Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 57 (11.12.1903)
- Date
- 1903-12-11
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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geilt 10. Nr. 57. Frankfurter Israelitische? Familienblatt. Ilcbermutsdusel. Es ist traurig, wen» der Staat nicht niehr cingrcist, um seine eigenen Gesetze zu schützen, wenn verbildete und Ungebildete mehr Recht für sich in Anspruch nehmen als jene Gebildeten, 'welche für Kultur, Fortschritt, Atisllärung und Volksbildung cintrcten. Tie gesetzlich gewährleistete Gleichheit aller Mitbürger müsse unbedingt aufrecht erhalten werden. So lange die Unterschrift des Kaisers noch unter den Staatsgrundgesctzen steht, dürfe niemand ermüde», für die garantierte Gleichberechtigung aller Staatsbürger, für die Freiheit der Wissenschaft» für die Reinheit der Kunst mit aller Entschiedenheit cinzutrctcn. Redner beantragte hieraus folgende Resolution: Die heute hier Versammelten geben ihrer Entrüstung Andruck über die unberechtigten Angriffe aus die Vertreter des ärztlichen Standes, welchen sie den „wtolz unserer Hauptstadt" nennen; sie erhoffen von den Behörden im Interesse der Ordnung auf Grund gesetzlicher Basis Hintanhaltung solcher Auswüchse; sie protestieren auch gegen den Mißbrauch des Buchdruckes, durch welchen diese gehaltlosen Beschimpfungen und gehässigen Hetzreden in der Oeffentlichkert verbreitet werden, zum Schaden fiir die Klarheit der Begriffe in der Bevölkerung und nur geeignet, die Achtung zu untergraben, welche jedermann den Vertretern der Wissenschaft und in erster Linie dem ärztlichen Stande, schuldet. Die Resolution wurde ohne Debatte einhellig unter starkem Bcifalle angenommen. Hofrat Professor Nothnagel sprach hierauf dem Freiherrn v. Doblhofs seinen wärmsten Dank aus für das rührende Interesse, welches er in seinen Ausführungen bekundet habe. Er bemerkte sodann im weitere» Verlaufe seiner Rede, cs sei bereits die Frage aufgeworfen ivordeu, ob der Verein noch Existenzberechtigung habe, nachdem seine Kräfte leider nicht ausgereicht habe», den Antisemitismus erfolgreich zu bekämpfen. Unsere , Existenzberechtigung haben wir aber schon dadurch erwiesen, daß wir uns konstituiert haben. Die Auslösung des Vereines wäre ein Fehler. Eine der Ursachen, warum wir nichts geleistet Habens sei, daß wir nur den Marionetten gegenübcrstehen, aber nicht jenen Mächten, die sie lenken. Wir müssen uns auch ferner erhalten. Eine weitere Frage, die hier aufgeworfen wurde, war, was wir tun können, um den Verein wieder mehr in die Oeffenllichteit treten zu lassen. Zn diesem Zwecke wäre es angezeigt, ein Komitee cinzusetzen, das hierüber zu beraten und Vorschläge zu erstatten hätte. Frau Baronin Suttner, die dann das Wort ergriff, erklärte, sie habe es als ihre Pflicht gehalten, hierher zu kommen, sie sei es dem Andenken ihres verstorbenen Gatten schuldig, an dem Vereine, den . ihr Gatte gegründet, festzuhaltcn. In seinem letzten Hillen habe er ihr aufgetragen,, weiter zu arbeiten für die Ziele der Menschlichkeit. Wenn alle zurücktrcten sollten, dann werde sie die letzte sein in diesem Vereine. (Lebhafter Beifall.) Baronin Suttner empfahl, öfters öffentliche Versammlungen abzuhalten, zu welchen auch den Feinden der Zutritt zu gestatten sei, selbst