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Neue jüdische Presse · 1903-02-20 · Heft 16 (20.2.1903) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 16 (20.2.1903)
Date
1903-02-20
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr, 16. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 5. Frau ist ja in Wirklichkeit nicht sehr gut zu Fuß und auch außerdem wäre es mir sehr angenehm, wenn Felix einen munteren Kameraden bei sich hätte. Also —" Ernst war glühend rot geworden, der Gedanke au die Möglichkeit einer Schweizerreise machte sein Herz rascher Pochen. „Daß ich mit Freuden bereit wäre, bedarf wohl nicht erst der Versicherung, aber es kommt selbstverständlich auf meine Eltern an." „Selbstverständlich. Ueberlegen Sie es mit Ihren Eltern und wollen Sie ihnen gefälligst sagen, daß sie/sich um gär nichts zu kümmern brauchten, ich werde für alles sorgen, auch für rituelle Kost." Felix lachte hell auf. „Wie Du an alles denkst, Papa." „Ja, das ist doch notwendig. Wenn dafür nicht gesorgt wäre, könnte Herr Vogel Deinem Freunde nicht gestatten, unsere Einladung anzunehmen, und es. wäre mir so ganz besonders angenehm, wenn ich Dich in so guter Gesellschaft wüßte." „Sie sind sehr freundlich," sagte Ernst, „ich werde gleich nach Hause laufen und meine Eltern fragen." „Ja, das thue," rief Felix, „bitte Deine Eltern auch in meinem Namen, es wäre so wunderschön, wenn Du mitreisen würdest. Hoffentlich werden sie es erlauben. Komme nur gleich wieder und sage uns Antwort." „Wenn meine Eltern es erlauben, komme ich gleich zurück, sonst —" ' „Das sonst wollen wir noch nicht in Betracht ziehen, hoffentlich sind Deine Eltern einverstanden." „Das hoffe ich auch und eile nach Hause." Er griff nach seiner Kappe, grüßte eiligst und rannte davon. Ein so großes Vergnügen ha.te ihm noch nie gewinkt, er konnte es kaum erwarten, mit den Eltern darüber zu sprechen. Felix war zum Fenster getreten und begleitete den Dahinrenncnden bis zur Straßenecke mit seinem Blicke. Jetzt aber mußte er warten, doch nicht allzulange. Kaum eine Viertelstunde war verstrichen, als er die schlanke Gestalt des Freundes wieder um die Ecke biegen sah, schon von der Straße aus winkte er ihm zu mit freudestrahlendem Gesicht. „All right!" rief er hinauf. Gleich darauf trat er in das Zimmer. Felix eilte ihm jubelnd entgegen. „Also Deine Eltern erlauben es?" Ernst nickte 'zustimmend, das Sprechen ward ihm im Augenblick schwer, er war fast atemlos vom raschen Lauf. „Ja," sagte er endlich, „Dir können sie es nicht verweigern, darum haben sie sofort ja gesagt, nur behält sich mein Vater vor. wegen der Verpflegung mit Deinem Papa noch einiges zu besprechen." „Daran wird es nicht hapern, mein Papa wird schon für Alles sorgen." In h'er That ging Kohn auf Alles ein, was Ernst's Vater in Bezug auf die rituelle Verpflegung seines Sohnes für erforderlich erklärte. „Sagen Sie, wie es sein soll und so wird es sein. Sie wissen doch, daß ich selbst in -dieser Beziehung nichts versäumen' möchte." In fröhlichster Stimmung sahen die Knaben der Verwirklichung ihres sehnlichsten Wunsches entgegen und unterhielten sich, wenn sie zusammen waren, von nichts anderem als den ihnen bevorstehenden gemeinsamen Freuden. Am folgenden Sonntag erhielt Felix, wie Ernst vorausgesagt, den Besuch seines ehemaligen Mitschülers Arnold Wiesner. Mit freundlicher Herzlichkeit ging Felix seinem Gaste entgegen. „Das ist schön von Dir, Arnold, daß Du Dich auch einmal sehen lässest." „Ach, ich wäre schon längst gekommen, aber in der ersten Zeit meines Aufenthaltes in E. . war es nicht gut thunlich und dann habe ich zu meinem lebhaften Bedauern erfahren, daß Du krank warst und zwar sehr, sehr lange." „Ja, ich bin