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Neue jüdische Presse · 1904-04-29 · Heft 16 (29.4.1904) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 16 (29.4.1904)
Date
1904-04-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ifrurlilifdirs ftiilirailatt Diese Zeitung erscheint jeden Freitag. Sämtliche Postanstalten des In-und Auslandes, sowie die Geschäftsstelle des Frankfurter Israel. Familienblattes in Frankfurt a. M. nehmen Abonnements- Bestellungen schriftlich und mündlich entgegen. (Abonnementspreise stehe Schluß des redaktionellen Teiles). KedaLtt-n Md HefchLftsstekls: SranKfurt a. ITC., LeiligKeuzgafle 52, Lcke Llaxperfeldstraße (gegenüber der Neuen Iril). -WH- Herausgeber: Kakg Heis. Jnsertionspreise: Die viergespaltene Petitzeile. 25Pfg. Die Reklamezeile. 100 .. Stellen-Angebote und -Gesuche die Silbe 2 .. Beilagen: Das Tausend Mk. 5.— bis Mk. 8.- 2. Jahrgang. Freitag, de« 14. Ijar 5664 (29. April 1994). Ra. 16. Die Jüdische Kolonisation Palästinas." - Von Professor Dr. 0. Marburg. 1. Die Kolonien. Die jüdische Kolonisation in Palästina hat, trotzdem sie erst 1882, als 1-t Jahre nach der Einwanderung der Templer, begann, doch schon recht bedeutende Dimensionen angenommen und es ist zweifellos, daß sie dem Lande im Laufe der Jahre ein völlig anderes Aussehen geben wird. Wenngleich vorläufig noch die überwiegende Mehrheit der in Palästina lebenden Juden die wenigen größeren Städte bewohnt, indem von den dort lebenden 60—80000 Juden je nach den verschiedenen Schätzungen in Jerusalem 28—41000, in Safed 7—13 000, in Jaffa 3—10 000, in Liberias 2600—7000 Juden wohnen, über 1000 noch in Hebron und Haifa, so ist doch die landwirtschaftliche Bevölkerung in stetigem Steigen begriffen und wird in den nächsten Jahren aller Voraussicht nach in beschleunigtem Maße zunehmen, sowohl durch Einwanderung von Osteuropa aus, als auch besonders durch Ablvanderung ans den überfüllten Städten. Momentan gibt es in Palästina ca. 2 7 j ü d i s ch e Dörfer mit über 5200 Einwohnern, außerdem sind aber acht größere Landkoinplexe vorhanden, die zur Gründung neuer Kolonien verwendet werden sollen, sowie sechs kleinere Besitzungen, größtenteils Orangengärtcn. Mehr als die Hälfte der Kolonisten lebt vom Weinbau, der Rest vom Getreidebau, während die bedeutenden Baumpslanzungen der verschiedensten Art erst jetzt allmählich in die Periode der Produktion treten. Man berechnete^ im Jahre 1902 das Getreideland auf ca. 13 000 Hektar, das Weinland auf 2500 Hektar, die Baumpflanzungen inkl. der Orangengärten auf 1400 Hektar; dazu kommen noch ca. 20000 Hektar Weide- und Brachland, das zum größten Teil aus verschiedenen Gründen erst für später anzulegende Dörfer in Betracht kommen kann. Durch neue Käufe hat sich der Besitz wieder um einige Tausend Hektar — meist Ackerboden — vergrößert, so daß man jetzt den jüdischen Gesamtbesitz ans 40000 Hektar Land schätzen kann. Die Kolonisten verfügten 1302 über ca. 1200 Gebäude, 5000 Stück Vieh, darunter 1545 Ochsen, 1141 Kühe. Doch sind die Ausstellungen durchaus unvollständig, und auch hier ist in der letzten Zeit eine bedeutende Vermehrung zu verzeichnen. Nach den neueren Berichten entwickeln sich fast alle Kolonien in günstiger Weise, nur wenige derselben bedürfen.noch größerer Unterstützungen, viele Kolonisten zahlen auch schon regelmäßig ihre Zinsen und Amortisationsquoten. Die Auswanderung von Juden, aus Palästina, die infolge von Arbeitslosigkeit stattfand, berührte die Kolonien nur in geringem Maße und diente zugleich mit der Verteilung der überschüssigen Arbeitskräfte auf neue Ansiedelungen zur Sanierung der alten Kolonien. i) Aus dem Aprilheft der in Berlin erscheinenden Monatsschrift „Altneuland, Monatsschrift für die wirtschaftliche Erschließung Palästinas." Nach dem Bericht des Agronomen Oettinger, der von der Chowewe-Zion-Gesellschaft in Odessa zur Untersuchung der Lage der jiidischen Kolonien im Jahre 1002 ausgesandt war, erwerben die genügend installierten Bauernsamilien in Palästina mehr als die schon seit vielen Jahren nicht weiter unterstützten jüdischen Kolonisten in Südrußland, und auch die Gesamtsumme der Abgaben soll in Palästina geringer sein, als in Rußland. 