auf die Gefahr hin, gesprengt zu werden. Jeder solche Verein sei ein Kampfvercin und dürfe seinen Gegnern nicht ausweichen. (Beifall.) . In das vorgcschlageue Komitee wurden sodann folgende Herren gewählt: Baron Doblhofs, Oberinspektor Engel und Nordbahnbcamter Waldstein. Mcherschau. Ter Oberrabbiuer der Ofner israelitischen Gemeinde, Dr. Arnold K i s s, der sich auch als feinfühliger und sprachgclvandtcr Poet ciucu Namen gemacht hat, eröffnet eine Pränumerationseinladung auf den unter dem Titel: „A pap härfäja“ demnächst erscheinenden Band seiner neuesten Gedichte. Dieser Band wird nebst Originalgedichten eine Uebertragung der rasch zur Berühmtheit gelangten Ghettolieder des amerikanisch-jüdischen Dichters Morris Rosenfeld enthalten. Die Pränumerationsgebühre (3. K. für das broschierte, 4 K. für das gebundene Exemplar) wolle man bis 5. Dezember an den Verfasser (II. Bezirk, Lanczhidutcza 2) einsenden. Briefkasten. Wißbegieriger. Im preußischen Landtage sind 6 jüdische Abgeordnete und zwar Dr. Max Hirsch, Rosenow, Justizrat Cassel, Konnnerzienrat Aronsohn (sämtlich Freist Volkspartei), Landgerichtsrat Paltasohn, Justizrat Wolf (Freist Vereinigung). X. Auch wenn kein Owel da ist, sagt man nach dem Lernen Rabbonim-Kaddisch. G. Die Schuld liegt nicht aus unserer Seite; wenn der Verein uns, wie es sich gehört, offiziell Blittcilung gemacht hätte, lväre der Bericht genauer gewesen. Zionist. Die Expedition nach Ostafrika tritt in diesem Monat noch ihre Reise an. H. in Bergen. Die Erzählung „Ein Schüler Spinozas" können wir erst Ende dieses oder in den ersten Tagen des nächsten Monats nachliefern. Aus dem Geschäftsleben. Wir hatten dieser Tage das Vergnügen, in der rühmlichst bekannten Kunsthandlung von Carl Dettmer, Schillerstraße 28, eine Mappe mit 10 Originalzeichnunaen aus dem jüdischen Leben von dem Maler W. T h i e l m a n n zu bewunoern; HerrDettmer ist gern bereit, Freunden der jüdischen Kunst die prächtigen Bilder zur Ansicht vorzulegen. Ueberhaupt empfiehlt sich ein Besuch der Dettmer'schen Geschäftsräume. Hochzeits- und Gelegenheitsgeschenke bieten sich daselbst in reichster Auswahl und in jeder Preislage dem kaufenden Publikum dar. „Die Welt" Zentral - Vrgan der zionistischen Bewegung. ' Erscheint jeden Freitag. — Redaktion und Administration: Wien IX., Türkenstraße Nr. 9. „Die Welt" ist das offizielle Organ für alle Mitteilungen des Kongresses, des Aktions-Komitees, der Jüdischen Kolonialbank, der Nationalsonds-Kommission. Die Ä8elt" ist in allen fünf Weltteilen ver- " breitet, wird von Hunderttausenden gelesen. Die 3Welt" gehört also mit zu den besten Jnn sertionsorganen. Anzeigen in derselben sind billig und haben den besten Erfolg. Vom 1. Januar 1903 ab erscheint „Die Welt" in erweitertem Umfange niit der Beilage „Irür die züöische Aawikie", in welcher gediegene belletristische Beiträge erster Autoren veröffentlicht werden. - ' . . ' An Illustrationen bringt „Die Welt" ausgezeichnete Reproduktionen jüdischer Kunstwerke und bildliche Darstellungen aktuellen Charakters in größerer Anzahl. Die zionistische Bewegung hat heute ihre tapferen Vorkämpfer und Pioniere, zahlreiche überzeugungstreue und opferbereite Gesinnungsgenossen in allen Teilen der bewohnten Erde. 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