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Neue jüdische Presse · 1904-02-12 · Heft 6 (12.2.1904) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 6 (12.2.1904)
Date
1904-02-12
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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©eite 2. Frankfurter Hsrackitisches Familienblatt. Nr. 6. um ihn heruman Mfsr,/,OLservanz nachlaßt. . Mit Mühe können sie ihren „Minjan" zusaminenbekomdie Heranbildung von tüchtigen/ ortskundigen und mit Len orientalen Sprachen vertrauten Arbeitskräften darüber mich des Längeren auszulasscn, erachte ich für überflüssig. J. Auf diese Weise muß der Einzug des jüdischen Volkes in das Land seiner Väter beginnen.'Hochschulen für angewandte Wissenschaften, Handelshäuser und Jndusrriehallcn werden die Grundsteine für unser neues Staatsgebändc sein. Es ist. kein Bauen vom Dache aus, wie es manche glauben oder glauben machen werden. - Doch, ich möchte nicht in Ihnen den Glauben lassen, als ob ich nun den jüdischen Bauer in Acht und Bann nehme, als ob ich die Juden auch in Palästina in Städte zusammenpserchen möchte und, das Land ruhig den Kolonisten anderer Nationen -überlassen wolle. Nein, meine Hamen und Herren, auch ich schwärme für den jüdischen Ackerbauer, der hinter seinem Pfluge geht und tiefe Furchen in den geliebten Boden von Erez Israel zieht! Auch ich sehe im Traume die Berge Israels von den edlen Reben bedeckt, von jüdischen Händen gepflegt. Die Frage lautet nicht: entweder — oder, sondern was zuerst und was nachher. Es ist eine Prioritätsjrage und ich glaube, daß in jeder Beziehung dem Handel und 'der Industrie bei unseren Gegcnwartsaktionen der Vorzug zu geben ist. Rümer schließt mit einem Appell an die Zuhörer^ aus ihrem Dilletantismus hcrauszutreten und eine wirksame Tätigkeit für den Zionismus auszunehmen. Er fordert die Gesinnungsgenossen auf, sich seinen Gedanken anzuschließen und im Sinne seiner Ausführungen eine rege Agitation anzubahnen, denn Projekte Lnd Pläne für das jüdische Volk müssen zuerst im Volke selbst entstehen, müssen zuerst in den zionistischen Vereinen ausgearbeitet werden und erst dann dürfen sie dem Kongresse zur Erledigung aufgetischt werden. Daß ein umgekehrtes Verfahren zu bedauerlichen Störungen führen muß, hat das leidige Ostafrikaprojekt zur Genüge gezeigt.; Brief aus Italien. Lieber Freund! Nun sind es gerade 3 Monate geworden, daß ich Ihnen versprochen, über etwaige Spuren des' orthodoxen Judentums, falls ich solche in Italien finden sollte, etwas zu berichten. Die allzugroße Freiheit jedoch, welche unsre Glaubensbrüder hier genießen, macht es dem Interessenten schwer, Spuren dieses Judentums zu entdecken. Juden fühlen sie sich ja noch alle. Mle sind stolz auf diejenigen, welche es verstanden haben, sich Positionen zu erringen, wie ,auf Ottolenghi, der' ehemalige Krregsminister, nunmehriger Korpskommandeur, Luzatti, Finänzminister, Galimberti, Postminister — auf die unzähligen Bürgermeister, Präfekten und 'sonstigen Begleiter höherer Staatsstellen jüdischer Konfession. Es fällt dies hier weiter gar nicht auf, da die Religionsfrage.nirgends ins Gewicht fällt. Solange dies jedoch nicht der Fall war — als - noch die Ghettis existierten —, da stand das Judentum auch hier in Blüte. Der Ghettozwang hatte die gewaltigen Schulen Ferraras und Pabovas entstehen lassen. Große