Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 2 (1904)
- Issue
- Heft 10 (11.3.1904)
- Date
- 1904-03-11
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10. .. Tränen, sodaß der alte Mann und seine Frau ihn beunruhigt anschauten. — Er fühlte sich gestärkt und wollte aufstehen und nach Hause fahren, das gab aber das biedere Ehepaar nicht zu. „Sie müssen Tee tranken und bis morgen tm Bett bleiben, glauben aie das einem alten Soldaten und Krankenpfleger. Es wäre lebensgefährlich für Sie, jetzt bei der griinmigen Kälte eine »stunde im Wagen zuzubringen." Das Mütterchen, das schon heißen Tee brachte, stimmte ihrem Manne bei und Berg schlief fest ein, .nachdem er seinen Tee getrunken hatte, die gute Me deckte ihn mütterlich besorgt zu. Das Ehepaar begab sich auf den Fußspitzen in das Wohnzimmer. Der Mann zündete seine lange Pfeife an und die Frau holte eine mächtige Kanne Tee und dann unterhielten sie sich flüsternd über den ereignisvollen Wend. — Das milde Licht der Lampe strahlte durch das Fenster und färbte den Schnee vor dem Hause mit rosigem Scheine. Die Berge, der Wald, der sich bis unten an Neustadt streckte, alles glitzerte in der sternhellen Winternacht im blendenden Schneemantel. In dem Dörfchen war alles dunkel, nur vereinzelt^ schimmerte durch die Scheiben eines der Häuschen ein trübes Licht. Tiefe Stille überall, nur selten schlug ein Hund an, dem ein anderer in der Nachbarschaft antwortete. — Die Wintersonne schien in's Stübchen, als Berg aus seinem tiefen Schlaf erwachte. Verwundert blickte er sich in der fremden Umgebung uni, als die Erinnerung wiederkehrte. Er sprang hastig aus und fuhr in seine Kleider, die getrocknet und gereinigt auf dem Stuhl lagen. Die Glieder waren ihm noch müde, wie zerschlagen, aber eine stille Freudigkeit strahlte aus seinen Blicken. Im Keinen Zimmer nebenan, traf er seine biederen Retter, die ihn mit der Frage nach seinem Befinden empfingen. Er antwortete fröhlich: „Gottlob, so wohl habe ich mich selten befunden." Er mußte nun Kaffee trinken. Das herzliche Wesen des alten Ehepaares wirkte so behaglich auf ihn ein, daß er sich wie zu Hause fühlte und sich auf's beste mit den Leutchen unterhielt. Er bat schließlich um Besorgung eines Wagens, was Lazarus nunmehr nicht verweigern konnte, obschon er ihn gexne noch etwas gepflegt hätte. .. Wahrend er den.vWageii im benachbarten Torfe holen ging, unterhielt sichnBerg mit der Frau. Durch geschicktes Fragen erfuhr er, wie dev Mann, den sein Amt im kleinen -Ort nicht ernährte, als Arbeiter in der Sägemühle sich plage, „lind mein Mann ist so gewissenhaft, er könnte ganz gut eine Aufseherstelle bekleiden; eben jetzt ist eine frei geworden. Doch wie Gott will." - Berg, der Mtionär von der Sagemühle und deren juristischer Beistand war, hatte so seine eigenen Gedanken, welche er aber vorläufig noch für sich behielt. Wie nun der Wagen kam, hüllte das Mütterchen seinen Pflegling geschäftig ein und legte ihm wärmende Decken in den Wagen. — Berg drückte seinen Gastgebern die Hand und sagte' ergriffen: „Sie haben mir das Leben gerettet und noch viel mehr als dieses, ich. kann Ihnen diesniemals danken, ich bleibe e!vig Ihr Schuldner. Aber mein Bestreben wird sein, Ihre ferneren Tage sorgenloser zu. gestalten. In einigen Tagen besuche ich Sie wieder." Am Wagen drückte er Lazarus ein Päckchen in die Hand und sprach: „Machen Sie mir das Vergnügen, sich und Ihrer Frau eine extra Schabbesfreude zu bereiten. Und nun Gott befohlen, auf Wiedersehen." Er fuhr schnell von dannen. Wie Lazarus aber im warmen Zimmer das Papier öffnete, sagte er vergnügt zu feiner Frau: „Rika, für die böse Winterszeit haben wir nun ausgesorgt." — Gestern stieg Berg mühsam in grauer, nebelschwerer Luft den Weg hinan, Kopf und Herz düster, niedergedrückt. Heute