Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1903-05-22 · Heft 29 (22.5.1903) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 29 (22.5.1903)
Date
1903-05-22
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2692297-2692298-2692326--00273-2694636
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 5. Nr. 29. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. seines Vaters, der am Abend seines tatenreichen Lebens gern zu ruhen wünschte, an die Spitze seiner Heimatsgemeinde treten. Zum letzten Male sunktionirte sein Vater bei Mendel und Rcchas Hochzeit, die als eine Folge reinster Zuneigung, die denkbar glücklichste war. Mit tiefer Rührung erinnerte Mendel seine Gattin oft an die schmerzensreichste Stunde seines . Lebens und an den Ruf: „Iw Omer darf man nicht ans Wasser gehen". (Nachdruck verboten.) Cheiderkinder. Novelle aus dem Emigrantenleben ■ von S. Schachnowitz, Endingen (Schweiz). (Fortsetzung.) „Kein anderer als Leibe, der seinen Mund nie halten kan», und uns durch seine ewigen Prahlereien den Kerl auf den Hals ladet" — hypothesierte der eine. „Was ich?" — schrie Leibe aus Leibeskräften. — „Wieder ich? Weiß schon gar lang', daß Ihr gegen mich sucht, um mich aus dem Bunde auszustoßen. Aber dann — das sage ich Erich I Dann schicke ich Euch nicht den Saufbold von Uradnik, sondern . . . ." ■ Er sprach das schreckliche Wort nicht aus aber die Gedankenpunkte in seinem erregten Tone waren ziemlich durchsichtig. . . Die andern blieben mit der Antwort nicht zurück und es erhob sich von neuem Streit und Lärm. Rahel und ihr neuer Freund saßen auf der Holzbank vor der Thür und hörten säst nichts davon. „Es giebt Erlebnisse, die man nie wieder aus dem Gedächtnisse bringt. Glauben Sie nicht auch Herr . . . .?" — sagte sie an das srühere Thema anknüpfend. „Schulman" — ersetzte er. Es war sein richtiger Name, denn der Paß hatte nur aus dem „Mann" ein „Mow" gemacht. — „Wohl" — fuhr er fort — „muß es solche Erlebnisse geben. Und ... Haben Sie Fräulein, auch schon solche Erinnerungen, die sich uiemehr verwischen lassen?" _ Er bereute sofort die indiskrete Frage. Sie aber antwortete ruhig: „Solche Erinnerungen hat jeder fühlende und denkende Mensch. Also auch ich. Und . . . ich denke auch Sie, Herr Schulmann"." „Was mich betrifft" — erwiderte er nach einigen! Nachdenken — „so hatte ich bis jetzt wirklich keine. Meine Erlebnisse waren zumeist solche, von denen ich vorher sagte: , Was man gerne vergessen möchte, vergißt man auch leicht. Aber" — sein leiser Ton hatte plötzlich bei der Stille und dem tiefen Dunkel der Nacht einen feierlichen Klang — „ich glaube, die Erinnerung dieser Reise fürs Leben festhalten zu müssen.". „Gehört sie nicht zu denen, die man gerne vergißt?" — Ihr Ton klang durchaus natürlich. „Seit heute Morgen zu den glücklichsten in meinem Leben." Sie erwiderte nichts. „Fräulein! . . . ." Keine Antwort. „Fräulein!" flehte er uochmals und suchte ihre .Hand zu ergreifen. Sie zog hastig ihre Hand zurück und erhob sich, blieb aber vor ihm stehen. „Bitte, Herr Schulmann!" — sagte sie mit festem und entschlossenem Tone — „ich habe mich über Ihre Bekanntschaft ungemein gefreut und habe sie in diesen trüben Stunden sogar als ein Geschenk der gütigen Vorsehung angesehen und angenommen, so verderben Sie mir doch diese Freude bitte nicht!" Ihr sicheres Auftreten und der überzeugende Ton, mit dem sie ihr Freundschaftsbekenntnis aussprach, hatte ihn eher ermutigt, als verletzt. „Aber bitte, Fräulein! Sie mißverstehen mich und mißdeuten meinen bescheidenen Wunsch." Sie antwortete nicht, aber nahm wieder ihren alten Platz ein. „Es ist wahr" — fuhr er dann fort — „eine gütige Vorsehung, ein glückliches Schicksal hat uns zusammengeführt. Seitdem ich Sie heute zum ersten Mal erblickt, zog eine geheiine Kpaft mich zu Ihnen und zwang mich, mich Ihnen zu nähern und Sie geben es eben selber zu, daß Ihnen die Annäherung nicht unangenehm war. Wenn Sie meine, lieblose Kindheit und meine öde Vergangenheit kennen würden und in mein Inneres schauen könnten, dann wüßten Sie wie ernst es mir um meine Worte ist und was ich dabei empsinde. ... Mer . . ." Er brach ab, in der Hoffnung, von ihr etwas zu hören, aber sie sprach nichts. „Das Schicksal" — fuhr er sort — „das mir das Glück Ihrer Bekanntschaft gebracht, kann auch sehr grausam werden. Es kann uns bald, vielleicht heute noch wieder trennen. . . ." Er wartete wieder auf ein Wort von ihr, aber sie schwieg. „Solche Eriuncrungeu" — sprach er weiter — „weichen zwar von einem nicht mehr, aber so ein kleines Andenken an diess Stunde. ... - Darf