jonges gegen das zionistische Ostafrikaprojekt in Form einer ungehaltenen Rede. Die Anhänger ilnd Freunde des Ostasrikaprojektes dürfen sehr zufrieden sein, daß diese Rede nicht gehalten wurde; denn sie hätte gewiß mächtigen Eindruck gemacht. Bei der Lektüre von De Jonges Schriften stört ein gewisser mystischer Zug. Auch tragen manche Stellen, so insbesondere die Titel seiner angekündigten Schriften, zu sehr den Stempel der Sensationslüsternheit. 8. 4L L. Prag. Das „Frankfurter Israel. Familienblatt" kostet: Frankfurt a. M. (durch Postkarte bei der Geschäftsstelle des „Frankfurter Israel. Familienblattes" zu bestellen) Mk. 1.— frei ins Haus pro Vierteljahr. Auswärts (am Postschalter zu bestellen) Mk. 1.02 einschließlich Bestellgeld pro Vierteljahr. Auch im Anslande nehmen sämtliche Postanstalten zu dem gleichen Preise — in Landesmünze umgerechnet — Abonnements entgegen. Bei direktein Streifband-Bezug von der Geschäftsstelle des „Frankfurter Israel. Familienblattes" : in Deutschland Mk. 1,50, Oesterreich- Ungarn Kr. 2.—, Rußland Rubel 1.—, Holland fl. 1,25, Frankreich, Schweiz, Belgien, Italien Frcs. 2,50 vierteljährlich. Koscher. Koscher. Hotel und Pension Parkhaus Bad Harzburg. Schönste Lage. — Tornehmes Etablissement I. Sanges. — 46 Salons. Illastrirte Prospecte gratis and franco. Frankfurter Zionistische Vereinigung. Mittwoch, den 29. Juni, abends 9 Uhr, im KursaalMilani: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: .Das nationale Moment im Zionismus." Referent: Herr Fritz Sondheimer. Familieurrachrichtev. (Aufnahme in diese Rubrik kostenlos.) Geburten. Ein Sohn, Herrn A. Wertheimer (Hochschild), Frankfurt, Obermainanlage 3. Ein Sohn, Herrn A. Haymann (Kahn), Frankfurt, Hermannstraße 39. Einen Sohn, Herrn Sigm. Bacharach (Goldschmidt), München Aufgeboteue. Moritz Kohn. Frankfurt, mit Jda Wallach, Frankfurt. Eheschließungen. Nathan Kirschbaum mit Gleichen geb. Gnggen« heimer, Nürnberg - Sterbefälle. Siegmund Wolff, Frankfurt. Koselstraße 54. Chaja Beermann, geb. Bassin, 46 I., Königswarterstraße 26. Arthur Wurzinger, 10 Mon., Nürnberg. Rudolf Weinschenk, sind, med., 24 I., Nürnberg. Fflp den Herrn Baron anf Hr. K sofort I eine Schachtel von Fay's ächten Sodener Mineral- Pastillen, so sagt der Hotelportier zum Hausdiener. — Er hat sich gestern bei der verregneten Tour tüchtig erkältet und morgen will er unbedingt wieder frisch sein. Und dazu helfen ihm. wie er sagt, am schnellsten die Sodener. Also schnell eine Schachtel, oder besser zwei — die zweite behalte ich dann selbst, denn auch mir tut der Hals verdächtig weh und die Sodener können mir auch nichts schaden. Ueberall ä 85 Pfg. per Schachtel erhältlich. Barmizwohs. (Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit. Wir bitten um gesl. Mitteilung der Barmizwohs; die Aufnahme geschieht kostenlos.) Samstag, den 25. Juni, Barniizwoh des Arthur Meyer, Sohn des Herrn D. Meyer, Neue Zeil 10, in der Neuen Gemeinde-Synagoge am Börneplatz. Wochen-Kalender. Samstag, den 25. Juni. Wochenabschnitt: Bolok. Sabbath-Ausgang in Frankfurt o. 501. 9 Uhr 40 Min., Berlin 9 Uhr 35 Min., Straßburg 9 Uhr 30 Min. Kaiser Friedrich Quelle -Offenbach a. M.-- Vornehmstes Tafelwasser. Frlsenrgesebäft f. Ranges KP“ Schillerstras.se S Norderney, C. Wagner, Dentist, steinwegs. Sprechstunden von 9—12 und 2—8 Uhr. Zahnplomben in Bold, Porzellan, Silber o. Emaille, sowie Zahn* krönen n. Gebisse ln Gold, Platin u. s. w. ln nur feiner Ausführung. Schmerzlose Behandlung unter Garantie. Luna-Sect-Perle bestes alkoholfreies Erfrischungs-Getränk. Ueberall erhältlich. Preis pro Flasche 20 Pfennig excl. Bei Bezug für den Hausbedarf durch die Berkaufsstellen 15 Pfg. excl. L. W. Wagner & Co., Frankfurt a. H. Telephon 6899. Art ttttfece Tcfcc! Wir richten an unsere Leser, welche das Blatt bei der Post abonniert haben, die Bitte, das Abonnement für das dritte Quartal 1904 rechtzeitig zu erneuern, damit die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleidet. — Preis pro Quartal inkl. Franko-Zusendung 1,02 Mark. Diejenigen Abonnenten, welche unsere Zeitung von uns direkt beziehen, erhalten dieselbe ohne besondere Erneuerung des Abonneipents fortlaufend zugesandt. Nach Beginn des neuen Quartals können wir Abbestellungen nicht mehr annehmen. ö®“ Infolge vielfacher an uns ergangener Anfragen und um den Wünschen der meisten unserer geehrten Abonnenten zu entsprechen, erklären wir uns gern bereit, der Einfachheit und der Porto-Ersparnis wegen Abonnementsbeträge auch für mehrere Quartale <uf einmal im voraus entgegenzunehmen. Die Geschäftsstelle des „Frankfurter Jsr. Familienblattes."