Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 2 (1904)
- Issue
- Heft 9 (4.3.1904)
- Date
- 1904-03-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2692297-2692358-2692367--00750-2695174- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
it I« . Jfif!!—-- '" '” " > Diese Zeitung erscheint jeden Freitag. Sämtliche Postanstalten des In- und Auslandes, sowie die Geschäftsstelle des Frankfurter Israel. Familiewblattes in Frankfurt a. M. nehmen Abonnements- Bestellungen schriftlich und mündlich entgegen. (Abonnementspreise siehe Schluß des redaktionellen Teiles). He_daKttorl und chefchLftsstekle: Srsnkfuri s. M., Leiligkeuzgaße 52, Lcke Llapperjeldstraße (gegenüber der Urnen Zeit). -»-SS-4- HeransgeVev: Katg Heis. Jnsertionspreife: Die viergespaltene Petitzeile. 25 Psg. Die Reklamezeile. 100 .. Stellen-Angebote und -Gesuche die Silbe 2 .. Beilagen: Das Taufend Mk. 5.— bis Mk. 8.- 2. Jahrgang. Freitag, de« 17. Mar 5664 (4. März 1904). Ra. 9. Jahrbnch der Indisch - Literarischen Gesellschaft (Sitz Frankfurt a. M.j 1903 — 5664. Von Dr. PH. Frankl. (Fortsetzung statt Schluß). Hier nun setzt das erwähnte Werk Halewy's mit Erfolg ein. Aus Grund des. Talmuds und vom Talmud 'ausgehend, wird hier nachgewiesen, welcher Verdrehungen und Unwahrhaftigkeiten man sich bei Beurteilung dieses geistigen Riesenbaus bediente. Neberall, wo von der genannten Geschichtschreibung auf vernieintliche Unrichtigkeiten im Talmud hingewiesen, oder über eine talmudische Autorität abfällig geurteilt.wird, weist Halewy, auf erstklassiges Quellenmaterial gestützt, diese Behauptungen und falschen Urteile mit Erfolg zurück. Und es spricht .für die Glaubwürdigkeit der Ausführungen Halewy's und für die Richtigkeit seiner Schlüsse, daß er nicht aus Grund eines Vorfalles, oder eines Ausspruches ein Urteil fällt, oder einen generalisierenden Schluß, zieht.- Immer ist es eine Reihe von Stellen aus' dem weiten Gebiete des Talmuds, mit denen er seine Ausführungen und Schlüsse belegt. Und dieses Verfahren läßt ihn einen doppelten Zweck erreichen. In erster Reihe ist es die historische Wahrheit, die dadurch zu ihrem Rechte gelangt. Andererseits zeigte uns Herr Halewy durch diese seine Methode, welche Fülle historisch verläßlichen Quellenmaterials und geschichtlicher Daten nicht nur für die zeitgenössische jüdische Geschichte der Talmud in sich birgt, sondern auch deren Wichtigkeit und Verläßlichkeit in Feststellung weltgeschichtlicher Tatsachen. (Wir wollen hier nur ein Moment anführen, wo Halewy aus 'die Bedeutung der historischen Angaben des Talmuds auch in Bezug auf die Weltgeschichte hinweist. Clinton gegenüber, der in den I'astl Romani annimmt, daß Kaiser Diokletian erst im Jahre 297 nach dem Orient gekommen sei, behauptet Mommsen, daß er schon zu Anfang seiner Regierung - sich daselbst aufgehalten habe.. In den Verhandlungen der Berliner Akademie der Wissenschaften vom Jahre 1860 hat Mommsen sür seine Meinung den Beweis erbracht, indem er auf drei Dekrete des erwähnten Kaisers Hinweisen konnte, die, in Tiberias erlassen, vom Jahre 286 datieren. Die durch diese Schriftstücke erwiesene Annahme Mommsens deckt sich vollständig mit den Angaben des Jeruschalmi über den Aufenthalt Diokletians im Orient. Siehe vorot Rorisohooim, 2. Teil, 2. Band, Kap. 