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Neue jüdische Presse · 1904-04-15 · Heft 14 (15.4.1904) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 14 (15.4.1904)
Date
1904-04-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Frankfurter Israelitisches Famllienblatt. Nr. 14. kelnden Augen der Schlange es anblickcn, wenn ihr giftiger Hauch es berührt. Mirjams Glieder zitterten wie von Fieberschauer, das Blut im Herzen drohte ihr zu stocken. — Da fiel ihr Blick auf einen hebräischen Spruch, der über dem Lager ihres Vaters auf die Wand geschrieben war, denn wir Karäer lieben es, die Wände unserer.Hütten mit Worten Gottes zu beschreiben, wie du es gesehen haben wirst. „Der Ewige, er ist Gott!" Dies hatte der froinme Me da ausgeschrieben, wohin sein letzter Blick am Abend, sein erster am Morgen fiel. Seine verzweifelnde Tochter las den Spruch, ihr kam die Erinnerung,' wie der schwergeprüfte fiZater ihn so oft von seinen Lippen hatte gleiten lassen, und wie ein Gruß des Friedens kamen die Worte in ihr Herz und stärkten es mit wunderbarer ■ Kraft. „Wohlan," sprach sie zu sich selbst, „,»»>>» des Einigen willen, der Gott ist, will ich dich nicht scheuen, der du nur ein . Chan bist." Sie überlegte nun, wie sie sich der Gewalt des Chan entziehen könne und. kam zu dem Entschlüsse, durch die Steppe in eine Stadt des Nordens zu ftiehen, wo eine unserer Gemeinden hauste, und ein Bruder ihres Vaters lebte. Ihren Bruder wollte sie hier in die Lehre geben bei einem mitleidigen Karäer. Ihr Entschluß stand fest,- sie wußte welchen Gefahren sie cntgegenging, aber lieber in die Hand des Herrn, als in die Hand der Menschen. (Schluß folgt). Bücherschau. Der Zionismus vom Standpunkte der jüdischen Orthodoxie, beleuchtet von M. A. Roth, 'Oberrabbiner in Papa; herausgegeben vom Verein „Ahawas Zion" in Tapoltschan. Preis 50 Heller. 76 Seiten. Ich werde jenes Momentes, in welchem mir zum ersten Male dieser Wechsel der Gesinnung in seiner ganzen Größe klar wurde, nie vergessen. Es war zum Beginn der zionistischen Bewegung. Ich hatte bis dahin derselben nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Wohl hatte ich etwas in den Zeitungen, von dem von Dr. Theodor Herzl herausgegebenen „Jüdenstaat" gelesen, hatte mich aber weiter um dieses nicht "gekümmert. Ich hielt das Ganze für eine Utopie. Da kam mir ganz zufällig eine Zeitschrift „Die Welt", von der ich früher nichts gehört hatte, zur Hand. Der Neugierde halber begann ich in derselben zu lesen. Ich traute meinen Augen nicht — was ich da zu lesen bekam! Ist es Traum — ist es Wirklichkeit? Von dieser Seite solche Gesinnungen! Die Assimilation, die bisherige Seligkeft aller Aufgellärten verurteilt — über die jüdische Reform und deren Priester, die Resormrabbiner, der Stab gebrochen — die Mendclsohn'sche Richtung in ihrer Gefährlichkeit erkannt — der leidende Bruder des Ostens, trotz seines Kaftans und seiner langen Pees geliebkost — die Lieblosigkeit des reichen Gcldjuden, der sich 'um das Schicksal seiner Brüder nicht kümmert, die Servilität der sich in christliche Gesellschaft Elndrängendcii mit der ganzen Verachtung, die diese Sclbstentwürdigung verdient, gebrandmarit — auch der jüdische Dialekt, dem sie den schmachvollen Namen „Jargon" gegeben hatten, und bei dessen bloßer Erwähnung früher jeden „Aufgellärten" eine Gänsehaut überlicf, auch dieser mit brüderlicher Liebe behandelt und gewürdigt — und alles dies von Liebe zum jüdischen Volke, zur jüdischen Vergangenheit und zu Zion getragen und durchweht . . .! Tränen entstürzten meinen Augen. Nein! Einen solchen Umschwung hatte ich nicht erwartet, — offen gestanden, im natürlichen Wege nicht für möglich gehalten. Ich war sprachlos vor Erstaunen und Entzücken, und dankte in» tiefsten Innern "meines Herzens Haschen» jisborach, der die Zeiten und ihre Anschauungsweise so wunderbar »lniänder» konnte. Ich dankte ihm aus vollem Herzen, daß Er mich diese Zeit erleben ließ.