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Neue jüdische Presse · 1903-01-09 · Heft 10 (9.1.1903) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 10 (9.1.1903)
Date
1903-01-09
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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v' X M. 10. Frankfurter Israelitisches Familienblait. Seite 5. „Ich auch nicht —" sagte Arnold schwer seufzend. „Aber das macht nichts — der Onkel sagte, das würde schon später kommen — jedenfalls ist doch so wenigstens vorläufig am besten für mich gesorgt." „Das mag sein, aber es scheint mir ensetzlich, Du bist noch nicht siebzehn Jahre alt und solltest schon über Deine ganze Zukunft verfügen —" „Ich verfüge doch noch nicht über meine Zukunft, ich nehme doch noch nicht die Weihen." „Du bereitest Dich aber doch darauf vor." „Allerdings." „Mir würde das entsetzlich erscheinen." „Zwischen Dir und mir ist auch ein großer Unterschied. Dir steht die ganze Welt offen — mir erscheint das Kloster der einzige Zufluchtsort." „Das Kloster? — Entsetzlich! —" „Oder, wer weiß?—vielleicht werde ich Missionär—" „Das würde mir schon eher Zusagen. Der Missionär bleibt wenigstens nicht innerhalb der Klostermauern." „Freilich nicht. Und bedenke nur, die hohe Aufgabe, die Heiden zu bekehren." „Wenn sie recht weit iveg wohnen und es allerlei Abenteuer dabei gäbe, das könnte wohl ganz interessant sein, aber sonst —" „Ach, Felix, sprich nicht so, das ist ja doch nicht Dein Ernst." „Ich versichere Dich, es ist mein voller Emst, und ich glaube, wenn Du erst ruhiger geworden sein wirst, wirst Du darüber genau so denken wie ich." Amold schüttelte trübe den Kopf und die Unterhaltung ging auf ein anderes Thema über. (Fortsetzung folgt.) Bücherschan. Jüdischer Volkskalender 5663. 1. Jahrgang. Eigentum und Verlag: „Jüdische Bolksstimme", Brünn. Elegant ausgestattet, bietet uns der vorliegende Kalender für den niinimalen Preis von 50 Pfg. einen reichen Inhalt. Von vielem angenehm berührt, stößt uns wieder anderes ab. Während wir z. B. eine ausgezeichnete jüdische Figur in Zlocisti's „Bonze hat geschwiegen" vor Augen geführt bekommen, verletzt uns der Grundgedanke von Rothblum's „Der Indian" unwillkürlich. Nein gottlob so weit ist's mit unseren östlichen Brüdern doch noch nicht gekommen, daß sie nicht freudig auf einen noch so teuer erkauften, Leckerbissen verzichten, wenn ihn die Thora verbietet. Geradezu musterhaft ist Zangwills Schilderung eines nach Amerika gezogenen polnischen Juden, der zugleich dem Judentuni und seiner lange auf ihn harrenden Braut untreu wird. Die amie Beile. . . . Doch wir wollen nicht mehr verraten. Wer neugierig ist, kaufe den auch mit vielen interessanten Illustrationen versehenen, sehr preiswerten Kalender. E. Eingesandt. Wohllöbliche Redaktion! Die Shnipathien, die Sie der zionistischen Bewegung stets entgegenbringen, gewähren mir die Sicherheit, daß Sie folgenden Zeilen in Ihrer werten Zeitschrift Raum gewähren werden. In Ihrem Berichte über die Makkabäerfeier der jüdisch-nationalen Frauenvereinigung findet sich ein Passus, der zu der irrigen Auffassung führen könnte, als wollte der Festredner die nationale Idee als Ersatz für die praktische Ausübung der religiösen Vorschriften, namentlich aber für die Befolgung des Sabbathgesetzes hinstellen. Allein wer der regen Thätigkeit der Zionisten