ich mir erlauben Fräulein?" — Er hielt ihr ein Kabinetbild vor. „Danke!" — lispelte sie nur und nahm das Bild. „Und bekomme ich nichts?" — bat er. Sic wollte etwas antworten, hielt jedoch, um mit der Stimme nicht ihre innere Erregung zu verraten, inue. Tann holte sie aus ihrem Portcinonnaie ein kleines Kärtchen heraus, machte in der Dunkelheit mit dem Bleistift einige Züge darauf und überreichte sie ihm schweigend. In diesem Momente kain Gutel der Fuhrmann, der ankündete, daß der Wagen bereits reisefertig dastehe und forderte die Passagiere zum Einsteigeu auf. Es war schon uni Mitternacht. Dichte, schwarze Nebel bedeckten den Horizont und hüllten alles in tiefes Dunkel. Langsam und schwerfällig bewegte sich der große Wagen auf dem holperigen, steinigen Wege. Tie Pferde, als ob sie die Situation verstünden, trappelten leise und vorsichtig und das Knarren der Räder vermischte sich hier und da mit einem müden Gähnen oder leisen Seufzer der Insassen. . . Zwischen den Reisegefährten gab es hier keine Annäherung. Zwischen Rahel und Scholem saß mif seinem Sacke, der alte Jankel und schnarchte, als ob er daheim im Bette wäre. Ter Wagen fuhr durch ein kleines Dörfchen, das aus zwei kurzen Reihen von Hütten, Ställen und Gärten bestand, welche die tiefe Nacht kaum von einander unterscheiden ließ. Aus einer Hütte am Ende der Kolonie kam ein kümmerlicher Lichtschimmer. Gutel hielt den Wagen einen Augenblick an und klopfte mit dem Peitschenstiel drei Mal auf den Fensterladen. „Ja! ja! Sogleich!" — wurde eine barsche und schlaftrunkene Bauernstimme hörbar. Gutel benutzte noch die kleine Pause zu einer wichtigen Instruktion. „Wenn ich hinter dem Walde ein Zeichen gebe, dann steige» die t re i f e n Passagiere aus und gehen mit dem Peter, während ick/ mit den koscheren (die nicht über die Grenze wollen) die Landstraße weiter nach Tawrik fahre." Der Peter kam jetzt aus der Hütte. Ein junger stämmiger Bauer in einen kurzen Schafspelz gehüllt und mit einem mächtigen Stecken in der Hand. Er setzte sich zu Gutel auf den Bock und der Wagen fuhr langsam weiter. Etwa zehn Minuten hinter dem Dörfchen begann ein dichter, schwarzer Tannenwald. Der Fahrweg war schmal. Tie Pferde stießen auf jedem Schritt auf Wurzel und Baumstämme und der Wagen wackelte hin und her. ( (Fortsetzung folgt.) Familiennachrichte«. Geburten. Ein Sohn, Herrn Ehrlich, Frankfurt. Schäfergasse 17. Ein Sohn, Herrn Dr phil. Mannheimer, Frank-' furt, Bleichstraße 2. Eine Tochter, Herrn Goldberg, Frankfurt, Herbartstraße 34. Eine Tochter, Herrn A. Grünspecht, Nürnberg. Verlobte. Frieda Joseph, Mainz, mit Siegfried Reichenbach, Darmstadt. Olga Heidenheimer, Würzburg, mit Isidor Simon, Bingen. Alice Friedmann mit Jacob Lurch, Mannheim. Aufgebotene. Gella Schwab, Frankfurt, mit Sally Cohn, Nürnberg. Sophie Meyer, Albersweiler, mit Leopold Stern, Wiesbaden. Sterbefälle. Maurice E. Ullmann. 54 I., Frankfurt. Wochen - Kalender. Sabbath-Anfang: 7 Uhr 45 Minuten. Sabbath-Ausgang: 9 Uhr 10 Minuten. Kaiser Friedrich Quelle -OfTenbach a. X.- Vornehmstes Tafelwasser. Wilhelm Glücklich Gegr. Schillerstrasse 4, l. ii Gegr 1879. Frankfurt a. M. II 1879. Immobilien, Hypotheken. Für den Inseratenteil übernehmen wir nur die Pretzgesetzliche Verantwortung. o;oioio;oioio:o;o:oioioio!Oioioio;oio:o:oio:o:o;oioio:o;oioio:oioioio:oioio:o:o:010:0:0:0:0:0 I Ällc ®“u,clcn 8 PAUL TÜBBEN 1 Sill)et'ne ßesteeke O IBijouterien | Juwelier* Ou < ete* «**• G . J .. © Juwelier g Verkauf nach Gevfteht. von den einfachsten bis zu X _ Ä X q den feinsten. g 2 Goethestfasse 2. § Enorme Auswahl. 50000000000000000000000 Firmen - Schilder - Fabrik Oscar Burkhardt Fernspr. 8415. Frankfurt a. 31. Ottostr. 16. Specialität: Glasschilder aller Styl arten. Hoflieferanten - Wappeu, Transparente, Buchstaben in Blas, Metall, Holz ete. — Eigene Kunstschlosserei, Schreinerei und Bildhaueratelier. — Entwürfe und Kostenanschläge gern za Diensten. ßacfihuiictor Mary Eschersheimerlandstrasse 1 UCoUlInlOLCI mal A, empfehlen ihr Lager in Patz-a. Modewaren, garn. u.ungarn. Hüten, Spitzen, Bänder, Sehleier etc., besonders aber ihr Atelier für Putz- und Confection nach Mass. Neue Zeit 1«. V. OzIPlenheßM Nene Zeit 10. ■ - Optiker empfiehlt: Lsterngläser, Feldstecher. Brillen, Pincenez, Barometer, Thermo- Größte AuswahL oo meter, Reißzeuge, Lausten rc. c» Billigste Preise. iofphoiogr. Kitlurilli CUÜ6, iochstr.32 empfiehlt ihr Atelier zur Anfertigung künstlerisch ansgeführier Photographieen jeder Art bei civilen Preisen. Specialität: Kinder-Aufnahmen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.