Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 2 (1904)
- Issue
- Heft 18 (13.5.1904)
- Date
- 1904-05-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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^tau&futfet Iftirlitifditü lamilirnlilalt. Diese Zeitung erscheint jeden Freitag. Sämtliche Postanstalten desJn-und Auslandes, sowie die Geschäftsstelle des Frankfurter Israel. Familienblattes in Frankfurt a. M. nehmen Abonnements- Bestellungen schriftlich und mündlich entgegen. (Abonnementspreise siehe Schluß des redaktionellen Teiles). ' __—___i_ ' KedaKkt-ir Md HefchLftsDette: Srankfurt s. nr.. LMgkreuzgaffe 32, Ecke Llaxperfeldstraße (gegenüber der Neuen Zeit). 'alZ Gets. Jnsertionspreise: Die viergespaltene Petitzeile. 25 Pfg. Die Reklamezeile. 100 „ ' Stellen-Angebote und -Gesuche die Silbe 2 „ Beilagen: Das Tausend Mk. 5.— bis Mk. 8.- Freitag, den 28. Jjar 5664 (13. Mar 1904). «o. 18. 2. Jahrgang. Die Indische Kolonisation Paliistinas.') Von Professor Dr. O. Marburg. (Fortsetzung.) . Die Eucalyptnspflan zu n g e n sind nicht des Ertrages wegen, sondern behnfs Sanierung sumpfiger Gegenden angelegt. Es finden sich solche Wälder resp. Haine in Pethach-Thikwah, Sichron- Jacob, besonders aber in der bis vor kurzem sehr ungesunden Kolonie Chederah, woselbst etwa 300000 Bäume angepflanzt worden sind, größtenteils der Eucalyptus resinifera genannten Art angehörend, dem roten Mahagony-Eucalyptus aus Süd - Qnensland und New-South-Wales, dessen Holz in seiner Heimat wegen seiner Stärke und Dauerhaftigkeit sehr geschätzt wird. Da dieser, Baum auch in Palästina schnell wächst und eine beträchtliche Höhe erreicht, so ist anznnehmen, daß diese Waldungen in einigen Jahren gute Erträge geben werden, sei cs durch Verkauf des Holzes in dem holzarmen Lande selbst, sei es als 'Exportartikel. Schon jetzt werden einzelne Stämnie verkauft und erzielen schon im Alter von 4—8 Jahren Preise von 2—5 Frcs. pro Stamm, o. Ackerbau. Der eigentliche Ackerbau spielt natürlich gleichfalls in den jüdischen Kolonien eine große Rolle, namentlich in den neu angelegten Kolonien zwischen Nazareth und Tiberias. Weizen bildet die Hauptsrucht, und zwar sind es verschiedene Sorte» des Hartweizens, die zur Mehlgewinnnng weniger geeignet sind, wohl aber zur Gries- und Maccaronifabrikation dienen; daher geht der Weizen Palästinas mehr nach Italien, Türkei und England, als nach Deutschland. 1 Die zweitwichtigste Getreidefrucht, die Ger st e, ist in Palästina von vorzüglicher Qualität, besonders die Gerste von Gaza ist berühmt und dient in England zur Bierbeziehungsweise Ale-Bereitung; auch die jüdischen Kolonien beteilige» sich an der Produktion, doch kann nur wenig exportiert werden, da das meiste als Viehfutter verwendet wird. Von Leguininosen werden vor allem Lupinen in sandigen Böden, Linsen, Kichererbsen und Pferdebohnen in schwereren Böden kultiviert, ebenso zu Futterzwecken Wicken und Erven (Wicklinsen); alle diese Kulturen, die sonst im Lande schon lange einheimisch sind und auch bedeutende Exportartikel darstellen, finden in den jüdischen Kolonien erst seit wenigen Jahren, aber in immer steigendem Maße Eingang. Als Sommerkulturen kommen vor allem S e s a m, Dari (Sorghum) und Mais in Betracht, Mais nur zu eigenem Gebrauch, während Darrhi und besonders Sesam auch exportiert werden, Sesam hauptsächlich nach Frankreich, Darrhi nach England. Kleine Versuche mit Erdnuß speziell in Chederah haben gezeigt, daß diese Kultur für Palästina sehr empfehlenswert ist. Ebenso dürfte die bisher *) Aus dem Aprilhest der in Berlin erscheinenden Monatsschrift „Altneuland, Monatsschrift für die wirtschaftliche Erschließung Palästinas." nur vereinzelt, und zwar mit Erfolg, versuchte L e i n - knltur einer größeren Ausdehnung fähig sein. Wassermelonen kommen für die sandigen Böden als Sommerkulturen schon jetzt in Betracht (z. B. in Chederah) und könnten bei einer richtigen Organisation des Handels massenhaft auch von den jüdischen Kolonien in Judäa und Samaria nach Aegypten und den türkischen Häsen exportiert werden, wie eS jetzt schon von anderen Plätzen Palästinas geschieht. Die G e in ü s e k n l t lt r ist in den jüdischen Kolonien im ganzen noch sehr rückständig, da es an Konservensabriken fehlt und sür eine Versorgung der Städte infolge der schlechten Verbindungsmittel nur einzelne Kolonien überhaupt in Betracht kommen, zumal der geringe Bedarf großenteils schon von den vorstädtischen Gärten gedeckt wird. Es ist zu hoffen, daß später sich von den küstennahen Kolonien aus ein Export frischer Gemüse nach Port Said hin entwickeln lassen