innerhalb des Gemeindelebens auf dem gesamten Erdboden nur einige Aufmerksamkeit schenkt, weiß, welche eifrige Vorkämpfer das konservative Judentum überhaupt und der Sabbath, als deffen moralisches Zement, ganz besonders in den Zionisten hat. Ich erinnere nur. an den vorjährigen Kampf in der Berliner Gemeinde anläßlich der Repräsentantenwahlcn, wo die Zionisten in mehreren großen Volksversammlungen gegen die Verlegung des Sabbaths und die Ersetzung der hebräischen Gebete durch deutsche mit Eifer und Erolg Front machten und nicht wenig zu dem glänzenden Siege der konservativen Kandidaten und der völligen Niederlage der liberalen beitrugen; ich erinnere femer an die Kölner Orgelepopäe vom vorigen Jahre, wo die Zionisten, mit Bankdirektor Wolfsohn an der Spitze, der sinnlosen und erniedrigenden Nachäffung ftemder Gebräuche und Einrichtungen erfolgreich entgegentraten und die Wut der liberal sich nennenden orgelschwärmerischen Kreise so sehr gegen sich heraufbeschivoren. daß diese im Kultusvorstand den wenig liberalen Beschluß durchsetzten. den ausländischen Juden, in deren Mitte der Zionismus bekanntlich seine eifrigsten Anhänger hat, das Wahl- und Stimmrecht in Gemeindeangelegenheiten zu entziehen. Als vor kurzenr in England die neue christelnde Reformpartei unter Claude Montefiore's Führung — genannt »religiöse (?) Union" — von den Kanzeln der Synagogen ihre Lehren zu verbreiten sich anmaßte, war der Zionist James Löwe, Sekretär der jüdischen Kolonialbank, der erste, der gegen das Gebühren dieser neuen Assimilationsprediger energisch protestierte und erst durch Lowe's mannhafles Auftreten sah sich auch der Oberrabbiner von England veranlaßt, gegen den Assimilationsschwindel Stellung zu nehmen. Solche Beispiele könnte ich zu Dutzenden anführen; — aber auch die angeführten genügen schon, uni zu beweisen, daß es einem eiftigen und zielbewußten Zionisten, wie es Herr I. Simon-Mannheim ist, fern gelegen haben niuß, die Bedeutung des Sabbaths irgendwie herabsetzen zu wollen. Vielmehr wollte der Redner nur in der geschichtlichen Thatsache, daß die Makkabäer den Kampf am Sabbath gestattet haben, einen Beleg für seine Behauptung sehen,, daß die gesetzestreuen Gegner des Zionismus im Unrechte seien, wenn sie als Grund für ihr ablehnendes Verhalten gegen den Zionismus angeben, niit fteireligiösen Leuten nicht Hand in Hand gehen zu dürfen. Wenn es in Füllen, wo es gilt, das Judentuni von einer Gefahr zu retten, erlaubt ist. selbst den Sabbath zu entweihen, um wieviel eher,, meinte der Redner, dürfte es in gegenwärtiger Zeit, wo dem Judentuni mehr als eine Gefahr droht, gestattet sein, die Mitarbeit von »Sabbathentweihern" an dem großen Befteiiings- und Rettungs- Iverkc des jüdischen Volkes anzunehinen. — Wie man darin eine Herabsetzung des Sabbathgedankens erblicken kann, vermag ich nicht einzusehen. Daß Ihr Berichterstatter den bedauerlichen Vorfall von der dritten Numiner des Programms, für den er übrigens selbst den wahren Enftchuldigungsgrund anzufahren wußte, in die Oeffentlichkeit brachte, kann nur lebhaft bedauert werden. Gerade zu einem Zeitpunkt wie der jetzige, wo die gesetzestteuen Zionisten überall eifrig an der Arbeit sind, ihre Scharen zu sammeln und zu organisieren, um dem Einfluß einiger freisinniger Hitzköpfe Einhalt zu gebieten und das gesetzestteue Judentum innerhalb der