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Neue jüdische Presse · 1904-02-12 · Heft 6 (12.2.1904) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 6 (12.2.1904)
Date
1904-02-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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♦ ä ♦ &st ♦ I Diese Zeitung erscheint jeden Freitag. Sämtliche Postanstalten des In-und Auslandes, sowie die Geschäftsstelle des Frankfurter Israel. Familienblattes in Frankfurt a. M. nehmen Abonnements- Bestellungen schriftlich und mündlich entgegen. (Abonnementspreise fiehe Schluß des redaktionellen s Teiles).. < ____ . HedaKttoir ««d ch-fchäftsKette: Sranltturt a. 11?., Leiligkreuzgaffe 52, Ecke Llaxperfeldßraße (gesenüüer der Neuen IrU). -HM- ' HsPEgeSer: Sals Heis. Jnsertionspreise: Die viergespaltene Petitzeile. 25 Psg. Die Reklamezeile. 100 „ Stellen-Angebote und -Gesuche die Silbe 2 Beilagen:- Das Tausend Mk. 5.— bis Mk. 8.- __ —: 2. Jahrgang. Freitag, -en 26. SeLvat 5664 <12. Februar 1964). No. 6. Zionismus, Industrie und Handel. Auszug aus einem Vortrag, gehalten am Mittwoch, den 13. Januar d. I. vor einer Mitgliederversammlung der hiesigen Zionistischen Vereinigung von Herrn Ing. Joseph Feingold. . (Schluß.) Um aber nach Asien unsere Tätigkeit zu versehen und um in Asien nicht als Fremdlinge zu erscheinen, müssen wir auch den Schwerpunkt unseres Volkes dorthin verlegen, und Palästina, da» Land der Väter, ist der geeignetste Ort, wo wir einen festen Kern bilden können. Wie wollen wir aber Palästina für uns gewinnen'und wie wollen wir dort erscheinen? — Nun, indem wir die Gunst der ottomanischen Regierung lu^nd bas Wohlwollen der einheimischen Bevölkerung für uns gewinnen, und das wird geschehen, sobald wir uns dem türkischen Reiche nützlich, ja gar unentbehrlich gemacht haben, was erzielt wird, wenn wir in der Türkei als Industrielle und Kaufreute erscheinen. Wir. wollen die Türkei wieder ökonomisch aufrichten und zur Blüte bringen, und wir wollen die Araber, unsere Stammesverwandten und einstige Mitarbeiter an der Zivilisation, zur Wiedergewinnung einer hohen Kultur verhelfen. , Allein, die asiatischen Völler hegen, und zwar mit Recht, ein tiefes Mißtrauen gegen alle Europäer, und unser schlechter Ruf in Europa als Explocka-- toren würde uns wahrscheinlich den Zutritt in die Türkei noch mehr erschweren. Wir müssen daher der hohen Pforte schon im voraus Beweise liefern, daß wir es gut meinen, daß wir schon bei unserem ersten Schritt Kultur in das Land bringen, und das werden wir, wenn. wir in Palästina eine' technische und eine handelswissenschaftliche Hochschule gründen, die offen für alle Untertanen des türkischen Reiches stehen sollen. Dies ist der zweite Hauptpunkt in meinen Betrachtungen, doch bevor ich auf denselben näher eingehe, will ich noch aus den ersten Punkt zurückgreisen. Die gegenwärtige Lage des Zionismus ist darum eine schwierige, weil die Bewegung von vornherein aus . diplomatische Erfolge aus ging und mit einem Schlage ans Ziel gelangen wollte. Man hielt bis zum sechsten Kongresse das Voll in Mhem; jeden Moment erwartete man eine frohe Botschaft, die wie ein Zauberwort die sehnsüchtigen Erwartungen des jüdischen Volles politisch in Erfüllung bringen sollte. Diese großen Erwartungen waren vielleicht notwendig, um das- Voll äuszurütteln und die Bewegung in das große Fahrwasser zu leiten. Jedoch, die Enttäuschung konnte nicht ausbleiben; durch einen Federstrich wird der verwickelte Knoten von zwei 'Jahrtausenden nicht gelöst. —- Ist denn aber der politische Zionismus deswegen bankerott? Keineswegs! Eben jetzt, wo der Rausch vorüber ist, wird der politische Zionismus in seine richtigen Bahnen geleitet, besonders dadurch, daß er die Rückkehr zum alten Programm der Chowewe -Zion, zu der ein großer Teck unserer russichen Gesinnungsgenossen hinstrebt, endgültig bei Seite tellt. Boden in einem Lande, wie die Türkei, vereinzelt hier und da anzukaufeu und aus ihm Menschen mit ihrenr Hab und Gut setzhast zu machen, ohne genügende Garantie für deren Sicherheit, ist ein sehr gewagtes Spiel. Man bedenke doch, daß die Erwerbung von Grund und Boden durch fremde Einwanderer — geschieht dieselbe auch in noch so geringem Umfange — in jedem Lande großes Aufsehen erregt und durchwegs gesetzlich verhindert wird. Hingegen nimmt ein Land gern Milliarden ausländischer Kantalien in industrielle und kommerzielle Unternehmungen auf und läßt — wenn ein Mangel besteht — ehr leicht, ohne weiteres Bedenken, einen Einwandererstrom von hunderttausenden fremder Arbeiter zu. Grade der schwachen Türkei ist es in Rücksicht auf ihre Schwäche unmöglich, mit einem Male ein größeres Territorium, im Herzen ihres Reiches für Geld an Fremde zu veräußern; das würde ja eine politische und finanzielle -Ohnmacht bedeuten. Aus den Verhandlungen des Sultans mit Dr. Herzl können wir ja entnehmen, daß der Sultan recht gern die Juden nebst ihren Kapitalien in sein Land aufnehmen möchte, daß er aber zur Zeit keine politische Möglichkeit sieht, noch einem Vassalenvolke, deren er zu seinem Leidwesen genug hat, ein kompaktes Territorium einzuräumen.