Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 43 (28.8.1903)
- Date
- 1903-08-28
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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.. Seite.6. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 43. x. ■;-,t Sekunden vergingen in gegenseitigem Mustern. Dann flogen alle Herzen dem lieblichen, elternlosen Kinde zu, das dastand mit blassem, ernsten Gesicht, die junge, unfertige Gestalt an den großen Mann gelehnt, das üppige Goldhaar vom Wind zerzaust, das tiefrotc Mündchen verächtlich geschürzt, me blauen, dunkelbcwimperten Augen, die ansge- Drecktcm Hände voll trotziger Abwehr. Der Gedanke, wie wird sich dieses lichte Bild in diesen dunklen Rahmen fügen, flog wohl manchem durch den Sinn. 'ü Gerta brach zuerst das Schiveigen. Sie warf sten feinen Kopf zurück und sagte laut und bestimmt: ^Jan, hier bleibe ich nicht." Die alte Mutter Rüben, die von Rührung überinannt auf einen Lehnstuhl gesunken war, erhob sich jetzt und trat auf sie zu. - - „Gottes Willkomm, mei Leben." Sie wollte das Mädchen küssen: . : Gerta aber sah die kleine, arme Gestalt an, die von dem kunstlosen, alten-Scheitel noch entstellt würde, und schüttelte den Kopf. „Sind Sie meine Großmutter? Oder welche von den andern Frauen ist es?" . Mutter Rüben verstand das reine Deutsch, Gerta ihre halb holländische, halb im Jargon erteilte Antwort nicht. Jan machte keine Anstalten den Dolmetsch zu spielen. Dr. * Seelig trat darum heran und beantwortete Gertgs;ÄVgej. ,jJä, Kind. Das ist Ihre Großmutter, die sich'schon lange nach ihrem Enkelkinde sehnt." . . „Das kann sie doch nicht/well sie mich garnicht kennt," antwortete Gerta naiv. „Die Sprache des Blutes ist eben stärker, als der Blick des Auges. Die Liebe für ihren toten Sohn, die giebt hie gute Mutter jetzt seinem jungen, verwaisten' Kind. Und dieses junge Kind wird dafür dankbar sein und die Großmutter wieder lieben," erllärte Adam Seelig mit ruhiger Stimme. „Sagen Sie bitte der Großmutter, sie soll mich wieder fort lassen, hin zu Jan ter Borgs. Eltern. Hier kann ich nicht leben, hier sterbe ich." Und dann fuhr sie leidenschaftlicher fort: „Wer sind denn all die fremden Leute. Ich hasse sie." „Wer die sind?" fragte Seelig zurück. „Arme, fleißige Menschen, die sich für die alte Großmutter freuen, daß sie nun junge Arme bekommt, die sie stützen sollen. Fromme Juden, die denselben Gott bekennen, wie Gerta Rüben." Jan legte bei diesen Worten fester den Arm um das junge Mädchen. „Sie wissen ja garnicht, ob ich den bekenne," sagte Gerta feindselig. „Ich weiß, daß Ihr Vater Jude war,, und daß sein Kind ihn deshüb nicht verleugnen wird." Die Trotzige schaute einen Moment stumm auf den ruhigen Sprecher, aber dann brach sie empört los: „Mein Vater war nicht wie diese alle. Mein Vater war," die blauen Augen werden ganz weich, „vielleicht wie Sie." „Und ich bin auch Jude, so gut, wie er es war." „Das ist gelog —, das ist nicht möglich," braust sie auf. „Das hätte mein Vater mir gesagt.": „So fragen Sie Ihren Begleiter." Gerta sah mit bebender Lippe zu ter Borg auf. „Jan, sprechen Sie." (Forts, folgt.) Woche«-Kalender. Sabbath-Anfang: 6 Uhr 35 Minuten. Sabbath-Ausgang: 8 Uhr — Minuten. Kaiser Friedrich Quelle -Offenbacli a. M.- Vornehmstes-Tafelwasser. NORDERNEY, Hotel Falk. Ref. Herr Landrabbiner Dr. Löb, Emden. LI. Prosp. gratis. Wilhelm Glücklich Gegr. Schillerstrasse 4,1- Gegr. 1879. Frankfurt a. M. 1879. Immobilien, Hypotheken. Wir bitten unsere geehrten Leser sich be- Einkäufen auf das Frankfurter Israel. Familienblatt beziehen zu wollen. Für den Inseratenteil übernehmen wir «ur die pretzgesetzliche Verantwortung. oooooo Älle aL““'elen? PAUL TÜBBEN? Silberne Bestecke Juwelier ete. ete. erien von den einfachsten bis zu q Verkauf nach Gewicht. 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