zionistischen Organisation zur höchsten Bedeutung zu bringen, (ich erinnere nur an die imposante Thätigkeit des russischen »Misrachi." — dies der Namen der orthodoxen Partei im Zionismus — in der letzten Zeit und an die Neugründung des englischen Misrachi) sollte eine Zeitung, welche berufen ist, die Interessen des religiösen und nationalen Judentums zu wahren, es vermeiden, einen Vorfall breit zu treten, an dem doch nieniand schuld ist und der nur geeignet ist, in religiösen Kreisen Verstimmung und Feindseligkeit gegen den Zionismus hervorzurufen. Wenn auch ein gesetzestreuer Jude über sich schon bringen kann müßig zuzusehen, wie seine Brüder im doppelten Kampfe — um die Befteiung und Wiedergeburt ihres Volkes und um die Geltendmachung ihrer religiösen Anschauungen — heiß ringen, so sollte er sich doch wenigstens hüten, d i e Verantwortlichkeit auf sich zu laden, den wackern Känipfern in den Weg zu treten und ihnen ihre ohnehin nicht leichte Arbeit noch mehr zu erschweren. Mit vorzüglicher Hochachtung Haas pro multis.. Bei aller Loyalität und bei der objektivesten Würdigung andersartiger Anschauungen ist es dennoch unserere heilige Pflicht, offen zu sprechen, falls wir irgendwo — sei es mit Absicht oder aus Unkenntnis — das jüdische Gesetz verletzt glauben. Es ist uns angenehm, zu hören, daß wir Herrn Julius Simon falsch aufgesaßt haben. Wir wünschen aus ganzem Herzen, daß sich die zionistische Partei immer mehr zu einer »echt jüdischen" entwickelt. Unser Judentum ist eineWeltanschauung, die von einem Volke durch die Zeiten getragen wird; je mehr das die Zionisten — wir haben hier besonders die Herren Akademiker im Auge — in seiner ganzen Tiefe begreifen, je mehr sie es mit Energie in That und Wort zum Ausdruck bringen, desto mehr dürfen sie darauf rechnen, auch die noch abseits stehenden religiösen Kreise für die zionistische Sache zu interessieren. Griechische Denkungsart hatte zu der Makkabäer Zeiten unsere Nation an den Rand des Verderbens gebracht; und auch heute stehen wir aus denselben Ursachen wieder vor einem Abgrund: Atheisten, Materialisten, Kantianer, Hegelianer u. s. w. u. s. w. Alles findet nran in buntem Durcheinander unter uns, nichts fehlt bis auf .jüdisch" denkende Juden. (Anmerkung der Redattion). Aus der Geschäftswelt. Frankfurt a. M. Dem kaiserlichen und königlichen Hofpianofabrikanten C. Mand in Coblenz (hiesiger Vertteter HerrAdolf Boges, Taunusstraße), welcher bekanntlich in Düsseldorf die höchste Auszeichnung — die goldene Ausstellungs - Medaille — erhalten hatte, ist aus gleichem Anlässe vom Minister für Handel und Gewerbe, Excellenz Möller, die Staats medaille in Silber mit der Inschrift: »Für gewerbliche Leisttingen" verliehen worden. Sie ist demselben durch den Bürgermeister Artniann int Aufttage des Regierungs-Präsidenten Freiherr von Hövel in feierlicher Weise persönlich überbracht worden. Wochen-Kalender. Sabbath-Anfang: 4 Uhr 5 Minuten. Sabbath-Ausgang: 5 Uhr 35 Minuten. Wilhelm Glücklich 6egr- Schillerstrasse 4,1. | Gegr> jj > 1879. j Frankfurt a. JM. 1 1879. |j Immobilien, Hypotheken» Für den Inseratenteil übernehmen wir nur die pretzgesetzliche Verantwortung. Institut Büchler. Au«;. Ferd. Uolftinanii Neue Zeil 25 empfiehlt sich Neue Zeil 25 in Anfertigung von jfruquets, Kränzen und Korben. 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