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Neue jüdische Presse · 1903-12-18 · Heft 58 (18.12.1903) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 58 (18.12.1903)
Date
1903-12-18
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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©eilt 10 ütantiuaei ijitueiaiiau-ö (juuiUimoiau Nr. 58 Plötzlich stand sie auf dem alten Friedhof des Ghettos vor der Großmutter Grab. Sie wuß.e selbst nicht 'wie sie dahingekommcn war. Sie glaubte auf einmal jetzt, hier müsse irgend etwas zu ihr sprechen. — Aber der Hügel blieb stunnn. — Sie blieb davor stehen'und wartete, bis sie vor Küsie zusammenschauertc. ' Tu merkte sie auch, daß es dunkler Abend geworden war. Sie fühlte sich plötzlich entsetzlich matt und elend. Aber wohin sollte sie gehen? Eine unbezwingliche Sehnsucht nach den alten Stuben in der Jodebree überkam sie, nach Adam Seeligs gütigem Gesicht. Wohl stritt in ihr die Schani, ihm unter die Augen zu treten, sie kam sich so erniedrigt vor, mit dem Wunsch zu ihm zu gehen. Dann siegte doch das Verlangen, ihn zu sehen, in ihrer müden Seele. Zögernd ging sie nach dem Ghetto. In den engen Straßen traf sie alte Bekannte, die sie grüßten, aber sie sah sie garnicht. Aufs Aeußerste erschöpft, erklomm - sie endlich die Treppen zu Mutter Rubens ehemaliger Wohnung. Sie ging durch das Entree und blieb vor Dr. Seeligs Studierzimmer stehen. Immer brennender wurde ihr Wunsch ihn zu sehen, immer angstvoller ihr Zögern, ihm zu begegnen. Da wurde die Tür von innen geöffnet. . Der Arzt stand-vor ihr. Sekundenlang starrte er sie nur wortlos an, dann jauchzte er förmlich auf: „Gerta, mein lleincs, süßes Mädchen, Du kommst doch zu mir." Er stand mit ausgebreitetcn Armen vor ihr. Sie hätte sich ihm ans Herz werfen mögen und wagte I doch nicht, die Schwelle, die zwischen ihnen war, zu betreten. Da legte Adam sanft den Arm um ihre Taille und zog fre herein. Voll siel das Licht der Studierlampc auf ihre schlanke Gestalt. Den Arzt erschütterte der' Anblick, der sich ihm bot. Ohne Mantel, im dünnen, schwarzen TrauerUcid, stand sie vor ihm. Das totenblasse, starre Gesichtchen dagegen überschattete ein grellbunter Hut, der irgendwem gehören mochte, nur nicht ihr. „Was ist Dir zugestoßen, mein Liebling?", fragte er erschreckt. 'Da erwachte sie ans ihrer Reglosigkeit. . „Rühren Sie mich nicht an. Sie wissen ja nicht, wie beschimpft. ich bin. Ich bin ja arm." Grell uiid schneidend kamen die Worte von ihren Lippeill Wam Seelig verstand sofort. Ein greller Miß- Lang hatte diese junge Seele verletzt und auf's Tiefste gedemütigt. Er mußte versuchen, sie wieder aufzurichten. „Setze Dich, Liebchen. Du siehst )> blas; aus." Er führte die Willenlose aus 'das Sofa und lies; sich neben ihr nieder. Dann nahm er ihre erstarrten Hände in die seinen. „Du hast mich grausam lauge au; Dich warten lassen, meine Leine Königin." „Ich bin ja keine Königin mehr," sagte sie trostlos. „Für mich bleibst Du immer eine." Die Spannung in ihren Zügen ließ nach. Forschend sah sie zu ihm empor. Warm und innig trafen sie seine Augen. Immer ruhiger wurde ihr Gesicht unter seinen' Blicken und allmählich überflutete es eine