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Neue jüdische Presse · 1903-09-25 · Heft 47 (25.9.1903) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 47 (25.9.1903)
Date
1903-09-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage zu Nr. 47 des Frankfurter Israelitischen FaMiMattes. Nachdem wir in dem Bestreben, unser Blatt immer vielseitiger zu gestalten und immer mehr zu vervollkommnen, demselben seit kurzem eine pädagogische Beilage Schule und Haus, hinzugefügt haben, wollen wir demnächst in Fortsetzung der Ausstattung unseres Blattes mit einer weiteren Beilage: Jüdische Jugend fortfahren. Es' liegt uns nun daran, ein Bild von der „jüdischen" Gedankenwelt unserer Heranwachsenden Jugend zu erhalten, um auf Grund dieses Bildes unser Programni für die Jugendzeitung auszuarbeiten. Wir richten deshalb an die Kinder unserer Abonnenten das Ersuchen, uns eine Arbeit mit irgend einem „jüdischen" Stoffe zu liefern. Es bleibt den Einsendern vollständig überlaffen, ob ihre Arbeit erzählenden oder belehrenden Inhaltes ist. Die Einsender dürfen das 18. Lebensjahr nicht überschritten haben. Jede Arbeit, die druckreif ist, wird mit einem der Eigenart ihres Schreibers und dem Werte der Arbeit entsprechenden Werke prämiiert. Für die besten Arbeiten gelangen sehr wertvolle Bücher zur Verteilung. Verlag des Frankfurter Israel. Familienblattes. Ueber die Behandlung religiöser Gegenstände in der Schule, die von Kindern verschiedener Konfessionen besucht werden, hat der Kultusminister aus Anlaß eines Spezialfalles an die Bezirksregierungen und Provinzialschulkollegien eine- Verfügung gerichtet, in der es heißt: „Auch ich bedauere, daß dort die konfessionelle Minderheit über einen Mangel an Schonung ihres religiösen Gefühls zu klagen Veranlassung hat. Legen an und für sich das Gebot der Duldsamkeit und das staatliche Interesse an einem friedlichen Zusammenleben der Angehörigen verschiedener Konfessionen jeder Schule die Pflicht auf, im Unterricht alles zu vermeiden, was die Gegensätze erweitert, und alles zn pflegen, was das unbefangene Zusammenleben zu fördern geeignet ist, so mutz die Rücksichtnahme auf den Standpunkt anderer Glaubensgemeinschaften besonders da beachtet werden, wo Kinder verschiedener Konfessionen den Unterricht gemeinsam empfangen. Es gilt dies nicht nur für paritätische Schulen, sondern ebenso für Konfessionsschulen, in denen sich eine, wenn auch kleine Minderheit von Kindern anderer Konfessionen befindet. Soweit die Behandlung der Unterscheidungslehren im Unterricht notwendig ist, gehört sie in den Religionsunterricht. Aber auch dieser darf die Rücksichtnahme auf das religiöse Bewußtsein der Andersgläubigen niemals außer acht lassen. Darin sind alle Konfessionen einig, und die Erziehung in der Schule muß diese Erkenntnis wachhalten und fördern, da es nicht an weiten Gebieten fehlt, aus denen den Angehörigen verschiedener Konfessionen ein gemeinsames Wirken möglich ünd Pflicht ist, so daß viel Gutes und Schönes unentwickelt bleiben und das Staatsinteresse gefährdet werden müßte, wenn die Erziehung der Jugend nicht pflegte, was uns eint, sondern vertiefte, was unser Volk auf religiösem Gebiete trennt. Ich, vertraue, daß die k. Regierung den beteiligten Kreisen, wo es etwa erforderlich sein sollte, die sorgfältigste Beachtung dieser Grundsätze zur Pflicht machen wird." Bücherschan. Tie j ü d i s ch c W i s s e n s ch a f t des jüdischen Verlags. Mathias Ache r. Ach ad ha-am. Ein Denker und Kämpfer der jüdischen Renaissance. Jüdischer Verlag.' Berlin. 