Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 35 (3.7.1903)
- Date
- 1903-07-03
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 35. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 5. „Bitte, Herr Jakir. Bedenken Sie, wen Sie vor sich haben und suchen Sie Ihre-Spässe an geeignetere Adressen anzubringen." Jakir erinnerte sich Plötzlich/ daß er eigentlich am „Bummelzuge" nichts mehr zu tun habe und zog sich sofort zurück. Im Fortgehen warf er aber noch einen verdrießlichen Blick zurück und brummte leise vor sich hin: „Ein Prächtig Mädel, diese Rösa, und gut wie ein Engel, aber ein wenig eifersüchtig sind sie alle, die Weiber und wenn sie auch Engel wären . . ." Währenddessen stand Rahel auf der Plattform des einzigen Trittklassewagens und schaute zu der unten stehenden Rosa hinunter. Noch einmal ließ sie ihre sehnsuchtsvollen Blicke über die Grenze, die von hier aus ganz sichtbar war, nach dem heimatlichen Boden hinüberschweifen. Dort war auch der unglückselige Graben, der ihr junges Glück verschlungen. Noch einen zärtlichen Blick, nach der guten Rosa, die ihr eine gütige. Vorsehung wie einen ^trost- und hilfbringenden Schutzengel in den schmerzlichsten Stunden des Lebens an die Seste gestellt. Noch ein Blick! Noch ein freundliches Zunicken! Aber, da steht schon wieder das trennende Schicksal in der Gestalt des Kondukteurs. „Halt!" — rief er — „Türe zu! Obacht!" Und in wenigen Augenblicken waren vor den feuchtschimmernden Augen des einsamen Auswandcrungsmädchens Bahnhof und Grenze, der Boden des Heimatlandes und der Anblick Rosas verschwunden. (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck verboten.) Aus unser« Tagen von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) „Mer das wäre ja wunderschön. Papa, das war eine kolossal gescheidte Idee von Dir." „Die Du mir am Ende nicht einmal zugetraut hättest." „Offen gestanden, nein, die hätte ich eher der Mama zugetraut." „O, Du loser Junge! Warte nur, wenn Dein einstiger Mentor hier als Seelsorger sein wird, da wirst Du parieren müssen." „Ach so, deshalb hast Du ihn vorgeschlagen? jetzt verstehe ich die Geschichte. Aber nicht wahr, Papa, Deine Idee war das doch nicht, das hast Tu auf Mamas Wunsch getan?" Kohn lachte, daß er sich die Seiten hielt. „Da seh' mir Einer den Jungen an, traut mir nicht einmal so viel Gescheitheit zu!" „Wer Papa! —" „Schon gut, wir verstehen uns." „Weiß es sein Vater schon?" „Das kann ich Dir wirklich nicht sagen." „Dann mache ich gleich jetzt einen Sprung zu ihm hinüber, um es ihm mitzuteilen, lind meiner süßen kleinen Freundin mutz ich es auch erzählen, die werden eine Freude haben! Ich gehe sofort." Mit raschen Schritten hatte Felix das Bogelsche Verkaufsgewölbe erreicht, hastig öffnete er die Tür und trat ein. „Guten Morgen, Herr Vogel, wie geht's? Bringe Ihnen eine gute Nachricht, aber wo ist Fanni? Die muß sie auch hören." „Fanni ist entweder in der Küche oder sie ist auf den Markt gegangen. Entschuldigen Sie einen Augenblick, ich will Nachsehen." „Mer bemühen Sie sich doch nicht, ich weiß ja, wo die Küche ist, da werde ich schon selbst sehen." Er hatte bei diesen Worten die Tür des dem Laben zunächst liegenden Wohnzimmers geöffnet, hatte dasselbe durchschritten und war dann in die Küche gelangt. Gleich darauf kam er zurück und berichtete dem Vater, daß er das junge Mädchen nirgends gefunden. „Dann ist sie ohne Zweifel auf den Markt gegangen, aber in einer kleinen Viertelstunde ist sie zurück. Darf ich Ihnen hier einen Sitz anbieten, Herr Kohn, oder wollen Sie drinnen im