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Neue jüdische Presse · 1903-04-08 · Heft 23-24 (8.4.1903) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 23-24 (8.4.1903)
Date
1903-04-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ay >*A'-' ♦ ♦ I > Abonnementspreis Mk. 1.— vierteljährlich, frei ins Haus. Durch die Post bezögen 90 Pfg vierteljährlich (exklusive 12 Pfg. Bestellgebühr.) H>ostzeiturrgslifte 2741. Einzelnummern kosten 10 Pfg., Bezug durch Streifband Mk. 1.50 vierteljährlich (Ausland Mk. 2.—). DedaKUon und Haupt - Erpedilion Frslnkfurr «. Ml. Bergrrstraßr 25, parterre. Herausgeber: Saly Gers. s= Jnfertionspreis für die viergespaltene Petitzeile 25 Pfg., für die Reklame-Zeile DL 1.—, im kleinen Anzeiger (Familien-Mchrichten, Stellen-Angebote, und -Gesuche 2 Pfg. die Silbe). Bellagen je nach Gewicht, ML. 5.— bis &— das Tausend. Br No. 23,24. Mittwoch, de« 11. Riffan S663 (8. April 1S0O. Die nächste Nummer erscheint erst wieder am Freitag nach dem Pesachseste. Beim Seder! Welch heller Glanz erstrahlt in Juda's Zimmer, Auf seinem Tische welche Herrlichkeiten! So unbescheiden ist sonst Juda nimmer. Was soll der Glanz, die Herrlichkeit bedeuten? Wohlan, o Fremdling, tritt in uns're Mitte, . Sei einer unsrer lieben Festesgäste, Und'wisse, bei uns Juden ist es Sitte, Also zu feiern unsere hehren Feste. Wir schmachteten bedrückt von Sklavenketten, Egyptens König waren wir unterthan. An diesem Tage kam uns Gott zu retten. Zu weisen uns auf eine neue Bahn. Viel tausend Jahre sind seitdem verflossen. Doch jenes Tages haben wir stets gedacht, . An dem die Freiheit endlich wir genossen. Und deshalb, Fremdling, diese ganze Pracht. Wir wollen dadurch allen Menschen zeigen. Daß in dem Glauben nimmermehr wir wanken. Daß Gott wir Alles weihen, was uns eigen, . Da ihm allein ja Alles wir verdanken. Jenes Brot, das dort vor deinen Blicken,; Dieses Fleisch und jenes bitttte Kraut, Womtt oen Festestisch wir heute schmucken, Mtt dem Feste macht es dich verttaut. Es ist das Brot, das uns're Väter aßen. Als Brot der Armut ist es uns bekannt. Das sie nicht säuern konnten lassen Beim Auszug aus Egyptenland. . Jenes Fleisch und jene Kräuter dort Symbole sind's vergangener Zellen, Die uns erinnern mögenfort und sott - An unserer Väter, unserer Mütter Leiden. Vier volle Becher weihen Gott wir heute, Gefüllet mit dem Saft der edlen Reben, Zum Dank und Zeichen unsrer Freude Für die Freiheit-, die er uns gegeben. Und jener Becher, unberühret. Dem Propheten Elijahu sei geweiht. Den uns Gott herbei einst führet. Wenn er gekommen hält die Zeit. Bis in die ttesste Nacht hinein Ertönen unsere Lobeslieder Dem einzigen Gotte nur allein Ihm, Juda's Retter, Juda's Hüter. . Joseph Sänger. Die Lehre vom Opfer. (Zu Paraschat Wajikro.) - (Schluß.) y Quillt die Opferthat aus dem Hochgefühl, aus dem Geistesschwung und der ganzen Seelensttmmung des aus seiner Gesunkenheit sich zu Gott sich Erhebenden, und in dieser Erhebung sein, übervollü Lebensglück Einpsindenhen, für das es eben keine Wotte gibt, dann begreift es sich,warum gerade unsere edelsten, erleuchtetsten Geister, warum die zartbesaiteten, tiefangelegten Gemüter eines David und eines Salomo, warum gerade unsere erhabensten Vorbilder in den höchsten Weihemomenten ihres und ihres Volkes Lebens mehr als andere das Bedürfnis empfanden, dem, was mächtig in ihnen wogte, durch solche Opferhandlungen, durch zahllose Opferhandlungen Ausdruck zu geben. Dann begreift es sich, wie die prophetischen Verkündungen der fernsten öochziele der ganzen Menschheit, ohne diesenGeisteschwung und seine Manifestierung durch die Opferthat nicht denkbar sind, wie sich gerade die bne'hanechor hanilwim al Haschern leschoraso, diejenigen, welche dem Judentum bis jetzt fern und ftemd gegenüber gestanden und sich nunmehr Gott und seinem Dienste anschließen, wie diese, wenu sie Gott zu seinem heiligen Berge und zur Freude in sein Bethaus zusammenführt, wie dann ihre Emporopfer und ihre Mehlopfer als Ausdruck ihres Willens auf dem Gottesaltare auf lodern, wenn dieses Gotteshaus das Bethaus für alle Böller genannt wird. (Jesaja 56. 