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Neue jüdische Presse · 1904-06-17 · Heft 23 (17.6.1904) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 23 (17.6.1904)
Date
1904-06-17
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 23. waren und die das Leben, das die meisten von ihnen in den Hauptstädten Europa's kennen gelernt hatten, in der Heimat fortsetzten. Nach den Theater und Konzerten spielten sie Nächte durch oder feierten die wildesten Orgien. Es war ein Wunder, daß Kurt bei diesem wüsten Leben noch arbeitsfähig blieb. Er aber nahm jeden Morgen um sieben Uhr ein kaltes Bad und war dann den ganzen Tag der eifrigste, unermüdlichste Arbeiter, der nur an seine geschäftliche Tätigkeit dachte. Wenn aber sein Vater zu Hause war, so leistete er ihm jeden Abend Gesellschaft. Nachdem sein Vater zur Ruhe gegangen war, zog er sich ebenfalls in sein Schlafzimmer zurück, — um Toilette zu machen, auszugehen und erst beim Morgengrauen wieder heimzukommen. — N Zu sehr vorgerückter Nachtstunde saßen einige Herren in einem Zimmerche» einer eleganten Weinwirtschast zusammen. Dichter Cigarettenranch beengte den Atem, leere Weinflaschen und auf dem Tisch verstreute Spielkarten zeigten, womit sich die Gesellschaft bis jetzt beschäftigt hatte. Ein Herr sagte gähnend: „Wir wollen im Wiener Cafe noch eine Tasse Mokka trinken und dann schlafen gehen." Kurt Ehrmann schaute auf die Uhr. „Ich muß leider Ihre Gesellschaft verlassen, meine Herren, ich habe noch einen Gang zu Machen." „Einen Gang um halb zwei Uhr morgens? Das läßt tief blicke», sagt Sabor. Jetzt erwartet Sie aber sicher Niemand mehr." „Gewiß. Ein Mann wie ich wird eben immer erwartet." . Alle lachten. „Na, dann dürfen wir Ehrmann nicht aufhalten. Wir gehen übrigens alle." Die Herren entfernten sich. Kurt trennte sich am Wiener Cafe von ihnen und ging raschen Schrittes der Neustadt zu. Er hatte einen glühenden Kopf: die kühle Nachtluft erfrischte ihn und so wandelte er nun langsamer durch die Allee. Als er durch die Ulmenstraße schleuderte, sprangen plötzlich, aus einem Vorgärtchen kommend, zwei Kerle vor ihn und verstellten ihm den Weg. „Lieber Herr, haben Sie nicht ein paar Groschen, wir haben Durst." „Laßt mich in Ruhe, so spät gebe ich nichts." „Was, Du willst schimpfen, drauf Jupp, auf ihn!" Und die Strolche sprangen mit erhobenen Mitteln auf ihn ein. Er wehrte sie kräftig ab, laut um Hilfe rufend. 'Da traf ein Schlag seinen Kopf, sodaß er zu Boden taumelte. Die Kerle stürzten sich auf ihn. Den Hilferuf aber hatte ein Radfahrer gehört, der . des Weges kam. Der sauste heran,- sprang vom Rad und versetzte den Straßcnräubern solch kräftige Faustschläge, daß sie die Flucht ergriffen. Dann wandte er sich an Kurt, der sich mit seiner Hülse aufrichtete, sich aber an ihm anklammern mußte, da alles vor seinen Blicken schwankte. „Ich bin gerade zur richtigen Zeit gekommen. Sind Sie verletzt.?" »Ich glaube wohl. Mein Schädel brummt bedeutend und ich blute; ich bin so schwindlig, daß ich.kaum gehen kann." „So kommen Sie mit nach meiner Wohnung, es sind nur wenige Schritte." Der Retter, ein kräftiger, junger Mann, faßte Kurt, welcher schwankte, aber bei der tatkräftigen Unterstützung doch gehen konnte und sic kamen so in wenigen Minuten vor ein Haus, aus dem Lichtschein auf die Straße blickte. Der junge Mann sprach für sich: „Sie sind noch nicht zu Bette, was soll das bedeuten?" , ' Sie traten ein, das Rad ließ man in dem Hausflur stehen und der junge Mann öffnete die Tür des' Wohnzimmers^ Dort befanden sich eine ältere Frau und ein junges Mädchen. Die erhoben sich überrascht, als sic den Fremden bemerken. „Mutter, der Herr wurde das Opfer eines lieber-, salls. Wir müssen nach seiner Stirn sehen, die von einem Schlag getroffen wurde." Kurt murmelte eine Entschuldigung und ließ sich halb ohnmächtig aus einen Stuhl fallen. Die Mutter trat herbei, nahm seinen Hut ab und nun sah man, wie das Blut aus