Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 26 (1.5.1903)
- Date
- 1903-05-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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m Seite 6. und Rahe! wollte dem Vater, während die Mutter sich müde zur Ruhe begab, Gesellschaft leisten. Sie konnte auch überdies gar keinen Schlaf finden und nahm sich ihr Thilim vor. . . . Am Tage daraus konnte Nochum nur zerstreut seine Schüler unterrichte» und Rahel beging in der Hausarbeit Fehler, über Fehler. Ms am Abend Chaijeh die Neuigkeit heimbrachte, „Motel sei genommen", stießen Vater und Tochter zugleich einen Schmerzensschrei aus. Als aber am dritten Tag allgemein bekannt wurde, „Motel hätte sich von seinen Hüter» befreit, die Grenze erreicht und ins Ausland geflüchtet,", da sprachen sie kein Wort. Mit dem 16.. Jahre aber hatte auch Nahe! Gelegenheit,- . aus dem engen Rahmen ihres Lebens in die weitere, größere Welt hinauszuschauen. Ihr äU tercr Bruder, der in der Gouverncmentstadt verheiratet war, übernahm es, seiner Schwester die Bildung der Großstadt beizubringen, was ihm in erstaunlich kurzem Zeiträume gelangt «ic lernte bei ihm das Leben und die Lebensformen der größeren Stadt kennen. Sie eignete sich auch leicht und rasch einiges Wissen in realen und profanen Fächern an, die sie daheim nie gelernt und als sie mit 19 Jahren wieder heimkam, sahen ihre Eltern und Umgebung, obzwar sich ihr Aeußeres nicht wesentlich verändert, zum ersten Mal mit Erstaunen, welche Fülle von Schönheiten und Liebreize sie in ihren jetzt ordentlichen und geschmackvollen Kleidern darstellte, welche Anmut und Intelligenz ihr gewinnendes Wesen und städtisch entwickelter Geist präsentierten. Sie war nach den Begriffen der Kleinstadt eine Weltdame nach Men Regeln und Vorschriften geworden. Daß aber auch der Traum ihrer Kindheit, ihr Lebensroman, mit ihr mitgewachsen, sich in und'mit ihrem Geiste fortentwickelt, dies war ihr eignes Geheimnis. Motel lebte immer noch in ihrem Innern und die neuen Eindrücke hatten ihn nicht nur nicht verdrängt, sondern sogar verstärkt, dem Traumbilde eine Art realistischen Hintergrund gegeben. Es war nicht der Motel, der trockne, mißmutige Vetter, der zum Militär gegangen und ins Ausland gewandert. Nein, es war immer noch jener Motele ihrer Kindheit. An diesen glaubte sie, diesen sah sic im Traume in unbestimmten Umrissen. Dieser mußte noch einmal kommen, um sic schützend wie damals, durch Lasten und Gefahren zu trage», ihr das Glück des Lebens, wie ihr dasselbe seit der Kindheit unklar vor Augen schwebte, zu bringen. . Um diese Zeit finge» die Eltern an,, sich um ihre Zukunft Sorgen zu machen. Eine Mitgift hatte Nochum bei all seinem Wissen und seiner pädagogischen Arbeit nicht aufgcspart, und war auch mit all den Gesetzen der Philosophie nicht aufzubringcn; das bescheidene Haus des Brilders bot auch nicht viel Aussicht für die Zukunft. Die ewigen Vorwürfe Chaijes und ihre Vorhaltungen waren im Grunde genommen weniger gegen ihren Mann als gegen das Schicksal überhaupt gerichtet. Konnte doch auch sie trotz ihrer Tüchtigkeit und energischer, unermüdlicher Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Arbeit im Handel und im Hause nie über das Sorgen hinauskommen.. Da kam plötzlich von selber Rat. Eine ältere, verheiratete Schwester in London, schickte eines Tages für Rahel ein Schifsbillet.. Der Vater sträubte sich freilich, Rahel. aber, die immer schon ein unbestimmtes Verlangen nach dem Auslande hatte, kam die Einladukig wie etwas längst erwartetes, mit dem sie gleich einverstanden war. (Fortsetzung folgt.