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Neue jüdische Presse · 1904-01-29 · Heft 4 (29.1.1904) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 4 (29.1.1904)
Date
1904-01-29
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 4. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 5. Der Angeredete erwiderte ungeduldig: „Nun ja, ich warte auf Jemanden, der wahrscheinlich noch im Saale ist." - „Aha, sollte dieser Jemand nicht eine Jemandin sein?" (Fortsetzung folgt.) Zum „Neujahr der Bäume"! Bon Jizchok ben Ami! Das beflügelte Wort jüdischer Weisheit „chamischoh oszer. bischwat rausch haschonoh leilonaus,“ daß mit dem 15. Schwat «das Neujahr der Bäume" ist, und der Ausspruch des Bolksmundes: „Im Schwat kommt der Saft in die Bäume," sind die Pole, zwischen denen ich nachstehend versuche, einen von anderer Stelle entlehnten Gedanken Rabbiner Hirsch's g. A. einzuschalte». Gar vieles hat man in den letzten Jahren versucht, dem Judentum streitig zu machen, die Originalität seines Gottesbegrisfes, den Gedanken der Nächstenliebe, die Sabbatinstitution und so fort, aber an einen Gedanken hat inan sich, meines Wissens nach, noch nicht vergriffen, an der Chiduschlehre, an dem Gedanken, Len das Judentum in den verschiedensten Warten, in Synibol und Praxis, im Menschenleben und im Bereiche der Natur jeweilig wechselseitig sich beziehend — aufstellt! Wenn es des Menschen Wille ist, so kann er sich zu jeder Zeit aus unfreier sittlicher Gesunkenheii aufschwingen, zur Höhe sittlicher Vollendung, es gibt im Judentum keine Sünde, die den Menschen erblich belastet, der er notgedrungen verfallen ist. lind gar oft tritt, wie erwähnt, an den jüdischen Menschen die Mahnung: „Nur nicht sinken wollen, dann kannst du steigen, u n d n i e i st e s z u spät!" Das erste jüdische Heiligtum, die Stiftshütte, die bescheidene, die noch ganz der prunkhaften Ausgestaltung entbehrte, deren die nachfolgenden Heiligtümer sich „erfreuten", barg Geräte, die vorzugsweise aus Holz geschaffen waren, und auch große Teile der schützenden und begrenzenden Wandungen waren aus gleichem Stoffe! fliese Geräte und Wände gerade ans Holz zu machen, geschah nun nicht, wie der oberflächliche Leser der Bibel vermuten wird, aus ZweckmäßigkeÜsgründen! Denn auch Tchittimholz, von den Cedern des Libanons hcrstanimend, war in der Wüste nicht allzu häufig zu finden! Die Bibel will nicht nur gelesen sein, auch nicht nur, wie das jetzt Mode geworden, dramatisch wirksam vorgetragen ' werden, so sehr wir uns auch über letztere Erscheinung freuen, die Tauroh will erforscht sein; mid aus diesem Forschungsgange kommt der Eingangs erwähnte Forscher zu dem Resultate, daß sämmtliche Geräte der Mosishütte Träger von Gedanken sein sollten, ausdauernde wenn auch „schweigsame" Redner waren, um uns unvergängliche Wahrheiten zu vermitteln, die auch heute für uns, ,chen spätgeborenen Enkeln großer Ahnen" wie Direktor Hirsch g. A. zu sagen Pflegte, nicht aufgehört haben, Wahrheiten zu sein, wenn uns auch 'Jahrtausende von jener Zeit trennen, wenn sie darum uns auch unzeitgemäß erscheinen mögen, „das Judentum war selten, vielleicht noch nie zeitgemäß und wird e» nicht eher werden, als bis die Zeiten gottgcmäß geworden!" (Rab. Hirsch.) Das Holz überhaupt, das Cedernholz insbesondere, ist für uns das Sinnbild einer krafterfüllten Entwicklung, Entwicklungsfähigkeit, Entwicklungsmöglichkeit! Schlicht, wie immer, ist dieses Symbol aus dem Bereiche der Natur genommen, um uus zu sagen, aus kleinen! schwachen Samenkorn war es möglich, eine mächtige Eeder emporsprießen zu lassen, und ' diesem imposanten Baume sieht man wahrlich seine schwache Herkunft nicht an u n d d o ch i st e s s o. Das lehrt dich> o Mensch, was jenen: Baum gelingt, weil er willig sich dem Naturgesetze beugt, das kannst du in frciheitsvo'ker, menschenwürdiger Tätigkeit in gleichem Maße erreichen, du besitzest die Kraft der Entwicklung, benutze sie, wachse und gedeihe! „Es wächst der Mensch mit seinen größeren Zielen!" (Schiller.) 