wird, doch stehen dieser Entwicklung vorläufig noch allerhand Hindernisse in Gestalt mangelhaster Transportverhältnissc entgegen. Von Genußmitteln wird bisher nur der Tabak angebaut, der speziell in Mutelle in sehr guter, für Zigarettenfabrikation geeigneter Qualität erzeugt wird. Dies hat auch 'andere Kolonien veranlaßt, sich dem Tabakbau zuzuwenden, und bei der großen und wachsenden Nachfrage nach türkischem Tabak dürste gerade diese Kultur einer bedeutenden Steigerung fähig sein. Auf die Herstellung ätherischer Oele wurde von der früheren Baron Rothschildschen Administration viel Wert gelegt, auch ist die Möglichkeit der Produktion der verschiedensten Oele glänzend bewiesen; nur rentierte die Fabrikation nicht infolge der hohen Verwaltungskosten. Jetzt hat ein jüdischer Privatmann die Destillation ätherischer Oele auf eigene Rechnung in die Hand genommen und gewinnt sowohl aus kultivierten Pflanzen wie Geranien, Rosen und Cassien (Acacia Farnesiana). das Oel als auch aus wild wachsenden Pflanzen, besonders Umbelliseren. Es ist anzunehmen, daß bei dem Reichtum Palästinas an wohlriechenden Labiaten, wie Thymian, Lavendel, Salbei, Majoran, Melisse, sowie an gewürzhaften Umbelliseren, in der Art wie in den südfranzösischen Gebirgsgegenden die Aufstellung tragbarer Destillierblasen an bevorzugten Plätzen sich rentieren würde, ebenso wie auch die Kultur wohlriechender Essenzen einer großen Ausdehnung fähig ist. d) Viehzuch t. Was die Zucht von Rindvieh betrifft, so wird sie bisher von den jüdischen Kolonisten im allgemeinen nur soweit betrieben, als zur Deckung des häuslichen Bedarfs an Milch erforderlich ist. Es liegt dies daran,' daß die im vorderen Palästina den einzelnen Dörsern zur Verfügung stehenden Weideflächen keine besonders große Ausdehnung haben, und ein rationeller Futterbau daselbst bisher noch nicht betrieben wird. Der durch den vorteilhaften Milchverkauf in Jaffa gezeitigte Futterbau der deutschen Kolonie Sarona, wo Mais, Wicken, Runkelrüben, Alexandriner Klee, Luzerne und Kürbis als Grün- und Trockenfutter in Masse kultiviert werben. sollte den jüdischen Kolonien als Beispiel dienen, namentlich den in der Nähe größerer Städte gelegenen. Jedoch sind die jüdischen Bauern wie ihre Standesgenossen im allgemeinen sehr konservativ und lassen sich nur durch gelungene Versuche belehren. Vorläufig kann demnach auch von einem Export der Produkte der Rindviehzncht aus den jüdischen Kolonien keine Redesein, während aus den weiten Weideflächen des transjordanische» Gebietes schon jetzt größere .Mengen Häute und Hörner exportiert werden, eine Ausfuhr, die sich infolge der neuen Eisenbahnen gewiß noch bedeutend heben wird. Dasselbe gilt auch in bezug auf Knochen, die schon jetzt einen nicht nnbedentenden Exportartikel der palästinischen Häfen ausmachen. Kamele werden von den Juden gar nicht gezüchtet und leider nur selten gehalten; die stattlichen Kamelherden Palästinas gehören fast ausschließlich den nomadisierenden arabischen Stämmen; die Kamelwolle wird auch nieist von ihnen selbst zu Zelten, Decken, usw. verwendet und gelangt deshalb wenig in den Handel. (Schluß folgt). Nachdruck verboten. Bereit. Legende von Jacob Rabi n o w i tz. liebersetzt aus dem hebräische» Manuskript von Damara Bach. Dem Andenken des Kischinewer Synagoge ndieners. Mosche Baruch Ull - mann, der bei der Verteidigung der Thorarollen den Märtyrertod starb, zu seinem Todes tage, den 2 7. Nissan, ge - widme t.*) Mitternacht. Im Judenviertel herrscht Stille: 'Alles schläft. In den Fenstern schimmert kein Licht mehr, nur in der Dachkammer dort brennt eine einsame Kerze. Der Rabbi sitzt über seinen heiligen Büchern. Bald wird er sich in seinem „Lernen" unterbrechen müssen, um das „Tikkun Chazos“**) zu verrichten. Er beeilt sich daher, seinen Abschnitt zu beenden. Dann setzt er sich auf den Fußboden und beginnt zu „klagen". Und er gelangt an die Stelle, wo es heißt: „Bis *) Vorige Woche hat sich die dritte Serie Gerichtsverhandlungen abgespielt, in der die Kischine wer Tragödie ihre Sühne finden sollte — und, nicht gefunden hat. Als Antwort auf die Kischinewer Justiz-Komödie möge die obige Legende dienen, die einen Stoff bearbeitet hat, der sich schon in älteren Chroniken findet und von der Zeit der Kreuzzüge handelt. Den hochpoetischen Reiz und den überwältigenden Eindruck des hebräischen Originals hat die begabte Ueberseherin zu erhalten gewußt. Die Redaktion. **) Es ist ein älterer Brauch um die Mitternachtsstunde Klagelieder (aus Jeremias, Psalmen und mittelalterlichen hebräischen Dichtern) über die Zerstörung Jerusalems anzustimmen.