Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 2 (1904)
- Issue
- Heft 9 (4.3.1904)
- Date
- 1904-03-04
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2692297-2692358-2692367--00754-2695178- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Malbim 1× ep/1002711
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
Nr. 9. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 5. Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Geehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie auf 'die Ausführungen des Herrn 1. A. Ijin die Erwiderung eines nicht minder gesetzestreuen Inden über, den „Zionismus vom Standpunkte der Religion." Höre Israel! „Jede Art der Selbsthilfe zur Wiedererlangung unserer nationalen Selbständigkeit ist verboten und daher mit dem Standpunkt des traditionellen Judentums nicht vereinbar." Hörst Du! — Wisse also, daß von nun ab es gilt, tarjaä (614) Mizwaus zu befolgen, die früheren tarjag (613) sind um eine neue „Lau saaseh“ vermehrt! Also, Selbsthilfe soll dem jüdischen Volke verboten sein; das lebendige, tatkräftige, hoffnungsvolle, aufwärts st redende Judentum soll Selbsthilfe und Tatkraft auch bei Gottvertrauen seinen Trägern, dem jüdischen Volke, verbieten. Ist dies, Herr t. A.', wirklich Ihr tiefer Ernst? 'Liegt nicht Ihrerseits eine kleine Verwechslung vor, meinen Sie nicht den p e s s i m i st i s ch e n Buddhismus? Wer auch in diesem Falle wäre das eine allzu kühne Behauptung! .Doch Sie sind kein Buddhist, sondern wollen mit aller Kraft ein gesetzestreuer Jude sein, und Ihre dogmatischen, kategorischen Artikel schließen jeden Irrtum, legliche Verwechslung aus. Auf'das optimistische Judentum sollen sich Ihre Artikel beziehen. — Also: das Judentum soll Selbsthilfe verbieten! Welches Judentum, Herr P. A.? Das Judentum von heute oder das Judentum von gestern, das traditionelle; das letztere hat schon längst Proklamiert: Ein saumchin al hanes, man soll sich nicht auf Wunder verlassen. Zum Satze öevorechecho Haschern •bechol ascher taase (Gott schütze dich in Mein, was du thust) bemerkt der „Sifri“ in Deworim beth: Jocbanl afilu jauschew botel, talmud laumar, bechol ascher taase (Könnte man meinen, auch wenn man müßig geht; deshalb heißt es: in Allem, was du thust); also, wenn ich die Hände in den Schoß lege, dann ist auch jegliche göttliche Hilfe ausgeschloffen. Demnach kann nur Tatkraft den Segen Gottes nach sich ziehen. Sie werden einwenden, dieser Grundsatz beziehe sich nur auf'die Parnosso des Einzelnen, anders aber ist es bei der 6SaIob des Gesamtvolkes bestellt. — Hören wir, was unsere Weilen gesegneten Andenkens in Bereischith rabbo, Parschat wajechi, Satz 97 sagen: „Rabbi Eleasar und Rabbi Simon Sohn Nachmenis: Rabbi Eleasar sagt, Parnosso gleicht der 6 gal oh und Güuloh der Parnosso. Rabbi Simon sagt, daß Parnosso noch schwieriger sei als Geuloh. denn ■ Gsulob, denn die Erlösung kann schon durch einen Aaioch geschehen, Parnosso, der Lebenserwerb aber nur durch Gott selbst." — Wenn bei Parnosso Tatkraft geboten ist, umsomehr bei der Gvalob. Man komme mir nicht mit dem altbekannten Satze al jaalu hechaumo; bezieht sich dieser doch nach der ausdrücklichen Erklärung Raschi’s auf die Eroberung Palästinas durch Gewalt, was in unserm Falle nicht in Frage kommt. — Auch die Begebenheit im 4. Buch Moses, Kapitel 14, wo ein Unternehmen entgegen dem Willen Gottes mit einer Niederlage endete, auch dort handelte es sich um Gewalt und die Niederlage trat ein wegen des Ungehorsam unserer Väter gegenüber dem Befehle Gottes. Wo und wann, Herr P. A., hat das Judentum gelehrt, die Hände in den Schoß zu legen und untätig auf Wunder zu warten, wenn die Möglichkeit selbst zu handeln geboten war? — Nein,'Herr P. A.1 Nie hat das Judentum so etwas gelehrt. Es ist vielmehr vom Standpunkte des