Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 8 (19.12.1902)
- Date
- 1902-12-19
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 3. Die Mutter lächelte: „Glaubst du, mein Kind. Frauen hätten nicht auch einen schweren, segenbringenden Beruf zu erfüllen? Ist es denn geringer, das Gute thun in engem Kreise, sein Augenmerk auf das Kleine zu richten, auf solchem Felde zu säen und zu ernten,'als in der großen Welt Gutes zu erstreben und zu wirken, als in ferner liegendem Kreise zum Segen zu werden und Segen zu verbreiten? Viele Männer verstehen oft gar nicht, im Kleinen sich nützlich zu machen, sie achten es oft als «Kleinigkeiten ihrer unwert" sich damit abzugeben, ihr Blick umfaßt nur das Weite, und doch ist oft eben dies Naheliegende wichtiger, bedeutender, denn aus dem Kleinen entsteht meistens das Große: wie es z. B. die Kindererziehung zeigt. Dieser hohe, herrliche Beruf obliegt hauptsächlich der Frau; sie ist es, die das weiche Kinderherz lehrt, den Weg zum Guten zu erkenen; sie ist es, die das leicht empfänglicbe Kindergemüt anhält, den rechten Pfad zu wandeln. Sie bildet Herz und Gemüt der Kinder, der Gatte veredelt Geist und Charakter. Dies ist der hohe, verantwortungsreiche Beruf der Frau- — Genau so verhält es sich mit den Gesetzen- Wohl giebt es Gebote, und zwar hohe und wichtige, deren Erfüllung > en Frauen versagt ist: vor allen Dingen eben das Gebot des „Lernens". Doch sind uns dafür andere, von nicht geringerer Bedeutung, als „Mizwah" aufgetragen; z. B. das Kaschruth im Hause zu wahren- Die Frau soll ihrem Manne das Leben so gestalten, daß es ihm möglich ist, nachdem er seinem Berufe nachgegangen, täglich mindestens ein paar Stunden zu „lernen". Dies wäre aber nicht möglich, wollte die Frau gleichfalls dem Studium der mündliche» Lehre obliegen." Als dann der Vater mit den Geschwistern von „Schul" nach Hause kam. und ihr Zwillingsbruder mit wichtiger Miene auf die Chanukahllchter deutete, die er entzündet, da flüsterte sie ihm errötend zu: „Zünde du nur deine Lichter an, du bist doch nicht mehr als ich!" Drauf sang sie fröhlich „Moaus Zur". (Nachdruck verboten). Aus unsern Tagen von Friedrich Rott. (Fortsetzung) „Aber ich bitte Dich, Mama, wenn Du so begeistert von dem jüdischen Firlefanz bist, warum lebst Du denn nicht danach?" „Diese Frage hättest Du Dir auch selbst beantworten können. — Aber vor allem, Felix, es ist nicht schön von Dir, etwas als Firlefanz zu bezeichnen, was ich. wenn ich es auch nicht halte, doch hoch schätze." „Verzeihe, liebe Mama, das Wort ist mir nur so aus dem Munde gesprungen. Aber im Ernst, warum hälft Du die altjüdischen Gebräuche nicht, da sie Dir doch so gut gefallen." „Würde denn der Papa zugeben, daß ich sie halte?" „Meinst Du nicht?" „Nein, gewiß nicht. Ich habe sogar im Anfang mit Papa darüber gesprochen, aber er wollte nichts davon hören, hatte im Grunde auch recht. Nach dem Tode meiner Eltern war ich in ein christliches Pensionat gekommen, wo nur insofern Rücksicht darauf genommen wurde, daß ich Jüdin bin, als ich nicht gezwungen wurde, an dem Religionsunterricht Teil zu nehmen, der dort erteilt wird. Daß ich auch in meiner Religion unterrichtet werden müsse, ist niemandem eingefallen. Was ich daher überhaupt von Religion weiß, stammt aus meinen