66 Seiten. __ . Ter jüdische Verlag in Berlin hat sich unstreitig auf dem Gebiete der schönen Literatur Verdienste erworben und deingemäß auch Anerkennung gefunden. Nunmehr ttitt er mit den Erstlingen seiner wissenschaftlichen Werke auf den Plan, und diese sind es, die uns hier beschäftigen sollen. Es war am fünften Kongresse, als die Begründer des Verlags, die Herren Buber, Feiwel und Lilien mit der Forderung austraten, der Kongreß möge ihrem „Unternehmen für jüdische Wissenschajt und Kunst" eine Subvention im Betrage von 2000 ,l(. jährlich bewilligen. Sie versicherten, daß es ihnen nicht um das Geld zu tun sei, sondern um die moralische Unterstützung: und nur als sichtbares Zeichen dessen sollen die 2000 Jf. gelten. Sie versicherten ferner durch den Mund des Herrn Feiwel, daß jedes Mißtrauen gegen sie unberechtigt wäre, denn sie wollen jüdische und nur jüdische Kultur verbreiten. Als aber Tr. Jwinowitzty aüseinandersetzte, daß der Kongreß unmöglich ein litterarisches Unternehmen unterstützen kann, das sich nicht seiner Oberaufsicht unterstellt, und der Kongreß den Unternehmern die einzig mögliche Antwort: „Euere Taten werden Euch uns nahebringen, oder fernhalten", erteilte und die Subvention ablehnte, da haben es die Herrn bekanntlich furchtbar krumm genommen. Nachdem nun die ersten zwei auf Wissenschaft Anspruch machende Werke uns vorliegen, müssen wir sagen, daß das den Herrn entgegengebrachte Mißtrauen leider nur allzu berechtigt war: „Achad ha-am, ein Denker und Kämpfer der jüdischen Renaissance" ist der Titel, den das erste Heftchen führt. Ter Zweck, oder richtiger die Tendenz des Werkchens geht zur Genüge aus den eigenen Worten des Verfassers (Mathias Acher) im Vorwort hervor. Er beginnt damit: „Max Nordau hat Achad ha - am mit Schmähungen überhäuft, ihn u. a. als „Flachkopf" u. s. w., bezeichnet, seine „sogenannten Essays" ein „Gefasel" genannt, dessen „anspruchsvolle 4iichtigkeit" mit keinem Worte zu kennzeichnen ist. Ta nun den meisten Juden des Westens alle Behelfe fehlen, um dieses Urteil zu überprüfen, entschloß ich mich, ihnen durch eine kurze Darstellung des Denkens und Wirkens Achad ha-ams die Ueberprüfung einigermaßen zu ermöglichen." Wenn wir uns nun» nach der Lektüre fragen, in wie weit ist diese Schrift geeignet, den Uneingeweihten — „die meisten Juden des Westens", wie der Verfasser sagt — ein Urteil über den Streit Nordaus mit Achad ha - am zu ermöglichen, so müssen wir erklären: im höchsten Maße, aber sicherlich nicht in dem vom Verfasser beabsichtigten Sinne! Denn bei allen Lobgesängen, die der Verfasser auf Achad ha - am anstimmt, und bei allem, was zur Klärung des Streites gehört und von des Sängers Höflichkeit verschwiegen wird, kann der Verfasser es doch nicht hindern, daß der Leser das Eine oder das Andere von der Achad ha - amitischen politischen Philosophie und philosophischen Politik zu hören bekommt; und dies wenige reicht 'vollkommen hin, um in ihm einen guten Stylisten zu erkennen, der auch den Unsinn zur angenehmen Lektüre zu machen weiß. Achad ha-am (Seite 32) beginnt seine schriftstellerische Laufbahn damit, daß er aus den ersten Mißerfolgen, die die Anfänge der Kolonisation in Palästina — wie ja bei Anfängen