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Neue jüdische Presse · 1904-05-13 · Heft 18 (13.5.1904) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 18 (13.5.1904)
Date
1904-05-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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eilage zu Nr. 18 des Frankfurter Israelitischen Familienblattes. Ans der Lehrerwett. Hamburg. Das Kuratorium für Handfertigteitsunterricht und Jugend- Spiele israelitischer Knaben hat vor einigen Tagen in der Aula der Israelitischen Töchterschule eine Entlassungsfeier abgehalten. Herr Rektor I. Feiner begrüßte die Anwesenden und betonte, daß das Knratoriuin jetzt mit Befriedigung wahrnehme, daß die Idee der manuellen 'Ausbildung, als Gegengewicht gegenüber der geistigen Tätigkeit, in immer weiteren Kreisen anerkannt werde. Aber dennoch sei das .Kuratorium noch weit cntfcrut von der Erreichung des gesteckten Zieles, namentlich sei die Errichtung von Schülerwerkstellen notwendig, doch seien die hierzu vorhandenen Mittel nicht ausreichend. Wenn nun der Vorstand mit Gcuugtnnug konstatieren kann, daß die Idee des Knabenhandsertigkeitsunterrichts in immer weiteren Kreisen Einklang findet, so kann er das gleiche leider nicht von einem nicht minder wichtigen Zweig seiner Tätigkeit, von der Errichtung von Jngendspielcn behaupte». Die Jugendspiele sind jedoch nicht weniger wichtig als die manuelle Ausbildung namentlich für die Kinder der Großstadt, lvo die Kleinen ans den engen Straßen hinaus in die freie Gottesnatnr müssen; um Körper und Geist unter Beaufsichtigung guter Lehrkräfte zu stärken. Leider konnte das Kuratorium seine Absicht, mit den Knaben allwöchentlich Ausflüge zu unternehmen, nicht ans- .• führen, da es ihm an genügenden Mitteln zu diesem Zweck fehle. Redner bittet am Schluß die Anwesenden doch dafür Sorge zu tragen, daß dem Kuratorium doch größere Geldmittel zur Verfügung gestellt lverden, damit es gelinge, mit den Kindern wenigstens allmonatlich Ferienausflügc zu unternehmen. Aus dem alsdann von den Lehrern erstatteten Bericht über die einzelnen Abteilungen geht hervor, daß die drei Kurse für Thon-, Kerbschnitt- und Papparbciten insgesamt von 40 Schülern an 22 Wenden besucht wurden. Die zwei besten Schüler jeder Abteilung erhielten alsdann je einen' Preis, bestehend in nützlichen Büchern. Nach einer Ansprache des Vorsitzenden des Kuratoriums des Herrn' Mor. Heilbutt hatte die Feier ihr Ende erreicht. Die Anwesenden nahmen hierauf eine Besichtigung der Ausstellung der Schülerarbeiten vor. Breslau. Der Verein israelitischer R e l i g i o n s l e h r e r O b e r s ch l e s i e n s hält am 22. Mai in Oppeln seine 'Jahresversammlung ab. Auf der Tagesordnung stehen ein Vortrag über Fortbildungs- und Religionsschulen und ein zlvciter Vortrag des Bereinspräses Bcrnhard-Tarnolvitz über ein noch offen stehendes Thema. Bei günstiger Witterung wird dann noch ein Ausflug nach dem Altvatergebirtze unternommen. Königsberg t. Pr. Herr Oberkantor Eduard Birnbaum beging am 1. Mai unter Beteiligung der gesamten jüdischen Gemeinde feilt 25jähriges Jubiläum als Kantor der hiesigen Synagogengemeinde. Geboren am 28. März 1855 in Krakau, . kam er schon int Alter von 11 Jahren zu einem Rabbiner in Ungarn, um Talmud zu lernen. Dort wurde man auf seine Stimme und musikalischen Anlagen aufmerksam und veranlagte ihn, nach Wien, . zu gehen, wo er in dem Synagogenchor des berühmten Kantors, späteren Professors Sulzer, einige Jahre mitwirkte und sich praktisch und theoretisch ausbildete. Mit 14 Jahren kam er nach Breslau, wo er de» Unterricht des bekannten