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Neue jüdische Presse · 1904-05-19 · Heft 19 (19.5.1904) · p. Seite 12

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 19 (19.5.1904)
Date
1904-05-19
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Leite 12 Frankfurter Israelitischer Familienblatt. Str. 19. Jahrbuch hat in der inländischen und ausländischen Presse zustimmende und anerkennende Beurteilungen erfahren. Die als Lösung der Preisaufgaben ein« gereichten Arbeiten konnten leider nicht als befriedigend erkannt und preisgekrönt werden, der Vorstand hat vielmehr eine Verlängerung der Einlieferungssrist beschlossen und wird demnächst Näheres darüber veröffentlichen. — Im vergangenen Frühjahr hat vor einer zahlreichen Versammlung, zu der die Jüd.- Lit. Gesell, ihre Mitglieder in Frankfurt a. M. und dessen Umgebung eingeladeu hatte und zu der sich auch viele andere eingesnnden hatten, Herr Prof. Barth aus Berlin einen mit ungeteiltem Beifall aufgenommenen Bortrag über: „Der Monotheismus und die Ausgrabungen" gehalten, dessen Veranstaltung dem Vorstände allseitige Anerkennung brachte. Das zweite Jahrbuch ist bereits in Vorbereitung, es wird wiederum Beiträge bedeutender Gelehrter enthalten und voraussichtlich, etwas früher als das vorjährige, vor Schluß des Jahres erscheinen. In Hamburg hat sich im abgelaufenen Jahre ein Lokalkomitee gebildet, an dessen Spitze Se. Ehrw. Oberrabbiner. Hirsch steht, und das mit großem Erfolg die Propaganda in Hamburg und Altona betätigt hat. Andere Lokalkomitees sind in der Bildung begriffen; inzwischen ist al>er auch, ohne daß die persönliche Propaganda bisher ausgenommen werden konnte, die Zahl der auswärtigen Mitglieder weiter geMchsW. Demgemäß lieferte auch der vom Kassier erIMete Bericht ein im allgemeinen erfreuliches Bild girtgr^Entwicklung. Immerhin ist aber die bisher gelerstMjjArbeit, wie beide Berichterstatter betonten, erst-^-der Anfang dessen, was der Jüd.-Lit. Gesell. alsjMel,: ihres Strebens gesetzt ist und bedarf dieselhgdizW! Lösung der umfassenden Arbeiten auch eine Weigerung der finanziellen Kräfte. Die DiskussipMtzxrgab die Zustimmung der Versammlung. EMge, /Mpegun gen aus deren Mitte betr. äußere AgMgttgisg des Jahrbuches wurden vom Vorstand -apMtzwntgegcngcnommen und ihre Berücksichtigung z^gtzsggt^iiDer geschäftliche Teil schloß mit der Wahl dexjKepifoxen. i.-iKsem,„geschäftlichen Teil war satzungsgemäß ein wissenschyfflicher Vortrag vorausgegangcn. Herr R<gjb,bMer St. Bondi aus 0Ji ainz sprach über deNsiAi^pr des Gaon Saadia und berichtete auf GWNtzn/einer Arbeiten nach dem Manuskript der BytzißMid und seinen Forschungen in de» aus der Kasrp-Geniza stammenden Fragmenten über den Jnhal,tj,,«nd die Anordnung dieser ältesten uns erhchshenen Gebetordnung sowie über das hohe Interesse, das' sie nicht nur für den Erforscher der hebräischen Poesie, sondern auch für denjenigen biete, der sich mit der Halacha beschäftigt. Der Bortraz wird demnächst ün Druck erscheinen; es wird dann Gelegenheit gegeben sein, seine wissenschaftlichen Ergebnisse näher zu würdigen. Frankfurt a. M. Dienstag, den 17. Mai fand im Restaurant Kursaal eine gut besuchte Mitgliederversammlung des Zionistischen Vereins statt, die sich namentlich mit den Anträgen für den am Pfingstmontag und Pfingstdicnstag in Hamburg stattfindenden deutschen Dclegierteutag beschäftigte. Zu Delegierten wurden bestimmt: Goitein, St. med. I. Mayer, Sondheimer. Ein Antrag, Herrn Rabbiner Roth in Papa ein Vertrauensvotum zu geben, fand einstimmige Zustimmung. Frankfurt a. M. Verein Montefiore. Der Bereut, der es unter seine vornehmsten Aufgaben zählt, jüdischen jungen Leuten ein angenehmes Heim zu bieten, hat in seinen Vereinsränmcn während der letzten Woche eine Frequenz von 225 Mit* gliedern zu verzeichnen. Es ist dies die höchste