Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 22 (3.4.1903)
- Date
- 1903-04-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. ' No. 22. Mehrere Tage vergingen, ohne daß im B'efiudeu des Kranken eine ersichtliche Aenderung eingetreten wäre, am wohlsten schien er sich zu fühlen, wenn seine Nichte bei ihm weilte, deren Hand er oft stundenlang in der seinen hielt. Arnold staunte, der Onkel hatte doch auch ihm stets Liebe und Freundlichkeit erwiesen, aber diese Zärtlichkeit, Thekla war entschieden sein Liebling. — Freilich war das junge Mädchen auch von einem seltenen Liebreiz umflossen, Arnold sagte sich das selbst, man konnte es - dem Onkel nicht verdenken, wenn er die zarte weiche Hand so gern in seiner Hand hielt, in der sie fast zu verschwinden schien, und daß er behauptete, daß ihm die Eistücher, nie so wohl thaten, als wenn Thekla sie ihm auf die Stirn legte.' Arnold sagte sich das wiederholt und dennoch konnte er es nicht hindern, daß sich ihm das Herz znsammenzog, wenn er sah, wie der Geistliche seiner kaum, achtete, wenn er das junge Mädchim in seiner Nähe wußtp. Trotzdem war er nicht zu bewegen, den Kranken zu verlassen und die Freunde hin und wieder auf ihren Ausflügen zu begleiten. Selbst das Zureden seiner Verwandten, daß er doch ruhig fortgehen könne, da . sie die Pflege beaufsichtigen werde, war ruchlos. Er war sich vielleicht selbst nicht darüber klar, was ihn zurück hielt, jetzt eben waren die - jungen Leute wiÄ>er bei ihm gewesen/ und wieder hatte er sie allein fortgehen heißen. Grollend hatte Felix sich entfernt. „Komm'," sagte er, Ernst mit sich fortziehend, „mit dem Stubenhocker ist nichts anzufangen, er wird sich noch kränk machen." -„Er sieht in der That angegriffen aus," . „Freilich, sieht er angegriffen-aus, und warum? weshalb? wer wuch ihm seine Treue danken?" . „Wie Du Dich schön wieder aufregst. Aber ich verstehe Dich nicht, was willst Du eigentlich sagen?" „Genau dasjenige, was ich gesagt habe. Wer wird ihm seine Treue danken?" „Ich kann nur wiederholen, daß ich diese Frage nicht verstehe." „Wer hast Du denn keine Augen ijn Kopf? siehst Du denn nicht klar und deullich, daß der hochwürdige Herr sich keinen Pfifferling aus ihm macht und ihm daher. auch keinen Pfifferling vermacht haben wird." „Daran habe ich noch nicht gedacht und Arnold wird auch' vermutlich woch tücht daran' gedacht haben. Wie kommst Du eigentlich darauf?" . „Well mir der Portier erzählt hat, daß der Notar Vormittags da gewesen ist" „Dann ist Deine Vermutung, daß der Kranke sein Testament gemacht haben wird, allerdings berechtigt, nicht aber Deine Folgerung, daß sein Neffe leer ausgebcn wird. Woraus schließest Du das eigentlich?" „Mch allemdkamentsich aber daraus, , daß mir die. Onkelschast seiner Hochwürden sehr eigentümlich vorkommt." > „Wer Felix!" •" - : - ' . „Wer Ernst, ich habe neulich Arnold gefragt, ob seine Cousine die Tochter eines Bruders oder einer Schwester seines Onkels ist. Da hat mir der arme Tropf erwidert, daß er das nicht wisse, er habe bisher immer geglaubt, daß sein Vater außer dem Seminardirektor keinen Bruder und. nie eine Schwester gehabt hätte. Also wie kamr er da eine Nichte haben?" i „Ach, wer weiß, er sagt ja auch Taute, zu.Frau von Acin und sie ist doch nur die Cousine seines Vaters." „Ganz richtig, aber sie wird ihn sicherlich nicht' als ihren Nessen bezeichnen." „Wer weiß Du denn, baß, der Seminardirektor Fräulein Kfrchfeld als seine Nichte bezeichnet?" ' „Allerdings weiß ich das. Er selbst hat es meiner Mama erzählt, er habe in K. eine Nichte, bei der seine Cousine Äkutterstellc -vertrete. Nun handle .es sich aber um. die Verheiratung seiner Nichte, da wolle Frau von Klein nicht die alleinige Verantwortung übernehmen und habe ihn ersucht, vor Abschluß der Verlobung hinzukommen." „Das deutet auf große. Familieninnigkcit." . „Ach Unsinn, das deutet auf/etwas ganz anderes. Die Tochter seines Bruders oder seiner Schwester ist sie nicht, weil Arnold sonst nicht erst jetzt-durch ihre Existenz überrascht worden wäre. Eine entferntere Verwandte kamr sie auch nicht sein, betrachte nur ihr wunderliebliches Lärvchen, Zug