Judentums, als eine Sünde zu betrachten, sich aus Wunder zu verlassen, wenn auf natürlichem Wege der Sache abgeholfen werden kann. Auch Moses hatte Josua mit Amatek kämpfen lassen. selbstverständlich hat er dabei auch gebetet. Gewiß hat Moses zu Nissim Zuflucht genommen, jedoch nur dann, wenn es nicht anders ging. Die Juden aus dem egyptischen Joche zu besteien, war auf natürlichem Wege nicht möglich gewesen, schon wegen ihrer Ungläubigkeit. — Bei der zweiten Geuloh aber, wo die Möglichkeit gegeben war, aus natürlichem Wege die Göalob vor sich gehen zu lassen, da wartete Esra auf Nissim nicht und schlug ganz natürliche Wege. ein. — Zweifellos hat es auch damals Nissim-Juden ungläubiger Natur, die sich nur durch Nissim überzeugen lassen, gegeben, die geringe Zahl der aus Babel nach Palästina Zurückgezogenen („Aulei Bowel“) bestätigt dies, und wegen der Schuld jener ungläubigen Juden war die Gsuloh nicht von langer Dauer, wie die Gemoro „Juma“ (Seite 9) meint, gewesen. Aber auch der Vorgang der ersten Geuloh sagt uns deutlich, wie wir zu handeln haben. In der Gemoro „Laute“ (Seite 38) und im Midrasch, Parschat Beschalach (Satz 21) finden wir hierüber die folgende Stelle: Gott sprach zu Moses bei der Spaltung des Meeres: Was schreist Du zu mir? Sage den Söhnen Israels, daß sie ziehen." Daraus folgt, daß das Meer nicht gespalten worden wäre, würden sie nicht zuvor ins Meer gestiegen sein, bis das Wasser ihnen zur Nase heranreichte: erst dann, als sie sich in diesem Zustande befanden, erst dann, als Nachschaun, Sohn Aminodow’s, und ihm nach der ganze Stamm Juda ins Meer gesprungen war, wurde das Meer trocken." »Also," so sagt ausdrücklich der Midrasch an dieser Stelle im weiteren Text, »erst, als keine Aussicht mehr vorhanden war, den Kindern Israels auf natürlichem Wege zu helfen, veränderte Gott die Natur." Der berühmte Gaon Malbim in seinem Kommentare zur Tauroh Parschat Sch’lach und W’eschanon sagt: „Würde Moses Israel in das Land Kanaan hineingesührt haben, und wäre diese Hineinführung durch Wunder geschehen, dann wäre jegliche Hoffnung auf selbständige Wiederlangung Palästinas verloren, dann würden wir gesagt haben, daß die Wiedererlangung Palästinas nur auf unnatürlichem Wege und nur durch einen Mann wie Moses stattfinden könne." (Fortsetzung folgt.) vr. Moutefiore, Verein zur Pflege der ideale« Interesse« jüdischer junger Leute. Mittwoch, den 9. März, abends 9 Uhr, im Bereinslokale Theobaldstr. 5 (Suppenanstalt): Bortrag des Herrn Siegmund Schott, Hier: Börsenwesen. Aus der Leyrerwelt. Eßlingen. Das Lauchheimersche Ehepaar feierte vor einigen Tagen in voller Rüstigkeit das Fest ihrer goldenenHochzeitumgeben von7Kindern, 11 Enkeln und 2 Urenkeln. Antwerpen. Herr Israel Nobel, Zögling des Berliner Rabbinerseminares und Prediger und Schuldirigent in Berlin, ist zum Direktor der hiesigen Jüdischen Bürgerschule berufen worden. Stiftungen. Berlin. Für das Reichenheim'sche Waisenhaus hat Frau Mathilde Behrend geb. Reichenheim zwei Vermächtnisse von je 60 600 Mk. bestimmt; das eine soll dem Fonds für entlassene Zöglinge, das andere dem allgemeinen Fonds zuflirßen. Hamburg. Der hier kürzlich verstorbene Kaufmann Simon Hetze hat seinen 400 000 Mark betragenden Nachlaß zu wohltätigen Zwecken bestimmt. 