- Ich war »nir auch sofort der großen Tragweite bewußt, die dieser Umschwung zur Folge haben inüsse. Das Brechen mit der M'iinilation, war das große Wort, welches geeignet ist, dem Siecht»nne und dem Verfalle des westeuropäischen Judentumes einen Hall zu gebieten. Bor Mein »nutzte diese Giftquelle, welche die innersten Säfte des Judentums zersetzte und vernichtete, verstopft werden, ehe an einen Heilungsprozeß gedacht werden könne. Sämlliches Unheil, »velches das Judentum seit mehr als einem Jahrhundert getroffen, ist aiif den unseligen Gedanken der Assiinilation, der Eninationalisierung des jüdischen Volles zurückzuführen. Als das von Napoleon I. eiuberusene Shuhedrio» das erstenlal den Satz anssprach: Die Juden seien kein Volk, sondern blos eine Konfession, eine Religionsgenossenschaft; es gebe daher keine französische Juden, sondern blos Franzosen jüdischer Konfession, ahnte man »oohl nicht, Ivelcher verhängnisvolle Gedanke für das Judentu»»» hiermit ausgesprochen wurde. Es »nüßte sonst ein donnernder Protest von allen ihr Voll und ihren Glauben liebenden Juden, von einen! Ende der Erde bis zuin andern. Legen diesen Ausspruch erhöben worden sein. Man meinte wohl, das; es sich 'um eine lleine Konzession handle, u»n ein Schönheits-Pflästerchen, welches die französischen Rabbinen dem großen Cäsaren-zu Liebe, dem Judentum e anhasten tvollten. Aber dein Denker ist cs heute klar, daß mit den» Aussprüche dieser Tendenz der Keim zu allen iin Laufe des.. Jahrhunderts erfolgten Verwüstungen, Verödungei» und Zerklüftungen im Schoße des Judentums gelegt war. Wohl hat die Emanzipation, der Auszug aus dem Ghetto, der durch 'diese Verhältnisse häufiger gewordene Verkehr mit der nichtjüdischen Bevöllerung vieles z,»r Mbröckelung der jüdischen Gesetzestrcue beigetragen, doch nie und nimmer hätte der Mfall ein so großer, ein so allgeineiner lverden können, hätte» sich nicht diesen Versuchnngen, denen der Jude im bürgerlichen Leben ausgesctzt ivar, der theoretische Abfall, beigesellt. Das Judentum ist kein Volk, ist eine Konfession! Mit dieser Tendenz raubte man dem Juden mit seiner Vergangenheit auch seine Zukunft, und was dann in der Gegenwart übrig blieb, damit ist eine nivellierende Zeit auch bald fertig geworden. Diese eiitnationalisierende Tendenz ist die feigste Fahnenslucht, der größte Verrat, der je an einem Volke verübt wurde. Die Entnationalisierung ist die Mutter aller Assimilationsbestrebungen und diese hat in dem Israel der Kulturländer solche Orgien gefeiert, solche Verwüstungen angerichtet, wie noch nie ein äußerer Feind cs zu tun vermochte. Tausende und aber tausende Inden, Kinder von Vätern, die die drückendsten Ausnahmegesetze, die schmachvollste Behandlung seitens der Völker in ihrer Glaubenstrcuc nicht ivankend machen konnten, die das Martyrium ihres Glaubens freudig ertrugen, die Scelcngröße genug besaßen, wenn cs seii» »nüßte, diese mit ihren» Blute zu besiegeln — haben öffentlich den Gott ihrer Väter verleugnet und den jüdischen Glauben abgeschwore». Die große Masse, die dem Namen nach noch