Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 57 (11.12.1903)
- Date
- 1903-12-11
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 57, hat eine tüchtige Portion Leben und Temperament in sich und eine jüdische Tochter..." „Meinen Sie daß dieser eine andere Seele innewohnt, als anderen?" „Das wohl weniger, aber ruhiger muß sie sein, gelassener, denn das jüdische Temperament schäumt leicht über." (Fortsetzung folgt.) Em Schüler Spinozas. Erzählung aus dem Amsterdamer Ghetto. Bon Hennh Rosenbaum. Fortsetzung.) Sekundenlang stand sie starr unter seiner Liebkosung, dann sagte sie hastig abwehrend: „Ich will kein Mitleid, ich ertrage es nicht." Ihre momentane Haltlosigkeit erstarkte an ihrem eigenen Trotz. „Ich werde Krankenpflegerin. Niemand wird mich davon zurückhalten." „Ich werde Sie von solcher Torheit zurückhalten, Noch unterstehen Ihre Entschlüsse meiner Billigung." „Ich brauche ja Ihre Hilfe nicht. Ich verkaufe meine Schmucksachen." Seine Einreden halsen Seelig nichts. Immer mehr verbiß sich Gerta in ihren Plan. Adam wollte sie nicht noch mehr erregen und verabschiedete sich schnell. „Uebcrdenken Sie Ihre Vornahme noch einmal in Ruhe, Gerta. Dann werden Sic mir Recht geben," meinte er aufstehend. „Nein, nie." Adam trat dicht Mi sie heran. „Es stürmt und schreit vor Weh in Ihrem vielgeprüften, jungen Herzen. Und darüber vernehmen Sie die lieben, leisen Stimmen von Nachgiebigkeit und Güte darin nicht, Kind. Aber das Weh wird ruhiger werden, Gerta Rüben wird sich wieder finden. Und dann kommt sie zu mir, gibt mir die liebe Hand und sagt: „Sie hatten Recht. Nun denken Sie für mich." „Ich werde nicht kommen. Nie, nie, Herr DoLorl" „Sie kommen, Gerta, Sie kommen." Gerta geleitete ihn hinaus. Im Vorzimmer trafen..,ssa, die Paters. „Wer) Herr Doktor, was haben Sie mit Jevrauw Rüben gemacht. Sie hat ja die schönen Blauaugen voll Dränen. Ich hatte sie schon beinahe wieder so weit gebracht, daß sie lachte," meinte Charlie auf Gerta zueilend. Frau Pater nahm Seelig in Beschlag.. Sie war glücklich, den in allen Kreisen hochgeschätzten Arzt in ihrem Hause begrüßen zu können, und bat ihn, seine Besuche, zu wiederholen, was Wam zusagte. Dann ging er. 'Es war etwas Leichtes, Frohes in seinen raschen Schritten. Seinen seingeschwungenen Mund umspielte wiederholt ein zufriedenes Lächeln. „Jetzt werde ich kämpfen um sic," dachte er. »Kämpfen und siegen, denn jetzt ist meine Liebe kein Eingriff mehr in die Rechte eines Anderen." Er hatte Gerta keinen Ton des Vorwurfs für Jan hören lasten. Der arme Tote hatte ja das erzwungene Recht auf seines Freundes schönes Kind chwer genug gebüßt.-— ' Und Gerta dankte ihm dies Schweigen. Ein Vorwurf für Jan hätte sie geschmerzt. Sie selbst grollte ihm ja auch nicht.- Freilich machte sie jetzt schon die Erfahrung, welchen Einfluß der Reichtum auf das Benehmen vieler Menschen ausübt. So manche von Klarste Arendsohns Gästen schienen -im Pater'schen Hause Gerta kaum wicderzuerkennen. Tief verletzt wies diese auch die herablassende Freundlichkeit, welche wieder andere ihrer früheren Bekannten ihr zu Teil werden ließen, zurück, o daß sich Frau Pater niehrmals veranlaßt sah, ie leicht strafend zu mahnen: „Sie verletzen die Freunde unseres Hauses, Jevrauw." Das stolze, blonde Mädchen schloß auch diese Bemerkung voll schweigender Bitterkeit ins Herz. Selbst Marys überzärlliche Liebe und Charlies lebhaft bewiesene Freundschaft ließ sie dieselben nicht vergessen. Immer mehr verrannte .sie sich in die Idee, als Krankenschwester ihre Selbständigkeit zu erringen. Wer sie war zu unbeholfen, um sic ausführen zu können. Dr. Seelig, der bereits mehrmals den Einladungen der. Paters als hochgeehrter Gast gefolgt war, ohne dabei'Gelegenheit zu finden, Gerta längere Zeit allein zu sprechen, las wohl die Seclcukämvfc in dem bleichen Gesichtchen. Aber er konnte ihr nicht halfen. Sie stieß ihn ja noch iimncr brüsk zurück, säst angstvoll brüsk. Warum eigentlich? Fühlte sie instinktiv sein Werben und wehrte sich wild dagegen wie ein gefangenes Vögelchen? — Wie lange mußte er sich noch vor Sehnsucht nach ihr verzehren? Sie führten beide stets dasselbe Gespräch. „Nun, Gerta, ist Ihr törichter Plan begraben?" „Nein, er beschäftigt mich mehr als je." „Wer sehen Sic denn nicht cm, daß Sie in einer zeitweiligen Gemütsdepression nicht über Ihr ganzes Lebensschicksal bestimmen können. „Nichts sehe ich ein, garnickfts. Ich weiß nur, was ich tun will und muß." — — — — Gerta weilte nun schon über zwei Monate bei den Paters, als sie einen Brief von Klarste Arendsohn erhielt. Die kleine Frau schrieb, daß sie und ihr Gatte kaum die Zeit erwarten könnten znriickzukehren, und ihr herziges Blondchen, von dessen herben. Schicksalsschlägen ihr der Bruder berichtet hatte, in ihrem Hause aufnehmen zu können. Schluß folgt. Verein Mekor-Chajim. Sonntag, den 13. Dezember fällt der „Josua"- Bortrag des Herrn Oberlehrer A. Wehl aus; der Talmud-Schiur des Herrn Direktor Dr. Lange wird ans 3 Uhr nachmittags verlegt. Vereiu zur Pflege jüdischer Levcnsanschauung (Nachalath Zwi). Mittwoch, den 16. Dezember, abends S'/s Uhr, präzis, im großen Saale der Loge zum Adler, Seilerstr. 22. Tagesordnung: DasAesthetische im Lichte des Judentums. Referent: Herr Jacob Rosenheim. Nach dem Referate Buffetpause. Alsdann Bor träge des Gesangvereins „Jeschurun" unter Leitung des Dirigenten Herrn Pap perle, Gesangsvorträge des Herrn Oberkantors Pessachowitsch. Damen haben Zuttitt. Pünktliches Erscheinen ist erwünscht. Vakanzen. Bad-Orb (Hessen-Nassau). Rcligionslehrer, Vorbeter und Schächter per sofort. Gehalt 1350 JL nebst freier Wohnung und Nebenverdiensten. Familiennachrichten. (Aufnahme^ in diese Rubrik, kostenlos.) Geburten. Eine Tochter,Herrn vr. med. Fritz Fulda. Mannheim. Eine Tochter, Herrn Sam. Schloß, Frankfurt a. M. Stervefälle. Gertrud Fränkel, 9 I., Frankfurt a. M„ Kleine Pfingstweidstraße S. vr. med. Emanuel Marcus, 69 I., Frankfurt a. M., Blumenstraße 8. Rebekka Moses Wwe., geb.' Rothschild, 86 I., Musikantenweg 6. Siegmund Fels, 56 I., Mannheim. R^ine Altschul 78 I., Mannheim. Eduard Herz, 62 I., Frankfurt a. M., Bockenheimer Landstraße 12. Adolf Adler, 55 I., Frankfurt a. M., Grünestr. 38. Bernh. Marx, 39 I., Frankfurt a M.. Mainstr. 12. Jsak Stein, 86 I., Frankfurt a. M.. Altkönigstr. 14. Beruh. Neuberger, 34 I., Frankftlrt a. M-, Königswarterstraße 16. Woche« -Kalender. (Zeitangaben nach dem L u a ch.) 'Sabbath-Ausgang in Frankfurt a. M-, 5 Uhr 15 Minuten, Caffel 5 Uhr 03 Minuten, Berlin 4 Uhr 44 Minuten. >! Chanuka-Beginn: Sonntag Abend. Wilhelm Glücklich Gegr. ‘ Schillerstrasse 4,1- Gegr. 1879. Frankfurt a. M. 1879. Immobilien, Hypotheken. Gegen Einsendung der Abonuementsquittung für das I. Quartal 1904 liefern wir die Erzählung „Ein Schüler Spinozas" kostenfrei nach. lii. garantiert koscher Kernseife weiss per Pfund 25 Pfg. Colonial-Haus G. m. b. fl* Grüneburgweg 71. 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