tiefe Röte. Dann legte - sie plötzlich den blonden Kopf an seine Schüller. „Laß mich bei Dir bleiben. Ich habe Dich ja so lieb." Ein Ausdruck Laren reinen Glückes lag auf des Arztes klugem Gesicht. „Ich würde Dich ' auch keinem mehr gönnen, mein süßes Lieb." Ein wohliges Heimatgefühl überkam sic. Erst nach einer Weile sagte sie: „Nun kann ich Dir auch alles erzählen. Charlie Pater hat mich —" Aber die Scham schloß ihr den Mund. „Nicht als seine Frau," stammelte sie. nur noch. „Da lief'ich fort." Adam erriet alles. „Das liegt nun well hinter Dir, mein Liebling." Erstrich beruhigend über ihr Haar. Sic nickte. „Ja, ja, weit hinter mir." Und dann: „Jetzt bin ich so müde." . Er hielt sic, ohne ein Wort zu sprechen, im Arm. Ihr blondes Köpfchen an seiner Schulter wurde immer schlvcrer. Endlich schlief sie fest ein. Sorgsam bettete er sie aus das alte Sofa und bewachte ihren Schlaf. In dieser Stunde war nichts von heischender Leidenschaft in ihm. Nur ein übermächtiges Tankgefühl gegen Gott, der ihm die Geliebte zngeführt, wurde in ihm zum Gebet. Er wollte seinen kostbaren Schatz zu hüten wissen. Sein verträumter Blick siel auf die weiße Büste. „Lache, Baruch Spinoza, lache! Es kommt Licht und Freude in das düstere Ghetto, in dem Tu geboren wurdest." Aus dem Geschiistsleben. Kunst. Schneiders Kuiistsalon erfreute sich vergangenen Samstag des Besuchs des Prinzen wie der Prinzessin Carl von Hessen und fanden das besondere Interesse der Herrschaften die Kollektion Marinestückc von F. Ernst Morgenstern, sowie dessen beide Bi.dchen „Frankfurt a. M. und Cronberg", als auch ferner eine Taunuslandschaft von I. G. Mohr, Frankfurt a. M. Benutzen Sie' einen Füllfederhalter? Sind Sie damit zufrieden? Diese beiden Fragen gehören unbedingt zusammen, denn cs werden leider in letzter Zeit viele neu? Füllfederhalter auf den Markt gebracht, die absolut den Zwccr eines Füllfederhalters nicht erfüllen. Es wird nun seit Kurzem von der Firma Paul Henning, Frankfurt a. M., Taunusstraße 30 ein Füllfederlmllenunter dem Namen Ne ko vertrieben, welchenMir selbst in Benutzung haben und der gegenüber ' den seitherigen Füllhaltern ganz besondere Vorzüge aufweist und zwar: Kein separater Füllapparat, jede gewöhnliche Stahlfeder ist rcrwcndbar, sodaß mau seine gewohnte Schreibfcder benutzen kann, der Reko kann niemals klecksen, da di: Füllung und Abgabe der Tinte automa'isch ist. Auch in der Tasche ist ein Auslaufen der Tinte unmöglich, ganz gleich, in welcher Lage der Halter getragen wird. Der Preis ist ein sehr billiger, denn der Reko kostet nur 3 Atari. - — Der beste Beweis für die Güte und solide Ausführung des Reko ist'wohl der, daß die Firma für jeden einzelnen Halter eine zweijährige schri.t iche Garantie übernimmt: cs ist dieses ei» Entgegenkommen bei dem Preise von 3 Mark, wie cs wohl noch nicht dagewcjen. Kurzum, probieren Sie den Reko und Sie werden ihm gern wellere Freunde werben, da Sie sich ohne Weiteres verpflichtet fühlen, einen derartig praktischen Gegenstand zu empfehlen. Bncherschan. 13 Monate in Marokko von Dr. jnr. Graf Sigmund Adelmann von Adelmannsfelden. Verlag von C. Liehner, Hosbuchhandlung, Sigmaringen. 