Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 32 (12.6.1903)
- Date
- 1903-06-12
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 82. Seite 6. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. „Tic Herren sitzen da drüben in der Schcnkstnbc. Auch Jakir ist heute früh herübergckommen und hat mit den, Gcpäckc der anderen auch Ihre, Koffer mitgcbracht. Ich habe sie hierher geschafft- Nun, Fräulein, jetzt können Sie ungestört Toilette machen und hiernach!, wenn Sic sich wohl fühlen, zu ihnen hinübergehen. „€, wie danke ich Ihnen, liebes Fräulein!" — rief Rahel ihrer Pflegerin nach, als sich diese zur 4 Ausgangstür wandte, — „sagen Sie ihm nur bitte, wenn er nach mir fragt, ich fühle mich wieder ganz wohl und munter. Er möge vor einer halben Stunde nicht zu mir kommen. Oder, ich komme besser zu ihm in die Schenkstube hinüber." „Recht Fräulein! Regen Sie sich nur nicht wieder auf!" — sagte Rosa im Fortgehen- Rahel brachte in einigen Minuten ihre Toilette in Ordnung. (Sin leichtes, blaues Kleid und eine hellblaue, weite Blouse, die sic sich eigens für die Reise angefertigt und für die Schiffahrt aufhcben wollte, lösten die anderen durchnäßten und übclzugerichtcten Kleider ab. Sie fühlte sich wirklich wieder wohl und ausgernht und als sie sich im Spiegel noch einmal betrachtete, da war zu ihrer Genugtuung im frischen, runden Gesichte keine Spur von Müdigkeit-und Unwohlsein mehr zu finden. „So. jetzt darf er getrost kommen" — sagte sie fast laut vor sich hin, indem sic noch ettvas an der Frisur zurechtschob und sich erwartungsvoll auf einen Sessel niederließ. - Sie hörte ihr Herz leise pochen, als stände sic vor cineni großen Ereignisse. „Er kann jeden Augenblick cintretcn — gingen ihre Gedanken. — Was wird, wqD muß dann geschehen? Kann sie sich noch so spröde gegen ihn zeigen? Gegen ihn, der sie wie ein Kind bewacht, sie mit schützender Haird durch Nacht und Gefahr geleitet? Sic wird ihm ihren Dank ausdrückcn müssen, aber wie? Müßte sie sich da nicht zum Tode schämen über ihre Unbeholsenhcit und Kleinmütigkeit in der Stunde der Gefahr?. Und wie sie ihm Unrecht getan, da wo er doch nur aus reinster Edelmütigkeit sich ihr genähert! . . ." Sic fühlte jetzt schon die Verlegenheit, die sie bei seinem Erscheinen überkommen wird und freute sich dennoch mit denr Beivußtsein, daß er jeden Augenblick kommen müsse. — „Er ist galant und taktvoll" — dachte sie — „er kommt nicht so rasch. In seiner unzudringlichen und rücksichtsvollen Art läßt er ihr Zeit. Es mag ihm wohl, wie oft bei edlen Naturen, peinlich sein, sich den schuldige» Tank zu holen." „Kommt er jetzt! Nein, es war die Haustür, die sich austat und die Schritte gingen links nach der Schenkstube, dort wo auch er jetzt in Erwartung sitzt." „So gehe ich zu ihm!" — beschloß sie, aber die Beine machten die rasche Körperbewegung nicht mit; sie hatten, wie es schien, noch etwas von dem Schrecken und der Erinüdung an sich.. „Also noch einen Augenblick! Cs schickt