einer Wunde am Kopse quoll. „Fanny, hole Wasser und Tücher," sagte die resolute Frau ohne langes Besinnen. Während die Mutter die Wunde mit kaltem Wasser wusch und Kompressen vorbereitete, fragte der junge Mann seine Schwester: „Weshalb seid Ihr denn »och nicht zur Ruhe gegangen?" „Die Mutter wollte Deine Heiinkehr abwarten und Deinen Bericht über das Fest hören." Er rief mit verstelltem Zorn: „Ich sagte Euch doch, das es sehr spät würde und Ihr entzieht Euch trotzdem den, besonders der Mutter so notwendigen Schlaf. Wenn das noch einmal vorkommt, ziehe ich aus." Frankfurter Jsrurl»>,uieS Familienblatt. Das Mädchen lachte über diese nicht ernst gemeinte Drohung. Kurt aber zuckte, als er die Worte hörte, die er ebenfalls seiner Mutter — aber unter welch' anderen Verhältnissen — entgegengeschleudert hatte. Die Kompresse und der Verband waren fertig. Unter der Behandlung mit dem kühlenden Wasser war die Betäubung Kurt's geschwunden, aber ein heftiger Schmerz machte sich fühlbar. „Jetzt darf ich aber Ihre Güte nicht länger in Anspruch nehmen und werde nach dem benachbarten Hospital gehen, um meine Wunde untersuchen zu lassen." „Dazu rate ich auch, ich begleite Sie die kurze Strecke." „Wenn ich Sie den Ihrigen noch länger entziehen darf, mache ich von Ihrer Güte gerne Gebrauch, ich fühle mich iu der Tat recht schwach. Empfangen Sie für jetzt meinen tiefgefühlten Dank. Sie werden mir erlauben, demselben nochmals Ausdruck zu verleihen, sobald meine Wunde mir dies ge- 'tattet. Mein Name ist Ehrmann." „Kurt Ehrmann?" „Kurt ist mein Bornanie, "sagte er erstaunt. „Dann kennen wir uns doch schon länger. Ich bin Fritz Weber, hier meine Mutter, meine Schwester Fanny." Ein sonniges Lächeln erhellte die Züge Kurt's. Die schönsten, süßesten Erinnerungen seiner Kindheit waren ja mit der Familie Weber verknüpft. Er drückte wiederholt die Hände seiner Retter. „Jetzt möchte ich fast meinen Unfall segnen. Frau Weber, ich hätte Sic wiedererkennen müssen. Sie haben sich nicht verändert, aber Fräulein Fanny, was sind Sie groß geworden." Das schlanke, schöne Mädchen blickte ihn lächelnd au. „Als Sie mich zuletzt sahen, war ich vielleicht vier Jahre alt. Inzwischen mußte ich wirklich wachsen." Alle lachte». Fritz, der sah, daß Kurt's Züge sich in einem neuen Schmerzansall verzogen: sagte: „Herr Ehrmann, erneuern wir diese Erinnerungen später, jetzt müssen Sie nach Ihrer Wunde sehen lassen." Nach herzlichem Abschied entfernte sich Kurt mit Fritz. Es währte einige Zeit, bevor zu so früher Stunde der Arzt zur Stelle war. Er sondierte die Wunde und bemerkte: „Dank Ihrem Hut und ihrem feste» Schädel ist die Sache unbedeutend. Wir legen ein Pflaster und einen Verband an und die Geschichte ist dann in kurzer Zeit wieder zugeheilt." Draußen sagte Fritz: „Jetzt begleite ich Sie bis an Ihre Wohnung. Ich lasse Sie unter keinen Umständen alleine gehen." „Ich nehme das auch gerne an, Herr Weber. Aber" — sprach er plötzlich in aufquellendem Gefühl — „wir wollen wieder Freunde sein wie früher und uns duzen. Ist es Dir recht, Fritz?" „Gerne die förmliche Anrede will mir nun auch nicht mehr gefallen." „Wie geht es Euch denn, was fängt Dein Vater an?" „Der ist Gottlob wohl. Er braucht sich nicht mehr anzustrengen und die Ruhe bekommt ihm gut." „Und Tante Rika?" „Sie ist schon über zehn Jahren im Gan Eden." Kurt war ergriffen. ,^8or Tante Rita hatte ich Ehrfurcht. Sie war weise und herzensgut. Und wie geht's Dir und Fanny?" „Ich bin Ingenieur, angestellt in der Dampfkesselfabrik Jupiter. Fanny ist Buchhalterin. Es ist noch ihre erste Stelle. Sie ist die Einzige im Geschäft, die Sabbat nicht arbeitet. Dafür ist sie auch der Liebliqg unseres Vaters, der sie mir immer als leuchtendes Beispiel hinstellt. Wie geht es Dir denn, alter Junge, und Deinen Eltern?" Kurt erzählte kurz seine Karriere „und meine Eltern sind beide gesund." Inzwischen waren sie an Kurt's Wohnung angelangt und die jungen Leute