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Neue jüdische Presse · 1903-05-01 · Heft 26 (1.5.1903) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 26 (1.5.1903)
Date
1903-05-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Q S Abonnementspreis Mk. 1.— vierteljährlich, ftei ins Haus. Durch die Post bezogen SO Pfg. vierteljährlich (exklusive 12 Pfg. Bestellgebühr.) Postzeitungsliste 2741. Einzelnummern kosten 10 Pfg., Bezug durch Streifband Mk. 1.50 vierteljährlich (Ausland Mk. 2.—). Reülcklion und Haupt - Expedition Fr«n^frrrr rr. Wt. Bergerstraße 25, parterre. Herausgeber: Saty Gers. Jnfertionspreis für die viergespaltene PetitzeUe 25 Pfg., für die Reklame-Zeile Mk. 1.—, im kleinen Anzeiger (Familien-Nachrichten, Stellen-AngeLote und -Gesuche 2 Pfg. die Silbe). Beilagen je nach Gewicht, Mk. 5.— bis 8.— das Tausend. -jfl e> a No. 26. Freitag, de« 4. Jjar 5663 (1. Mai 1963). No. 26. Das fünfzigjährige Jubiläum der Unterrtchtsanstalteu der Israelitischen Religionsgesellschaft. Frankfurt a. M. Fünfzigjährige Thätigkeit im Rahmen eines scharf ausgeprägten, eigenartigen und neuartigen Programms sind genügend Zeit, um seinen inneren Wert auch dem großen Publikum zum Bewußtsein zu bringen. Fünfzig Jahre sind verflossen, seitdem Samson Raphael Hirsch s. 91., der Rabbiner der im Jahre 1851 mit einer Mitglied erzähl von 70 Familien gegründeten Israelitischen Religionsgesellschaft die Real- .schule und höhere Töchterschule der Jsr. Religionsgesellschaft ins Leben rief mit dem Programm: «Die Schule , soll basieren auf dem alten im Judentum sanktionierten Grundsatz/ daß soziales Gebiet der echten, wahren, humanen Bildung und des echten unverkürzten väterlichen Glaubens daher ihr Boden, die Gewinnung des Geistes für die Wahrheit, des Herzens für die Gottesfurcht und zugleich die Entwicklung, Uebung und Ertüchtigung aller Kräfte und Fähigkeiten für die einstige pflichtgetreue Erfüllung des Berufes ihre ernsteste und angelegentlichste Sorge."" Es war eine schwere Zeit, in der Samson Raphael Hirsch s. A. sein Werk begann. Die Reform stand in jenen Tagen noch in ihrer schönsten Blüte; ihre Führer träumten sich damals noch als die Schöpfer einer neuen Religion, die sich da aufbaut auf dem Zeitgeist und sich verändert mit dem Fortschreiten der Zeit nach den jedesmaligen Anschauungen der lebenden Geschlechter. Das Vorhandensein irgend welcher göttlichen Offenbarungen mußte geleugnet und dieBerückstchtigung des durch die historische Entwicklung Gewordenen negiert Und nun sind fünfzig Jahre vergangen. Zerfallen ist der stolze Bau der Reform. Die Reform als Wissenschaft ist tot; das leugnen selbst jene nicht, die sich Reformrabbiner nennen. Heute giebt es keinen Menschen mehr, der an die Existenzmöglichkeit eines Reformjudentums glaubt; heute weiß ein jeder, daß das Reformjudentum als Brücke zum Christentum hinüberführt. Wohl stehen die meisten unserer Brüder abseits von dem Geist und dem Gesetz des Judentums, aber sie haben dieses Judentum nie kennen gelernt, und nur durch ihre Unkenntnis und Gleichgülttgkeit sind sie ihm untteu. Wie die Gemeinden so die Rabbiner; auch hier kein jüdisches Wissen, denn eine repräsentable Erscheinung, eine gute Rednergabe und angenehme gesellschaftliche Manieren sind die einzigen Erfordernisse, welche eine «moderne" Gemeinde verlangt. Doch der Baum, den einst Samson Raphael Hirsch Rabbiner Samson Raphael Hirsch s. A. SS»* Direktor Dr. Mendel-Hirsch s. A Wissen und Leben sich nicht nur nicht gegenseitig ausschließe, sondern sich gegenseitig bedinge, sich gegenseitig ergänze^und vollende und erst in innigster Vereinigung und Durchdringung das Heil erzeuge, ..; das überhaupt auf Erden anzustteben sei. Das . / soziale Wissen und. Leben findet erst in dem religiösen J seinen Boden und seine Weihe, das religiöse erst iin sozialen seine Bestätigung und Verwirklichung, i Bildung ohne Nihilismus, Religion ohne; Fanatismus, das ist ihre. Devise; gebildete Juden ': und Jüdinnen, jüdisch-religiöse Bürger und Bürgerinnen dem Staate zu erziehen, ihre Aufgabe, das werden bei der Herrschaft solch' überhebenden Geistes. Und der Fanatismus, den man den Anhängern des Glaubens stets nachgesagt hatte, er wurde nun geübt von den Anhängern des Unglaubens, von jenen Leuten, die eine Welt aufbauen wollten aus den Grundsätzen der größten Loyalität. Gewaltig waren die Ansttengungen des Gemeinderabbiners Dr. Stein und des Direktors des Philanttopins Dr. Heß, um es zu verhindern, daß die «Rückschrittler" festen Fuß greifen konnten. Doch vergebens! — Die Genialttät und die Tatkraft eines Samson Raphael Hirsch überwand alle Schwierigketten. auf dem Boden des überlieferten Judentums gepflanzt und den er zeit seines Lebens gettäntt hat mtt dem Geiste des überlieferten Judentums, er ist groß und krästtg geworden. Unter den Werken seines Schöpfergeistes nehmen nun die Unterrichtsanstalten der Jsr. Religionsgesellschaft einen hervorragenden Platz ein. Am 1. April 185» mit 55 Knaben und 29 Mädchen eröffnet, zählte sie 1866 bereits 259 Schüler und ist heute bereits auf 600 Schüler und Schülerinnen angewachsen. Welche Bedeutung die Schule gewonnen hat, das bewies die Teilnahme zu der am letzten Montag und

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