Zimmer ein Weilchen warten?" „Ach, Unsinn, ich bleibe hier bei Ihnen, helfe Ihnen verkaufen. Wer sagen Sie mir nur, Herr Vogel, sind Sie denn gar nicht neugierig auf die gute Nachricht, die ich Ihnen mitzuteilen habe? „Was nützt mir meine Neugierde, wenn Sie's doch nur in Fannis Gegenwart sagen wollen." „Nun, nun, so arg ist das nicht, ich würde mich eventuell herbeilassen, meine Botschaft zuerst Ihnen mitzuteilen, und dann Fanni. Aber Sie müssen mir versprechen, daß Sie es ihr nicht sagen, sondern mir überlassen werden, Ihr Vögelchen davon in Kenntnis zu setzen." „Dieses Versprechen haben Sie." „Also Herr Vogel, merken Sie auf. Es wird beabsichtigt, in der hiesigen Gemeinde noch einen Rabbiner aufzunehmen, weil der Gegentvärtige schon sehr alt und schwach ist. Papa hat daher gestern Abend bei der Repräsentantensitzung für diesen Posten Ernst vorgeschlagen und läßt nun Ihnen sagen. Sie möchten ihm schreiben, daß er im Laufe dieser Woche eine Einladung des hiesigen Gemeindevorstandes erhalten werde, an einem der nächste» Sabbate in der hiesigen Synagoge eine Gast- oder Probepredigt zu halten. Nun, was sagen Sie dazu? ist das nicht eine gute Nachricht? denn Sie zweifeln doch so wenig als ich, daß Ernst kolossalen Beifall finden und Knall und Fall engagiert werden wird." Dem schwächlichen Manne standen die Augen voll Wasser, er war nicht sofort im Stande zn antworten. Er ergriff die .Hand des andern und drückte sie innig. „Ich danke Ihnen, Herr Kohn," sagte er endlich gepreßt, „und ich bitte Sie auch, Ihrem Herrn Vater meinen wärmsten Tank zu übermitteln, mag die Sache ansfallen, wie immer — ich werde mich ihm stets verpflichtet fühlen." „Konsens, wer spricht von verpflichtet fühlen — aber Herr Vogel, Sie machen ein Gesicht, als ob ich Ihnen eine recht unangenehme Nachricht mitgeteilt hätte, Fanni wird erschrecken." 2, nicht doch, sie kennt mich. Aber Sic, lieber Herr Kohn,. muß ich um Entschuldigung bitten, daß ich Ihre Freude nicht. zu teilen scheine. Aber die Sache regt mich mehr ans als ich Ihnen sagen kann, lind dann die Spannung, die übergroße Spannung, ob Ernst den hiesigen Ansprüchen genügen wird. Sie kennen doch das Sprichwort..Nissrnn propbeta vale nella sna patria.“ „Das ist ein dummes Sprichwort oder bezieht sich nur auf dumme Propheten. Aber Ernst hat, wie ich mit Bestimmtheit glaube, noch nie im Leben eine Dummheit gemacht, darum wird er auch jetzt keine machen, sondern wird das dumme Sprichwort zu Schanden machen. Wir werden den Provheten schon in seiner Vaterstadt zur Geltung bringen, darüber machen Sie sich keine Sorge. Wer da kommt ja Ihr Bögelchen!" rief er der Eintretenden entgegen, „wo bleiben Sie denn so lange? gewiß haben ^Sie sich geschminkt und dann gepudert, das kostet Wiel Zeit." Sie erwiderte lachend seinen Gruß. Es war ein silberhelles Lachen, wie Felix es von Keinem gehört. „Aber es ist doch nicht schön, daß Sie so lange ansgeblieben sind, wenn ich nicht dazu gekommen wäre, hätte Ihr Vater gehungert." „Wirklich, lieber Vater, Du bist hungrig gewesen? ach, das tut mir leid, aber ich werde Dir sofort Dein Frühstück bringen." Sie wollte bei diesen Worten in das Innere des Hauses eilen, der junge Mann hielt sie am Arm zurück. „So laufen Sie doch nicht schon wieder davon, man kann ja heute mit Ihnen kein Wort reden." „Einen Angenblick entschuldigen Sie. ich will nur dem Vater das Frühstück hereinholen, dann können Sie meinethalben zwanzig Worte mit mir reden." Mermals wollte sie an ihm vorüber, abermals hielt er sie zurück. „Ich lasse Sie nicht hinaus. Sie