11. a. sollen Stiftswohnungen für Bedürftige mit einem Kostenauswande von Mk. 200000 erbaut werden. Berlin. DieJakobJsrael-Stiftungs.Pensions kaffe für die Angestellten der Firma N. Israel zu Berlin sowie für deren Witwen und Waisen, hielt ihre diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Aus dem Berichte des Vorsitzenden ging hervor, daß das Vermögen der Kasse 690,862.15 Mark beträgt und sich somit um 65,191.52 Mark gegen 1902 vermehrt hat. An Pensionäre wurden gezahlt 5907 Mark. Der Mitgliederbestand erfuhr eine Vermehrung um 7 Personen und beträgt jetzt 494, darunter 159 Verheiratete. Die Chefs der Firma zahlten 19.600 Mark als Zu schuß pro 1903. Zabrze. Die Erben des verstorbenen Herrn Max Böhm in Zabrze haben dem Israelitischen Waisenhause in Rybnick einen Betrag von 5000 Mark zum Andenken an den Verstorbenen gestiftet. Familieunachrichteu. (Aufnahme in diese Rubrik kostenlos.) Geburten. Eine Tochter. Rudolf Seckel, Frankfurt a. Bi., Liebigstraße 8. EineTochter, Dr. David Hartmann, Frankfurt a.M., Röderbergweg 41. Eine Tochter, Heymann, Frankfurt a. M., Rotlintstraße 7. Ein Sohn, Rosenblatt, Frankfurt a. M., Merianstraße 39. Ein Sohn, Jakob, Frankfurt a. M., Mvselstr. 40. Eine Tochter, Paul Koppel. Mannheim. Eine Tochter, I. Meyer, Weißkirchen. Eine Tochter, Dr. Artur Steiner, Magdeburg. Berlobte. Else Piorskowsky. Frankfurt a. M., mit Hermann Stern, Frankfurt a. M. Martha Rosenbaum, Gießen, mit Nathan Grünewald, Offenbach a. M. Nennt Heß, Birstein, mit Adolf Bronner, Straßburg i. Elf. Miriam Katz, Frankfurt a. M., mit Dr. Abr. Schapiro, Frankfurt a. M. Eheschließungen. I H. Heinemann, Frankfurt a. M., mit Sarah Manns, Frankfurt a. M. Isidor Mann, Darmstadt, mit Hedwig Löb, Frankfurt a. M. Stervesälle. Bella Grünebaum, Frankfurt a. M., Hermesweg 25/27. 39 Jahre alt. Elisabeth Hamburger, Frankfurt a. M., Eschersheimerlandstr. 80, 30 Jahre alt. Julius Uhlmann, Frankfurt a. M., Blumenstr. 11. 57 Jahre alt. Josef Levy, Straßburg i. Elf., 41 Jahre alt. Barmizwohs (Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit. Wir bitten um aefl. Mitteilung der Barmizwohs; die Aufnahme geschieht kostenlos.) Samstag, den 5. März, Barmizwoh des Max Bender, Sohn der Frau Michael Bender Wwe., Sandweg 34, in der Gemeinde-Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft. Wochen-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Lu ach.) Samstag, den 5. März, Parschat Poro. Wochenabschnitl Lisisoh. SabbatH-Ausgang in Frankfurt a. M„ 7 Uhr 05 Minuten. Straßburg 7 Uhr 05 Minuten, Berlin 6 Uhr 41 Minuten. Cassel 6 Uhr 48 Minuten. Sensationelle lleulieit. Die Deutsche Nahrmittelfabrik n. Import-Gesellschaft m. b. H. tu Frankfurt a. M. ' offeriert als gesetzl. geschätzte Neuheit „Kaffee u. Thee portionsweise in Filtriermaterial verpackt*1 als: Kaffee No. 1—6 im Preise von 20—70 Pfg. per Paket Theo echt chin. 8—11 im Preise von 40 Pfg. bis 1 Mk. per Paket „Cacao-Nährspeise Blitz No. 20 mit Milch, Zucker, Nährbrot p. Paket 1U Pfd. 35 Pfg., */* Pfd. 65 Pfg., 1 Pfd. Mk. 1.20. Familien Cacao mit Nährsalz No. 25 besonders leicht verdaulich per Paket V« Pfd. 55 Pfg., ytPfd. Mk. 1.—, 1 Pfd. Mk. 1.95. Tafelzwieback, feinste Ware, elegante Packung per Paket 18 Pfg. Reichhaltiges Lager in Süd-, Tischweinen, (letztere Probeflasohe von 75 Pfg. an). Liköre» Cakes, Chokolade. B. STEINLAUF, Frankfurt a. M. Xangestrasse 40, Ecke Neue Zeil. Baii-und MSbelsrfireinerci, Polier-'will Heparatur-anstalt. JULI (1S FU LD, Glauburgstr. 33part., empfiehlt sich - zur Ausführung von Conunisslons- und Agentur-Aufträgen, - sowie auch zur Aquisitlon für Inserate und Incasso. > Prompte, und 'billig©- Bed.ien.-umg. ■■■■-- AUGUiT 1MESCII* Schäfergasse 7 empfiehlt Salatoel in Kannen und Flaschen, ia. Qualität. Lieferung frei ins Haus. Paul Ludwig, Slaserei, frißd&ergedaadsfc. 83 empfiehlt sich in Verglasung von Kohu. Spiegelglas, ferner Uebernahme von Neubauten, sowie Einrahmen von Bildern, Brautkränzen u. s. w. . -Reparaturen prompt und billig. Adolf Häuser, Oederweg 73, ÄCÄ DafflCn* n.Herren-SalOnS z. Haarschneiden, Basieren, Frisieren u.8champoonieien mit neuesten Apparaten. Abonnements in und ausser dem Hause. , Aufmerksame, gute Bedienung. —Massige Preise. — Lager in. BarfCboaerie- und ■Toiletten.-ArtUcel. . Anfertigung aller Haararbeiten ln naturgetreuer Ausführung. W