'Entwickle deine Kräfte auf den verschiedensten Gebieten des Lebens bis zur Vollendung, wie dies uns jeweilig der Holzcharakter des Tisches oder der heiligen Lade lehrt, magst du Träger der Gesetzeslehre sein, wie die Lade eS ist, oder stehst du im Dienste des Rahrungsstrebens, wie der Tisch dies verkörpert, als die Stätte wo die Familie ihre Mahlzeiten einzunehmen pflegt, immer wo es auch sei, heißt es „fortentwickeln", nicht „alt" werden, nicht rasten, nicht rosten! Tiefe Chiduschlehre ist der Jungbrunnen, der dem Judentume alltäglich aufs Neu für ihre Ideale begeisterte Männer und Frauen zuführt, da liegt das Geheimnis der Stabilität des jüdischen Geistes, das ist der Ursprung des angeblich starren Konservatismus der Juden. Nicht die Lehre, die Tauroh, bedarf einer Fortentwicklung, sie ist uns unveränderlich, wie der Stein, in den sie eingegraben, doch das Studium der Lehre, die Studierenden, sie müssen, sie können fortschreiten, sie können die Lehre immer tiefer, immer vielgestaltiger erfassen, je weiter die Zeiten schreiten und in ihrer A u s ü b n n g, in ihrem heiligen Tieuste stehend, dürfen, können wir immer gediegener, kraftvoller uns entwickeln, müssen es beweisen, daß der am meisten im praktischen Leben stehende Mann, daß der vietbcschäftigste, kein höheres Anliegen haben darf, als bewußtvolles Erfassen und durchgeistigte Ausübung der Lehre! Diese Lehre stellt das Judentum auf 'im Anblicke des sich verjüngenden Mondes, beim Beginn eines neuen Jahres, mit jedenr Händewaschen am Morgen nach dem Erwachen, mit jeder Tewiloh (Untertauchung in Quellwasser) nach körperlicher Gesunkenheii und es will diese Lehre aufs Neue in die Erinnerung rufen, so scheint mir, im Anblick der wieder erwachenden Natur! Wenn auch noch Schnee und Eis die Fluren decken, das Innere der Pflanzenwelt ist schon rührig tätig neues Leben vorzubereiten, neuer lebenspendender Saft durchrieselt das Mark der Bäume wieder; bas, Jude, sei dir gezeigt: wenn schon der Baum nicht erstarrte unter den Einflüssen des niederbeugenden Winters, dann richte auch du dich wieder auf, ermanne dich zu frischer lebensvoller Tat, auf daß, wenn im Geiste dir die Geburtsstunde des jüdischen Volkes, Pessach, wieder naht, sie dick, gerüstet findet, reisefertig, wie die Stellung sein mußte beim Verzehren des Lorban Beasach (des Pessachopfers). Aber dies will Ich nicht verfehlen zu betonen, während noch draußen Eis und Schnee die Flur bedeckt, rüstet der Baum sich schon zur Tat, die Blüte des Frühlings und die Frucht de» Sommers fand schon im Winter ihre tatersüllte Vorbereitung! Mit dem Erwachen des jüdischen B o l k s g e i st e S allein ist uns nicht geholfen, nicht die j ü d i s ch e T a t erst aus das Zusammenfinden in Palästina aufspeichern wollen, »ein, und tausendmal nein, während unseres Winters, während wir noch im Golus sind, müssen wir uns schon mit der Juden tat dokumentieren. dann wird, hoffen wir es, Bimheiroh bejoineinuh, bald in unseren Tage» noch, auch für uns der Frühling anbrechen! _ Omem! Briefkasten. F. I. M. Gewünschte Adressen nachstehend: Hütet Eoldschmidt, Würzburg, Angustinerstr. 6; Hotel Levy, Bremen. Bahnhosstr. 1l; 5. Halle, Cultusbeamter, Bremerhaven, Geestemünde, Schulstr. 5: Restaurant F. Hirschel, Hainburg, Gr. Burstah und Restaurant Geschwister- Rotschild, Hamburg, Neuer Wall. Moulkfiore, Verein zur Pflege der idealen Interessen jüdischer junger Leute. Mittwoch, den 3. Februar, abends 9 Uhr. im Pereinslokale Thcobaldstr 5 sSuppenanstalt): Bortrag des Herrn Professor Dr. A. Sulzbach über Talmudlitteratur und Altertumsiviffenschaft. Verein zur Pflege jüdische» Wissens. (Tiferes Bachurim). Sonntag, den 31. Januar, abends 9 Uhr, im Bereinslokalc, Herinesweg 25/27. Vortrag des Herrn Leopold Oppenheimer über „Bedeutung und Wirksamkeit des Priesters in Israel." Wochen - Kalender. lZeitangaben nach dem Lu ach.) Samstag, den 30. Januar, Wochcnabschnitt Beschallach. Sabvath-Ausgang in Frankfurt a. M-, 8 Uhr 05 Minuten. Straßburg 6 Uhr 05 Minuten. Caffel 5 Uhr 51 Minuten, Berlin 5 Uhr 32 Minuten. Das «Frankfurter Israelitische Familienblatt" kostet in Frankfurt a. W. Mk. I.— einschließlich Bringerlohn. auswärts Mk. 1.02 einschließlich Bestellgeld (bei Abholung von der Post 12 Pfg. weniger). Auch im Auslände nehmen sämtliche Postanstalten Abonnenients entgegen. Bezug durch Streifband Mk- 150 vierteljährlich (Ausland Mk 2.—). Freunde unseres Blattes können dentselbcn ohne pekuniäre Opser nützen, indem fie bei Einkäufen die in ltnseren: Blatte inserierenden Firmen berücksichtigen und sich dabei stets auf das F-rakksnrter Israel. F-amilienblatt beziehen. l©©0©©©©©©@©©©©©0©0©@©©(Ci G © © © © Lanreol (Unter Aufsicht des Herrn Rabbiner Buttemvleser.) — Preisabschlag. — Der Verkaufspreis dieser an Reinheit, Qualität, Ausgiebigkeit und leichter Verdaulichkeit ohne Concurrenz dastehenden Pflanzenbutter in elegant gepackten Tafeln IHlk. 0.70 per V? kg. Zu haben in allen besseren Colonialwaaren- und Delikatessenhandlungen. Seneral-Depot M. M. Happ, Jrankfurt a. M. © © © © © © © © Philipp Mondrion, Frankfurt am Main, _ 13 Eschersheimer Landstrasse 13 Telephon 8152. nächst dem Dr. Hoch’schen Conservatorium. Telephon 8152. Herrenu.Damen-Schuhmacher. Reparatur-Werkstatt. mäsken-gärderobe für Damen, die elegantesten u. geringeren zu verleihen, ebenso Dominos in Atlas und Latin. 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