Männer waren aus den' Rabbinerschulen hervorgegangen; ihrer Werke gedenkt man heute noch. — Kaum hatte der frische Hauch der Neuzeit, der Gewissens- und Religionsfreiheit, diese Mauern niedergcrissen, da hatte auch schon eine allgemeine, laxe Religionsanschauung unter dem Volke Besitz ergriffen. Die Beteiligung des jüdischen Volkes auf allen Gebieten brachte folgegemäß Verbindungen mit den Andersgläubigen mit sich. Die heutige Generation setzt mit einer spielenden , Leichtigkeit über dieses Hindernis;, welches nach ihrer Anschauung gar keines ist, weg. — Es sind jedoch noch einige Säulen der orthodoxen Anschauung vorhanden; so z. Bl lernte ich in Cuneo im Piemonte die Perle eines echt jüdischen Mannes kennen. Signor Monte! ein ehrwürdiger Wjährigcr Herr, welcher täglich, morgens und abends rüstig zur Schule geht. Man gibt , ihm den Ehrentitel eines „morenu". Armer, alter Herr. Wie klagte er mir, daß alles men. Nur an den Hanptfestcn erinnern sich . die Gleichgültigen-' ihrer Verpflichtungen. , Mit Freuden versprach ich Signor Montel, znm Montagsfrühgottesdienst zn kommen/ Cuneo, das reuiidlichc Alpenstädtchen lag,noch im Schlafe, als ich in der Frühe nach der „Schul" ging. Dieselbe liegt in einer nach dem Gebirge gehenden Straße. Die Sonne sandte ihre ersten Strahlen und färbte die 'chneebedccktcn gigantischen Berge, golden, das Menchenkind unwillkürlich weihevoll stimüiend. — Der uns Askenasim. etwas beftenidendc spanische Synagogenritus ist 'Ihnen ja bekannt. Neu war mir das „Jisch' kauch“ der „Kille“, als ich nach dem .Aufrufen" nach meinem Platz zurückging. Ich hatte eine Kleinigkeit „geschnobert"; „kol da kastei" streckte mir nUn die Talleszipfel entgegen, jisost kauest rufend. Und als mir nun gar der alte Herr Montel im Namen der Kille für seine Armen mit Tränen in den Augen dankte und mich, „benschte", da — mein lieber Freund — kam ich mir so klein vor — ich hatte ein so beschämendes Gefühl —denn ich mußte unwillkürlich an unsere großen Frankfurter Gemeinden denken, mit ihren „Zaddikim", in deren Angen ich doch ein Ketzer quasi ein „Goj" bin. Ich. will Ihnen jedoch nur von Italien und nicht von meinen eigenen Anschauitiigen schreiben — (welche sich übrigends mit den orthodoxen Anschauungen decken). — Leben Sie wohl; in einigen Wochen hoffe wieder in unseren heimischen Mauern zu sein.und Ihnen die Hand drücken zu können. Herzlichen Gruß Ihr X. Aus aller Welt. Deutschland. - Würzburg. Das ftzfigst ^.verstorbene. langjährige Vorstandsmitglied ster-hiesigen' israelitischen Kultusgemeinde, Herr -Z?-Nöse'nhttm;-''HÄ sich im Heidelberger Krematorium-verbrennen lassen. Ta die Feuerbestattung bei uns Inden unstatthaft ist, so erregt der Fall hier berechtigtes Aufsehen. Ausbach. Oberlandesgerichtsrat Dr. Landauer von hier ist aus der israelitischen Religionsgesellschaft aus- und zum Protestantismus übergetreten. Bonn. Die israelitische Gemeinde feierte am Samstag, den 30. ■ Januar, das 25jährige Bestehen ihrer Synagoge. In seiner Festpredigt erwähnte Herr Rabbiner Dr. Kallscher, daß Bonn im -12. Jahrhundert dem Judentum zwei Zierden geschenkt hat: l. Ephraim bar Jakob, dessen Büß- und Klagelieder noch heute rn allen Synagogen ertönen, wo der deutsche Ritus gepflegt wird und 2. Rabbi Joel bar Isaak, der ein bedeutender Gesetzeslehrcr gewesen ist. ' Berlin. Die Alliance Israölite Universelle