Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 53 (13.11.1903)
- Date
- 1903-11-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Irsnkfuvlev Re-Mion und HllUpi^ErpMIion: Frankfurk «. Ml. Bergerstrsße 25, parterre. Herauszeder: Kaly Gers. Ro. 53. Freitag, den 23. Ldesodvau 5664 (13. November 1963). No. 53. a Monnementspreis M. 1.— vierteljährlich, frei inS Haus. Durch die Post bezogen 90 Pfg. vierteljährlich (exklusive 12 Pfg. Bestellgebühr.) 'Nostzeiturrgsliste 8741. Einzelnummern kosten 10 Pfg., Bezug durch Streifband M. 1.50 vierteljährlich (Ausland M. 2.—). a Jnsertionspreis für die viergespaltme Petitzeile 25 Pfg., für die RÄlame-Zeile Mk. 1.—, im kleinen Anzeiger (Famllien-Nachrichten, Stellen-Angebote und -Gesuche 2 Pfg. die Silbe). Beilagen je nach Gewicht, Mk. 5.— bis 8.— das Tausend. Jüdische Künstler. Herausgegeben von MartinBuber. Jüdischer Verlag. Berlin 1903. (Schluß.) Max Liebermann, der Begründer einer neuen, der sogenannten naturalistischen Richtung in der Malerei, hatte alle Bitternisse, die einem Neuerer drohen, auszukosten. Das, was er als Schönheit in der Natur erkannte, ward als Betonen des Häßlichen und demzufolge zunächst als unentschuldbarer Frevel an dem Ideal der Menschheit angesehen. Holland ist die Heimat seiner Kunst. Was den meisten zu uninteressant erschien, das eben nahm er sich zum Vorwurf, um es künstlerisch zu verllären. vor allem das berückende Rot auf, das in dieser Nuance von keinem Maler je geboten ward.' Rechts sieht man die Rückseite des Waisenhauses mit den Backsteinpseilern, den hellgestrichenen Umrahmungen der Fenster, den Gittern und dem Blumenschmuck. Ein langer, links von grünenden Bäumen eingefaßter Gang führt am Hause vorüber und endigt in einer lleinen Pforte am Quergebäude, aus der die Waisenmädchen in den Hof 'gelangen, um den schönen, warmen Sommertag zu genießen. In ihrer kleidsamen, halb schwarzen, halb roten Tracht spielen die einen, wandeln die andern und arbeiten die Aelteren. »schmuck stehen ihnen allen die weißen Schürzen und weißen Häubchen. Keines der Mädchen sieht aus, als wäre es gemalt worden. Jede Bewegung,, jeder Gesichtsausdruck ist vollendet natürlich- Auf dem zuholen. Im Ganzen müssen wir dem jüdischen Verlag dankbar sein, daß er es verstanden hat, in seinem Buche eine gute Auswahl unter den jüdischen Künstlern getroffen zu haben. Wenn diese Zeilen den Erfolg haben, daß manch einer Interesse für die jüdische Kunst und für das besprochene Werk gewinnt, so ist ihr Zweck völlig erreichte Theodor Mommsen's Anschauungen über das Judentum. Von Dr. Jsak Unna, Rabbiner in Mannheim. Der Tod des großen alten Mannes, dem es vergönnt war, sein Leben fast bis zum letzten Atemzuge Saul und Tavid von Joseph Israels. '■,TV indem er die Schönheiten des Alltäglichen anfsand. Im Sinne alten Kunstbegreifens und -Genießens sind seine Sujets nicht eines Künstlers würdig. Er hat dem Naturalismus in Deutschland die Richtung gewiesen. Und wenn wir jetzt seine und seiner Nachfolger Bilder für künstlerische Taten änsehen, so verdanken wir Liebermann die Schulung im Erfassen der Schönheit im Natürlichen. . Da wir in unserer Zeitung leider keine Abbildung nach , einem Liebermann'schen Gemälde, aus Buber's Buch bringen können, so müssen wir die Leser bitten, in der Städel'schen Galerie den „Hof des Waisenhauses in Amsterdam" zu besichtigen. Wir zweifeln .nicht, daß sie dann Verlangen kragen werden, die wohl gelungenen Reproduktionen in dem vom jüdischen Verlag, herausgegebenen Werke in Muse zu genießen. In dem - hier ausgestellten Bilde fällt Wege tanzen die Sonnenstrahlen da, wo die Blätter keinen Schatten geben. Als das Bild im Jahre 1882 im Salon erschien, schrieb ein Pariser Kunstkritiker: Herr Liebermann hat 'der sonne einige von ihren Strahlen gestohlen und bedient sich derjelben wie Phöbus selbst. Wir glauben, daß die Eigenart Liebermannscher Malweise am besten aus den folgenden, im Buberschen Werke abgebildeten Gemälde hervorgeht, und empfehlen unseren Lesern, diese einer genauen Betrachtung zu unterziehen. 1. Papageienallee im Zoologischen Garten, 2. Die^Frau mit den Ziegen, 3. Die Ganserupferinnen, 4. Schusterwerkstatt, 5. Arbeiter im Rübenfelde, 6. Kleinkinderschule. Bon den anderen Künstlern hier im Referat ausführlich zu sprechen, versagen wir uns. Es wird sich die Gelegenheit finden, das Versäumte später nächder Arbeit und der Wissenschaft zu weihen, hat naturgemäß eine Fülle von Betrachtungen und Abhandlungen hervorgerufen, die seiner Bedeutung auf den verschiedenen Gebieten seines Schaffens gerecht zu werden suchen. Ihn als Historiker zu würdigen, wäre hier nicht der Ort; was uns als Juden besonders an Mommsen interessiert, das sind seine Anschauungen über das Judentum und seine Stellung zur modernen Judensrage. In gewissem Sinne ist beides von einander abhängig; denn als Geschichtschreiber war Mommsen gewohnt, die Dinge von einer höheren Warte aus zu betrachten, und so gallen ihm die einzelnen Zeitereignisse und tfeib» strömungen nur als Glieder der Gesamtentwicklung oder wie im Falle des Antisemitismus als Rückschläge gegenüber der Entwicklung. Darin liegt auch der wesentliche Unterschied zwischen chm und seinem