Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 49 (16.10.1903)
- Date
- 1903-10-16
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 5. Nr. 49. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Frankfurt a. M. Die „Vereinigung zur Pflege jüdischer Lebensanschauung (Nachlas Zewi)" eröffnet am Mittwoch, den 21. Oktober, abends Uhr, in der „Loge zum Adler", Seilerstraße 22, ihre Wintersaison mit einem -Vortrage des Herrn Jsaac Breuer; das Thema des Referenten lautet: „Rückblick auf das Jahr 5663". Gäste sind an den Vereinsabenden, die regelmäßig am Mittwoch Abend stattfinden, stets willkommen. Berlin. Der Verein zur Bekleidung armer jüdischer Kinder, an den in letzter Zeit ganz besonders starke Ansprüche gestellt worden sind, veranstaltet zum Besten seiner 'Unterstützungskassen am Sonnabend, 31. d. M., ein großes Wohltätigkeitsfest in den Räumen des Architektenhauses, Wilhelmstraße 92—93. Erste hiesige Künstler haben ihre Mitwirkung zugesagt. Damen und Herren der Gesellschaft führen einen Kostümtanz vor, und viele sonstige Ueberraschungen sorgen für die angenehmste Unterhaltung. Es wird noch besonders darauf hingewiesen, daß außer einer großen Tombola ein Bazar nicht stattsindct. Billetc zu 1.59 Mk. sind in der Geschäftsstelle des Vereins Sicgbert Würzburg. W. 30, Eisenacher Straße 8, I., oder durch Amt 6a, 12670 erhältlich, _ Personalien. Berlin. Der Schubertforscher, Privatdozent für Musikgeschichte an der Berliner Universität, Oe. xflil. Max Friedländer ist zum außerordentl. Profcffor ernannt worden. Elbing. 2. Okt. Die Firma D. L ö w e n t h a l blickt ani heutigen Tage auf ein 25 jähriges Bestehen zurück. Wenn auch infolge des hohen israelitischen Feiertages für heute von einer rauschenden Festlichkeit abgesehen war, so ließen es sich die Freunde des Hauses. nicht nehmen, dem Chef der Firnia, Herrn D. Löwenthal ihre Hochachtung zu bekunden. Die eigentliche Jubelfeier findet ani Sonnabend im Gewerbevereinshause statt. Wenn die Firma D. Löwentha! sich aus recht bescheidenen Anfängen zu ihrer heutigen Größe emporzuschwingen vermocht hat. so ist das ein Zeugnis rastlosen Fleißes. Segen ist der Mühe Preis; das Wort hat sich wieder bei Herrn Löwenthal bewahrheitet. Liegnitz. Herr Louis Danziger, langjähriges Mitglied des Vorstandes der israel. Gemeinde, ist im 70. Lebensjahre verschieden. Grünstadt. Hier starb Frau Sara Rahm geb. Goldschmidt, eine in weitesten Kreisen angesehene Frau. Die Beerdigung fand Freitag vor 8 Tagen statt und gab Herr Distriktsrabbiner vr. Salvendi. Dürckheim, in warmen Worten den schmerzlichen Gefühlen unserer Genicinde über den Heimgang dieser Frau Ausdruck. Wien, 6. Oktober. Heute Vormittag fand das Leichenbegängnis des am 1. d. in Halverstadt verstorbenen Oberingenieurs im Eisenbahnministerium und Vorstandsncitgliedes der israelitifchenKultusgemeinde in Wien Arthur Edler v. Mises unter sehr zahlreicher Beteiligung von Leidtragenden statt. Es waren unter andern erschienen: der Präsident der Oesterreichisch-ungarischen Staatseisenbahn-Gesellschaft Theodor Ritter v. Taussig, Baronin Charlotte Königswarter, der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde kaiserlicher Rat Klinger mit den beiden Vizepräsidenten Dr. Alfred Stern und Dr. Gustav Kohn, den Mitgliedern des Vorstandes und den Sekretären kaiserlicher Rat Dr. Lieben und Dr. Adler, Regierungsrat Schlag, Oberbaurat Friedrich Benedikt, die Bauräte Stiaßny und Kurzek, der Prokurist des Bankhauses Rothschild Emil Horner ic. Wien, 8. Okt. (Todesfälle.) Der gestern hier verstorbene emeritierte Rabbiner und Prediger Dr. David Brüll, der Vater des Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Heinrich Brüll, war ein durch tiefe Bildung und vortressliche Charaktereigenschaften ausgezeichneter Mann, der jahrzehntelang in den ehemaligen