hat außer 20 000 Frs. für die Speisung israelitischer Schulkinder in Rumänien eine Summe von 4000 Frs. zur Lieferung von Brennmaterialien an diejenigen Familien ausgesetzt, welche von den Ereignissen der letzten Jahre besonders mitgenommen sind. - Berlin. In der gestrigen Sitzung des geschästsführenden Ausschusses des „Hilfsverein der Deutschen Juden" wurde ein Betrag von 10000 Kronen jährlich bewilligt für die Erziehung jüdischer Knaben, welche in Galizien die Baron Hirsch-Schulen absolviert haben und in West-Lesterreich ein Handwert erlernen werden. Ferner wurde dem Verein ,/Lemgan - Zion" zum Kauf und Betrieb von Maschinen für künstliches Eis in Jerusalem eine Subvention von 500 Jk gewährt. ' Dagegen wurde der Antrag her „Jüdischen Orient-Gesellschaft" au; Bewilligung einer Subvention für Versuche in Cypern abgelehnt und ebenso einige Anträge wegen Subventionierung der Herausgabe wissenschaftlicher Werke. Den interessantesten Teil der. Verhandlung bildete die Besprechung der neuen Ausschreitungen, die in Marokko gegen die dortigen Juden vorgekommen sind. Allseittg wurde bedauert, daß die Nachrichten von dort'so langsam fließen, daß inan erst jetzt von den Exzessen, welche, am 17. Dezember stattsanden, erfuhr, obwohl mehrere Schulen der Allianz in der Nähe llegeir. Der Hllfsverein bewilligte sofort 2000. Jk, welche an die Anglo Jewish Association in London geschickt und durch den englischen Konsul in Casablanka verteilt werden. Zugleich erllärt sich der Hilfsverein bereit, Spenden für diesen Zweck entgegenzunehmen. Sollte der-Umfang des Unglücks nach dem Eüitreffen genauer Nachrichten sich größer Herausstellen, als man gegen» wärttg annimmt, so.wird der Hilfsverein noch weitere Mittel zur Verfügung stellen. Berlin. Während des Jahres 1903 sind unter 1494 Ehcjubilänmsmebaillc» 38 an Juden verliehen' worden. Köln. Sitzung der Kölner H and e l s - käiirmer. lieber die Angelegenheit der a n tis c- »r i tis ch e n 2 t r ö m u n g n n d c r. H ä'n delshvchschnte, die. durch den Austritt dreier israelitischer Studenten aus einer Verbindung angeregt worden, ist,, teilte Herr Bosch mit, daß nach einem vom Kuratorium gütgeheißenen Schreiben.'des'cLtndiendircktors Professor Dr. Schumacher von einer antisemitischen Strömling keine Rede sein könne und daß die Beziehungen zwischen den christlichen und den israelitischen Studiereilden durchaus befriedigende, zum Teil sogar fremrdliche sind. Aus Antrag des Herrn Elle! nahm die Kammer folgenden Beschlußantrag an: „Die Handelskammer hat mit Genugtuung Kenntnis davon - genommen, daß von einer 'antisemitischen Strömung an der hiesigen Handelshochschule keine Rede sein könne' und daß die Beziehungen zwischen den christlichen und den israelitischen Studierenden durchaus befriedigende, zum Teil sogar freundschaftliche sind. Sie erkennt gern an, daß der Studiendirektor der Hochschule, Professor Dr. Schumacher, es sich angelegen fein läßt, den Geist wahrer Toleranz unter den Studierenden zu verbreiten, und sie erhofft, daß es ermöglicht werde, unduldsame. Strömungen, welche mit dem Geiste, der an einer freien Handelshochschule herrschen sollte, unvereinbar sind, jcrnzuhatten und insbesondere Bestrebungen zu verhindern, welche einzelne ihres Glaubens wegen von allgemeinen Einrichtungen ausschließen." Emden. Der .Verein zur Unterstützung und Erziehung. armer