fuhr er denselben Weg in der HellenMinterpracht, alles blitzend, gleißend, vom funkelndes-Sönnenlicht 'überströmt, mit Sonne in Herz und Seele. Die mutigen Pferde eilten mit dem leichten Wägelchen wie der Wind die Straße herunter, noch viel zu langsam für Berg's Ungeduld. Er kam um die Mittagszeit in Neustadt an und ließ sich gleich .an's Rabbinerhaus fahren. Er stürmte in's Zimmer, tvo die Familie friedlich um den Tisch saß, und den selten gewordenen Besuch erstaunt betrachtete. Regina erhob sich blaß und zitternd. Er rief: >,Regina, Gott hat ein Wunder getan, er hat mich gerettet." . Er breitete seine Arme aus: „Geliebte, jetzt folge ich Deinen Wegen" — und er hielt sie fest umschlungen. Ende. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Aus den Vereinen. Berlin. Die freie akad. Verbindung .Psalmodia" zu Berlin hat Frau Johanna Stern-Berger in Frankfurt a. MZeit 34, für ihre Wohltätigkeit an den arme« Studierenden in Berlin aus Dankbarkeit zur Ehrendame ernannt. Berlin. Eine Zehntau send markspende hat eine Frau I o e l s o n zum Andenken an ihren kürzlich verstorbenen Gatten dem Israelitischen K r a n k e n h e i ni der Gemeinde Adass Israel gewidmet. Ans der Lehrerwett. 8. Ans dem Regierungsbezirk Kassel. Wenn auch der preußische Landtag und der deutsche Reichstag einige Bekenner des Judentums zu seinen Mitgliedern zählt, als Vertreter der Judenheit können und dürfen sie nicht gelten. Das bedeutsame Schweigen der jüdischen Ab geordneten aus die bodenlosen Verleumdungen des antisemitischen Hetzapostels anläßlich der Ostinarken-Znlage-Fra'e ist geradezu verblüffend. Lebte Rickcrt noch, er würde unbekümmert um das Schweigen seiner jüdischen Kollegen seine Stimme erhoben haben, als die Verletzung des Völkerrechts im großen Zarenreiche im Abgeordnetenhause zur Sprache gekommen waren. Daß unter solchen Erscheinungen die Gegner immer mehr Oberwasser bekommen, darf uns nicht Wunder nehmen: Was als Akt der Gerechtigkeit zu betrachten ist, gilt als Ausdruck des Wohlwollens. Nur einen Lichtstrahl aus den Tagungen des Abgeordnetenhauses haben wir Juden zu verzeichnen und zwar sind es wir jüdischen Lehrer, die ihn empfangen haben. Die Petitionskommissiou hat nämlich beschlossen, die Petition der jüdischen Lehrer, die zugleich ohne jegliche Vergütung das Amt eines Vorsängers zu versehen haben und daher wünschten, daß der Paragr. 4 des Besoldungsgesetzes, nach welchem das Gehalt, das christliche Lehrer ans der Kirchenkasse beziehen und xensionsberechrigt ist, auch auf jüdische Lehrer, die zugleich als Vorsänger bestellt sind, angewendct werden möge, der Regierung zur Erwägung zu überweisen. Eine gleiche im vorigen Jahre an das Abgeordnetenhaus hatte allerdings ein weniger freundliches Geschick. Es wurde über dieselbe zur Tagesordnung übcr-egangen. Durch die Ueberweisung dringt wieder ein Hoffnungsstrahl in das Herz manches Lehrers, der in der Nichtanwendung des Paragr. 4 des Besoldungsgesetzes auf ihn mit Recht eine Zurücksetzung erblicken mußte. ChruütM (Böhmens. Hier wurde der Kantor und Religionslehrer des hies. Kultusverer nes, Moritz Goldschmidt, zu Grabe getragen. Vakanzen. Schneidemühl (Posen). Shnagogendiener, der nötigenfalls Kantor und Schächter vertreten kann, per I.Juli. Mk. 1300 Einkomnien und freie Wohnung. Neheim a. Ruhr. Lehrer und Vorbeter per 1. April. Anfangsgehalt Mk. 1200: Meldungen unverheirateter, fern. geb. Bewerber. Schmalkalden. Religionslehrer, Kantor und Schächter. Einkommen ca. Mk. 2000. Meld. an das Vorsteheramt der Israeliten in Fulda. Briefkasten. N. N. Hier. Mk. 4 für die Volksküche in Jerusalem haben wir Herrn August Nachmann, Hier, Elkenbachstraße abgeliefert. Lauda« (Pfalz). In Amiens wohnen 1b jüdische Familien, welche jedoch absolut nichts halten; selbst am