Borortgemeinden Döbling und Währing wirkte. Odessa (Rußland). Hier starb der hebräische Schriftsteller I. Z. Warschawski im 80. Lebensjahre. Sprechsaal. Frankfurt a. M„ 12. Okt. 1903. Es ist eine auffallende, fast merkwürdige Erscheinung unserer Zeit, daß hervorragende christliche Gelehrte sich eingehend mit dem Studium der jüdischen Literatur beschäftigen. Ich zähle hier in erster Linie den Herrn Prof. Dr. Wünsche in Dresden, der bereits vor Jahren den Midrasch und einige Traktate des Talmuds übersetzt hat und momentan wieder an der Arbeit ist, ein Werk über die Ethik der Bibel herauszugeben. Ferner Professor Dr. Hilty in Bern, der wundervolle Ideen in seinen „Briefen" über „die Kunst der Erziehung" entwickelt. So sagt derselbe^ z. B.: „Glauben Sie aber fest, daß es etwas Begeres gebe, als feineren Lebensgenuß und äußere Ehrenstellen und daß es für jeden Menschen jedes Standes und jeder Nation von der höchsten Bedeutung sei, frühzeitig den rechten Weg einzuschlagen, der an Stelle der Ausbildung des bloßen Jchs zu einer fruchtbaren Tätigkeit für das Gute in der Welt und von dem bloßen Dichter- und Künstlerideal zu der vollen Lichtnatur des-menschlichen Geistes führt, dann wollen wir weiter sprechen." (Das. sind goldne Worte). Ferner Rev. John Urquhart hat über „die neueren Entdeckungen und die Bibel", ein äußerst interessantes Werk, übersetzt von E. Stieß, herausgegeben, und finden wir in demselben alte Bekannte. Aber seltsam, der christliche Gelehrte vertieft sich in die Bibel und bringt uns daraus neue Ideen, d. h. Ideen, die unfern Glaubensgenoffen fremd sind, weil leider der größte Teil der deutschen Juden das Hebräische nicht mehr versteht. Was nun die Kinder nicht gelernt haben, braucht der Jüngling und Mann nicht zu vergessen. Die Richtigkeit dieser Behauptung sehen wir bei bem Breslauer Professor Ladenburg. Dem Namen nach ist oder war der Herr als Jude geboren. Die jüdische Literatur jedoch hat der Herr Prvieyor nicht kennen gelernt, sonst hätte sich derselbe in seinem Bortrage „den Einfluß der Naturwissenschaften auf die Weltanschauung" nicht den Satz erlaubt: Auch die Vorstellung eines Gottes falle weg. Ei, ei! wie gelehrt das klingt. Haben Sic das Oratorium „Gott in der Natur"Hoch nicht gehört? Dann besuchen Sie doch einmal einen hervorragenden Musiker in Breslau und fragen Sie doch denselben, ob Sie sich mit Ihrer Behauptung nicht gräßlich blamiert haben. Es existierte einstens ein jüdischer Naturforscher, Philosophe und Arzt, der Maimonides hieß und zwar 1I0 0n. Ehr. Dieser Mann hat ein Werk „der Lehrer der Verirrten'' herausgegebcn und wenn Sie den Herrn Prof. Fränkel an der dortigen Universität darnach fragen, so werden Sic eines Besseren belehrt werden. Die Naturwissenschaft erseht vielleicht Ihnen den Gott. Der Tieferblickende jedoch bemitleidet Sie, denn der Gott, den Sie mit Ihrer Gelehrtheit bestreiten, ist cs. der diese ewigen Gesetze der Natur, denen Sie nachgehen, festgesetzt hat. Schlagen Sie doch ein Gebetbuch auf und lassen Sie sich von einem Knaben, der 11—12 Jahre alt ist, die Keduscha übersetzen. Dort heißt es: „Die Herrlichkeit Gottes erfüllt die ganze Wclt.'seine Diener fragen einer den andern: Wo ist der Ort seiner Herrlichkeit? (d. h. wo ist Gott?) Ringsumher (überall) sprachen sie, Gott preisend." In der Genesis wird dem Erzvater Abraham der Segen erteilt: „Deine Nachkommen werden wie der Staub (zahlreich werden)." Dieser Segen hat sich an Ihnen, Herr Professor, insofcrne bewahrheitet, daß Sie heute schon Staub sind. Sie haben Ihre Ideale verloren. Sie haben den ewigen, göttlichen Kern in der Wissenschaft verloren. Sie werden vergehen, aber der Herr der Welt bleibt ewig. Almoni. Vakanzen. Posen. Inspektor für die Israel. Waisenknaben- Anstalt mit tüchtiger pädagogischer Bildung. Mk. 3000 