*) Ist nun die Taktik der langsamen Eroberung Palästinas richtig, der eine Weg aber, der zu derselben führt, der Weg der langsamen Kolonisierung mit Ackerbauern ungünstig, ja unzugänglich, so müssen wir den zwecken Weg einschlagen, den des Handels und der Industrie. Dieser Weg ist kein gerader, führt aber umso eher zum Ziele. — Und sind wir nicht berufen Palästina zum Zentrum des Weltverkehrs und des Wellhandels zu machen? Und wenn der Handel und die Industrie im Laufe der Zeiten nach den Gesetzen der sozialen Entwicklung aus den Händen der einzelnen Unternehmer in die Hände der großen Gesellschaften und zuletzt der Nationen übergehen werden, so wird dann sicher auch aus dem jüdischen Bolle, das jetzt ein Volk von Händlern ist, ein großes Handelsvoll werden! Darauf müssen wir schon jetzt hinausarbeiten, wir müssen an uns die Rolle des Vermittlers zwischen dem Orient und dem Oecident reißen. Fm Handel wird uns keiner gleichkommen, darin liegt unsere Macht! Man soll nicht den Kaufmann unterschätzen; der Handel ist der Geist, der im Räderwerk des Weltverkehrs lebt und webt. Auch bieten Industrie- und Handelsunternehmungen unserer Kolonialbank die Möglichkeit, sofort mit ersprießlicher und gewinnbringender Tätigkeck zu beginnen, was einen inneren Zuftuß von *j Der geschätzte Redner geht hier zu weit, die Möglichkeck der Veräußerung Palästinas an die Juden ist politisch nicht undenkbar, denn die Türkei hat bei all' ihrer Schwäche durchaus keinen Anlaß,. eine Aufwieglung der jüdischen Bevölkerung zu befürchten, da dieselbe nicht, wie ein christliches Voll, Unterstützung von anderen Böllern erwarten kann. Amn. d. Redaktion. neuen Geldern bewirken wird. Diese Unternehmungen werden auch viel Arbeüsgelegenheit für unsere Arbeckslosen schaffen, die für den Ackerbau zur Zeit noch unbrauchbar, sofort für den Handel und die Industrie wertvolle Arbeitskräfte liefern werden. Noch ein Punkt kann nicht hoch genug ennge- 'chätzt werden, nämlich, daß solche Unternehmungen, die zur Gewinnung Palästinas führen müssen, deshalb noch nicht an den Boden Palästinas gebunden sind. Eine Tätigkeit im übrigen türkischen Reiche, z. B. in Konstantinopel, würde unseren Zwecken im Anange vielleicht noch dienlicher sein. Aber selbst auch Geschäftsunternehmungen in allen Ländern, wo Juden in der größten Not schmachten, auch im übrigen Asien, wo unsere Hauptinteressen für die Zukunft liegen, würden ebenso einheitlich zu unserem Endziele führen, denn sie mehren unsere materielle Kraft und wirken organisatorisch und im nationalen und zu gleicher Zeit sozial erzieherischen Sinne, da sie ja vom Kongresse, vom Aktionskomitee, von der Nationalbank ausgehen und geleitet werden. Ich muß leider, um nicht zu ermüden, meine Ausführungen über diesen Punkt, über den es noch viel zu sagen gibt, hier abbrechen und zum zweiten übergehen. Werden die industriellen und kommerziellen Unternehmungen dazu dienen, die jüdischen Kapita» lien in den Händen der jüdischen Nationalbank — denn das ist die Kolonialbank — zu vereinigen und so neben einem großen Gewinnabwurf der kräftigsten Förderung unserer nationalen Interessen fördern; so muß auch ein einigendes, geistiges Zentrum für das jüdische Volk geschaffen werden, und zwar nur in Palästina. . Das wird für den Anfang durch die Gründung einer jüdischen Universität in Palästina erreicht. . Um die Schulen in Palästina wird sich ein Kreis jüdischer Gelehrten bilden, von denen sicher zu erwarten steht, daß sie in nicht allzu ferner Zeck, neue Schätze in die Wissenschaft hineinbringen und neue Errungenschaften für die Technik machen werben;• dadurch wird das Ansehen des jüdischen Volles steigen, denn es werden jüdische Entdecker und Erfinder sein, nicht Engländer, Franzosen, Deutsche jüdischen Glaubens, und der Zionismus wird enorm an Bedeutung gewinnen. Aber noch eine greifbare und wertvolle Bedeutung werden die Schulen für die Aktionen der Nationalbank gewinnen. Es wird, nämlich an den Hochschulen aus den leitenden Gelehrten und Fachmännern ein ständiger Ausschuß tagen,- der Forschungen an der Beschaffenheit Palästinas, Syriens, Mesopotamiens und sonstiger anliegender Interessengebiete anstellen wird und sich auch sonst über die wirtschaftliche Lage des Weltmarktes auf dem Laufenden halten und dem Aktionskomitee und der Bankdckektion mit beratender Stimme zur Seite stehen wird. Auf diese Weise werden Fehlschritte von vornherein vermieden sein. Ueber die übrigen greifbaren Nutzen der Hochschulen, wie. $. B. die Schaffung einer Bildungsstätte für die Hunderte und Tausende nach Bildung durstenden, doch von derselben ausgesperrten, jüdischen jungen Lute, ober

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