6. 7.) Daß diese Opfergedanken und die sie verwirklichende Opferthat nicht das Tageslicht zu scheuen haben, daß sie im Gegenteil die Geranten des Morgenrots, des wollenlosen Morgens sind, der einst über die' ganze Menschheit aufgehen wird, daß sie int Dienste des Tages und des Lichtes stehen und nichts mit der heidnischen, nächtigen Trübung gemeinsam haben, mit welcher das entartete Heidentum seinen-Götzenidolen sich opfernd nahte, das'bringt das Götteswört durch die Anordnung zum Ausdruck, welche alle Opferhandlungen lediglich auf die Tageszeit beschränkt und die Nachtzeit ausdrücklich davon ausschließt. Wenn wir noch heute im Gebet uns diese Bestimmungen täglich vergegenwärtigen, so lautet auch hierfür die präzise Weisung: „Die Paraschijoth über die Opfer dürfen nur am Tage gesagt werden" (Schulchen Äruch Orach Chajim Kap. I. ff. 6.) Je weniger uns die Möglichkeit geboten ist, während unserer Zerstreuung und Verkümmerung in unverkürzter, durch das Gesetz vorgeschriebener, korüreter Opferhandlung uns Gott zu nahen, um so mehr drängt die liMrgische Vorschrift dmäuf, daß der stellverttetende Wortausdruck möglichst klm und präzis alle Wahrheiten zum Ausdruck bringt, auf die es wesemlich hier ankommt. . Durch nichts ttllt die Unzulänglichkeit und Unvollkommenheit alles dessen, was wtt Gottesdienst nennen, mehr zu Tage, als durch diesen Vergleich mit dem Dienste Gottes, wie er ihn selber an der von ihm' erwählten Stätte, die nun in Schutt und Asche liegt, geregett hat. Während die zu Gott sich emporschwingende Seele ursprünglich statt des ungenügenden, schwachen Wottes sich Gott mll einer That nahte, müssen wtt heute jene Tyat in Worte zurück übersetzen und uns glücklich schätzen, wenn unsere Lippen die Opferthat auch nur Einigermaßen nicht zu ersetzen, sondern auch nur kaum anzudeuten vermögen. Wenn überall, so wäre hier ein hetz- und geistloses Hersagen dessen verpönt, was ja durch das Wort wieder ins Leben zurückgerufen werden soll. Deshalb lehrt die Vorschrift, (Sch Aruch ibid. ff. 7.) das Ungenügende unseres Weltgottesdienstes durch den Hinweis auf den Abstand ergänzen, der zwischen ihm und dem was er darstellen soll, immer klaffen wttd.. Weil wir nicht in der Lage sind, dieser Anforderung gerecht zu werdest, so lange es Gott gefällt, sein Heiligtum in Trümmern und seine Kinder in der. Zerstreuung zu belassen, deshalb füge man die Bitte an, es möge Gottes Wille, sein,, daß dieser Ab? schnitt über das Emporopfer geächtet und ängerechnet werde, als hätte ich ein Emporopfer dargebracht. Ebenso auch den Abschnitten über das Mehlopfer und die Friedensopfer, denn diese werden (ohne äußere Potwendigkett von jedem und zu jeder Zett) als freiwillige Spende dargebracht. Die hohe Bedeutsamkeit, mit welcher, hier, und in allen unseren Gebeten immer und immvc 'wieder an die Opferhandlungen angeknüpft wttd, dürfte' außer den allgemeinen bereit angcdeutettn Wahrheiten uns noch ein besonderes Moment zur Erwägung nahe legen. Es giebt wohl kaum einen denkenden und empfindenden Menschens der den Gedanken'der Hingebung und