frühesten Kinderjahren, ist daher selbstverständlich sehr wenig, aber es hat doch genügt, mich von manchen Ausfchreitllngenzurückzuhalten und mir Hochachtung einzuflößen für den Glauben meiner Väter, für den - so viele unserer Ahnen gekämpft und gelitten. Nun kennst Du so ziemlich genau den Grund meines Enlsetzens, als ich Dich die Absicht äußern hörte, leichtfertig zu verschleudern, was meinen Eltern als Höchstes galt." „Daran werde ich nie wieder denken. Aber Du wolltest mir doch noch mehr erzählen." „Was ich Dir erzählen kann, find ja eigentlich doch nur Aeußerlichkeiten, denn ich kann Dir die Lust nicht schildern, die wie der Gottesodem das Haus meiner Eltern durchdrang. Ich bin nämlich nahezu überzeugt, daß alle die so seltsam erscheinenden Observanzen einen tiefen Sinn haben, daß sie Symbole von etwas Höherem, mir jedoch Unbekanntem sind, sonst könnte ich mir das geradezu glückstrahlende Angesicht meines Vaters beim Ueben so mancher Gebräuche nicht erklären. Aber sieh zu. daß Vogels Dich zu den ersten beiden Abenden des Passahfestes einladen, da wirst Du wahre Poesie kennen lernen." „Wirklich? Poesie beim Spezereihändler Vogel?" „Poesie beim Spezereihändler Vogel. Befolge meinen Rat. lasse Dich von ihnen zum Passahfest einladen." „Das wird nicht allzu schwer halten, die guten Leute möchten mich mit Aufmerksamkeiten überhäufen." „Das kann ich mir denken, sie werden es Dir sogar Dank wissen, wenn Du ihnen Gelegenheit giebst, Dir eine Freundlichkeit zu erweisen." „Na, wollen mal sehen. Aber jetzt ist es Zeit, daß ich mich an meine Schulaufgaben mache. Guten Abend, liebe Mama!" * * * Der mit seinem ehemaligen Widersacher und uunmehrigen Freunde entsprechenden Verabredung gemäß befand sich Felix am anderen Morgen eine halbe Stunde vor Beginn des Unterrichts im Schullokal, doch Arnold Wiesner war noch nicht zur Stelle. Unmutig murrte er über den anscheinend Lässigen und bereuete es beinahe, demselben solch freundschaftliches Entgegenkommen gezeigt zu haben. Nach und nach kamen auch die andern Schüler und je mehr kamen, desto öfter hörte er den Namen des Betreffenden bald in mitleidig bedauernden! bald in höhnendem Ton aussprechen. „Aber was ist's denn mit dem Arnold Wiesner?" fragte er endlich einen in seiner Nähe sitzenden Knaben. „Weist Du's denn nicht? Die ganze Stadt spricht doch davon, seine Mutter ist in der vergangenen Nacht gestorben." „Entsetzlich! — Der arme Wiesner!" — „Ja, wenn es nur das wäre,, dann wäre er doch auch schon zu bedauern." „Aber, was ist denn noch geschehen? so sprich doch!" „Merkwürdig, daß Du von nichts weißt! — Es heißt nämlich, daß sie nicht so einfach gestorben ist. sondern daß sie sich selbst umgebracht hätte. Die Einen sagen, sie hätte sich erschossen und die Andern behaupten, sie hätte sich aufgehenkt." — Die Unterhaltung wurde unterbrochen, der Professor war in das Zimmer getreten und der Unterricht begann. (Fortsetzung folgt). Eingesandt mit einem humoristischen Briefe der liebenswürdigen Verfasserin, in welchem uns dieselbe mitteilt, nachstehenoer poetischer Erguß sei in einer Nacht entstanden, in welcher die Lorbeer» von Frau 9). in No. 4 sie nicht hätten schlafen lassen. Küchenwinke sind bequem Und den Hausfrau'n angenehm. Und wenn ich auch nicht will sagen. Daß