28.) Und die Methode Halewy's, sie erweist sich als die richtigste und empfiehlt sich selbst, so man seinen Ausführungen aus Grund dieser Methode folgt. Seine Ausführungen sind nicht von Beweisen begleitet; die Beweisführungen sind bei ihm bielmehr das Primäre, aus ihnen heraus ergibt sich ihm erst die Geschichte. Was ihm bei dieser Methode zu Gute kommt, ist der Umstand, daß er dem Gebiet der Kombination und der Hypothesen gar nicht nahe kommt, daher seine Ansführiingen auch den Anspruch auf vollständige Glaubwürdigkeit machen können. Und so bedeutet vorot vorischonim einen wichtigen Markstein in der jüdischen Historiographie. Wichtig einerseits, indem es auf die Lücken- und Fehlerhaftigkeit der bisherigen Geschichtschreibung hingewiesen und ihr Jrrtümer sowohl, als auch bewußte Verdrehungen nachgewiesen. Andererseits aber ist es von noch größerer Wichtigkeit, indem jede künftige jüdische Geschichtschreibung nicht nur nicht unihin können wird, sich mit Dorot Horischonim zu beschäftigen, sondern es geradezu als Ausgangspunkt nehmen müssen wird. Will 'man diesem grandiosen Werke auch einen Mangel zuschreiben, so ist es nur der, daß es durch seine Methode, nur Wenigen zugänglich Ist. Es gehört eine besondere Belesenheit in dem Talmud und im sonstigen jüdischen Schrifttum dazu, um seinen Ausführungen und Argumentationen folgen zu. können und dieser Umstand bringt es mit sich, daß dem Werke noch nicht die allgemeine Wirkung geworden, die ihm vermöge seiner Wissenschaftlichkeit zukommt. Wenn nun die Frankfurter Jüdisch-literarische Gesellschaft in ihrem ersten Jahrbuche drei auf vorot lloriscdonim basierenden historischen Arbeiten Raum gegeben hat, so ist dies umsomehr zu begrüßen, als nur durchi eine gute Bearbeitung des großangelegten Werkes ihm jene Wirkung beschieden sein kann, die hcrvorzurufen es geeignet ist. Und das Herausgreisen und die Bearbeitung einzelner Episoden schon lasten uns vorot Rorisedooim im besten Lichte erscheine» und gestatten auch einen Schluß aus das ganze Werk. Und diese Bearbeitungen sind von nicht zu unterschätzender Bedeutung, da durch sie das jüdische Schrifttum und seine Träger weiteren Kreisen in einem ganz anderen Lichte bargestellt werden, als dies bis nun geschehen ist. Bedenken wir ferner, daß diese auf vorot Horischonim bassierenden Arbeiten jeder zukünftigen jüdischen Geschichtschreibung als Vorlage dienen, können, so müssen wir den Herren, die sich diesen Arbeiten . unterziehen, nur Dank wissen. Herr Rabbiner Dr. Bondi (Mainz) führt uns die hehre Gestalt R. Jochanans vor Augen, wie sie von Halewy auf Grund der beiden Talmude dargestellt wird. Er zeigt uns, wie meisterhaft es Halewy gelungen, durch Heranziehung eines erschöpfenden Beweismaterials die Lebensdauer und die Regierungszeit R. Jochanan's als Rescd-Llothivtha zu fixieren. Es ist dies auch ein Punkt, über den man bis nun im Unklaren war. Selbst Scherira's Sendschreiben, dessen Angaben sonst auf historisch-verläßlicher Basis beruhen, beschränkt sich hier auf die hypothetische Angabe v'omrio ck'sohmaanim Schanah moloch und man sagt, daß er 80 Jahre regierte. „Nicht zu reden von der Version des Lecker Tanaim VAmoraim, wonach R. Jochanan 300 oder 400 Jahre gelebt hat, was nur auf eine Corruptel zurückgeführt werden kann. Die