2. Die Produkte der Kolonien, a) Weinbau. Das Hauptprodukt der jüdischen Kolonien ist, wie oben erwähnt, der Wein, der in mehr als der Hälfte sämtlicher Kolonien gebaut wird. Die Produktion betrug 1801 32 000 Hektoliter, 1902 46 000 Hektoliter und 1903 ca. 60000 Hektoliter; teils sind es Süßweine, wie Portwein und Malaga, teils herbe Weine, ihrem Charakter nach, entweder bordeauxartig oder dem roten und weißen Burgunder entsprechend. Auch Kognak wird jetzt vielfach in den Kolonien hergestellt, namentlich in solchen, die fernab von den Kellern liegen. Die beiden Hauptkeller, früher Baron Edmund von Rothschild, jetzt der von ihm eingesetzten Palästinakommission der Jewish Colonization Association gehörend, befinden sich in Rischon le Zion und Sichron-Jacob und können zusammen etwa 60000 Hektoliter Wein fassen; in dem Keller von Rischon le Zion sind ca. 43 Arbeiter beschäftigt, zur Zeit der Weinlese sogar 75—80. Der Wein geht größtenteils nach Hamburg, wo die Weingesellschaft Eliadah im Freihafen ein großes Lager hat. Von hier wird der Wein harlptsächlich nach England verkauft, vielfach aber auch nach Frankfurt und anderen deutschen Plätzen, sowie nach Nordeuropa. Da der Wein schwer ist — enthält er doch 11—13 Prozent Alkohol —, viel Extraktivstoff besitzt, dagegen wenig Säure und Aroma, so eignet er sich vorzüglich zur Mischung mit dein leichten aromatischen, sauren Weine des Wcinbaugrenzgebietes in Deutschland. Man bezeichnet ihn demnach als sogenannten Berschnittwein, wenngleich eigentlich der Palästinawein die Basis abgibt und der deutsche Wein als Berschnittwein benutzt wird. Das Resultat wird dann auf dein Kontinent Bordeaux und in England Claret genannt. ' Es ist einleuchtend, daß der Konsum solcher Weine einer großen Steigerung fähig ist, werden doch allein in Deutschland gegen 700000 Hektoliter Wein jährlich importiert, von denen ein großer Teil Verschnittweine aus Südeuropa sind. Eine Abschlietzung gegen die zur Mischung dienenden Südweine seitens Deutschlands muß als ausgeschlossen gelten, da. die Winzer der Grenzgebiete der Weinkultur unbedingt solcher Weine zur Mischung benötigen. Freilich werden die für Verschnittweine erzielten Preise keiner großen Steigerung fähig sein, aber sie ermöglichen doch schon jetzt in Palästina die Zahlung von 20 Frcs. pro Kantar, gleich 300 Kilogramm Trauben, die etwa 2 Hektoliter Wein geben. Hierbei berechnet man bei einer Bruttoeinnahme von 450 bis 500 Frcs. pro Hektar einen Reingewinn von 170 bis 218 Frcs., falls der Keller in der Kolonie ist, so daß der Kolonist, der über 5 Hektar Weinländ verfügt, damit wohl auskommen sollte. Wenn die 2500 Hektar Weinland erst in voller Produktion stehen werden — viele Rebe» mußteil wegen der Reblauslrankheit auf amerikanische Ilnterlagen umgepfropst werden —, so werden die Kolonisten daraus Bruttoerträge von mindestens Ihr Will. Frcs. und Reinerträge im Werte von inindestens 500000 Frcs. erzielen. Das Hauptgewicht ist natürlich auf Erzielung besserer Preise zu legen, was durch Detailverkauf für die 60000 Hektoliter der jüdischen Kolonien ebensogut erreichbar sein sollte, wie für die 8000 Hektoliter des von den Templer-Kolonien exportierten, eher etwas weniger gut zubereiteten Weines. Dieses Ziel zil erreichen, beinühen sich mit steigendem Erfolge eine Reihe Verkaussgesellschasten, unter denen vor allem die Karmel-Gesellschaften (in Warschau, Wien, Kopenhagen, Neivyork soivie dem Orient), die Palestine Wine Cy. in London, die Jmportgesellschaft Palästina in Berlin und die Sociötv Wgneronne in Jaffa-Jerusalem-) angeführt sein mögen, von denen einige schon ganz bedeutende Dividenden zu zahlen in der Lage sind. Bon den 46 000 Hektolitern, welche die jüdischen Kolonien im Jahre 1902 produzierten, sollen die Eliadah ca. 30 000, die europäischen Verkaussgesellschasten ca. 6000 Hektoliter abgesetzt haben, während schon 10000 Hektoliter im Orient selbst verkauft werden konnten. Dieses Orient- - Verkaufsgeschäft wird vor allem einer Ausdehnung fähig sein; schon jetzt kaust Egypten viel Wein, besonders groß ist der Umsatz der Firma I. Nestler in Alexandrien, und sowohl in Beirut, Smyrna, Konstantinopel, Saloniki als im Libanongebiet und in Cypern begegnet man schon diesen Weinen. (Fortsetzung folgt.) Ans der Zeit — siir -ie Zeit. Gedanken eines gesetzestreuen Juden. II. In jüdischer Bildung soll also unser Volk erzogen werden, damit cs sein eigenes Problem verstehen lerne und es für die Zukunft zu lösen vermöge. Ihre Wesenheit definierten wir in vierfacher Richtung. Diese Biergestaltigkeit ist schon in unserer Taaro, der Gesetzesgesamtheit des jüdischen Volkes ausgeprägt, die als eine Bundesverfassung „Berns“ zwischen Gott und Israel, des letzteren ganzes privates und Volksleben regelt und bestimmt. 1 Vier Gesetzesartei! i .ib im Grundbuch unserer Gesetze, der Tarne, unterschieden: „Edausa“, .Zeugnisse", die Zeugenschaft ablegen von dem Walten Gottes in unserer Geschichte; die uns ins Bewußtsein rufen und uns anerkennen lassen, daß ein höchstes Wesen die Geschicke des Einzelnen, des Volkes, der Menschheit lenkt, daß über menschliche Willkür eine allmächtige Vorsehung herrscht, das die Weltgeschichte 2) Die „Socists Vigneronne de Jaffa" ist vor kurzem dem „Orient-Karmel" einverleibt worden. D. Red.

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