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Neue jüdische Presse · 1903-08-14 · Heft 41 (14.8.1903) · p. Seite 6

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 41 (14.8.1903)
Date
1903-08-14
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. . Nr. 41. echter Jude und daß er Dich nie so hochgeschätzt habe, wie jetzt. Er Hatte mir jedoch auch mitgeteilt, daß in erster Instanz der Freispruch nicht wahrscheinlich. Du kannst Dir daher meine Freude denken, als ich vorgestern vor acht Tagen die telegraphische Nachricht von ihm erhielt, daß Du freigesprochcn. Als ich aber heute Dein liebes Schreiben erhielt, in dem Du mir alles Nähere mitteilst und Deine Verlobung mit Deinem lange geliebten hochseligen Vögelchen, da war ich in Wirklichkeit überglücklich und ich habe mir gleich vorgenommcn, daß ich bei Deiner Hochzeit zugegen sein muß. Aber ich werde nicht allein kommen, denn vernimm die frohe Kunde, auch ich bin seit gestern glücklicher Bräutigam. Jetzt sehe ich Dich lachen, wie nur Tu lachen kannst. Der 'Exkatechet, der aus der Kutte gesprungene Priester, und wer Iveiß, was Du noch für Bezeichnungen für mich finden wirst. — Aber so viel Du auch lachen und spotten wirst, freuen niirst Du Dich doch mit mir, das weiß ich gewiß. Aber wie das alles gekommen ist, ich meine ineine Verlobung, das ist mir zuweilen noch wie ein Traum- Aber Mitteilen muß ich's Dir doch. Wie Du Dich erinnern wirst, war es vor mehreren Monaten meine Absicht, der Aufforderung meiner Tante entsprechend nach Europa zu kommen, um persönlich meine Bewerbung um die Hand meiner Cousine zu wiederholen- Grade war ich mit Vorbereitungen zu meiner geplanten Abreise beschäftigt, als ich von der Tante die Nachricht erhielt, daß Thekla sich verlobt habe und zwar mit dem Redakteur eines antisemitischen Blattes. Es ist eine Neigungspartie/ die Tante selbst war überrascht worden. Was ich bei Empfang dieser Nachricht empfand, das dürfte Dir überaus seltsam Vorkommen, ich wenigstens habe über mich selbst gestaunt. Im ersten Moment allerdings fühlte ich mich wie vor den Kopf gestoßen, sehr bald aber empfand ich cs wie eine Art von Befreiung, als wäre mir eine schwere Last von Kvpf und Brust genommen und jeder Liebreiz schien mir von dem schönen Gesicht meiner Cousine geschwunden, wenn ich sie mir als Braut des Genannten vergegenwärtigte. Nein, ein Mädchen, das aus freier Wahl dem Manne ihre Hand reichen konnte, mit dem wäre ich nie glücklich geworden. Ich sandte ihr daher ohne das geringste schmerzliche Gefühl meine aufrichtigsten Glückwünsche. Meine Bekannten, denen gegenüber ich von meiner unmittelbar bevorstehende» Abreise gesprochen hatte, I waren erstaunt, mich noch hier zu sehen, ich erwiderte, I daß ich durch ein unvorhergesehenes Ereignis der-1 anlaßt worden wäre, meine Reise zu verschieben. Nur einer jungen Dame teilte ich den Sachverhalt genau mit. Warum ich bas tat, das weiß ich selbst nicht. Sie war Erzieherin in einem angesehenen jüdischen Hause, pflegte als solche dem Religionsunterricht Zöglinge bcizuwohnen und hat sich dadurch, wie sie mir erzählte, jene freie Anschauung zu eigen gemacht, durch die sie mit mir aus gleicher Stuse steht. Sie ist rn dem betreffenden Hause sehr beliebt und hochgeschätzt, namentlich die Dame des Hauses ist ihr in aufrichtiger Freundschaft zugetan und sie ist cs eigentlich, der ich mein Glück verdanke, denn ich weiß nicht, ob es mir ohne ihre Aufmunterung eingefallen wäre, mich um Alice zu bewerbe». Sic hat mich auf die herrlichen Eigenschaften des jungen Mädchens aufmerksam gemacht, und mit welch' schwärmerischer Liebe ihre Zöglinge au ihr hängen und mit welch' liebevoller Sicherheit sie dieselben leitet und erzieht. Alice ist keine auffallende Schönheit, aber sie hat