} ' Nr. 26. Wegen Raummangels muß das Feuilleton ,Aus unseren Tagen" diesmal ausfallen. Wochen-Kalender. Sabbath-Anfang: 7 Uhr 10 Minuten. Sabbath-Ausgang: 8 Uhr 35 Minuten. Wilhelm Glücklich Gegr. 1879. ScMllerstrasse 4,1. Frankfurt a. M. Gegr. 1879. Farniliennachrichten. Geburten. Eine Tochter, Herrn Leostold Heidingsfeld, Frankfurt a M. Ein Sohn, Herrn Sally Bucharach, Wiesbaden. Ein Sohn, Herrn Ferdinand Stiefel, Frankfurt, Grünestraße 23. Verlobte. Amanda Schmidt, Kaiserslautern mit Manfted Oppenheimer, Frankfurt a. M. Minna Lebrecht, Nürnberg mit Siegfticd Künstler, Nürnberg. * Melanie Nußbaum, Hammelburg mit Ad. Bkeyer, M.-Gladbach. Jda Frcudenthal, Grünstadt i. Pfalz mit Hermann Federlein, Frankfurt a. M. Selma Ettinghausen, Höchst a. Al. mit Moritz Schiff, Pforzheim. Riska Ehrenreich, Bad Kiffingen mit Emil Jeidel, London N. Eheschließungen. Gitela Weiskopf, Frankfurt a. M. mit Arthur Meyer, Gelnhausen. Oppenheimer, Mainz mit Dr. Stern, Frankfurt a. M. Sophie Katz, Marburg mit Berthold Mannsbach, Marburg. Belly Schnadig, Darmstadt mit Bernhard Cohen, Groningen. Moses Schwarzschild mit Rosa Schnurmann, Ludwigshafen. Sterbefälle. Aron Sulzberger. Bruchsal, 69 I. S. Rosenberg, Mannheim, 53 I. , Frau Gretche» Lipmann, 72 I. Oberlehrer Jsac Blum, Frankfurt a. M. Leo Regensburger, Mannheim, 41 I. Adolph Enirich. Mannheim. Jacob Wolf, Ulm a. Donau. Lina Sllaßhcim, Wme., Wiesbaden. Immobilien, Hypotheken. Einzelnummern unserer Zeitung sind bei sämtlichen Frankfurter Zeitungs-Kiosken zum Preise von 10 Pfennig zu kaufen. Frankfurter israelitisches Familienblatt. Abonnements und Inserate für das „frankfurter Israelit, familienblatt“ nehmen die'hiesigen Buchhandlungen: A. Rothschild, Börnestrasse S3, A. J. Hofmann, Allerheiligenstrasse 87 zu Originalpreisen entgegen; daselbst ist auch stets die neueste Nummer zu 10 Pffg. das Exemplar zu kaufen. Die Zusendung an unsere Abonnenten wird auf's Sorgfältigste kontrolliert; Uuregelmiitzigketteu bitten wir, uns sofort zu melden. Wir, bitten unsere geehrten Leier sich bei Einkäufen auf das Frankfurter Israel. Familienblatt beziehen zu wollen. . Für den Inseratenteil übernehmen wir nur die pretzgesetzliche Verantwortung. ooooooooooooooooooooooooooooooooooc 1 R"‘ »r’*1“" I PAUL TOBBEN § Silberne Besteeke outerien O O ete. ete. von den einfachsten bis zu 9 den feinsten. q Juwelier q Verkauf nach Gewicht. 2 Gocthcstfassß 2. O Enorme Auswahl. OOOOQOOQOQQQQOOOOOOOOOQOQQOOQQOQ< Geschwister Marx, EscheS"“se' Putzu. Modewaren, garn. u. Ungarn. Hüten, Spitzen, Bänder, Schleier etc., besonders aber ihr Atelier für Putz- und Confectiou nach Mass. Neue Zeit 10. V. Oppenheim Neue Zeit 10. —^— Optiker empfiehlt: Operngläser, Feldstecher, Brillen, Pinccnez, Barometer, Thermo- Größte Auswahl. cx) meter, Reißzeuge, Loupen ne. oo Billigste Preise. Wolf Selig Allerlieiligenstr. 42. Schlosseru. 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