für Zug des Seminardircktors." „Arnold sieht ihm auch ähnlich." „Arnold ist in Wirklichkeit seines Bruders Sohn, und trotzdem ist die Aehnlichkeit nicht so frappant, wie bei.Fräulein Thekla." „Ich bitte Dich um's Himmelswillen, lasse nur Arnold nichts von Deiner Vermutung ahnen." „Meine Vermutung wird ihm sehr bald als Wirklichkeit entgegentreten. Armer Tropf." Felix' Vermutung bestätigte sich in gewisser Beziehung allerdings früher, als er selbst geglaubt halle. Ms sie in den Vormittagsstunden des folgenden Tages den Freund aüfsuchen wollten, kam ihnen dieser schon entgegen und zwar noch sehr bleich aber doch bereits - gefaßt, teilte er ihnen mit, daß sein Onkel am gestrigen Abend nach den Tröstungen seiner Religion/versehen mit den heiligen Sterbesakramenten, in-' ein besseres Jenseits hinüber geschlummert war. Die jungen Leute reichten ihm die Hand und sprachen ihm in wenigen, aber herzlichen Worten ihre Teilnahme aus.; . ,^ch danke Euch, ich weiß, ich kann auf Euch bauen, und das ist immerhin ein tröstliches Bewußtsein für mich, denn ich stehe doch jetzt ganz allein in der Welt." , „Wird die Leiche in die Heimat überführt werden?" /Nein. Das Testament ist sofort geöffnet worden, weil' man vermutete, daß dasselbe die Wünsche des Verblichenen in Betreff seiner Bestallung enthalten werde. — Nun, der Onkel hat'esausdrücklich ausgesprochen, daß er. dort beigesetzt werden .möchte,. , wo er sterben sollte." , . Die Stimme -des.jungen Mannes Halle, merklich gezittert, als er des Testamentes, erwähnt hatte, - /voll Teilnahme betrachteten, ihn die andern. „Arnold," sagte Felix, „ich hoffe. Du wirst cs nicht als muffige Neugier betrachtenwenn ich Dich frage, oh das Testament -im Uebrigen Dmnen Erwartungen entspricht?" . .Eine- Blutwelle färbte für einen Moment/ die blässen Wangen des Angeredeten. „Ich kann mich nicht beklagen," murmelte er, - „vor Not'bin ich geschützt:"' „Nur vor Not?" . . / „Der größte Teil der.'Hinterlassenschaft.ist niei-, ner Cousine als Heiratsgut bessimmt, ihre Verlobung hatte in der. vorigen Woche stattfinden sollen." ' „Da ist es leicht erklärlich, daß Dein Onkel ihr den Hauplleil seines Vermögens zugewendet hat," - sagte, Ernst tröstend, „der Mann muß auf eigenen Füßen stehen." \; - : , „Gewiß, gewiß — o, ich gönne es ihr von ganzem Herzen." Aber plötzlich stürzten ihm die Thränen aus den. Augen und laut schluchzendbarg er das Anllitz in den Händen.. - „Arnold, ich bitte Dich um Gotteswillen, fasse Dich!"- „Laß' ihn,'Felix, die Thränen werden . ihm - wohl thun, cs wird ihm leichter werden. — Kommt, setzen wir uns' dort auf die Bank unter der Linde." Sie folgten seiner Aufforderung, ließen sich unter dem schattigen Lindenbaum-nieder undsaßen dort schweigend bis es dem mächtig Erregten gelungen war, die sich wie mit elementarer Gewalt hervordrängen- - den Thränen zu unterdrücke,u Endlich atmete er ttef auf und fuhr sich mit einer gewissen trotzigen Heftigkeit' mit dem Tuche über die. thränenfeuchten Wangen. /Was müßtet Ihr von mir, denken! — o Gott! — o Gott!" „Wer ich bitte Dich, Arnold, es ist ja ganz natürlich, haß es Dich furchtbar aufregt.". (Fortsetzung folgt.) Israelitische Religionsschule. Oeffentliche Schulprüfung. Samstag, den '4. April 1903, 2 Uhr 30 Min. nachmittags, beginnend. Hermesweg 25/27. Sonntag, den 5. April 1903, 10 Uhr vormittags beginnend, Unterlindaü 23. Samstag, den 11. April 1903, 3 Uhr nachmittags beginnend, Hermesweg-25/27. Für den Inseratenteil Wernehmen wir n«r die pretzgesetzliche Verantwortung- “HB bXduuou(j0OQOOOOQOOOQOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO0OOOOO< ÄH« «Juureleti § ~ ..... :Q,; en O von den einfachsten bis zu Q den feinsten. Juwelier 2 Goethestrasse 21 O © oiiuer] w ete. ete. - 0 Verkauf nach Gewicht. Enorme Auswahl © niu Münster a«item. Einzig jüd. Hotel;am Platze.' Streng rituell. Prachtvolle Lage, 28 Zimmer, Bader, ' " r civile Preise. Leih-Anstalt Ifir Restaurateure und Private. Ffir Confirmationen, Hochzeiten und sonstige Festlichkeiten: Tische, Stähle, ganze Gedecke in Nickel/ Britannia und Silber. 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