Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 50 (23.10.1903)
- Date
- 1903-10-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Taß sich alle Kunst ursprünglich an und aus den religiösen Ideen und ihrer Symbolisierung entwickelt, ist gewiß, und eben deshalb blieb den Juden bei ihrem rein geistigen Gottesglauben, wodurch die sinnlichsichtbare Darstellung des Göttlichen ausgeschlossen war, die eine Kunstform, die sichtbar darstellende, plastische und malerische Betätigung fremd. „Ter Jude des Altertums war mehr Ohrmensch, als Augenmensch. Im Gegensatz zu Homer umfassen die Schil- Joseph Israels, ein Kind des Amsterdamer Ghettos, hat erst nt seinem 40. Lebensjahr an gefangen, zu maleu, wie e r die Welt sah, nachdem er lange Zeit in den Bahnen der im Anfang des 19. Jahrhunderts giltigen akademischen Richtung gewandelt war. Mit ihm fängt eine neue Blütcperiode der holländischen Kunst an, die wie eine Fortsetzung der alten, von Rcmbrandt zur Höhe gebrachten und dennoch völlig neu erscheint, weil sie nicht auf Nachahmung beruht, sondern auf lebendiger Beobachtung der Natur. 200 Jahre trennen ihn von dem bedeutendsten Maler Hollands; die Menschen und die Wohnungen haben sich geändert, aber die Natur und die nationalen Eigentümlichkeiten sind dieselben geblieben. Was mir an Rembrandt bei jeder Gefast ausnahmslos irgend ein intimes Erlebnis dar, das unser Mitgefühl erregt, weil es so einfach war und dem Leben abgelauscht ist. Tie Müden und Beladenen sind es, die vor allem den Künstler zwangen, mit seinem Pinsel ihre Sorge» und Mühen uns verständlich zu machen. Nur ein Bild können wir unsren Lesern aus der großen Zahl der ergreifenden Gemälde und Zeichnungen vorführen, ein Bild, zu dem nicht, wie bei den anderen, Israels die Anregung in seiner Heimat erhielt, das vielmehr in Spanien entstand. Aber an ihm können wir das, was oben von dem Zauber des Lichtes gesagt wurde, so voll und ganz verstehen. Hell flutcts durch das Fenster und zwingt den Blick auf die ehrwürdige Gestalt des Schristgelehrten, der, über die -Ti.. rST-Äi WM derungen im Schrifttum nur Bewegung und Größe, fast nirgends Farbe und Form. Es kam von den objektiven Künsten nur die zur Entfaltung, die nicht von der Natur ausgehen 'muß, die 'Architektur." Für die Juden der Neuzeit dagegen ist kein Gebiet der Kunst verschlossen.*) Was bisher in der darstellenden Kunst erreicht ist, will das Buber'sche Werk uns zeigen, ohne daß der Herausgeber über die jüdische Kunst an sich zu theoretisieren versucht. Aus dem reichen Inhalt führen wir nur 2 Maler besonders auf, weil sie uns die hervorragendsten zu sein scheinen. Tabei wollen wir aber nicht zu erwähnen unterlassen, daß gerade die übrigen, die wir nur kurz streifen werden, in ihren Vorwürfen mehr das spezifisch-jüdische Element betonen. *) Das jüdische Gesetz verbietet die Bildhauerei. Anm. d. Red. legenheit von Neuem bewundern, das herrliche Spiel des Lichtes in jeder Intensität, das zwingt uns auch beim Betrachten der Bilder Israels Staunen und Freude ab. Ter Künstler hat einmal von sich selbst gesagt, daß es außer Millet keinen Maler gebe, der so wenig zeichnen und malen könne, wie er, und dabei so gute Bilder gemalt habe. Und er hat recht. So unbeholfen die Zeichnung sein mag, alles ist durch das Licht verklärt. Aus allem spricht das seelenvolle Verständnis menschlicher Schwäche und irdischen Leids. Nur wenigen ist es vergönnt gewesen, in sigurenreichen Kompositionen den Schmerz der Welt glaubwürdig darzustellen. Daher wundern wir uns nicht, daß auch Israels mit seinem, für sein Wirken entscheidenden Aufenthalt in Zandvoort kein Thema gewählt hat, das eine welterschütternde Begebenheit zur Grundlage hat. Was in Buber's Werk von den. Bildern Israels geboten wird, stellt Rolle gebeugt, langsam und müde die heiligen Worte niederfchreibt, dessen Lippen sich zu bewegen scheinen, als ob er die 'Arbeit der Hand durch das Aussprechen der ihm vertrauten Thorasätze, erleichtern wolle. Wer hat den Greis noch nicht gesehen? Solange die Kräfte reichen, lvird er im Dienste seines GotteS die Feder rühren. Tie linke Hand drückt das sich umbiegende Ende der Rolle mit mäßiger Kraft und behäbiger Ruhe auf den einfachen Tisch. Festangespannt dagegen erscheinen die Muskeln der rechten Hand, lveil nur eine lleinere Fläche als Stütze ihr dienen kann, und die notwendige Energie durch ergiebigere Inanspruchnahme der Muskelkraft aufgebracht werden muß. Wie herrlich ist das der Natur abgelauscht! Und wie stimmt das Sichüberneigen des Körpers nach der rechten «eite zu der eben skizzierten Verteilung der Kräfte! „Ms Israels den Thoraschreiber malte, hat er ihm seine eigenen Abonniert bas Frankfurter Israelitische Famitienblatt!