trennten sich mit festem Händedruck. (Fortsetzung folgt.) Ans dem Geschästsleben. Ein neues Feuerlösch mittel. Mit einem neuen Feuerlöschmittel wurden aus dem Fabrikhofe der Firma Jlpfelstedt u. Rietz, Burgstraße, sehr interessante Feuerlöschproben unternommen, die bei dem zahlreich erschienenen Publikum, bestehend aus Vertretern der Presse, aus Delegierten von Behörden, sowie Interessenten einen guten Eindruck hinterließen. Ein großer Holzstoß, Putz- und Holzwolle, übergossen mit Benzin, Petroleum und Teer unter Zusatz von äußerst feuergefährlichen Cellüloidabfällen, wurde angezündet und nachdem die. Flammen heftig aufloderten, mit dem Feuerlöschapparat Blitz iiu Augenblick gelöscht. Zur Bekämpfung des Feuers genügte das einfache Ausstreuen eines kleinen Quantums des Löschpulvers. Wie Jedermann weiß, ist bei Feuersgefahr d i e erste und schnellste Hülfe hie beste. Das neue. Feuerlöschmittel der Firma Apfelstedt u. Rietz, Seite 5. dessen unbedingte Zuverlässigkeit bereits von Behörden und ersten Firmen geprüft und anerkannt wurde, dürste daher für Wohn- und Gechästshäuser, für Fabriken, Hotels nsw. sich als ei» unentbehrliches F e u e r l ö s ch m i t t e l erweisen. Familieuuachrichteu. (Aufnahme in diese Rubrik kostenlos.) Geburten. Eine Tochter, Herrn Leopold Herzfelder (Wcrtheimer), Nürnberg. Eine Tochter. Herrn Josef Hackenbroch (Feuchtwnnger), Frankfurt a. M. Eine Tochter. Herrn Maier Löwenthal (Ehrmann), Darmstadt. Ein Sohn. Herrn Alex Wertheimer (Hochschild), Frankfurt a M. Verlobte. Bartel Marx, Mainz, mit vr. meä. Alfred Luß, Mannheim. Gutta Oppenheimer, Fr.-Crumbach (Hetzen), niit Albert Rubel. Hochspeier (Pfalz). Rosa Lilienfeld, Weiskirchen, mit Simon Meyer, Hainhausen. Rosa Hockenheimer, Mannheim, mit Friedrich Ellinger, Stuttgart. Jenny Schiff, Oberthulba, mit Simon Bogel, Mainz. Aufgebotene. Max Julius Braunthal, Frankfurt a. M., mit Elsa Bock, Frankfurt a. M. Sterbesälle. Regina Rindsberg, geb. Katz, 86 I., Nürnberg. Jsaac Frießner, 58 I., München. Sette Mayer, 57 I., Hainhausen. Milly Hirsch, Friedberg. Mindel Tulczinska Wwe. (geb. Charal), 74 I., Frankfurt. Trauungen. (Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit. Wir bitten um gefl. Mitteilung der Trauungen; die Aufnahme geschieht kostenlos.) Dienstag, den 28. Juni. Trauung des Herrn vr. mell. Simon Fromm aus Frankfurt a. M. mit Fräulein Jenny Moos aus Gailingen, in Karlsruhe Aaden), Eintrachtssaal, Nachm. 1'/» Uhr. Barmizwohs. (Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit. Wir bitten um gesl. Mitteilung der Barmizwohs; die Ausnahme geschieht kostenlos.) Samstag, den 18. Juni. Barmizwoh des Arthur Heinemann, Sohn des Herrn Alb. Heinemann, Wittelsbacher Allee 3. in der Neuen Gemeinde- Synagoge (Börneplatz). Wochen-Kalender. Samstag, den 13. Juni. Wochenabschnitt: Korach. Sabbath-Ausgang in Frankfurt a. M. 9 Uhr 35 Min., Berlin 9 Uhr 39 Min., Straßburg 9 Uhr 33 Min._ Kaiser Friedrich Quelle -Offenbach a. 31. — . Vornehmstes Tafelwasser. Frisenrgesehäft 1. Ranges EST SchiUerstrasse 9. "MgU Koscher. Koscher. Hotel und Pension Parkhans Bad Harzburg. — Schönste Lage. — Vornehmes Etablissement I. Banges. — .40 Salons. Illustrirte Prospecte gratis und franco. Das „Frankfurter Israel. Jamilieublatt" kostet: Frankfurt a. M. (durch Postkarte bei der Geschäftsstelle des „Frankfurter Israel. Familienblattes" zu bestellen) Mk. 1.— frei ins Haus pro Vierteljahr. Auswärts (am Postschalter zu bestellen) Mk. 1.02 einschließlich Bestellgeld pro Vierteljahr. Auch im Auslaude nehmen sämtliche Postanstalten zu dem gleicheu Preise — in Landesmünze umgerechnet — Abonnements entgegen. Bei direktem Streifbaud-Bezug von der Geschäftsstelle des „Frankfurter Israel. Familienblattes": in Deutschland 'Mk. 1,50, Oesterreich- Ungarn Kr. 2.—, Rußland Rubel 1.—, Holland fl 1,25, Frankreich, Schweiz, Belgien, Italien Frcs. 2,50 vierteljährlich.

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