100 Seiten. Preis 1,50 .IL Das Buch enthält in frischem, fließendem Style Reifebriefe, die ein anschauliches, getreues Bild von dep Zuständen in Marokko geben; die marokkanischen Juden sind hierbei nur flüchtig erwähnt. Hebräische N a t i o n a l h y m n c. Komposition' . von Rev. Joachim Kurantmann. ' Die uns vorliegende Komposition zeigt außer der mit feinem musikalischen Verständnis geführten Stimmführung eine leicht faßliche, entsprechende Melodie, die den Hörer — wie cs ja von einer Nationalhymne verlangt wird — gewissermaßen drängt, mit-' zusingen. Jedenfalls darf die Komposition bei jeder jüdischen festlichen Veranstaltung dem Programm eiiiverleibt werden. Bitte. Ein Familienvater hiesiger Gemeinde, isräel. stiel., mit 7 noch unerzogenen Kindern — das älteste Kind 12 Jahre, das jüngste 7 Atonale alt — ist durch überaus harte Schicksalsschlägc in, große Not geraten. Die Frau ist am 3. Scpt. dss. Jahres Plötzlich irrsinnig geworden und mußte in einer Heilanstalt untergcbracht werden. Die llnierhaltungskosten lvro Tag 2,50 Alk.) liegen dem völlig vermögenslosen Manne ob, der ein kleines Milchgeschäft Betreibt, das auch unter gewöhnlichen Verhältnissen die zahlreiche Familienur sehr dürftig erhalten konnte. Durch das Fehlen der in so überaus trauriger Weise der -Familie entrissenen Hausfrau und Mutter sind dem hart betroffenen Vater noch weitere bedeutende Unkosten entstanden, die er auch unter den größten Entbehrungen unmöglich erschwingen kann. An Stelle der Hausfrau mußten fremdeHilsskräfte eingestellt werden (pro Monat 31 Mk). Das jüngste 7 Monate alte Kind wurde anderweitig untergevracht (pro Atonat '0 Akk.). Der Mann befindet sich in der allerschmersten Nottagc und wendet sich deshalb durch den Unterzeichneten lim Hilfe an feine Glaubensgenossen. Ich bin bereit, für den braven und fleißigen Mann Gaben in Empfang zu nehmen und in diesem Famiiicnblattc darüber zu quittieren. Igstadt b. Wiesbaden, 4. Dezember 1903. Petry, Pfarrer. ROSA CRAMER ' ARTHUR OPPENHEIMER Verlobte. Bleichstrasse 6. Eschenheimer Anlage 3. jedes Brautpaares ist, sich sein neues Heim behaglich und schön einzurichten Zu diesem Zwecke gestatten wir uns, Sie auf uns»r reichhaltiges Lager in selbstangefertiuten Wohnungs-Einrichtungen, von der einfachsten bis zur elegantesten Ausführung, bei fünfjähriger Garantie und staunend billigen Preisen aufmerksam zu machen. Ein Besuch unserer Mobiliar-Ausstellung ohne Kaufzwang würde sich für jedes Brautpaar, sowie für jedermann stets lohnen und empfehlen. Philipp Vogel & Cie. Jtnr 41 Grosse Eschenheimerstr. 41. i§ Hur Heult eiten in Teppichen aller -Art von den einfachsten und billigsten bis zu den hochfeinsten Salonstücken. Bettvorlagen, Matten, Felle, Läuferstoffe SHT ganz hervorragende Kollektion. Divan-, Tisch- und Reisedecken, Gardinen, Fenstermäntel. Nie Perser ui Orient Grosse Auswahl. Seltene Stücke. . Schwarz & Löwenthal, Steinweg 10. Bans Vierfuss Zf'il 50, neben der Hauptpost; — ItUUgzle und reellste Bezugsquelle für Uhren imd Goldwaren eigene Werkstatt. Kaiserstrasse 6. f• C. StPllbbBPQ 8 GO. Kaiserstrasse 6. M0(ie-Wäären Damen-Wäsche ■"—= Schweizer Stickereien. -

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