Roseübaseboaoü und Jomkippnr ist kein Gottesdienst. Sie können also in Amiens nicht rituell leben. Issum (Kreis Geldern). Ihr Brief enthielt außer Mk. 1,50 in Marken keinen weiteren Inhalt. Schlüchtern, lieber Jehuda Halevi finden Sie vieles in der Einleitung zu dessen Kusari von Cassel, ferner in Grätz Gesch., Karpeles, Geschichte der jüdischen Litteratur. Endlich giebt es eine Biographie von Professor Kaufmann, und ein Vortrag von L- Frank, Köln, in populär-wissenschaftlichen Vorträgen, herausgegeben von Gossel. _ Monlefiore, Verein zur Pflege der idealen Juleresseu jüdischer junger Leute. Einladung zur Hauptversammlung am Mittwoch, 23. März a. c, Abends 8*/ü Uhr. Seilerstraße 22. Tagesordnung: a) § 14 der Statuten, b) Beratung der neu entworfenen. Statuten. Hebräischer Sprachverein. .. Unterrichtsstunden für Herren und für Damen in der Aula der Israelitischen Religionsschule, Hermesweg 25/27: Sonntag Vormittag von 9—10 Uhr, Montag Abend von 9—10 Uhr. — Es werden noch Mitglieder angenommen. — Seite 5. Familienuachrichteu. (Aufnahme in diese Rubrik kostenlos.) Geburten. Ein Sohn. Herrn Max Grödel, Frankfurt a. M.. Scheffelstraße 25. Ein Sohn. Herrn Siegfried Rosenau, Frankfurt a. M.. Leerbachstraße 26. Eine Tochter, Herrn Heinrich Kauftnann, Frankfurt a. M-, Barkhausstraße 16. Ein Sohn. Herrn Salomon Wertheimer, Mannheim. Eine Sohn, Herrn Baruch Elias. Cassel. Verlobte. . Recha Pagenstein. Frankfurt a. M„ mit Ignaz Rosenkranz. Wiesbaden. Elise Wassermann, Frankfurt a. Bk. mit Siegmund Kaufmann, Frankfurt a. M. Slnna Hirsch. Frankfurt a. M., mit Dr. med. Jul. Hainebach. Frankfurt a. Bi. Lina Kellermann, Creglingen. mit Abraham Löwenthal. Frankfurt a. M- Lea Stiebet, Kitzingen, mit Max Sonder, Kitzingen. Paula Katz, Höxter a. M, mit Louis Rosenthal, Gießen. Else Heß, Malsch bei Wiesloch, mit Simon Apfel, Mannheim. Eheschließungen. Herrn. Winter, Düsseldorf, mit Frieda Bergenthal, Neustadt a. d. S. Moses, Saarwellingen. mit Regina Heß, Gelnhausen. Sterbekälle. Johannette Liebmann, 72 I., Frankfurt a. M.. Bockenheimer Landstraße 72. Simon Uhlmann, Stuttgart. Barmizwohs (Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit. Wir bitten um gefl. Mitteilung der Barmizwohs; die Aufnahme geschieht kostenlos.) Samstag, den. 12. März. Barmizwoh des Josef Jeidel. Sohn des Kaufmanns Jacob Jeidel, Langestraße 5. und des Ernst Pessel. Sohn des Kaufmanns Carl Pessel. Rückertstraße 12 in der Gemeinde-Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft, Schützenstraße. Wochen-Kalender (Zeitangaben nach dem Lu ach.) Samstag, den 12. März, Larsebat hachaudescli. Wochenabschnitt Wajakel pekudei. Sabbath-Ausgang in Frankfurt a. M.. 7 Uhr 15 Minuten. 'Straßburg 7 Uhr 10 Minuten, Berlin 6 Uhr 44 Minuten, Caßel 7 Uhr 02 Minuten. Kaiser Friedrich Quelle —— Ottenbach a. M. —— Vornehmstes Tafelwasser. MnsterkofferfK) Separatoren billigst. - R. Götzinger, Sattler, Neue Zeil 64. G. Wagner, Dentist, Rechneigrabenstr. 4. Sprechstunden von 9—12 und 2—6 Uhr. Zahnplompen in Gold, Porzellan, Silber u. Emaille, sowie Zahn* krönen u. Gebisse in Gold, Platin u. s. vr. in nnr feiner Ausführung. Schmerzlose Behandlung unter Garantie. Die glückliche Geburt eines kräftigen Jungen zeigen hocherfreut an Lehrer Höxter & Frau, Jesberg. Das .Frankfurter Israelitische Familienblatt" koste in Frankfurt a. M. Mk. 1.— einschließlich Bringerlohn. auswärts Mk. 1.02 einschließlich Bestellgeld (bei Abholung von der Post 12 Pfg. weniger). Aucss im Auslande nehmen sämtliche Postanstallen Abonnements entgegen. Bezug durch Streifband Mk. 1.50 vierteljährlich (Ausland Mk 2.—). Der heutigen Stadtauflage liegt eine Preisliste nebst Bestellzettel für Spezereiwaren nos by '. von Sam. Roseuthal, Reue Zell 20 bei. 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