lange krank gewesen. Sieht mau es mir nicht mehr an?" „Ein Bischen wohl noch," erwiderte Arnold, den Andern aufmerksam betrachtend, „und dann bist Du während dieser Zeit ungemein gewachsen, dadurch siehst Du wohl auch etwas schmäler aus." „Ich bin laug und dünn wie eine Bohnenstange," entgegnete Felix lachend, „aber Du bist auch gewachsen, Arnold, bist viel größer als Du im Winter warst." „Meinst Du?" „Ganz entschieden. Wie geht es Dir denn in E . . ., bist Tu gern im Seminar?" „Sehr gern," versicherte Arnold, „ich kann es meinem Onkel nicht genug danken, daß er meinen Eintritt in dasselbe veranlaßt hat." „TaS freut mich, daß Du zufrieden bist." „O, ich bin sehr zufrieden, vielleicht auch mit deshalb, weil ich weiß, daß man mit mir zufrieden ist." - „Das ist schön —" „Du machst so'n ungläubiges Gesicht." „Aber Arnold! —" „Ach, ich nehme es Dir nicht übel, ich weiß sehr wohl, daß ich hier in der Handelsschule der Schlechteste in unserer Klasse gewesen bin. Aber inr Seminar, da ist alles ganz anders. In der ersten Zeit hat der Onkel mich privatim vorbereiten lassen, aber seit Ostern nehme ich an dem allgemeinen Unterricht teil und ich koimne sehr gut mit. Ich sehe es mehr und mehr ein, daß der Onkel recht hat, bei allem Unglück, das mich getroffen hat, ist es doch ein nicht zu unterschätzendes Glück für mich, daß ich der materialistischen Richtung der Handelsschule entzogen worden bin, deren Besuch für mich nicht den geringsten Vorteil gehabt hätte, denn ich hätte meinen Berits dadurch vollständig verfehlt, ich wäre nie ein tüchtiger Geschäftsmann geworden, nun aber hoffe ich mit Zuversicht, ein tüchtiger Priester zu werden, ein Gärtner in dem Weinberge des Herrn," fügte er lächelnd hinzu. > Auch Felix lächelte. „Es scheint. Du verstehst schon etwas davon. Aber sieh, da kommt ja Ernst. Grüß Dich Gott Ernst! aber wo bleibst Du denn heute so lange? ich habe schon geglaubt, daß Du an mich vergessen hättest." „Aber ich konnte doch nicht früher kommen," entgegnete Ernst, indeni er den beiden andern die Hand reichte, „Du weißt es doch, am Sonntag habe ich um diese Zeit immer Stunde bei Herrn Doktor Levi." „Ja, ja, ich erinnere mich, Talmudstunde. Aber jetzt erst fällt mir's ein. Ihr Zwei seid ja künftige Kollegen, denn Du Ernst willst doch auch Priester iverden." „Ich wollte Priester werdeir? was fällt Dir ein! Rabbiner will ich werden." „Na, das meine ich doch. Du wirst jüdischer Priester und "Arnold wird katholischer Priester. Hilf Himmel! mir wird ganz schwarz vor den Augen vor lauter Pfaffen." „Du russt den Himmel um Hilfe an und lästerst seine Diener," scherzte Arnold. „Wirklich? die Pfaffen sind des Hiinmels Diener? bas habe ich nicht einmal gewußt. Aber —", er stellte sich zwischen beide und deklamierte mit mutwilligem Pathos: „Prophete rechts, Prophete links, das Weltkind in der Mitte" und dann lachte er laut auf, auch die beiden anderen lächelten. „Aber Unrecht hast Tn doch," sagte Ernst, „der Rabbiner ist nicht Priester, sondern Lehrer, Wächter des Religionsgesetzes. Jüdischer Priester kann man nicht werden, als jüdischer Priester wird man geboren." (Fortsetzung folgt.) Woche»-Kalender. Sabbath-Anfang: 5 Uhr 25 Minuten. Sabbath-Ausgang: 6 Uhr 40 Minuten. Für den Inseratenteil übernehmen wir nur die pretzgrsetzliche Verantwortung. ssosssssssssssssssoososossosssoossssssssssssossss § alle taumelet» § PAUL TÜBBEN t Silberne Besteeke O Bijouterien 8 von den einfachsten bis zu Q den feinsten. Juwelier 2 Goethestrasse 2. ete. ete. Q Verkauf nach Gewicht. Enorme Auswahl. I00©0©©©©0©0©0000000©©©(g Wllftelitl £eftrt Möbelfabrik und Säger S Gr. Hirschgraben 10, 12, 14. 0 Spezialität: Compl. 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