Musikdirektors H. Berthold und Karl Busses genoß und schon im Älter von 16 Jahren in einer Privatsynagoge und in der Synagoge des unter Leitung von Z. Frankel stehenden jüdisch-theologischen Seminars als Vorsänger fungierte. Dank seiner hohen musikalischen Begabung wurde er 1872, eben erst 17 Jahre alt geworden, als ztveiter Kantor nach Magdeburg berufen und zwei Jahre später als erster Kantor nach Beuthen. Nach der Pensionierung des 40 Jahre lang tätig gewesenen hiesigen Kantors Weintranb wurde Birnbaum unter einer großen Zahl von Bewerbern zu dessen Nachfolger gewählt und trat seine Stelle am 1. Mai 1870 an. In Königsberg hat Birnbaum es verstanden, sich die Liebe und Achtung aller Gemeindemitglieder zu erwerben und zu erhalten; er genießt aber auch in den weitesten Kreisen der Bürgerschaft als Mensch wie als Künstler hohes Ansehen und berechtigte Wertschätzung. Während seiner hiesigen Tätigkeit hat er sich durch verschiedene wissenschaftliche Aussätze über die jüdische Liturgie rühmlich bekannt gemacht. Auch als Komponist von Kultnsgesängen hat er sich mehrfach hervorgetan. Düsseldorf. Auf heimatlicher Erde zwar, doch den Seinen fern, schied an: 22. v. Bits. Lehrer Simon L ö b e n st e i n unerwartet aus dem Leben. Er hatte seinen ältesten Sohn auf die Hochschule gebracht und erlitt auf der Rückreise, am Bahnhofe zu Kassel, einen Schlagansall. Hannover. Ein auf religiösem Gebiet liegender Streit beschäftigt hier zur Zeit die ösfentliche Meinung. Aiehrere Anhänger der adventistischcn Richtung der lutherischen Kirche haben beantragt, man möge ihre Kinder am -Sonnabend von der Anfertigung der Schularbeiten befreien. Nachdem dieses Ansuchen von der Schulverwaltung abgelehnt worden war, haben die betreffenden Väter ihre Kinder aus den lutherischen Schulen herausgenoinmen und der Bildnngsanstalt für jüdische Lehrer überwiesen. Die obere Schulaufsichtsbehörde, welcher diese Sache vorgetragen tvorden ist, hat zur Zeit noch nicht darüber entschieden, ob christliche Kinder ihrer Schulpflicht in einer jüdischen Schule genügen können. Stratzburg. In der Plenarsitzung des Land esausschnsses für Elsaß-Lothringen vom 37" Mai standen auf der Tagesordnung: Petition Nr. 51: Gesuch des A n s s ch u s s e s des elsaßl o t h r i n g i s ch e n Rabbiner - Verbandes, b e t r e f s e n d a n d e r w e i t e Regelung der Ge haltsverhält nisse der Rabbiner. Berichterstatter : Abg. Götz. Der Ausschuß des elsaß-lothringischen Rabbiner- Verbandes richtet an den Landesausschuß die Bitte, derselbe möge für die Rabbiner das System der Dienstaltersstufen von 6 zu 6 Jahren bis zum 30. Dienstjahre um je Mk. 200 steigend durch das Etatsgesetz für 1904 cinfnhren, mit der Maßgabe, daß diese Bestimmung keine rückwirkende Krast haben solle für diejenigen Rabbiner, welche jetzt schon wegen ihres hohen Alters ein höheres Gehalt beziehen, als das infolge der vorgeschlagenen Neuregelung ihnen zukoinmende. Der Vertreter der Regierung erklärte, daß er gegen die Tendenz des Gesuches nichts eiiiznwenden habe, unter der Voraussetzung, daß einerseits die Konsistorien diesen Vorschlägen zustimmen und andererseits keine Mehrbelastung des Etats ans dieser Neuregelung erwachse: letzteres sei wohl nur dadurch zu erreichen, daß eine Reihe ctatsmäßiger Rabbinerstelten, Ivelche zur Zeit nicht besetzt seien, zur Einziehung gelangten. Die Kommission erklärte sich mit diesen Ausführungen einverstanden und schlägt vor, die P e - tition der Regierung zur Kenntnisnah ni e zu überweisen. Petition Nr. 57:Gesnch des Oberlehrers D r. Heinrich L e w y in Mülhausen, betreffend die Verleihung