Weihe an die Leitung und Gnade,Gottes, wie sie in den Qpferhandlungen symbolisch ausgedrückt ind, seine volle Anerkennung versagen wollte. . Es ist nur die Art und Weise,- in welcher diese Gedanken und Empfindungen ihren Ausdruck finden,' welche, viele an einen „blutigen Opferkultus" denken läßt- und eine ölche krasse Fornr nicht den-hohen Wahrheiten angemessen glaubt. Es ist der Abstand zwischen dem Geist und der Hülle, durch weiche er in die Erscheinung ttitt. Wer möchte aber-an eine, göttliche Institution von so fundamentaler Bedeutung unsere menschliche Geschmacksrichtung das uns Zusagendeöder nicht Zusagende als Maßstabim Ernste änlegen wollen, selbst wenn wtt die Wahrheiten - alle sicher - wüßten, welche durch diese vorgeschriehene Form -des Ausdruckes veranschaulicht werden sollen? Und wtt wissen sie doch in Wirklichkeit nicht. Vielleicht hatte dieserfast tausendjährige-Opferdienst mit seinem triefenden Tierblute, mit seinen zuckenden Eingeweiden, mit allem dem, -was ,ihm für unsere , Anschauung Abstoßendes änhängt. den Zweck uns für das. fastzweitausendjährige 'Meßras..Hanesesch, für diese Hingebung sondergleichen vorzubereiten, in welcher wir nicht nur unsere Triebe und Neigungen im Allgemeinen, sondern in erschreckender Wirklichkeit unser Gut und Blut auf den großen Gottesattar niederlegten, auf dem die jüdischen Menschenopfer im glühenden Süd und im starrenden Nord, in allen Teilen der Erde, durch chr Leben und. auch ihr Sterben bezeugten, wie ihnen die Thoras Hoolah, die Lehre vomEmporopker, thatsächlich in Fleisch und Mut übergegangen war. Was will der blutigste Tierkultus gegen, einen solchen bluttgen Menschenkultus besagen! Wer möchte den Anteil auch nur ahnen, den gerade die Opfer zur Zett, als unser Gottesheiligtum sich noch auf Erden erhob, an dem Opfermut haben, mit dem ein ganzes Volk bis auf den heutigen Tag einmüttg bereitsteht, um durch Feuer und durch Schwert, durch alle Schrecken des Todes zu gehen, und braut zu bekunden, daß ihm die Lehre vom Opfer geläufig ist! Alljährlichwenn wtt,diese Weihegedänken durch ein besonderes Weihefest aufs neue beleben, sind sie es vielleicht, die unser Festdichter in die Worte gekleidet, hat, die wtt ihm nachsingen: Titton beth Tefilosi „Gründe Du mein Bethaus wieder, dann wollen wtt Dir im Opfer den Zoll nnserer Huldigung darbringen. Aber dieser Zoll wird Dir auch jetzt, nicht nur nichts versagt, sondern in einer Weise entrichtet, die dem längst verfallnen Gottesaltar; noch nach Jahrtausenden erst die wahre Weibe sichert. „Wenn Du die Schlachtbank Herrichten läffest von dem schnaubenden Feinde, dann vollende ich mit Psaltergesang die Weihe des Altars." Vielleicht find die trüben, nächtigen Jahrhunderte unsres Exils und 'Martyriums nichts als die glänzend bestandene Probe über die Lehre vom Opfer. — Wie: könnten wtt von diesem durch die Opferlehre eröffneten v Gesichtspunkt aus, unserem ganzen Leben Und Leiden - neue Lichtsetten abgewinnen, die uns mtt allem ihm y anhaftenden Trüben und Herben auszusöhnen ver- ■? mögen! ’ Das Aufgeben aller Selbständigkeit, das selbst vor; dem Tode. nicht..znrüch'chreckt, wttd. immer trübe und y schmerzlich bleiben urm die Nachteile unseres Geschickes in. den Vordergrund. stellen. Aber das Eingehen in', die Ziele und Waltungen Gottes, die dadurch gewonnene' Richtung, zu Gott umfaßt alle Seiten unseres Daseins und diese allsettig umfassende, weit über Raum und Zett hinausreichende Bedeutung dieses unseres Opfers MM" Mit der heutige« Nummer vegirrnt eine sehr spannende Novelle. 'MM

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