Ermittelung obiger Data ist auch deshalb von Bedeutung, als in Verbindung damit auch andere bis nun unllare und strittige Punfte beleuchtet werden. Die weiteren Ausführungen des Herrn Dr. Bondi zeigen uns R. Jochanan in seinem Verhältnis zu den Männern, deren Schüler er war. In der Anführung seiner Lehrer vermissen wir R. Simon b. Jorackak den Babli (Rosoh-Raschonoh 34, II u. Joma 43) ausdrücklich seinen Lehrer nennt. (Rabenu Tam schließt (Tossaphoth Nidda 10, 2) aus dem Umstande, daß R. Jochanan seinen Schüler und Kollegen nicht zurechtwies, als dieser sich R. Liwon b. Jozadak gegenüber eines unpassenden Ausdruckes bediente, auch auf einen Amora gleichen Namens). Wichtig ist auch die Darstellung R. Jochanans als Kollege und Lehrer. Wichtig insofern, als sie uns einen Einblick gewährt in das Wesen der Alethivtha's und uns die Art und Weise des Lehrens und der Wirksamkeit ihrer Häupter vor Augen geführt. Auch ergibt sich hier so manche Parallele in Bezug auf die babylonischen Hochschulen und speziell, wie diese sich später unter R. Aschi gestalten sollten. Schließlich erfahren wir, daß alle palästinensischen Amoräer-Gefchlechter Schüler R. Jochanans und Schüler seiner Schüler gewesen sind; daß der Jeruschalmi nicht nur im Zeichen R. Jochanans steht, sondern einzig und allein auf ihn zurückzuführen ist, indem der größte Teil desselben unter seiner Leitung zusammengestellt und von chm redigiert worden ist. Das Uebrige, das nach seinem Tode von seinen Schülern hinzugefügt worden ist, geht letzten Endes auch aus 'ihn zurück und er kann füglich, wenn er auch an der Endredaktion nicht teilgenommen, als der Verfasser des Jeruschalmi bezeichnet werden. Die zweite historische Arbeit „Kaiser Diolletian in Palästina" und „Paneas" von Rabb. Dt. Kottek (Homburg v. d. H.) stellt das Werk Halewy's insofern in bester Beleuchtung» als wir daraus ersehen, wie Halewy bei seinen Arbeiten zu Werke geht. In überzeugendster Weise weist er den früheren Historikern ihre Jrrtümer nach. Tie neuere Geschichtschreibung nimmt nämlich an, daß die palästinensische Amoräerperiode zeitlich mit der babylonischen Schritt hält, daß sie also bis R. Aschi fortzuführen ist. Hieraus ergaben sich wieder irrige Folgerungen betreffs der Lebens- und Wirkungszeit der Patriarchen und Schulhäupter und erst Halewy ist es gelungen, Klarheit in jene Periode zu bringen. Seine diesbezüglichen chronologischen Angaben stimmen genau mit all den Stellen im Talmud überein, die diese Periode zum Gegenstände haben. Auch geht aus seinen Ausführungen die Richtigkeit jener Stellen im Talmud hervor, die die Anwesenheit Diolletians im Talmud betreffen. Mle gegen die Genauigkeit dieser Talmudstellen erhobenen.Einwürfe von Graetz und Frankel, die den palästinensischen Aufenthalt Diokletians bestreiten, respektive in eine spätere Zeit setzen, erfahren hier eine entschiedene Zurückweisung. Wir erwähnten bereits, daß die auf den Talmud basierenden Ausführungen Halewy's mit der diesbezüglichen Ansicht Mommsens übereinstimmen. „Babylonien um das Ende der Tanaitenzeit" betitelt sich die dritte historische Arbeit, die das Jahrbuch enthält. Herr Rabb. Dr.. Unna (Mannheim^ gibt uns hier auf Grund von Halewy's vorot Sorischonim ein Bild von dem geistigen Zustande Babyloniens zur Zeit der Tanaiten. In