sich am Ende doch nicht, in einem Wirtschaftsraume Begrüßungs- und Dankszenen zu veranstalten" — sagte sie sich und versank wieder in Gedanken. „Wie war denn das eigentlich gestern? Wie hat sich das alles zugetragen? War es Traum oder Wirklichkeit? Oder beides? . . . ." Es war stockfinster; wandelnde Lichtpunkte funkelten und schimmerten von allen Seiten, aber nicht auf dem nebelbedccktcn Horizonte, sondern in der Luft nm sic her. Ein Pfeifen und Knallen, ein Laufen und Jage». Sie fühlte sich wie von einer geheimen Macht getragen. Wie ein Schweben und Fliegen. . . Tann ein mächtiger Stoß, begleitet von den sanftcii Tönen einer bekannten Stimme, die sie mit „Du" aurcdete, dann .... wieder stockfinstere Nacht.Und Was da weiter passierte, darüber konnten ihre Gedanken leine» Aufschluß geben, sie waren offenbar nicht mehr dabei gewesen. . . . „Also" — sagte sich Rahel noch einmal ihre Tcnkkraft genau prüfend — „so tvcit die reine Wirklichkeit. Und das weitere?" (Fortsetzung folgt.) Eheschließungen. Paula Löbenstein, Hanau, mit Emil Hirschmann, Hanau. Laura Freund, Marburg, mit.Eduard Michaelis, Jena. Sterbefälle. Anna Maas, geb. Beckhardt, 511., Frankfurt a. M., Friedberger Landstraße. Moses Stein, 67 J„ Frankfurt a. M., Fricdrichstraße 32. Moritz Frank, 80 I., Wiesbaden. Abraham Kneip, 67-I., Wiesbaden. Amalie Bär, Wwe., geb. Treidel, 70 I., Köln. Franziska Schuster, geb. Rüttcn, Frankfurt a. Dt. Jonas Straus, 84 I., Wörrstadt. Jacob Lcvy-Koblenz, 72 I, Dndweiler. Vakanzen. S ch r i m in (Posen). Rabbiner. Gehalt 2400 Jk Meldung bis 1. Juli an den Vorstand. « p r c n d l i n g c n b. Frankfurt a. M. Lehrer, Schächter und Vorbeter. Gehalt 600 Jk Rebcneiiikoinmcn 400—500 Jk und freie Wohnung für ledige Bewerber. Dieldung an den Vorstand. Buch Zweiter (Elsaß). Lehrer und Vorbctcr. Gehalt 700 Jk und Ncbencinkoimncn 200 . II. Meldung an Rabbiner Tr. Weill. Familiennachrichten. Geburten. Eine Tochter, Herrn Lebt Üindenbaum, Frankfurt a. Dt, Scilerstraße 23a. Ein Sohn, Herrn Martin Levigard, Frankfurt n. Dt., Altegaffe 39. Ein Sohn, Bankier M. Kaufmann, Wiesbaden. Ein Sohn, Dr. med. 25. Hirsch, Frankfurt n. Ai., Langestraße 18. Ein Sohn, Albert Eichenberg, Düsseldorf. Ein Sohn, Leopold Weiler, Hanau Verlobte. Minna Frank, Marburg, mitDr. mvä. Henry Hirsch, Trier. Paula Kanter, Bockcnhciin, mit Dr. med. Henry G. Stempa. Frankfurt a. M. Louise Stettaucr, Amberg, mit Karl Reis, Rülzheim. Aufgcbotene. Sclma Scligmann, Wandsbeck, mit Joseph Jcidel, Frankfurt a. M. Elisabeth Landauer, Heilbronn, mit Ludwig Sinion Kahn, Frankfurt a. M. Jetta Buxbaum, Roth, mit Hermann Roscnthal, Werrings. x ' Lina Lahnstein, Frankfurt a. Di., mit Aiax Grünbaum, Köln. Elise Heymann, geb. Ncubcrger, mit Sigmund Kaufmann, Mannheim. Lydia Würzweilcr, mit Isaak Schwab, Mannheim. Wochen - Kalender. Sabbath-Anfang: 7 Uhr 45 Minuten. Sabbalh-Ausgang: 9 Uhr 35 Minuten. Kaiser Friedrich Quelle - üflenbaili a. 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