und verwaister Kinder im Landrabbinatsbezirk Emden" wird hier ans einem Grundstück ein israelitisches Waisenhaus erbauen Die Baukosten sind aus rund 50 000 Jk veranschlagt. Breslau. Die Repräsentanten des Synagoge nbezirks Breslau traten amvorletzten Mittwoch Nachmittag 6 llhr im Gemeindesitzungssaal unter dem Vorsitz des Geheimen Justizrats Dr. Freund zu einer öffentlichen Sitzung zusammen. Mit der Annahme der Legate: Jakob und Johanna Mamlok 2000'Mark, Cäcilie Adler 600 Gulden (ungefähr 1000 Mark), Gebr. Falk und Hentschel (Goldschmidtsche Stiftung- 39 000 'üJlarf, welche ausschließlich nach Angabe der Erblasser den verschiedenen wohltätigen Zwecken dienen sollen, erllärt man sich nach kurzer Diskussion einverstanden. - Die abgeänderten Statuten zur Wähl der Repräsentantenversammlung wurden mit etlichen Modifikationen angenommen. Bei dieser Gelegenheit lag eine Petition von einigen hundert Gcmeindemitgliedern vor, welche beantragen, die Forderung abzulehnen, daß fortan Repräsentanten und Stellvertreter bei den Wahlen extra genannt werden sollen. Als Jubiläumsgabe für den Verein israelitischer.' Lehrer in Schlesien und Posen beantragt der Synagogenvopstand die Summe von 500. Mark zu bewilligen, was man auch beschließt. Professor Dr. Badt dankt hierbei im Name» der vereinigten Lehrerschaft.. Dem Wagenfabrikanteii Wiener in Oels beantragt der Borstaird für den Entlvurf des Leichenwagens ein Honorar von 150 Mark zu gewähren und den Chormitglicdern gelegentlich der Äorbereitungsseier zunl Einjährig-Freiwilligen ein solches von 191 Mark. Das Kollegium gibt nach kurzer Aussprache dazu seine Genehmigung. Wolfenbüttel, (Welche schlechten Folgen Sparsamkeit am falschen Orte) haben kann,'das erftihren hier zwei jüdische Handwerker aus Rußland, die sich angeblich auf der Rückreise von Paris nach Warschau befanden. Sie meldeten-sich auf dem Polizeiamte als mittel- und obdachlos an und würden darauf während der Nacht kostenfrei in der Herberge zur Heimat untergebracht. Am andern Vormittage kamen sie nun wieder, um klagend anzuzeigen, daß ihnen im Wartesaal 3. u. 4. Klasse ihre Packete, die sie unterdes dort unter einer Bank niedergelegt hatten und in welchen sich auch deutsche und russische Wertpapiere. befanden, abhanden gekommen seien. Beide waren demnach im Besitze ausreichender Mittel, zogen aber dennoch bettelnd durch das Land und scheuten sich .sogar, die geringe Gebühr, die sie deni Bahnhossportier für Aufbewahrung ihrer Sachen hätten -zahlen müssen, auszugeben. Insterburg. Vom' Tode des Ertrinkens rettete Kaufmann Sally Nadcrsohn in Kl.-Tarpen bei Graudenz den sechs Jahre alten Sohn des Vorarbeiters Elke. Der Knabe war.ckn die Trinke gefallen. Nachdem er bereits eine Strecke sortgetrieben, sprang Nadersohn in. die Trinke unb Holle das Kind heraus. Oesterreich-Ungarn. Budapest.. Sabbatruhe der Kleintrafikanten. Infolge der von uns seinerzeit gekennzeichneten Aktion der Kkcintrasikanten mosaischen Bekenntnisses hat der Finänzminister in einer Zirkularverordnung ausgesprochen, daß die Verordnung seines Amtsvorgängers, wonach die Trafikanten ihre Verkaufsläden am Samstag offen halten müssen, keine rückwirkende Kraft besitzt. Der Vertreterder interessierten Trafikanten Oberrabbiner Reich aus Verbü sprach daher namens seiner Auftraggeber beim

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