der Stipendien an israelitische T he o lo g i est u - d i e r e n d e. Berichterstatter: Abg. Götz. Der Oberlehrer Tr. Heinrich Lewy in Mülhausen richtet an den Landesausschuß die Bitte, bei der Landesregierung dafür eiutreteu zu wollen, daß die Stipendien sür israelitische Theologieaspiranten (Kapitel 42 Titel 7 des Landeshaushaltsentwnrfs) künftig nur an solche verliehen werde», die sich rechtsgültig verpflichten, vor Antritt eines Amtes das Rabbinerdiplom an einem deutschen Rabbinerseminar zu erwerben, andernfalls die vom Staate erhaltenen Beträge zurückzuzahlen. Die Kommission schlägt vor, die Petition der Regierung zur Prüfung und Erwägung zu überweisen. Petition Nr. 58: G e s u ch d e s Oberlehrers Dr. Heinrich Lewy in Mülhausen, betreffend Wiedereinführung der Prüfung in Religion für israelitische Kandidaten des höheren Lehramts. Berichterstatter: Abgeordneter Götz. Das Gesuch geht dahin, daß 1. auch für die israelitischen Kandidaten Religionslehre als Gegenstand der allgemeinen Prüfung eingesührt, 2. auch israelitische Religionslehre als Gegenstand der Fachprüsung zugelassen, 3. auch den angestellten Rabbinern und den von einem deutschen Rabbinerseminar mit dem Rabbinatsdiplom entlassenen Kandidaten die Erlangung einer Lehrbefähigung erleichtert werde. Der Vertreter der Regierung bemerkt, die Verhältnisse seien hierzulande ebenso wie in Preußen gelagert, dessen Prüfungsordnung in allen wesentlichen Stücken in Elsaß-Lothringen angenommen sei. In dieser Prüsungsordnuug sei eine Prüfung in israelitischer Religio» nicht vorgesehen. Es liege in dieser Beziehung in der Tat für israelitische Kandidaten eine Lücke in der Prüfungsordnung vor. Erwägungen über Ausfüllung dieser Lücke seien jedoch bis jetzt nicht angestellt worden, da ein Bedürfnis in Elsaß-Lothringen noch nicht eingetreten sei. Die Kommission schlägt, da ein praktisches Bedürfnis zur Aenderung des derzeitigen Zustandes nicht vorhanden sein dürfte, vor, über die Petition zur Tagesordnung überzugehen. Scheinfeld (Bayern). Herr Lehrer Federlern hat nach 41jähriger Wirksamkeit die Stelle als Lehrer und Borbeter in der israelitischen Kultusgemeinde infolge hohen Alters niedergelegt. Haigerloch, 1. Mai. Herr Lehrer Speyer feierte heute sein 25jähriges Jubiläum. Nach dem Gottesdienste versammelte sich seine ganze Gemeinde vor seinem Hause. Es wurden schöne Ansprachen gehalten und prächtige Geschenke überreicht. Triest (Oesterreich). Eine eigene Rabbiner- Frage hat die israelitische Gemeinde in Triest, welche seit Jahrhunderten in ihren drei Gotteshäusern in italienischer Sprache predigen läßt. Ihre Rabbiner waren aus den besten italienischen Unterrichtsanstalten hervorgcgangen. Als kürzlich die Stelle des Hauptrabbiners vakant wurde, schrieb die Gemeinde dieselbe ans und erhielt 25 Bewerbungen ans allen Teile» Italiens. Aber diesmal weigerte die österreichische Regierung die Bestätigung; sie verlangt, daß der neue Rabbiner österreichischer Untertan sei. Da die Gemeinde wegen der Führung des Zivilstandsregisters die offene Stelle ungesünnit besetzen mußte, so war sie genötigt, einen deutschen Rabbiner anzustellen, der etwas italienisch spricht, leider nur so viel, daß man darüber in der Gemeinde lacht. Alle Gegenvorstellniigen bei der Regierung haben bis jetzt nichts gefruchtet. Budapest, 3. Mai. Rabbinerwahl. Die isr. Religionsgemeinde in T a p o l e z a hat in ihrer gestrigen Geiieralversaiiimlniig Dr. Karl Schönw a l d einstimmig zum Rabbiner gewählt. Warschau lPolen). Selbstmord eines R a b b i n e r s. Der Rabbiner Ai isch R e u st ä t t e r in K l e in e