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Neue jüdische Presse · 1903-09-11 · Heft 45 (11.9.1903) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 45 (11.9.1903)
Date
1903-09-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Frankfurter Israelitisihts iamiltniMatt. AbonnementspreiS-ML 1.— vierteljährlich, frei ins Haus. Durch die Post bezogen 90 Pfg. vierteljährlich (exklusive 12 Pfg. Bestellgebühr.) Postzeitungsliste 8741. Einzelnummern kosten 10 Pfg., Bezug durch Streifband M. 1.50 vierteljährlich (Ausland ML 2.—). Redaktion und Haupt-Expedition: a Frankfurt a. Ml. Bergerstrahe 25, parterre. -- Herausgeber: Katy Geis. Jnfertionspreis für die viergespaltene Petitzeile 25 Pfg., für die Rellame-Zeile ML 1.—, im kleinen Anzeiger (Familien-Nachrichten, Stellen-Angebote und -Gesuche 2 Pfg. die Silbe). Beilagen je nach Gewicht, Mk. 5.— biS 8.— das Tausend. S No. 45. Freitag, den 19. Ellul 5663 (11. September 1993). No. 15. Nachdruck erwünscht. Ein erfrenlicher Erfolg. Die Pensionierung der R e l i g i o n s - lehrer an den israelitischen Gemeinden i m e h e m a l i g e n K u r h c s s e n. Seit Jahrzehnten bemüht sich die jüdische Lehrerschaft vergebens, für die Religionslehrer, analog den Lehrern an den öffentlichen Volksschulen, eine Versorgung für ihren Lebensabend durch Ruhegehalt und Versorgung für ihre Hinterbliebenen zu erzielen. Die bestehenden Kassen wie „Achawa" und ähnliche wirken gewiß segensreich, vermögen aber nicht dem alten oder durch Krankheit invaliden Lehrer oder dessen Hinterbliebenen Lebensunterhalt zu gewähren. Selbst die gesetzlich sestgelegte Pension, wie solche die Religionslehrer in Baden beziehen, reicht noch lange nicht aus, uni davon leben zu können. Wir sind nun im stände, heute von einem Erfolg in diesen Bestrebungen zu berichten, der glänzender ist, als es sich die Lehrerschaft je gedacht hatte. Allerdings betrifft dieser Erfolg vorerst nur die israelitischen Religionslehrer im Regierungsbezirk Kassel; doch er wird beispielgebend für die anderen Provinzen sein und uns vor allem lehren, wie die Lehrer selbst durch richtiges Eingreifen und Erfassen gegebener Sachlage ihre Existenz verbessern können. Zu Nutz und Frommen aller jüdischen Religionslehrer in Deutschland bringen wir nun in Aussührlichkeit diesen Fall: Durch Beschluß des Kommunallandtages von Hessen vom 14. März wurde eine Ruhegehalts- sowie eine Witwen- und Waisenkasse für die Kommunalbeamten des Regierungsbezirks Kassel gegründet. Diese Kasse, unter Aufsicht des Landeshauptmanns stehend, und durch die Landeshauptmannschaft verwaltet und geregelt, bezweckt, den Beamten der einzelnen Kommunen Ruhegehalt usw. genau in Höhe der von den unmittelbaren Staatsbeamten zu beanspruchenden Pension zu gewähren. Herr Lehrer M. Strauß von Gelnhausen wandte sich mit dem Ersuchen an dem Landeshauptmann, auch den israelitischen Gemeinden für ihre Religionslehrer — vorerst nur den Gemeinden Gelnhausen und Schlüchtern — den Anschluß an erwähnte Kasse zu gewähren. Nach längerer persönlicher und schriftlicher Unterhandlung mit dem Dezernenten, dem Geheimen Regierungsrat Dr. Knorz, wurde den genannten Gemeinden für ihre Religionslehrer dieser Anschluß bewilligt. Bei diesem Erfolg nicht stehen bleibend, suchte Herr Lehrer Strauß eine generelle Genehmigung zum Eintritt in jene Kasse für alle Gemeinden des Regierungsbezirks beizusühren und erhielt nun folgenden Bescheid des Landes-Hauptmanns, den wir hiermit im Wortlaute anführen: Landes-Hauptmann in Hessen. Nummer Mb 736. Kassel, 29. August 1903. Zufolge Ihrer Anfrage vom 3. Mai d. Js. betreffend den Beitritt von anderen israelitischen Gemeinden zur Ruhegehalts-, wie Witwen- und Waisenkasse für die Kommunalbeamten des Regierungsbezirks Kassel, hatte ich Unter dem 5. desselben Monats die Königliche Regierung, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen hier um eine Auskunft darüber ersucht, ob den israelitischen Lehrern kein staatlicherseits geregeltes Ruhegehalt wie den Lehrern an den öffentlichen Volksschulen zustände, ferner in welchem Dienstverhältnis diese Lehrer ständen und ob die israelitischen Synagogengemeinden im Besitz der Rechte einer juristischen Person wären. Hierauf ist mir am 21. d. M. als Antwort das in Abschrift beigefügte Schreiben der vorgenannten Dienststelle vom 17. d. Mts. zugegangen. Hiernach steht also den sämtlichen israelitischen Gemeinden, deren Religionslehrer nicht zugleich Lehrer an öffentlichen Volksschulen sind, der Beitritt zu den eingangs genannten Kassen offen. Der Landeshauptmann In Vertretung qez. Dr. Knorz. An Herrn Lehrer M. Strauß -u Gelnhausen. Durch dieses bedeutsame Schreiben sind nun die Gemeinden des Regierungsbezirks Kassel in die Lage versetzt, ihren Beamten und deren Hinterbliebenen eine ausreichende