müssen erst hören, was ich Ihnen zu sagen habe." „Bleib' Kind," fügte ihr Vater lächelnd hinzu. „Herr Kohn hat nur Scherz gemacht, ich habe keinen Hunger gehabt und habe auch jetzt noch durchaus keine Eßlust." „Wirklich nicht? — Nun dann will ich Ihnen die erwünschte Audienz erteilen, also Herr Kohn, ich bin ganz Ohr." „Wollten Sie wirklich die Gnade haben, mich anzuhören? hat lange genug gedauert bevor Sie sich dazu entschlossen haben, zur Strafe sollte ich Ihnen jetzt gar nichts sagen." „Mer das wäre doch eine zn schwere Strafe, so grausam können Sie doch nicht sein." „Nun denn, so will ich Gnade für Recht ergehen lassen. Also sagen sie mir, Fanni, wen von allen Menschen, die nicht hier sind, möchten Sie am liebsten hier haben?" . „Meinen kleinen Neffen Edi," erwiderte sie rasch. „Gut, so mache ich mir das Vergnügen, Ihnen mitzuteilen, daß Sie höchstwahrscheinlich in nicht allzuferner Zeit Ihren kleinen Neffen Edi hier sehn werden." „Wirklich?" rief Fanni jubelnd, „ist das wahr, Vater?" Er zuckte lächelnd die Achseln. „Ich weiß es nicht, der Herr Kohn sagt es." „Ach der Herr Kohn," entgegnete sie mit einem Anflpg von Aerger, „bei dem weiß man niemals, wie man dran ist, ob er im Ernst gesprochen oder nur im Scherz." „Aber Fanni, wie können Sie einen Ehrenmann wie mich so kränken! — Ihr Zweifel kränkt mich so sehr, daß ich nicht mehr imstande bin. meine Eröffnungen fortzusetzen." „Weil Sie nichts mehr zu sagen wissen," rief sie lachend. „Wie könnte Edi allein Herkommen? „Sie verdrehen einem aber die Worte im Munde, wer hat denn gesagt, daß Edi allein Herkommen wird? Ich bin im Gegenteil überzeugt, daß seine Mama ihn begleiten wird." Betroffen blickte das junge 'Mädchen von dem Eine» auf den Andern. „Vater, lieber Vater, ich bitte Dich, sage mir, ist es wahr, wird Ella mit dem Kinde Herkommen? — Aber sie werden doch Ernst nicht allein lassen, das ka»g ja doch nicht sein. Ter Herr Kohn macht wieder einmal Witze." (Fortsetzung folgt.) Familiennachrichten. Geburten. Ein Sohn. Herrn Gustav Una, Frankfurt a. M., Niddastraße 64. Verlobte. Anna Heidingsfelder. mit Bernhard Lantos, Frankfurt a. M. Johanna Sternberg, Frankfurt a. M., mit Martin Lindenstädt, Berlin. Eheschließungen. Martha Ochs, Frankfurt, a. M., mit Abraham Goldschmidt, Holle. Sterbefälle. Michael Neumann. Hanau a. M. Salomon Neuburger. 56 I., Frankfurt a. M., Sandweg 72 Albert Bauer, 60 I., Frankfurt a. M., Eschersheimer Landstraße 7. Mina Lefo, geb. Kaufmann, Mannheim. Rudolf Emanuel, 16 I.. Frankfurt a. M. Enrma Herzberg, 80 I., Hanau. Marx Marx, 70 I., Groß Gerau. Wochen-Kalender. Sabbath-Anfang: 7 Uhr 45 Minuten. Sabbath-Ausgang: 9 Uhr 35 Minuten. Wilhelm Glücklich Gegr. Schillerstrasse 4,1. j Gegr. 1879. Frankfurt a. 31- | 1879. Immobilien, Hypotheken. Kaiser Friedrich Quelle -Offenbach a. M.- Vornehmstes Tafelwasser. NORDERNET, Hotel Falk. Ref. Herr Landrabbiner Dr. Löb, Emden. 111. Prosp. gratis. jfcd Karzburg,?ensi<m?arkkrm§. einziges Hötel am Platze. Mit Genehmigung Sr. Ehrw. Landrabb. Dr. Ralf, unter Anfsicht Sr. Ehrw. Rabb. Dr. Auerbach, Halberstadt. I. Ranges. 46 Salons, schönste Lage. Pension von Mk.6.50anincl.Wohnung. Besitzer: Max Hecht. -Illustrierter Prospekt gratis. --— oloToToTo;oTo:oToToloTolololo:oloToToloToToTo:oToTolo:ololo:o:o;o:o;o;o:oio;o:oio:o:o:oio:o:oio.o Für den Inseratenteil übernehmen wir nur die prehgesetzliche Verantwortung. _____ joooooe_ o Älle ®uweien § pAUL TÜBBEN 1 Silberne Besteeke 8 Ö Bijouterien Ö Juwelier X Verkauf nach Gewicht. 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