Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 2 (1904)
- Issue
- Heft 7 (19.2.1904)
- Date
- 1904-02-19
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7. erst dann zu glauben braucht, wenn er bewiesen werden kann. Er hütete, sich aber, seinen Standpunkt bei ihren Eltern so herausfordernd zu proklamieren, sondern begnügte sich da, über das zu schweigen, was er glicht gefragt wnrde/und wenn er eine Antwort nicht umgehen konnte, zu bemerken, das; er dies nicht begriffen und deshalb nicht beurteile. —. Ter Wahltag kam heran. Tie Stadt war in einer fieberhaften Aufregung, die Beteiligung so allgemein, wie noch niemals. Das Resultat war aber ein unerwartetes und für die nationalliberale Partei niederschmetterndes — Stichwahl zwischen Centrum und Antisemiten: Tie Nationalliberalen hatten so schlecht abgcschnitten, wie noch niemals, ihr Kandidat erhielt kaum die Hälfte Stimmen, wie früher, weil eine große Zahl nationalliberaler Wähler, ihren Kandidaten und die Parteidisziplin mißachtend, ihre stimmen dem Antisemiten gegeben hatten. Friedheim eilte noch Abends spät zu seinem Freund, von dessen Empörung und 'Aufregung er einen unüberlegten Schritt fürchtete. Er traf ihn schreibend an. Berg reichte ihm schweigend einen Brief, 'den er soeben beendet. hatte. Es war eine in wenigen Worten gefaßte Austrittserklärung aus dem Vorstand der nationalliberalen Partei. Berg sagte finster: „Eine solche Falschheit kann mir den Glauben an die Menschheit rauben. Sie applaudierten meine Reden, sie feierten mich in ihren, Blättern, in. unseren Sitzungen war niemals eine Spur von Gehässigkeit — und nun lies." Er reichte seinem Freund das Abendblatt. Tarin war ausgeführt, daß der Mfall so vieler Nationalliberalen allerdings nicht verzeihlich, aber erklärlich sei. Es habe sich Jemand in die Führerschaft der Partei gedrängt, oder fei von den Liberalen, aber nicht von den Nationalen dazu gedrängt worden, der noch nicht lange in Neustadt und Vielen nicht genehm sei. : Friedheim sagte ernst: „Du bist eben Einer von den Bielen, die von der rauhen Wirklichkeit belehrt werden, daß die 'Assimilation eine Utopie ist." „Ich muß Dir beipslichten. Jetzt will ich von nichts mehr wissen, mit dem'öffentlichen Leben habe ich abgeschlossen.", „Das darfst Du nicht und kannst Tu nicht, aber lenke Deine Tätigkeit in andere Bahnen. Widme Dich den jüdischen Angelegenheiten, dort wirst Du volle Befriedigung, in Deinem Wirken finden." „Das ist mir nicht niöglich, weil ich n'icht fromm bin. Ich würde mich schämen die Würde eines Amtes bei der Synagogenververwaltung anzunchmen, da ich die Synagoge nicht besuche." ' „Die Armenverwaltnng, die Verwaltung des Krankenhauses braucht Mä n n e r. In unserer schwerfälligen Maschinerie giebt es manches, das auf einen Mann wartet, der den Willen und die Kraft hat, Gutes zu fördern." Nach langem Nachsinnen erwiderte Berg: „Ich kann mich noch nicht dazu entschließen. Wenn das Wunder geschieht, daß ich dem Glauben nach Jude werde, habt ihr mich ganz. Morgen Mend werde ich übrigens einer Sitzung der Zionisten beiwohnen." Friedheim stand auf und erklärte: „Dort werden wir uns nicht begegnen. Nun grüble nicht über Deinen politischen Mißerfolg, der Tir keine Unehre macht." Mit festem Händedruck schied er. — Am folgenden Tage wunderten sich die Kollegen des Toktor Berg am Gericht, daß er ganz unbefangen und weiter herankam. Ans eine anscheinend teilnehmende Bemerkung eines dicken Justkzrats erwiderte er gelassen: „Eine solche Niederlage ist nicht entehrend. Die Ueberläufer dürfen doch ihre Augen zu keinem anständigen Menschen mehr erheben, nicht wahr, Herr Kollege?" Vor weiteren Anzapfungen hatte er nun Ruhe. Er. hatte aber auch die Genugtuung, daß 'der Gesamtvorstand der nationalliberalen Partei, der aus Ehrenmännern bestand, ihm persönlich sein Bedauern aussprach. Ties konnte jedoch den festen Entschluß Berg's, sich vorläufig ganz vom politischen Leben zurückzuziehen, nicht ändern. — ' VI. Er folgte einer wiederholten