Ziffer, die der Verein — abgesehen von den ersten Tagen der Eröffnung seiner Lokalitäten — je erreicht hat und sie bildet einen erfreulichen Beweis dafür, daß die Mitglieder sich in den Institutionen des Vereins wohl fühlen. Der neue Hausverwalter, Herr I.!Fuld, ist nach Kräften bemüht, den Mitgliedern den Aufenthalt recht angenehm zu tnachcu. Eine stets wachsende Bibliothek sowie eine reiche Auswahl von Tages- und Wochenschriften stehen zur Verfügung und sorgen gemeinsam mit den auflicgendeti Spielen für angemessene Unterhaltung. Auch verfügt der Verein über eine Anzahl jüdischer Werke (Sforim), die sich einer regelt Benutzung erfreuen. Der Vorstand wird, um seinen Mitgliedern auch in der heißen Jahreszeit einen angenehmen 'Aufenthalt bieten zu köiuien, in aller Kürze den großen, schönen Garten des Lokals Herrichten lassen und seinen Mitgliedern über dessen Eröffnung noch besonderes dlvis zugechn lassen. Frankfurt a. M. Der Verein für jüdische Krankenpflegerinnen übte 1903 in Frankfurt 115, auswärts S Pflege» ohne Unterschied der Konfession aus bei 2811 Pslegctagen und 230 vollständigen Nachtlvachen. Die Armcnschwestcrn wurden von 200 Kranken in Anspruch genommen. Die Einnahmen der Hauptkasse beliefen sich auf 20 621 Mark, die Ausgaben auf 11318 JL, für Ferienreisen der Schwestern gingen 2500 AL ein, der Pensionsfonds erhielt 10019 AL an Geschenken und beträgt jetzt 21260 AL Frankfurt a. M. Vorigen Sonntag hielt der Hebräische Sprachverein, eine Mitgliederversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr S. Geis, wies in seinen einleitenden Worten darauf hin, daß er in privater Unterhaltung mit den Mi« gliedert» schon des öfteren Gelegenheit genommen habe, zu betonen, daß der Verein mit der Erlernung der hebräischen Sprache keiner Liebhaberei, sondern eitnem ganz bedeutenden ideellen Zwecke diene. Die heutige Versammlung sei die erste, seitdem der Verein in Tätigkeit getreten sei, und halte Redner es deshalb für angebracht, die' Worte, die er die Ehre habe, an die Mitglieder zu richten, mit einer Beleuchtung der Bedeutung des voin Vereine Erstrebten zu beginnen. Wer nicht achtlos an dem jüdischen Leben unserer Tage vorbeigeht, der weiß, daß selbst in den Kreisen, denen das überlieferte Judentum .verpflichtend ist, dasselbe wohl die Handlungen, nicht aber mehr die Gedanken leitet und reguliert. Das jüdische Bewußtsein hat sich selbst in dem gesetzestreuen Juden zu einem verschwindenden Minimum reduziert; eine traurige Tatsache, die den ganzen Ernst aller auf den Namen eines überzeugungstreuen Juden Anspruch machenden erfordert. 2000 Jahre sind dahingegangen, seitdem Jerusalem in einem Flammenmeer feinen Untergang fand und wir verlustig gingen unseres Vaterlandes. Der rasende Schmerz um den Verlust der Heimat, das lebendige Interesse für die hebräische Sprache und die exklusive Stellung der Fudenhcit sind außer der Pflege des jüdischen Schrifttums und der Befolgung seiner Gesetze bis zur Emanzipation die Bollwerke gewesen, die Schutz gewährten, und jetzt nun sind diese Bollwerke in einem Verfall, der einer Vernichtung zustrebt. Besonders das Fallen der Ghettomauern hat den uns umgebenden Schutzwall gelöst und uns preisgegeben den Wogen des Völkermeeres, in dem wir nur zerstreute, kleine Eilande sind. Wir wünschen die Ghettos nicht zurück; wir müssen aber einen Schtttzwall bilden, um uns von den Einfluß der anderen Kulturen zu erwehren. Ein alter Erfahrungssatz sagt: Der Geist eines Volkes ruht in seiner Sprache. Alle Völker, die um die Erhaltung ihrer Eigenart besorgt sind, strengen ihre ganze Kraft an, um sich ihre Sprache zu bewahren. Wir Juden Westeuropas haben unendlich viel cingebüßt, weit wir um die Erhaltung der hebräischen Sprache nicht besorgt waren, und der Maßstab des jüdischen Wissens und damit das richtige Verständnis