die Lieb' geht durch den Magen, Schmunzett doch ein jeder Mann, Sieht die Gattin liebreich an. Wenn es an das Essen geht Und vor ihm dann plötzlich steht Seine Leibspeis', ei, der Staat! Zubereitet delikat. Höret. Schwestern, was dem meinen Als Ambrosia will scheinen: Nimm von zwei Pfund einen Hecht — Zwei ein halb ist mich noch recht — Der wird sauber nun gemacht. Bleibt im Salze über Nacht. Und des Morgens in der Früh' Kocht man eine leichte Brüh' Nun mit Wasser, Pfeffer, Zwiebel, Wurzelzeug schmeckr auch nicht übel« Und ein Stückchen „Laureol"*) Thut dem Magen auch ganz wohl. Und wenn alles schäumt und zischt Und sich innig hat vermischt, Naht der groge Augenblick, Wo den Hecht man Stück um Stück Ohne jegliches Bedenken In die Fluten darf versenken. Und damit sie nicht zerfallen, Rat ich meinen Schwestern allen Zum Sch uß Essig, nicht 'mal groß. Und die Sach' wird tadellos. Dies nach Busch der erste Stteich, Doch der zweite folgt sogleich. Haben ein geraumes Weilchen Nun gekocht des Fisches Teilchen, Legt man sie auf eine Platte, Die bereit gestellt man hatte. Und die Brühe, die noch blieb. Gießt man durch ein feines Sieb, Holet flugs der Dottern zwei Aus dem Speiseschrank herbei. Diesen glatt mit Mehl verrührt. Wird die Brühe zugeführt. Abgekühlt, und einen Hauch Zucker spüren darf man auch. Auf dem Feuer dick geschlagen So erfreut sie Herz und Magen; Und servieret mit dem Fisch Ziert sie jeden Göttertisch, Ob warm gegessen oder kalt. Ich glaub' der Hecht schmeckt jung und alt. ♦*) General-Depot für Deutschland M. M. Rapp, Frankfurt a. M. _ Der Setzer. Unser Preis-Ansschreibe». Auf unser Ausschreiben für Schüler und Schülerinnen liefen zu unserer Freude trotz der kurzen Zeit von 10 Tagen eine Anzahl Arbetten ein, die alle von der Begabung und den Kenntnissen der jugendlichen Schriftsteller ein günsttges Zeugnis oblegen. Frau vr. Guggenheimer 1 Herr Rektor Falk j Frankfurta.M. Herr Oberlehrer Wehl > hatten die Liebenswürdigkeit, die eingegangenen Arbeiten zu prüfen und zu beurteilen. Eines Honorares von Mk. 30.— wurde keine der Arbeiten für würdig befunden, dagegen die Arbeiten der nachfolgenden Schülerinnen als aufnahmefähig (Honorar je Mt. 10.—): Johanna Breuer, Schülerin der II. Klaffe der höheren Töchterschule der Israel. Religions- Gesellschaft, Frankfurt a. M. Sara Meyer, Schülerin derII. Klasse desvr.Heinemann'schen Instituts, Frankfurt a. M. E. M., Schülerin der Selekta der höheren Töchterschule der Israel. Religionsgesellschast, Frank- ' furt a. M. - Eine ganz vorzügliche Arbett lieferte: Julius Sonn, Gelnhausen, Obertertianer im Gymnasium zu Büdingen. Wir mußten leider feine Arbeit deshalb zurücklegen, weil sie insofern unserem Ausschreiben nicht entsprach, als das Motiv derselben kein „jüdisches" war. Auch die Leisttmgen von : Otto Max Hainebach, Schüler der VI. Klasse des Philanttopin find rühmend zu erwähnen. Redaktion des Frankfurter Israel. Familieublattes. OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOQOQQQQQGN | *11. ®-elen 1 PAUL TÜBBEN 8 Silberne Besteeke 8 ®ij°“tLef1®n © Juwelier © Verkauf nach Gewicht. von den einfachsten bis zu q den feinsten. q OOOOOOOOOOOOOOOOOOOO00OO 2 Goethestrasse 2. Enorme Auswahl. O o O OIO o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o