Gehalt, freie Wohnung, Heizung und Beleuchtung, event. Pensionsberechtigung. Meldung an Rabbiner Dr. Bloch. Stettin. Akademisch gebildeter Hilfsprediger und Religionslehrer. Gehalt Mk. 3600. Aus dem Geschäftsverkehre. Die Königin von Italien, welche am Mittwoch voriger Woche unsere Stadt mit ihrem hohen Besuche beehrte, machte auch in verschiedenen, angesehenen hiesigen Geschäften persönlich ihre Einkäufe; u. a. bevorzugte sie die durch ihre reichhaltige und geschmackvolle Auswahl bekannte und renonimierte Firma Max Braunthal, Zeit 54, mit größeren Einkäufen. Briefkasten. II. 1'. Karlsruhe. Einsendungen sind uns angenehm; erbitten Ihre genaue Adresse. Familienuachrichte«. Geburten. Eine Tochter, Herrn Simon Weingart, Frankfurt a. Bt., Günthersburg-Allee 31. Eine Tochter, Herrn Bloch, Frankfurt a. M„ Rotlintstr. 17. Eine Tochter, Herrn Levii, Frankftlrt a. M„ Seilerstraße 41. Einen Sohn, Herrn Dr. I. Beis, Frankflirt a. M., Parkstraße 4. Einen Sohn, Herrn Julius Gans, Frankfurt a. M, Seilerstr. 17. Eine Tochter, Herrn Hugo Cohen, Siegburg. Eine Tochter, Herrn Dtoritz Wertheimer, Fabrikant, Mannheim. Verlobte. Elsa Wassermann, Nürnberg, mit Carl Dreifuß, Straßburg. - Frieda Forchheimer, Fürth, mit Louis Blum. Nördlingen. : Elsa Bloch, Basel, init Sal. Aufhüuser. Nürnberg. . .Bertha. Frank, Sel!ge»stadt, mit Dr. 53. Frank, Landau. ' . Fanny Stern, Mellrichstadt, mitDr. Benno Baswitz, Frankfurt a. O. Else Simon, Mainz. mit Jakob Simon, Elberfeld. Regina Gewürz, Frankfurt a. M, mit Isaak Weinberg, Frankfurt a. M. Aufgebotene. Barb. Roos. Jugenheim, mit Abraham Roos. Frankfurt a. M. Minna Moses, Frankfurt a. Bi., mit Albert Weiß, Frankftlrt a. M. Käthchcn Cahn, Frankfurt a. M , mit Ludwig Löwenhaupt, Kitzingen. Louise Baum, Frankfurt a. Ai, mit Püikus Davies, Frankfurt a. M. Rickchen Müller, Altenstadt i. Hess., mit Hcrniann Marburg, Frankfurt a. Ri. Sterbefälle. Jsaac Merkel, Langen. Daniel Rotfchild. Michelstadt. Rebekka Schechmnnn, Fürth, 56 I. Josef Marx, 'Altenstadt, 46 I. Anna Cahn, Bonn. Programm der Bereinigung znr Pflege jüdischer Lebens«»- schannng (Nachlas Zewi) für die Winiersaiso» 1903,04. i. Regelmäßige Bercinsabende. Loge zum Adler. Seilerstr. 22, Mittwoch abends 8J/t Uhr. Beginn: 21. Oktober. Lehrgänge: 1. Rückblick auf das Jahr 5663. 2. Kerngedanken aus dem jüdischen Gebetbuch. Leitung: Herr Oberlehrer vr. E. Fink. a) Kaddisch und Keduscha: b) Sch'ma: c) Sch'mone esre. Bortrag: Der historische Aufbau des Gebetbuchs. 3. O.licllenstudien-Abende: Die Gesetzgebung am Sinai. 4. Verfassung und Verwaltung des jüdischen Staates. Leitung: Herr Professor vr. A. Sulzbach, a) Volkstum, Königtum, Politik; d) Priestertum; Erziehung und Unterricht. e) Prophetie, ck- Rechtspflege. Bortrag I.: Die soziale Lage inl jüdischen Altertum. Vortrag II.: Die Praxis der jüdischen Rechtspflege im Mittelalter. 5. O.uellcnstudien-Abende (siehe unter 3.) Frcier-'Abend: Die Sittlichkeitsfrage. und die jüdische Jugend. Bor trag: Das Purimfest und die Ausgrabungen. 6. Das Judentum und das 'Aesthetischc. B. Vorlesungen für Tomen. Sonntag Abend 6 Uhr in der Realschule anr Tiergarten. 1. Ter Sabbat im Hause. Herr Rabbinatsassessor G. Posen. 2. Vorlesungen über ansgewählte Stücke des Pentateuch. Herr Oberlehrer vr. I. H. Bondi. C. Konferenzabende. Donnerstag Abend, alle vier bis sechs Wochen im Hc.tel Neuhof. Woche«-Kalender. (Zeitangaben nach dem Luach). Samstag, den 17. Oktober, Wochenabschnitt Bereischis. Sabbath-Ausgang in Franksurt a. M, 6 Uhr 15 Minuten, Cassel 6 Uhr 08 Minuten, Berlin 5 Uhr 51 Minuten. Israelitischer Mädchenklub Fahrgaaae 148. IM" Jeden Abend von Vh—10 Uhr geöffnet. "WM Kaiser Friedrich Quelle -- Offenbach a. M.- Vornehmstes Tafelwasser. Wilhelm Glücklich Gegr. SchiUerstrasse 4, I. Gegr. 1879. rrankforfa.lt. 1879. Immobilien; Hypotheken.