selbstverständlich — aufzuweisen hatten, einen Strick für alle damaligen „Ehowewe - Zion" drehen ivollte, indem er behauptete, daß sie allein die Schuld tragen, weil — sie nicht genug national sind. Also aus Uebernationalismus feindet er seit seinem ersten Auftreten im Jahre 1880 jede nationale Tat aufs grimmigste an. Im Laufe der Jahre hat er sich entwickelt und ist zu der Erkenntnis herangereift, daß nicht die Lösung der Judensrage nottue, sondern die des Judentums. Zu diesem (zwecke soll in Palästina ein nationales, geistiges Zentrum geschaffen werden, das durch seine Lieblichkeit . . . und vermittelst seiner guten Aufführung es verhindert, die Juden der verschiedenen Länder, die unter verschiedenen Verhältnissen und Einflüssen leben, nicht zu verschiedenen Stämmen werden zu lassen. . .. Nach und nach natürlich ohne alle Uebereilung, wie es einem Philosoph, der die Dinge „sab speeio asternitatis“ betrachtet, geziemt, werden neben diesen Ueberweisen und Obernationalen sich auch mit der Zeit Oberbauern einfinden, die den Boden mit Nationalismus beackern und philosophische Saat in seinen Schoß streuen werden. Es ist klar, daß die einfachen Bauern nichts wert sind, „die Masse taugt nicht". — Voraussetzung und Grundbedingung dieses schönen Phantasierens ist der Traum, daß es keinen Antisemitismus giebt, denn solange ein solcher noch besteht, ist die Sicherheit, daß die Liebe zu Zion eine ehrliche isb, nicht gegeben; und, wo diese Sicherheit fehlt, fehlt eben alles . . .! Also Antisemitismus ist nicht da; die Juden sind in allen Ländern in Allem gleichgestellt nnd — assimiliert. Ta bildet sich ein nationales Zentrum aus reiner Liebe zum Judentum . . . Wenn dieses Zentrum nun in der oben geschilderten Weise sich entwickelt und es so weit bringt, daß es neben Bauern auch noch Studenten hat, die hebräisch sprechen, so werden alle assimilierten Juden, die ansängnlich über sie lachen, so sehr gerührt, daß — na daß sich alles in Wohlgefallen auflöst. (Vergl. gen. Schrift von S. 3!» bis Seite '>?.) Das Unerhörte und Ungeheuerliche aber ist, daß dieser Mann es verlangt — und noch mehr tun es eine blinden Verehrer — ernst genommen zn iverjen, und daß er wünscht, das jüdische Volk soll nach seinen Phantasmagorien sein Leben und Streben einrichten. Nun liegt der Gedanke nahe, daß ein Schriftsteller, der in dieser Weise für die Renaissance des Judentums schwärmt, doch nicht im Ernst gegen eine Bewegung sein kann, die oies erstrebt; und so hielten ihn seine Verehrer, die zugleich warme Anhänger des Zionismus sind, lange Leit für einen Zionisten, alle seine gegenteilige Versicherungen halfen nichts. Ties aber ist leicht begreiflich, waren doch viele von ihnen durch seine» Einsluß zu Zionisten geworden, und wie sollten es ihre Gehirne fassen, daß er, der Ueberzionist in der Theorie, in der Praxis ein Feind des Zionismus sein sollte! So kam es, daß er aufgefordert wurde, auf der zionistischen Konferenz in Minsk einen Bortrag zu halten. Bei dieser Gelegenheit mißbrauchte er das Gastrccht in einer sür einen Ideal - Menschen, wie ihn seine Anhänger so gern darstellen, sicherlich unerhörten Weise. Nicht nur zog er gegen seine Verehrer, die von ihm nationale Mitarbeiterwarteten, unnachsichtlich zu Felde, sondern schadete auch mit seinen Ausführungen dem Gastgeber, der ihm eine Höflichkeit erwiesen, in den Augen der maßgebenden Kreise