Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 9 (30.12.1902)
- Date
- 1902-12-30
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 6. Frankfurter Israelitisches Familienblattt. Nr. 9. „Hast du denn geglaubt, dah ich dir zürnen würde?" „Allerdings. Mama hat gestern gesagt, daß mein Verkehr mit Wiesner Dir gegenwärtig vermutlich nicht recht sein würde." „Aha, darum bist du gleich von der Schule aus zu ihm gelaufen, damit ich's nicht verbieten konnte." „Er ist so ganz allein, Papa, keiner von seinen bisherigen Freunden hat in dieser Woche auch nur ein Wort mit ihm gesprochen — er hat mir zu leid gethan, er war ja ganz verzweifelt." — Der Vater drohte ihm lächelnd mit dem Finger. „Du bist ein keckes Bürschchen, kümmerst Dich nicht um die ganze Welt, glaubtest Dich sogar im Gegensatz zu Deinem Vater. Nun, in dieser Beziehung warst Du im Irrtum. Aber Mama hat doch recht gehabt- Gestern hätte ich Deinen Verkehr mit Wiesner nicht gut geheißen, heute aber liegt die Sache anders." „Was hat sich in dieser Sache geändert?" fragte seine Frau. „Nun, weißt Du's denn nicht? Der Tod oder vielmehr der Selbstmord der Frau." „Und deshalb?" — „Allerdings, deshalb. Gestern hat man allgemein der Frau Schuld gegeben. Weil er ein sog. Pantoffelheld war. hat man gesagt, sie hätte ihn zum Defraudanten gemacht. Heute sieht jeder ein, daß man der Frau unrecht gethan, daß sie auf Ehre gehalten hat, denn sie hat die Schande nicht überleben wollen. Jetzt ist alle Welt auf ihrer Seite, sie wird ein großartiges Begräbnis haben." Frau Kohn fühlte sich durch diese Auseinandersetzung keineswegs befriedigt, aber sie liebte die Controversen mit dem Gatten - nicht, deshalb schwieg sie. Felix aber sagte: „Da du meinen Verkehr mit Wiesner billigst,. wäre es da nicht das Beste, wenn ich jetzt gleich wieder zu ihm gehen würde?" „Aber die Schule?" „Wenn Du mir morgen eine Entschuldigung schreiben würdest, daß ich wegen einer sehr dringenden Angelegenheit verhindert war heutedie Schule zu besuchen, so ist alles in Ordnung.". „Das ist richtig. Und eine dringendere Angelegenheit kann es wohl kaum geben. Denn, wenn Du auch dem Mädchen gesagt hast, daß sie ihn nicht außer Augen lasten dürfe, so kann man ja doch nicht wissen" — „Also gehe ich sofort wieder zu ihm," sagte Felix rasch aufstehend. „Aber so iß doch erst fertig." „Ich bin schon fertig." Der Gedanke, daß das Mädchen den unglücklichen Knaben vielleicht nicht genügend beaufsichtigen könne, ließ ihm keine Ruhe. , „Also ich gehe. — Aber wenn er mich vielleicht ersuchen würde, über Nacht bei ihm zu bleiben?" "7 „So brauchst Du uns nur durch einige Zeilen davon zu benachrichtigen," erwiderte-der Vater. „Dank Dir, lieber Papa und Adieu!" Er reichte ihm die Hand, und umarmte seine Mutter. „Adieu, liebe Mama." Fort rannte er, die Eltern blickten ihm lächelnd nach. (Fortsetzung folgt). Voranzeigen. Vereinigung zur Pflege jüdischer Lebensanschauung. Donnerstag, den 1. Januar, abends 8»/« Uhr im Saale der „Loge zum Adler", Seilerstraße 22: Vortragdes. Herrn Rabbiner vr. Biumgrund, Karlsruhe. Gäste willkommen. Wilhelm Glücklich Gegr Scliillerstrasse 4,1. Gegr< 1879. Frankfurt a. 91. 1879. Immobilien, Hypotheken. 0:0:010 OIOIOIOIOIOIOIOIOIOIOIO Älle «Juwelen 0 und Q O IBijouterien O von den einfachsten bis zu @ 0 den feinsten. © Juwelier 2 Goethesträsse 2. o Silberne ßesteeke O ete. etc. o 0 Verkauf nach Gewicht. O Enorme Auswahl. © -ii »uw m um Zentral - Organ der zionistischen Bewegung. — Erscheint, jeden Freitag — Redaktion und Administration: — Wien IX, Türken-Strasse No. 9. — Win Veit“ ist das offizielle Organ für n alle Mitteilung. d. Aktionskomitees der' Jüdischen Kolonialbank, der Nationalfond-fiommission, des Kongress-Bureaus. hiß Welt“ hezw. das .Abonnement ** * derselben ist zufolge Kongressbeschlusses für alle zionistischen Vereine obligatorisch. * ist daher auch in allen fünf Weltteilen verbreitet, wird von Hunderttausenden gelesen. Vom Januar 1903 ab .erscheint „Die Welt“ in erweitertem Umfange und wird eine besondere Beilage „Für die jüdische Familie“ enthalten, in welcher gediegene belletristische Beiträge erster Autoren veröffentlicht werden. An Illustrationen wird der nächste Jahrgang ausgezeichnete Reproduktionen jüdischer Kunstwerke und bildliche Darstellungen aktuellen Charakters in grosserer Anzahl bringen. •' gehört daher mit zu den best. Insertionsorganen. Anzeigen in derselben .sind billig und haben den besten Erfolg. Ibonnemenis z ganzjährlich: K. 12, M. 13.70, Rb. 7.—, Frc. 17.—, sb. 14, halbjährlich: die Hälfte. Inserate: für die 45 mm breite Millimeterzeile lOh. bei Wiederholungen steigender Rabatt. „Sie Welt* Wilh. M. Mayer Oederweg I9. Grosses - Pianofortelager. Neue Pianinos von Mk. 450 an. Vertretung der Blüthner Pianos. Vertretung des PJANOLÄS, welches Jedem ermöglicht, ohne Vorkenntnisse künstlerisch Clavier zu spielen. Grillpfanne zum Braten ohne Fett, von M. 3.75 an. 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