ein freundlich ansprechendes Acußcre und ein überaus sympathisches Wesen und ich glaube, daß sic mir zugetan ist und fühle mich sehr, sehr glücklich: und ich bin auch überzeugt, daß sic Euch alle», Dir und Deiner holden Braut und unserem Freunde Ernst und seiner Frau sehr gefallen wird- Alice erinnert mich sogar in mehrfacher Beziehung an Frau Dr. Vogel. In vier Wochen wird unsere Hochzeit sein. Du kannst Dir denken, daß ich bis dahin alle Hände voll zu tun habe und daß ich den Kopf auch übervoll'habe, das wirst Du schon aus diesenr ziemlich formlosen Brief ersehen. Und nun lebe wohl mein lieber teurer Freund! Nochmals meine herzinnigsten Glückwünsche und die Bitte, dieselben auch Deiner lieben Braut und Deinen werten Eltern übermitteln zu wollen. Ernst brauchst Du nicht zu grüßen, dem schreibe ich selbst. Nochmals Adieu! In unverbrüchlicher Freundschaft Dein Arnold Wicsncr. Aus dem Erwerbsleben. Für die Ausbreitung des Handwerks unter uns Jude« sind in den letzten Jahrzehnten Vereine in Hülle und Fülle gegründet und dauernd große Geldsummen gespendet worden. Doch alle Bemühungen verfehlen ihren Zweck, wenn der jüdische Handwerker nicht genügend voni jüdischen Publikum beschäftigt wird. Selbstredend hat auch hier '— wie überall im Erwerbsleben — einzig und allein die Leistungsfähigkeit zu entscheiden. Wogegen wir uns wenden, ist nur, daß man in unseren jüdischen Kreisen häufig dem jüdischen Handwerker — ohne sein Können geprüft zu haben — von vornherein mit Mißtrauen und Vorurteilen begegnet. Ist dieses als ein Mangel an Solidaritätsgefühl an und für sich schon ein Unrecht, so wird die Sache noch verdammenswcrter dadurch, daß cs wirklich eine große Anzahl wirklich tüchtiger jüdischer Handwerker giebt. Also mehr Vertrauen zu einander! Wir habe heute die Freude, unsere Leser auf einen als tüchtigen Fachmann bewährten jüdischen Handwerker aufmerksam zu machen. Herr Wolf Selig hat vor ungefähr einem halben Jahre hier in Frankfurt, Allcrheiligenstraße 42, eine Werkstätte für Schlosser-- Gas- und Wasscrleitungsarbeiten errichtet. Herr Selig ist seit 20 Jahren im Fache tätig, hat auf den größten Werken gearbeitet und bietet so volle Gewähr für tadellose Arbeit und fachgemäße Bedienung. Personalien. Die Herren vr. Alexander Marx-Berlin und Privat-Dozentvr.Israel Friedländer -Straßburg i. E. sind an das von Herrn Prof. Schcchter geleitete Rabbiner-Seminar, ersterer für Geschichte und Literaturgeschichte, letzterer für Hebräische Grammatik, berufen worden. Beide Herren haben die Berufung angenommen und werden bereits im nächsten Semester dort dozieren. Frau Helene Hermann, geborene Schlesinger, die Tochter der bekannten Schriftstellerin Frau Martha Schlesinger (Hans Hellmuth), Gattin des Heim vr. Max § ermann, Privatdozenten sür deutsche Literatur in erlin, hat das philosophische Doktorexamen (Hauptgegenstand: Germanistik) an der Berliner Universität cum laude abgelegt. In Wien ist der Gesangsprofessor Franz Josef Loewcnstamm, geboren 1843 in Budapest, infolge einer Blutvergiftung gestorben. L., der Besitzer der belgischen Medaille für Kunst und Wiffcnschast war, hat als Komponist und Kapellmeister Hervorragendes geleistet. Fuld a. Unser verehrter Rabbiner, Herr vr.Cahn, hat die S'chiv, nächsten Samstag sein neues Haus einzuweihcn. Der Schabbos Ekew hat für unfern Herrn Rabbiner eine glückbringende Bedeutung; an ihm erhielt er vor 26 Jahren seinen Doktortitel, er feiert seinen Geburtstag an diesem Tage, auch wurde ihm an diesem Tage sein ältester Sohn geboren. Möge dieser vierfache Freudentag ihn und seine ihm ebenbürtige Frau Gemahlin noch recht diele Jahre erfteuen. Karlsruhe i. B. Dem Kauftnann Emil Ettlinger wurde die silberne Rettungsmedaille verliehen. Egelsbach. Herr Hermann