Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 2 (1904)
- Issue
- Heft 17 (6.5.1904)
- Date
- 1904-05-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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farailinblntt. I ■ » Diese Zeitung erscheint jeden Freitag. Sämtliche Postanstalten des In- und Auslandes, sowie die Geschäftsstelle des Frankfurter Israel. Familienblattes in Frankfurt a. M. nehmen Abonnements- Bestellungen schriftlich und mündlich entgegen. (Abonnementspreise siehe Schluß des redaktionellen Teiles). < - ' Redaktion und Hefchäftsstette: Srsnkfurt a. M.. LeUigkreuzgaffe 52, Ecke Rlapxerseldstraße (gegenüber der Urnen Zeit). Hepansgeber: Kakg Geis. Jnsertionspreise: Die viergespaltene Petitzeile. 25 Wg. Die Reklamezeile. 100 „ Stellen-Angebote und -Gesuche die Silbe 2 .. Beilagen: Das Tausend Mk. 5.— bis Ml. 8.- 2. Jahrgang. Freitag, de« 21. Ijsr 3664 (6. Mai 1904). Die Jüdische Kolonisation Palästinas. *) Von Professor Dr. O. Marburg. (Fortsetzung.) Während die Süßweine und die herben, seinem Burgunder ähnliche» Weine Palästinas schon jetzt als vorzüglich anzusehen sind, ist inan neuerdings auch iin Begriff, seine Rotweine und Tokayer Ausbruch in Palästina herzustelle». Die Ausfuhr von frischen Trauben erscheint wegen der noch mangelhaften Verbindungen schwierig, doch könnte sich Port Said mit seinem Snezkanalverkehr zu einer wichtigen Wsatzquelle für Trauben entwickeln, ebenso dürften schon bald nördlichere Plätze, wie Konstantinopel, Dmyrna, Saloniki, Odessa, dafür in Betracht kommen, da die Traube in Palästina mehrere Wochen früher zur Reife gelangt als in der europäischen Türkei und Kleinasien. . Auch die R o s i ne n b e r e i tn n g dürfte in Zukunft eine große Rolle spielen, leider wenden die Kolonisten diesem wichtigen Zweige der Rebkultur, der. bei den Arabern schon zwei bedeutende Produktionszentren — Damaskus und Es-Salt — geschaffen hat, bisher noch zu wenig Ausmerksamkeit zu. b) B a u m k u l t u r e u. Einen Artikel von großer Zukunft, der aber für die jüdischen Kolonien erst jetzt anfängt Bedeutung zu erhalten, bilden die Orangen. Besonders die Jassa-Orange — in Deutschland zuweilen auch als Jerusalem-Orange bezeichnet — ist wegen ihrer Frühreife und wegen ihres schönen Aussehens berühmt. Etwa 800—1000 Hektar Orangengärten (Bujaren) umgeben Jaffa, während 200—250 Hektar neu angelegte Gärten sich ihnen anreihen; freilich sind von diesen älteren Gärten nur einige wenige in jüdischem Besitz; dagegen waren im Jahre 1902 schon über 200 Hektar Orangengärten in den jüdischen Kolonien angelegt, nicht nur bei Jaffa, sondern auch in Samaria und Galiläa, und allein im letzten Jahre sollten ca. 60 neue Hektare in den Kolonien, dicht bei Jaffa hinzugekommen sein. Bisher tragen freilich von diesen Gärten erst ganz wenige. Wenn man aber bedenkt, daß die 1000 Hektar Orangengärten Jaffas, die zum teil in miserabler Verfassung sind, doch für -über 3 Millionen Frcs. Orangen jährproduzieren, von denen für 2Vr—23/4 Millionen Francs exportiert werden-), so gelangt Man zu dem Schluß, daß die etwa 300 Hektar Orangengärten der jüdischen Kolonien in einigen Jahren für mindestens 1 Million Francs an Orangen werden exportieren können. Auch Zitronen und Paradiesäpfel (E t h r o g i m) werden in manchem der Orc "ngärten kultiviert, doch vorläufig in geringerer Menge, Aus dem Aprilheft der in Berlin erscheinenden Monatsschrift „Altneuland, Monatsschrift für die wirtschaftliche Erschließung Palästinas." -) Siehe A. Aaronsohn n. Dr. S. Soskin: „Die Orangengärten von Jafsa" im „Tropenpflanzer", Zeitschrift für tropische Landwirtschaft, 1902, Nr. 7, S. 341—361. wenngleich die Zitronenkultur nebst lokaler Herstellung von Limonensast — bekanntlich jetzt ein Weltartikel — vielleicht dermaleinst für Palästina von großer Bedeutung werden kann. Vielleicht wird sich in Zukunft auch die Herstellung der sog. kalabreser und sizilianischen Essenzen, wie Bergamottöl, Zitronenöl, Pomeranzenöl, Orangenblütenöl, in den jüdischen Kolonien entwickeln lassen, ebenso wie sich wohl auch die Bienenzucht mit der Orangenkultur mehr als bisher verbinden ließe. Wird doch schon jetzt in einzelnen Kolonien, wie Petach-Thikwah, Rischon-el- Ziou und Waad-el-Chanin, Oraugenhonig hergestellt, an letzterem Ort soll ein Kolonist über 200 Bienenstöcke besitzen. Wie dem auch sei, jedenfalls ist die Orangenkultur als solche noch einer bedeutenden Ausdehnung fähig, das Land vieler der jüdischen Kolonien ist in hervorragender Weise dazu geeignet, und wenn nicht die Anlagen so bedeutende Mittel erforderten und man nicht auf die Ernte so viele Jahre zu warten hätte, so würden die Bujaren schon heute ebenso viel Tausende Hektar bedecken, wie jetzt