des Judentums ist nur nach den Kenntnissen in der hebräischen Sprache zu ermessen. In den Ländern, wo die hebr. Sprache gepflegt wird, steht das Jüdcntum sehr hoch. Zum Schlüsse betontc der Vorsitzende noch, daß jeder, der mit vollem Interesse regelmäßig an den Nnterrichtrstunden teilnehme, ein Pionier sei für die Neubclebung der hebr. Sprache und damit auch für die Stärkung des jüdischen Geistes cm Stück leiste. Die Tagesordnung beschäftigte sich mit der Hebung des Vereines, Erweiterung der Mitglieder- -ahl u. s. w. In der Diskussion sprachen die Herren Sondheimer, Schwab, Reinhardt, Messing, Nachmann, Goitein, Goldmann.' Es wurde beschlossen, einen Fonds zur Sicherstellung des Vereins m gründen und zu diesem Zwecke Spenden unter Veröffentlichung im Frankfurter Jsr. Familienblatt anzunehmen. Diese Spenden werden selbstverständlich auch von Ni ch tmi tg li e d e r n angenommen. Frankfurt a. M., 16. Mai. Der Gesangverein „Fesch urun" nimmt es, neben seinen allwöchentlichen Chorstunden, auch ernst mit dem zweiten. Teil seines Programms, eine Pflege statte edler Geselligkeit für seine Mitglieder und für gleichgesinnte Freunde zu iverden. So fand am gestrigen Sonntag unter sehr zahlreicher Beteiligung — Damen und Herren — wieder ein Ansflug ins Lorsbacher Tal und Eppstein statt. Auf dem Kaisertempel wurde längere Rast gemacht. Lieder des Sängerchörs unter bewährter Leitung des Dirigenten Herrn Pappcrle sowie humorvolle Vorträge fanden freundlichen Beifall, und man blieb in heiterer Stimmung in dieser herrlichen Berglandschaft, bis der -Abend zum Ausbruch mahnte. Hamburg. Die Tagesordnung des Deutschen Delegiertentagcs der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, der am 2. und 3. Pfiuesttag hier stattftndet, ist: 1. Eröffnungsrede uttd Bericht des Vorsitzenden des Zentralkomitees: Rechtsanwalt Dr. Bodcnheimer-Köln. 2. Kassen- und Geschästsbetichte: Gustav Wolfs-Köln. 3. Bericht des Aktionskomitees über die allgemeine Lage deS Zionismus: Dr. Alfred Klee-Berlin. 4. Referat über Organisation und Prcpagandä unter Zugrundelegung des neuen Eirtwn'ss des Distriktbureau Mannheim: Fritz Sondheimer- Frankfurt a. M. Korreferent: Assessor Dr. Friedemann-Wiesbaden. 5. Bericht über die jüdische Rundschau: Rechtsanwalt Dr. Hantke-Berliit. 6. Bericht über die Schekelinstitutiou: Assessor Groncmaun- Hannover. 7. Bericht über Nationalfond und Oelbaumspende: Dr. Robert Hantke-Berlin. 8. Bericht über die Kolonialbank: Bankpräsident Dav. Wolffsohn-Köln. 9. Evcntualia und dringliche Anträge. 10. Neuwahlen. Budapest. Der Ungarische Israelitische Handwerks - und Ackerbau verein hielt unter dem Präsidium des Reichstags-Abgeordneten Dr. i Armin Neumann seine 62. Generalversammlung, welcher außer den zahlreich erschienenen Vereins- Mitgliedern in Vertretung der Handels- und Ackerbauministerien die Sektionsräte Johann Szüry und Rudolf KÄroly, in Vertretung der hauptstädtischen Kommune .Magistratsrat Geza Almädy wie auch der Präsident . der Pester israelitischen Religionsgemeinde Hofrat Sigmund Kohner anwohnten. Vor der Tagesordnung gedachte der Präsident in schioungvollen Worten des unersetzlichen Verlustes, welchen die ungarische Nation und die ganze zivilisierte Welt durch das Ableben Moriz Jökai's erlitten, woraus die Generalversammlung, welcke die Rede des Präsidenten stehend anhörte, beschloß, der tiefgefühlten patriotischen Trauer des Vereins im Protokolle Ausdruck zu verleihen. Auf die Tagesordnung übergehend, begrüßte der Präsident insbesondere die illustren Vertreter der Regierungs- und Stadtbehörde, die den Verein des warmen Wohlwollens der Regierung und der Kommune versicherten. Der vorgelegte Jahresbericht und die Schlußrechnungen wurden genehmigt und auf Antrag Leo Dän's dem Präsidenten, wie auch der Vereinsleitung und dem Damenkomitee Dank