n t o w hat in einem 'Anfälle von Geistesstörung einen Selbstmord verübt, indem er sich mit einem Schächtmesser die Kehle durchschnitt. Bor kurzem war Neustätters Gattin gestorben und Neuslätter war seitdem trübsinnig. Er erklärte, er könne sich nicht mehr dem Gottesdienst widmen und wolle sich selbst Gott zum Opfer bringen. Zu diesem Zwecke beschied er den Schächter zu sich, damit er ihm das Schächtmesser zur Kontrolle vorlege und sich später die Antwort abhole. Als der Schächter zurückkam, fand er Nenstätter mit durchschnittenem Halse tot ans. Personalien. Berlin. Ernennungen. Zum Geheimen S a n i t ä t s r a t der Sanitätsrat Dr. Hirschseld, Berlin; zu Sanitätsräten die Herren Dr. Dr. 'Alfred Blaschko, Jakob Cassel, Hans Goldschmidt, Siegfried Igel, Leop. Löwenstein, Lublinski, Wilh. Wechselmann zu Berlin, Adalbert Heiinanii, Breslau. — Zum 'Notar ernannt: Dr. Sondheimer in Gelnhausen, als Rechtsanwalt eingetragen: Abraham in Sangerhausen, Dr. Gumpert, Eharlottenburg. - Zum G e r i ch t s a s s e s s o r ernannt: Ref. Dr. Seelig, Celle, Dr. Groiieman, Hannover. Leipzig. Fern von der Heimat, in New-'Iork, ist Alfons Jacobson, der Mitinhaber der großen und altrenommierten Bankfirma Knauth, Nachod u. Kühne, einer Lungenentzündniig erlegen. Jacobson'» Wohltätigkeitssinn war weit und breit bekannt. Es gibt keine Wohltätigkeitsinstitution in Deutschland, die diesen nicht mit Erfolg erprobt hätte. Ganz besonders aber hat er sich um Leipzig gekümmert, jüdische Volksküche, Kinderhort, Altersoerforgungsanstalt verdanken seiner Initiative ihr Entstehen und legen Zeugnis ab von einem Herzen, wie nur selten so menschenfreundlich eins geschlagen hat. Jacobson gab nicht nur, sondern arbeitete auch unentwegt im Interesse seiner Brüder. Und zwar aus voller Kraft, mit freudigem Enthusiasmus, in inniger Hingebung. Seine Güte war fast sprichwörtlich geworden; seine Milde und Menschenliebe waren der „goldene Schild" eines liebewarmcn Herzens. Seine Rechtschaffenheit, Offenheit und Wahrhaftigkeit waren der Schmuck des Mannes, den alle schätzten, die ihn kannten. Das Andenken dieses Edlen wird fortleben; denn die zahllosen guten Werke, die er geschaffen und gefördert, werden seine Ehre verkünden unter den Menschen. Beringe» (Württemberg). In der nächstgelegenen Gemeinde B a i s i n g e n ist vor einigen Tagen der bisherige israelitische ltzemeinde- und Stiftungspfleger Hirsch K a h n im hohen Alter von 92 Jahren gestorben. Mit Ausdauer, Pflichttreue und Sorgfalt verwaltete er seinen Dienst ca. 60 Jahre und erhielt in wohlverdienter Anerkennung vom König die goldene Berdienstmedaille niit deni Friedrichs- Orden. Kahn war bis zu seinem Lebensende in ungetrübter Gesundheit. Aus den Vereine». Königsberg. Der Hilfsverein für kranke russische Israeliten veröffentlicht soeben den Bericht über seine Tätigkeit im Jahre 1903. Danach sind die Ansprüche, welche im verflossenen Jahre die 'Aufgaben des Vereines an die Mittel desselben und an die Krankenvorsteher stellten, wiederum gewachsen, sodaß auch die in so reichlichem Maße zugeslossenen Gelder abermals absorbiert wurden, ohne daß der Verein sich in der Lage befunden hätte, überall den Anforderungen gerecht zu werden. Die Zahl der ordentlichen Mitglieder und der Beitragsleistungen derselben ist weiter gewachsen, die der ersteren auf 281, die Summe der Beiträge auf 4062 M. Weitere Einnahme» waren: Spenden 2685 Eingänge von Königsberger rufs. Kommissionsgeschäften i/i°/oo vom Werte der verlausten Waren 2606 Jk, von Heringssendungen 1953 Jk, von Holz-

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