und dringenden Einladung, als er den Zionistcuklub besuchte. In einem mäßig großen Zimmer waren vielleicht zwei Dutzend Männer versammelt, worunter einige Russen, ein Rumäne, ider nur wenig deutsch sprach und ein Wiener. Dem Berufe nach waren es Kaufleute, Studierte,' ein Cigarrenmacher und ein Klempner. Diese an Nationalität, Bildungsgrad und sozialer Stellung so verschiedenen Männer waren hier Brüder, alle von einem Band umschlungen, von der Liebe zu ihrer gemeinschaftlichen Mutter, zum jüdischen Volke. . - Berg setzte sich neben einen Herrn, der ihm als ein Russe, namens Lcpko vorgestellt wurde. - Es war, dies ei» hagerer Mann, mit langem schwarzen Bart und mit, tiefliegenden, durchdringenden Augen., Berg hatte schon früher von ihm gehört, als von einem Manne von überaus großem Wissen, noch größerer Frömmigkeit, aber ebenso großer Verschlossenheit. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Berg, der schon so viel von den Plänen des Zionismus in den Zeitungen gelesen hatte, die sie als phantastisch, gefährlich, schilderten, war nicht wenig erstaunt, wie der Vorsitzende sie ihm in wenigen Worten nennen konnte: „Wir wollen eine völkerrechtlich gesicherte Heimstätte für diejenigen Juden schaffen, die nicht in ihrer Heimat leben können." Ter Vorsitzende suchte nun in einem Pack Zeitungen und Berg betrachtete unterdessen seinen Nachbarn. Ter sah in sich versunken da und rauchte eine Cigarette nach der andern. Tie neuesten Fortschritte der Bewegung wurden jetzt berichtet: im Osten Europas nehmen die Neugründungen von Vereinen rapid zu, während der Westen sich widerstrebender verhält. Nun würden allerlei Vorschläge gemacht, die mehr vom Eifer, als von der politischen Einsicht der Antragsteller zeugten. ' , Ein junger, heißblütiger Russe rief lebhaft gestikulierend: „Wir müsse» an jeder Universität eine Akadentie' für Propaganda gründen. Tie jüdischen Studenten müssen für unsere Ideen in der Welt werben!" Ein anderer wollte Wanderreduer für diefen Behuf anstellen und nach allen Orten entsenden. „Wir müssen alle größere Zeitungen für den Zionismus gewinnen und zu regelmäßigen Berichten veranlassen," meinte ein Dritter. Diesen jungen Leuten, denen das Feuer der Begeisterung in den Augen leuchtete, hörte Berg mit großem Interesse zu, aber der kurze Bericht, den der Vorsitzende jetzt erstattete, nötigte Berg doch Achtung für dessen Tätigkeit ab. Er hörte mit Erstaunen, welche lebhafte Korrespondenz mit Rußland, Rumänien, Oesterreich, England geführt wurde, welche wunderbare Organisation geschaffen war. (Fortsetzung folgt.) Literarisches. Vor kurzem erschien eine originelle I a h r zeitstafel, entworfen und lithographiert vom Zeichenlehrer Geismar in Mannheim. Sie sticht wohltuend von den bis jetzt üblichen mit Gold überladenen, handwerksmäßig hergestcllten Tafeln ab; sie ist in modernen Farben und Linien gehalten und kann als Wandschmuck in jedem modern eingerichteten Hause dienen. Die Tafeln sind durch Lehrer Mayer, Weinheim, Baden, zu 0.30 Mk. das Stück zu beziehen. 8. 0. Aus dem Geschaftslebe». Tie deutsche R ä hr mittelfa b r i k und I m p ort g e sellsch a f t in Fran kf u r t a. M. hat eine Erfindung gemacht, die wohl geeignet ist, in allen Schichten der Bevölkerung das weitgehendste Interesse zu erwecken. Diese Erfindung bezweckt die rationelle Einführung der volkstümlichsten Nähr- und Genußmittel — Kaffee, Tee, Kakao und Zwieback — in einer absolut reinen, im höchsten Grade nährwertigen und äußerst einfachen Art und Weise zu ermöglichen. Cs sind in erster Linie die Kaffee'», das volkstümlichste und Verbreiteste aller Genußmittel: dieselben sind fachmännisch gemischt und mit Zucker und Nährsälz auf's. sorgfältigste präpariert, daher durchweg von ganz hervorragender Güte. Ter Kaffee ist portionsweise in feines' netzartiges Filtricrmaterkal fertig zum sofortigen Gebrauch verpackt, sodaß zur Bereitung keine Kaffeemühle erforderlich ist und deshalb vom kleinsten Kind die Bereitung besorgt werden