Juden geblieben sind, sind dem Gesetze ihrer Väter ganz entfrenidct worden; ihr Lebensidcal gipfelt in dem Streben, in der christlichen Gesellschaft nicht als Juden erkannt zu werden. Ein Bernichtungskampf gegei» alles spezifisch Jüdische, in» Hause, im Gcmeindelebe», im Gotteshause, wo cs. so weit konimen konnte, daß man daran ging alle Gebete - um Zion und die jüdische Zukunft tveg zu „reformieren" — waren die traurigen Folgen dieser länger toi» ein Jahrhundert dauernden nilseligen Verirrung. . * Wir haben die Broschüre, die von den religiösen Zionisten schon seit Woche»»' mit Spannung erwartet worden ist, selbst reden lassen. Der Herausgeber ist ein streng orthodoxer und gelehrter Rabbiner und das wird manchen, der bereits Sympathie für de» Zionismus hegte, und nur zur Beruhigung etwaiger religiöser' Bedenken ans das Wort einer „Autörität". gewartet Hatte, veranlassen, seine Skrupel nnnmehr als beseitigt zu erachten. - Leseblüte. Unser Genieindeleben wird durch das autokratische Wesen und die fossilen Anschauungen der Vorsteher entstellt; abgedroschene Routine herrscht statt denkender Schaffenskraft; wir werden von einen» seelenlose»» Mechanismus regiert. Der Geldsack »nacht sich breiig der' Familienstolz lastet auf uns und der größte Fluch ist jener schläfrige Optimismus, der sich die Augen zuhält, um nicht im Behagen des Augenblicks gestört zu werden. — Aus Unto Each Man his Own von Samuel Gordon. P. P. Wir teilen hierdurch ergebenst »nit, daß wir für unsere Unterrichtskur.se nuninehr Ans ch a u u n g s b i l d e r angeschäsft haben, wodurch das Berständliis bedeutend erleichtert wird. Die Unterrichtsstunden finden Sonntag Morgen voi» 9—10 Uhr und Montag Abend von 9—10 Uhr ii» unserem Bereinslokalc (Aula der Religionsschule, Herinesweg 25/27) statt. Der Unterricht ist für die aktiven Mitglieder (Jahresbeitrag 6 JL) kostenlos. Beitritte werden in toi Unterrichtsstunden jeder Zeit angenommen und können bei der cingesührtei» Berlitz-Methode auch jeder Zeit geschehen. Der Borstand des Hebräischen Sprachvereins. Das „Frankfurter Israelitische Familienblatt" kostet in Frankfurt a. M. Mk. 1.— einschließlich Bringerlohn, auswärts Mk. 1.02 einschließlich Bestellgeld (bei Abholung von der Post 12 Pfg. weniger). Auch im Auslande nehmen sämtliche Postanstalten Abonnements entgegen. a durch Streifband Mk. 1.50 vierteljährlich m. 2.-). 6* Wagnety Dentist, Rechneigrabenstr. 4. Sprechstunden von 9—12 und 2—6 Uhr. Zalwplompen in Gold, Porzellan, Silber n. Emaille, sowie Zahnkronen u. Gebisse in.Gold, Platin u. s. tt. in nur feiner Ansfuhrung. Schmerzlose Behandlungunter Garantie. Musterkoffer AS™, ■■= Reparaturen billigst.; —s : R. Götzinger, Sattler, Neue Zeit 64. Israelitischer Mädchenklub Falurgasse 140. DM- Jeden Abend von 7 Vs—10 Uhr geöffnet. *M> ZN WevLin nimmt M. Poppel auee's Buchhandlung Neue.Friedrichstraße 59 Abonnements und Inserate auf das Frankfurter Israel. Famllienblatt zu Originalbedingungen entgegen. 000000000000000000000000000000000000000000000000 §Silberwaren-Total-Ausverkauf 8 O wegen Verlegung des Lagers nach Rossmarkt II« O O ar- Hoher Rabatt, -«o sr Roher Rabatt. *wb Roher Rabatt, -d« o Sr. SCHÜBMAM «fc Co. VAIIC TIBBEV, Hofjuweliere. 8 500000000000000000000000000000000000000000000000 illl Willi. JVtüller-JCuH! SchUlerstrasse'28. Telephon 2639. Bauglaserei, Luxfer-Prismen, Eleciroglas Bureau, grosse Werkstätte und Lager. ' Eingang — .. Hausflur geradezu. — — ■

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