Hunderte. Hier kann ein richtig geleitetes Borschußwesen, z. B. eine Art Hypothekenbank oder ein anderes Kreditinstitut, das langfristige Borschüsse gewährt, ungemein zur Entwickelung der Kolonien beitragen, und es liegen auch schon dahin zielende Anregungen vor. In bezug auf die sonstigen Baumpflanzungen können wir uns kürzer fassen; es sind vor allem Oliven, Mandeln, Feigen, Aprikosen, Pfirsiche, Maulbeeren sowie die Eucalyptnswälder. Die Olivenkultur ist ja eine der allerwichtigsten Kulturen Palästinas; leider aber wird das Produkt in so mangelhafter Weise behandelt, daß das Del keinen sehr hohen Preis erzielt und deshalb großenteils an Ort und Stelle zur Seifenbereitung verarbeitet wird, so daß jährlich für ca. 2.lh Millionen Francs Seife exportiert wird. Die jüdischen Kolonien sind vorläusig noch ivenig am Olivenbau interessiert, es werden aber immerhin schon 440 Hektar Oliven aufgezählt, was bei sehr gering angenommenen Durchschnittserträgen von 500 Frcs. pro Hektar doch in einigen Jahren einen Wert von über 200000 Francs entsprechen dürfte. Die Olive braucht einige Jahre niehr bis zur Erntereife als die meisten anderen Fruchtbäume; in Kalifornien rechnet man bei sehr sorgfältiger Kultur für Mandel, Pfirsich, Aprikose, Feige, Orange vier Jahre, für die Olive sechs Jahre, bei der im Orient üblichen mangelhaften Kultur sind sogar acht bis zwölf Jahre,bis zur ersten Ernte erforderlich. Das ist der Grund, warum sich die jüdischen Kolonisten bisher nur so wenig mit der gerade für Palästina so hervorragend gut geeigneten Olivenkultur besaht haben. In dem jetzigen stetigen Stadium der Kolonisation wird ohne Zweifel dieser Kultur bald viel mehr Beachtung geschenkt werden, wozu die Ansätze schon jetzt erkennbar sind. Keine Kultur eignet sich so gut wie diese für Leute, welche, ohne schon selb st nach Palästina auswandern zu wollen, sich dort Land zu kaufen beabsichtigen und mit relativ wenig ltn« No. 17. koste n und f a st ohne Risiko den Wert desselben für die Zukunft st e i g e r n wollen. Die auf etwa 350 Hektar berechneten M andelpflanzungen der jüdischen Kolonien haben schon seit einigen Fahren begonnen, Erträge zu liefern, die freilich vorläufig noch nicht groß sind, immerhin aber in einigen Jahren von Bedeutung werden dürften: sowohl in Judäa als in Galiläa besitzen die Kolonien Mandelpflanzungen. Aprikosen und Pfirsiche werden wegen der Schwierigkeit der Verwertung infolge des Fehlens von Konservenfabriken bisher nur relativ wenig in den jüdischen Kolonien angebaut, merkwürdigerweise auch die Feigen, obgleich alle diese Früchte in getrocknetem Zustande einen bedeutenden Handelsartikel würden bilden können. Von größerer Bedeutung hingegen sind die Maulbeer Pflanzungen, die insgesamt etwa 330 Hektar einnehmen und zwar besonders in den älteren Kolonie» Judäas, Samarias und Galiläas zu finden sind. In Rosch Pinah in der Gegend des Meromsces ist sogar schon eine Seidenspinnerei mit Dampfbetrieb eingerichtet, die aber vorläufig noch viele Kokons aus den Dörfern des Libanon zu kaufen gezwungen ist. Auch eine kleine Weberei und Färberei ist hiermit verbunden, die sich aber gegenwärtig noch in einem Versuchsstabium befindet. Die Seidenzucht hätte in den jüdischen Kolonien unzweifelhaft schon eine bedeutend größere Ausdehnung erlangt, wenn sie nicht gerade in den 90er Jahre» in der Zeit der Baissepcriode ins Leben gerufen worden wäre, wo bei Preisen von 1,80—2 Frcs. pro Kilogramm Kokons eine Rentabilität nicht zu erzielen war. Die jetzigen Preise von 3.50—4 Frcs. haben zwar einige der christlichen Eingeborenen in Gallläa zu Neupslanzungen veranlaßt, die jüdischen Kolonisten stehen aber großenteils dem Seidenbau immer noch skeptisch gegenüber?) (Fortsetzung folgt.) Der Verband der deutschen Inden. Wir hatten bereits in unserer Nummer vom U. März „Die Gesamtorganisation. der Israeliten Deutschlands", die sich nunniehr am 24. April in Berlin definitiv konstituiert hat, einer eingehenden kritischen Beleuchtung unterzogen. Wir hatten betont, daß wir eine Bereinigung der Juden Deutschlands, die einzig und allein eine Vertretung nach außen hin bezweckt, nicht allein für verfehlt, sondern geradezu für schädlich halten, da sie die Judenheit offiziell in den politischen Parteikampf hineinzerren wird. Die jndenfeindliche Presse gibt bereits in der Art, wie sie die Organisation ausgenommen hat, ein Vorgeschmack von dem, was kommen kann. So schreibt die Kreuzzeitung: „Der „Verband der deutschen Juden" hat den Satzungen, zu denen er sich der Oeffenllichkeit gegenüber bekennt, eine so allgemeine Fassung gegeben, ° 3) Siehe A. Aaronsohn u. Dr. 2. Soskin: „Die Zukunft des Seidenbaues in Palästina" in „Palästina", Heft 3 u. 4, 1902, S. 123—153.