kann, ohne die geringsten trübenden und eckelerregenden Rückstände zu hinterlasse». Um das Aroma zu erhalten, resp. noch zu steigern und keinerlei Beigeschmack zu erhalten, sind die netzartigen Filtriersäckchen, die an und für sich schon aus vollständig geruch- und geschmacklosem Material (Fasern) chergestellt sind, noch extra vor der Einfüllung auf einer zu diesem Zweck konstruierten Maschine mit feinem Kaffee imprägniert: alsdann werden die Säckchen gefüllt und unter Truck gepreßt, in Pergament verpackt und jeweilig 6 'Portionen ä 2—o Tassen — 125 Gramm in Karton luftdicht verschlossen, sodaß es hierdurch erreicht ist, denselben ohne Nachteil längere Zeit aufzubewahren. Hiervon stellt die Firma 7 Sorten her und zwar Ätr. 1 und 2 Ehret's Gesundheitskaffee besteht aus Malz- und Bohnenkassec, fein geröstet und gemahlen, nebst üblicher Zutat mit Zucker und Nährsalz konserviert. Nr. 3 ist Ehret's Familienkafsee, besteht aus Bohnenkaffee feiner Mischung, geröstet und gemahlen nebst den erwähnten üblichen Zutaten: Nr. 4 Ehret's Hotelkafsee, reiner Bohnenkaffee, vorzügliche Mischung, wie vorbemerkt präpariert. Nr. 5 Ehret's Javakaffee; Nr. 6 Moccakasfee, im klebrigen He alle fein, präpariert, endlich Nr. 7 ist Ehret's Touristenkaffee, ein hochfeiner Bohnenkaffee, gleichzeitig nebst der üblichen Konservierung noch fix und fertig mit Milch und Zucker versehen, also als Reisekaffee mit' Recht zu bezeichnen ist, weil man mit heißem Wasser überall einen sofortigen Kaffee zum Genuß bereit hat. Rr. I— 6 sind in Por¬ Seite 5. tionen in Filtriersäckchen a 2—3 Tassen 125 Gramm verpackt, während Nr. 7 in 3 Portionen von je 2—3 Tassen Kaffee, sowie 3 Portionen Milch und Zucker — 175 Gramm verpackt ist. (Schluß folgt.) Briefkasten. A. M. 23. Januar 1899 — Montag, 12. Schewat 5659. Bern» Mekor-Chajim. Sonntag, den 21. Februar 1994, abends 6 Uhr. im Vereinslokal Schützenstraße 14: Vortrag des Herrn Julius Hirsch über „Jesaias". Montefiore, Verein zur Pflege der ideale» Interessen jüdischer junger Leute. Mittwoch, den 24.' Februar, abends 9 Uhr, im Bereinslokale Theobaldstr. 5 (Suppenanstalt): Bortrag des Herrn Dr. med. Jakob Meyer. Hier: Rembrandt. Hebräischer Sprachverein. Unterrichtsstunden für Herren und für Damen in der Aula der Israelitischen Religionsschule, Hermesweg 25/27: Sonntag Vormittag von 9—19 Uhr, Montag Abend von 9—19 Uhr. — Es werden noch Mitglieder angenommen. — Zionistische Bereinigung. Dienstag, den 23. Februar, abends 8*1* Uhr, int Rechneisaal: Vortrag des Herrn vr. Calmus. Lübeck, über: .Glauben und Zionismus". Das .Frankfurter Israelitische Familienblatt" kostet in Frankfurt a. M. Mk. 1.— einschließlich Bringerlohn, auswärts Mk. 1.02 einschließlich Bestellgeld (bei Abholung von der Post 12 Pfg. weniger). Auch im Auslände nehmen sämtliche Postanstalten Abonnements entgegen. Bezug durch Stteifband Mk. 1.59 vierteljährlich (Ausland Mk 2.—). Freunde unseres Blattes können demselben ohne pekuniäre Opfer nützen, indem sie bei Einkäufen die in unserem Blatte inserierenden Finnen berücksichtigen und sich dabei stets auf das Frankfurter Israel. Familienblatt berufen. G. Wagner, Dentist, Rechneigrabenstr. 4. Sprechstunden von 9—12 und 2-6 Uhr. Znhnplompon In Gold, Porzellan, Silber n. Emaille, sowie Zahnkronen n. Gebisse ln Gold. Platin o. s. ir. In nur feiner Ansführuns- Schmerzlose Behandlung unter Gmrantle. Musterkofferf/di^) :-- Reparaturen billigst. —- R. dötzinger, Neue Zeil 64. Israelitischer Mädchenklub Fahrgause 146. Jeden Abend von 7Vs—10 Uhr geöffnet. *3fe| Abennements und Inserate für das „frankfurter Israetii Jamilieublatt“ nehmen die hiesigen Buchhandlungen: A. Rothschild, Börnestrasse 81, A. J. Hofmann, Allerheliigeostrasse 87 zu Originalpreisen entgegen; daselbst ist auch stets die neueste Nummer zu 10 Pfg» das Exemplar zu kaufen. In Merlin nimmt M. Poppel auers Buchhandlung Neue Friedrichsttaße 59 Abonnements und Inserate auf das Frankfurter »Israel. Familienblatt zu Origmalbedingungen entgegen.