votiert. Sodann wurden die Ergänzungswahlen vorgenommen und Arthur Beer zum Rechnungsrevisor, ferner Heinrich Beer, Edmund Domony und Franz Schwarz zu Ausschußmitgliedern gewählt. Hierauf erfolgte die Vorstellung der letzthin freigewordenen 42 Handwcrkslehrlinge und vier Ackerbauzöglinge, an die der Präsident herzliche Abschiedsworte richtete, worauf der Mechaniker Mathias Muth im Namen der Zöglinge dem Vereine Dank gelobte. Personalien. Frankfurt a. M. Am 19. dieses Monats feiert F r a n D r. R o s e n b e r g, eine in weitesten Kreisen angesehene Dame, bei völlig körperlicher und geistiger Frische ihren 80. Geburtstag. Frankfurt a. M. Eine kläffende Lücke in der Reihe der selbst in der Großstadt nicht allzu zahlreich gesäten Noschim Zadkonijaus riß der Tod durch deit am 11. d. Alts, erfolgten Heimgang der Frau Zerlitte Schüler geb. Bachmann. — Treffliche Charaktereigenschaften, unter welchen ein unerschütterliches Gottvertrauen, seltene Willensstärke und vor allem eine unbegrenzte, dem weiten Kreise der Bedürftigen sich allerdings nur mitteilende Wohltätigkeit hervorhebenswert, zierteit die bis in die letzten Tage noch rüstig schaffende, wackere Frau. Ein zahlreiches Gefolge teilnehmender Familienfreundc gab denn auch der allbeliebten Verstorbenen das letzte Geleite. Auf dent Friedhofe der S.-G. „Israelitische Religionsgesellschaft", wo auch der ihr vor 22 Jahren 'in die Ewigkeit vorausgegangene Gatte der Heimgegangenen, der ob seiner talmudischen Gelehrsamkeit und seiner ungewöhnlichen Seelengüte hier, wie in ganz Bayern noch heute im gesegnetsten Andenken stehende R. Euscl Michael Schüler seine letzte gtuhestatt gefunden, würdigte Herr Rabbiner Dr. Breuer in zu Herzen gehenden Worten die Verdienste der Entschlafenen. „Ein echtes Biederweib, dem des Mannes Herz vertraute, die ihren Mund mit Weisheit öffnete, und Brot der Trägheit nie gegessen," schilderte - Redner die aufopfernde Pflege und rührende Hingebung, mit welcher die Verklärte ihren leidenden, dem Thorastudium obliegenden Gatten in den letzten Fahren seines Lebens umgeben, durch, welche Fürsorge nach dem Ausspruche unserer Weisen die Gattin des Thoragelehrten um die Verbreitung der Gotteslehre sich ein gleiches Verdienst erwirbt, wie der Gesetzeslehrer selber. Herr Rabbiner Dr. Breuer'gedachte noch der gewissenhaften, jahrzehntelangen Tätigkeit der Heimgegangenen als Kippofrau, 'da sie in selbstlosester Weise unzähliges Gemilus chessed schel emes geübt und wies auf das selbstgeschaffene Familienglück hin, das sie im Kreise ihrer trefflichen Kinder und Enkel gefunden und welches ihren Lebensabendverschönte. — Ein Sohn der Verstorbenen, Herr Rabbiner Samuel C h. Schüler- Bollweiler (Elsaß) gab hierauf dem Schmerze der Familie in tiefempfundenen Worten Ausdruck und bald, deckte ein Hügel das frische Grab einer wahrhaften Esches Chajil. m. Kirchhain, M. W. B.. 17. Mai. In voller Körper- und Geistesfrische beging -gestern in unserem Nachbardorfe Monxberg das Josef Spier'sche E hepawr das' seltene F-est der g o ld e n e it H o chz e i t. Beide Ehegatten erfreuen sich noch einer äußerst seltenen Rüstigkeit; Spier steht im 80. und' dessen Gattin im 75. Lebensalter. Mittags begaben sich die Festteilnehmer in einem langen Zuge, das Jubelpaar an der Spitze, dem weißgekleidete Mädchen, die Blumen auf den Weg streuten, vorangingen, in die festlich geschmückte Synagoge. Hier hielt Herr Provinzialrabbiner Dr. Munk-Marburg nach beendigtem Minchagebet, eine sehr herzlich und tiefdurchdachte Ansprache an das Jubelpaar und überreichte darauf die von Sr. Majestät Mlerhöchst verliehene Ehejubiläumsmedaikle, nebst einem Begleitschreiben aus dem Zivilkabinett. Glückwünsche, teils auf telegraphischem und teils auf brieflichem Wege trafen in großer Zahl ein.

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