in Rußland. Als aber Herzl sein Altneuland veröffentlichte, ein Buch, das ebenfalls das Werk eines Poeten ist, aber mehr reale, verwirklichbare Ideen enthält, als die Philosophien Achad ha - ams, da maß es Achad ha - am mit seinem eigenen Maßstabe, d. h. er glaubte, puch Herzl will, wie er es in seiner großen Bescheidenheit tut, seine Phantasien als unnmstüßliche Wahrheiten behandelt wisse», von denen kein Jota preisgegeben werden darf, und sollte darüber das ganze jüdische Volk im Elende untergehen, und kritisierte es mit der ganzen Schärfe einer maßlos gehässigen Gesinnung. Auf diese Weise zwang Achad ha - am die zionistische Parteileitung ein für alle Mal klare Verhältnisse zn schaffen, um weiterem Unheil vorzubeugcn. Zu diesem Zwecke war eine psychologische Erklärung des Verhaltens Achad ha - ams nötig, damit der schreiende Widerspruch zwischen seiner so schönen Theorie und so betrübliche» Handlungsweise einigermaßen verständlich ward. Ta giebt es aber nur zwei Möglichkeiten: entweder haben die Recht, welche behaupten, daß Achad ha-am an einem krankhaften Ehrgeiz leidet, der ihm nicht gestattet, die Verdienste anderer anzuerkennen, oder aber liegt die Erklärung darin, daß er ein „Faselköpf" ist, der nicht weiß, was er selbst will und was andere wolle». Wenn sich nun Nordau für die letztere Version entschieden hat, die ihn nicht nötigte, die „bona fides" des Gegners anzuzweisel», so sollten unserer Ansicht nach, die Achad ha - am - Anbeter ihm Tank wissen, denn so bleibt ihnen ihre Verehrung unbenommen. Was aber unsere Ansicht betrifft, so nehmen wir keinen Anstand, daß wir keinen Augenblick zweifeln, daß die erste Annahme die richtige ist. Tenn wenn wir es auch, noch lange für keine geistige Großtaten halten, daß er die innere Knechtschaft der äußerlich befreiten Juden (S. 10) einsah, und daß er einem Tollhäusler wie Berdinfchewski entgegentrat 2. 26), so halten wir ihn doch für zu helle, als daß er sich selbst ernst nehmen könnte. Ein vernünftiger Mensch kan» unmöglich im Ernst die imaginäre Trennung zwischen Judenfrage und Judentumfrage aufrecht erhalten und die Eine ohne die Andere lösen wollen; am allerwenigsten aber kann er die chimärische Auferstehungsart, wie er sie schildert, für diskutierbar halten! Wir haben es hier also mit einem unersättlichen Ehrgeiz zu tun, dessen Anmaßungen alle schranken überschritten haben, indem er es wagte, an die Stelle des Zionismus feine literarischen Träume setzen zu wollen. Von diesen Gesichtspunkten aus betrachtet, stellt sich die Sache etwas anders dar, als sie uns der Verfasser der besprochenen Schrift sehen lassen möchte. Und wenn auch der Abdruck dieses Werkchens von dem jüdischen Verlag, der doch im Dienste des Zionismus stehen will, gerade als kein Beweis großer Parteidisziplin anzusehen ist, so glauben wir doch, daß die Aufnahme dieser Arbeit dem jüdischen Verlag immerhin verziehen werden darf. Nicht so aber steht es mit dem zweiten Werke, das wissenschaftlich sein will: „Tie Entstehung des Judentums" von 2. Lublinsky. B. (Schluß folgt.) S i m o n E i ch e l k a tz u n ü a n d e r e s v o n U l r i ch Frank, Breslau. Schlesische Verlagsanstalt von S. Schottländer. l!103. 260 Seiten Oktav. Broch. 3 - If. Tie beiden Erzählungen aus dem Khilloleben, die das Büchlein enthält, heben sich von den sonstigen

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