Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 28 (15.5.1903)
- Date
- 1903-05-15
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. „Ach, das war früher, — jetzt könnte ich mich mit gar nichts mehr freuen — ohne meine Mutter — -meine liebe, liebe Mutter' —" „So dürfen Sie nicht reden, Fanni, Sie haben doch noch Ihren lieben guten Vater und Ihren lieben herrlichen Bruder —"" „Das hat die Mutter auch gesagt," flüsterte sic, indem sie hastig mit den, Tuche über die thräncii-- feuchten Augen fuhr, „ich werde nicht mehr weinen, Ernst muß schon übermorgen wieder fort — dann sind wir ganz allein, der Vater und ich — da muß ich für den Vater sorgen —" Tief erschüttert blickte der junge Mann auf das zarte Wesen. „Sic müssen vor allem wieder gesund und kräftig werden, Fanni —" „£, ich bin schon kräftig genug, wenn es sein müßte, könnte ich schon heute wieder alles tun — aber diese Woche ist die Tante noch da, die sorgt für alles. — Aber von nächster Woche an, werde ich den Vater pflegen, — er sieht sehr angegrissen aus, finden Sie das nicht auch?" „Etwas angegriffen sieht Ihr Vater wohl aus, das ist ja ganz natürlich.. Aber Sie, liebe Fanni, scheinen weit mehr angegriffen zu sein. Bor allen, müssen Sic sich pflegen, sonst werde» Sic Ihren Vater nicht pflegen können." „O, ich bin kräftig. Sie wcrdcn's schon sehen. — Ich habe der Mutter versprochen, daß ich den Vater pflegen werde, genau so wie sic ihn gepflegt hat — nichts darf sichle». — Und was ich versprochen habe, das werde ich halten." „Das glaube ich auch," sagte er tief anfatmend, „aber Fanni, hat Ihre Mutter nicht gesagt, daß Sie sich auch Pflegen müssen?" „O ja," erwiderte sic leise, „das hat die Mutter wohl gesagt." „4hm, so müssen Sie es doch auch thun." „Versprochen habe ich's nicht,"" entgcgnetc sic eifrig. „Das ist einerlei. Sie müssen tun, was Ihre Mutter Ihnen gesagt hat."" „Das weiß ich wohl. Aber einerlei ist es nicht, erst muß ick, thun, was ich der Mutter versprochen habe." „Wer ich wiederhole, Sic werden Ihr Versprechen nicht halten können, wenn Sie sich nicht auch pflegen werden. Ihr armer Vater wird darunter leiden müssen." Sie schüttelte energisch den tropf. „Das wird er nicht." . Frankfurter Israelitisches Familienblatt. „DaS glaube ich auch nicht, wegen Ihres Vaters bi» ich nicht besorgt, nur Ihretwegen, Fanni. — Sehen Sic, da hat Ihre Tante Ihnen ein Glas Milch hingestcllt, warum lassen Sie die so lange stehen? — Darf ich sie Ihnen reichen?" „Wenn Sic die Güte haben wollten." „So, das ist lieb von Ihnen, nun trinken Sie sic aber auch. — Schön, schön — jetzt bin ich mit Ihnen zufrieden, das ganze Glas haben Sie ausgctrunken. — Das wird Ihnen gut tun. — Wissen Sic, daß man cs Ihnen sogar ansieht? Sie sehen in diesem Augenblick weit besser aus, als vor fünf Minnten." „Ich fühle mich auch leichter,"" entgegnete sie. „Nun, sehe» Sie, Sie müßten öfter etwas nehmen, namentlich Milch." „Das hat der Doktor auch gesagt, und ich werde cs auch tun." „Das ist schön von Ihnen, das freut mich. Als» das versprechen Sie mir?"" „Das verspreche ich." „Dank Ihnen, jetzt bin ich ruhig. Tenn daß Sic halten, was Sie versprochen haben, daran zweifle ich nicht."' „Aber nun ist es Zeit, daß wir uns auf den Weg machen," sagte er dem Freunde, der eben zu ihm herüberblickte, zunickend, „wie viele Glas Milch werden Sie heute noch trinken, Fanni?" „Dasweiß ich nicht, so viel die Tante mir bringen wird." . „So viele die Tante Ihnen bringen wird, so viele werden Sie trinken, das versprechen Sie —"" „Das verspreche ich." „Tank Ihnen." Er nickte ihr lächelnd zu, dann flüsterte er einige Worte mit der eben hinzutrctenden ältcrn Frau, die ihm gleichfalls lächelnd zunickte. „Also Arnold, wcnn's gefällig ist —" Sie reichten dem Freunde und dessen Vater die Hand und verließen das Trauerhaus, in das eben wieder eine Anzahl Leute cintraten. „Es war die höchste Zeit, daß wir aufgebrochcn sind, jetzt wird dort gebetet, da mache ich mich gern aus dem Staube," sagte Felix. (Fortsetzung folgt.) Vakanzen. Einen Beamten für Religionsunterricht, Borbctcn und Schächten suchen die Gemeinden: ■< Nr. 21. EpPingen (Rabbinatsbezirk Breiten). Gehalt Mk. 1050.—, Nebeneinkommen' Mk. 650.—.. Zeugnisabschriften re. an die Bezirks-Synagoge in Bretten. Rodheim. v. d. Höhe. Gehalt Mk. 800.—, ca. Mk. 450.— Neüeneinkommen. Meldungen an den Vorstand N. Scheuer. Boppard a. Rh. Meldungen an Joseph Meyer. ' Friedrichstadt a. Eider. Gehalt Mk. 1000.—, Mk. 300.— Nebeneinkommen, freie Wohnung. Meldungen an N. D. Levy. Rhoden (Waldeck). Gehalt Mk. 900.-, Mk. 300.— Siebeneinkommen. Meldungen an H. Hecht. Uj e st O.-S. Gehalt Mk. 900.—, Nebeneinkommen. Meldungen an den Vorstand. Kirn a. d. Nahe. Gesamteinkommen Mk. 1700.— bis Mk. 1800 —. Meldungen an den Vorstand Nienburg a. d. Weser. Gehalt Mk. 1200.—, Alterszulage Mk. 160.—, Nebeneinkommen Mk. 800 —, freie Wohnung. Meldungen an Julius Marcus. P e l g a r d (Persante). Gehalt Mk. 1200.—, freie Wohnung und Nebeneinkommen. Meldungen an den Vorstand. 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