Kahn I. und Frau geb. Löwenstein feierten am 8. ds. Mts. das Fest der silbernen Hochzeit. Vakanzen. Falkenburg i. P. Religionslehrer,' Vorbeter und Schächter per 1. September. Freie. Wohnung und Alk. 1500 Einkommen. Sch Wiebus (Brandenburg). Religionslehrer, Vorbcter und Schächter. Einkommen Mk. 1500. Eintritt I. Januar oder früher. B e n t s ch e n (Posen). Religionslehrer, Vorbcter und Schächter per 1. September. Schöne freie Wohnung und ca. Mk. 1900 Einkommen. Vorbeter für die hohen Feiertage suchen die Gemeinden : Goch a. Rhein, Burtschin (Posen), Kreuznach (auch Prediger), Groß-Moheuvre (Lothringen), R ö r t e n (Hannover), K o e s l i n. Neu ciugegaugeue Bücher. Mathias A ch e r, Achad ha-am, ein Denker und Kämpfer der jüdischen Renaissance. Jüdischer Verlag, Berlin 1903, 66 Seiten. Wilhelm G e s e n i u s. Hebräische Grammatik, völlig umgcarbeitet von E. Kautzsch.. Professor der Theologie an der Universität Halle-Wittenberg; 27. vielfach verbesserte und vermehrte Auflage mit Facsimile der Siloah-Jnschrift, beigefügt von I. Enting und Schrifttafel von M. Lidsbarski. Leipzig, Verlag von F. C. W. Vogel, 1902. Mk. 6.—. 589 Seiten. B i b l i s ch e G e s ch i ch t e nach den Worten der heiligen Schrift von Dr. Adolf Weiß. 1. Teil. Preis Kr. 2,40. Wien. Kaiser!, königl. Schulbücher-Verlag, 1903. 232 Seiten. Topographie des alten Jerusalem von vr. theol. Carl Mommert, Ritter des h. Grabes, Pfarrer zu Schweinitz. Erster Teil: Zion und Akra. Die- Hügel der Altstadt. Verlag E. Haberland, Lcipzig-R. Preis Mk. 8.—. 393 Seiten. Briefkasten. B. M. Wir bitten. Sie für die Folge — wenn Sie wieder einmal die Zeitung nicht erhalten sollten — ofort bei ihrem Briefträger oder am Postschalter zu reklamieren. An verschiedene Einsender: Sowohl den Arbeiten für, als auch dcnen wider den Zionismus, die uns in letzter Woche zugegangen sind, können wir keine Aufnahme gewähren, da beide Ansichten in unserem Blatte genügend gewürdigt worden sind und da nicht eine der Einsendungen neue Gesichtspunkte in dieser Frage gebracht hat. Fanülrennachrlchten. Geburten. Emen Sohn, Herrn Samuel Fischer, Berlin 0-, Auguststraße 60. Einen Sohn, Herrn Hesekiel, Frankfurt a. M-, Neue Zeit 39. Eine Tochter, Herrn Richard Benjamin, Rheydt. Einen Sohn, Herrn Oscar Mainz, Halle. Aufgeboten«. Rosette Altnrann, Frankfurt a. M.,' mit Hermann Rosenthaler, München. Paula Kanter, Bockenheim, mit Zahnarzt Henry Stempa, Frankfurt a. M. Bessie Claire Adler, Frankfurt a. M., mit Carl Eduard Lazarus, Trier. Bertha Schmidt, Groß-Krotzenburg, mit David Lind, Hüttengesäß. Fräulein Löb, Birkenau, mit Herrn Lehmann, Straßburg i. Elf. Frieda Kaufmann, Ladenburg, mit Maurice Müller, Colmar. - - Sterbefälle. Benny Scligmann, 5 I., Frankfurt a. M, Schwancnstraße 9. Abrahani Heß, 87 I., Karlsruhe. Barmizwohs. — Ohne unsere Verantwortung und nur bei Einsendung seitens der Eltern veröffentlichen wir kostenftei für die Einsender unter dieser Rubrik Barmizwohs. — Nächsten Samstag (Wochenabschnitt Ekew) wird in der Synagoge der Religionsgesellschaft, Schützenstraße, Barmizwoh: Raphael, Sohn des Herrn Louis Golde, Ostendstraße 31. Wochen-Kalender. Sabbath-Anfang: 7 Uhr 05 Minuten. Sabbath-Ausgang: 8 Uhr 30 Minuten. Kaiser Friedrich Quelle -Offenbach a. AI.- Vornehmstes Tafelwasser. NORDERNEY, Hotel Falk. Ref. Herr Landrabbiner Dr. Löb, Emden. IU. Prosp. gratis. Wilhelm Glücklich Gegr. Schillerstrasse 4,1. Gegr. 1879. Frankfurt a. M. 1879. Immobilien, Hypotheken. pad XarÄurg, Tension Tarkhaus, einziges Hotel am Platze. Mit Genehmigung Sr. Ehrw. Landrabb. Dr. Rolf, unter Anfsicbt Sr. Ehrw. Rabb. Dr. Auerbach, Malberstadt. I. Ranges. 46 Salons, schönste Lage. Pension von Mk. 6.50 anincl.Wohnung. 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