Altersversicherung zu gewähren und cs ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß alle Gemeinden von dieser Vergünstigung rasch Gebrauch machen werden. Wir gratulieren den hessischen Lehrern zu ihrem Erfolge. Derselbe wird s. G. w. weitere Kreise ziehen und das soziale Elend unter den alten und invaliden Lehrern, sowie den Lehrer-Witwe» und -Waisen verschwinden niachen. Oberst A. E. W. Goldsmid ■fij' * w » ■ vW?, <* r / ) <1* s \\ wurde als der Sohn eines Marranen geboren und kehrte erst als erwachsener Mensch zum Glauben seiner Väter zurück. Er war bereits Leutnant in der britischen Armee, als er zum Judentum übertrat. Das hat ihm nicht geschadet. Er stieg die militärische Stufenleiter rasch hinauf. Er war Adjutant des Prinzen von Wales, als Baron Hirsch einen Organisator für Argentinien suchte. Der englische Thronfolger empfahl dem Baron Hirsch diesen tatkräftigen, jüdischen Offizier. Oberst joldsmid ließ sich beurlauben und ging mit seiner reizenden Frau und seinen allerliebsten zwei Töchtern nach Argentinien,'' um die Kolonisation der armen Juden zu leiten. Zwei Dörfer in Argentinien tragen die Namen seiner Töchter: Rachel und Carmel. Die Resultate der argentinischen Besiedlung waren, wie man weiß, nicht beftiedigend. Als er von Argentinien nach England zurückkehrte, bekam Oberst Goldsmid das Landeskommando von Süd-Wales. Die arnien Juden von Cardiff sahen den Landeskommandierenden jeden Samstag in ihrer Synagoge. Oberst Goldsmid ist der Chef der englischen Chowewe Zion, einer hauptsächlich philantropischen Vereinigung für die Kolonisation Palästinas. Tchosartöne. -l- Ellul ist'st Das Schofar tönt! Donnernd schmettert's durch die Lande. Ein Weckruf ist's. Es kündet die nahende Ankunft des Jam Hadin. So Jahr für Jahr das Schofar ruft. Es will die Herde sammeln. Freiheit tat Ls einstens kund denen, die bei fremden Herren dienten; gab Feld und Land dem angestammten Herrn zurück. Dasselbe «chofar, dessen Jubelruf begleitet war von dem Jauchzen eines Volkes, das der wiedergewonnenen Freiheit sich freute, dasselbe Schofar, das den Besitz dereinst geregelt und den Ausgleich schuf der Klassen, das dem Volk Zufriedenheit und Wohlstand, Besitzesfreude und Genügsamkeit spenden sollte, dasselbe «chofar ruft in die Herzen die Mahiiung, die Grundlage für solches Glück nicht zu verscherzen. Doch verscherzt ist das Glück. Ungehört verhallt des Schofars warnender Ruf. — Geht! Laßt ihn wieder Eingang finden in unsere Herzen; öffnet ihm die Tore! So wache doch endlich auf, mein Volk! „Nach Licht und Hilfe sehnst du dich?" Sieh, der ülejctzgeber deines Lebens, der Gestalter deiner Zukunst, der Leiter deiner Geschichte und der Lenker deiner Gegenwart, er giebt dir Krast den Leidensstürmen Widerstand zu bieten. Gewöhnten wir uns, das Leben und seine Erfordernisse, den Mensch und seine Pflichten, die Welt und ihre Bestimmung unter den ewigen Gesichtspunkten zu betrachten, von dem einen Gesichtswinkel aus, der von der göttlichen Weisheitslehre der Menschheit gereicht ist, ein jeder wahrlich wäre gefeit. „Sie könnten kommen all die geistigen und materiellen Feinde, könnten nahen, mein Fleisch zu verzehren; nicht ich, sie wären es, die strauchelten und fielen." Ja, wenn wir ihren Waffen die gleichen entgegenstellen, ihrer Politik die Politik, ihrer Gewalt die Gewalt, wir müßten unterliegen; denn groß ist ihre Macht und zahlreich sind die Kämpen. „Laßt doch zu Lagern sie sich sammeln, laßt sie den Kampf gegen mich entfachen;" auf unsere Waffen können nur wir vertrauen. So vertrauen wir aber auch auf sie! Es ist die Waffe, die darin besteht, daß die Hebung unserer Pflicht uns unangreifbar macht. „Wenn die Welt, mein Wirkungskreis, ein großes Gottesheiligtum mir sein wird mein Lebenlang, dann werde ich Gottes Huld noch schauen und den Abglanz seiner Macht zu Lehen tragen." In unsrem Wirkungskreis laßt den Maßstab des Göttlichen uns suchen. Hier soll der Schofarruf uns wecken. Soll aufrütteln mein Volk, soll es sein Äuge richten lassen auf sein Heiligtum. Dein Heiligtum, mein Volk, ist das große Heiligtum des Judentums. Du, mein Volk, du selbst, seiest Priester an seinem Altar. Nicht die Wenigen, die du zu verantwortlichen Verwaltern deiner einzelnen Heiligtümer berufen, nicht ihr Gebiet, nicht ihre Herrschaft, nicht ihr ausschließliches Recht ist das, was dein Heiligtum ist. Sollst du nicht deinen Pfennig steuern, sollst du nicht, du, mein Volk, dein Interesse zuwenden ihrer Verwaltung, sollst du nicht empfangen und fördern, was sie geschaffen? Dein Heiligtum sind Deine Heiligtümer. Dein Gewissen darf und kann sich nicht dabei beruhigen,- daß du sie in „gute Hände" gegeben. Gleichgroß ist und bleibt doch die Abonniert bas Frankfurter Israelitische JamiUrnblatt!

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