Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 6 (5.12.1902)
- Date
- 1902-12-05
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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feite 4. haben aber noch nie darüber gesprochen, daher Lmnte ich nicht wissen, daß Du so großen Wert auf unser Judentum legst. Emst Vogel hat es mir freilich im Voraus gesagt. —" „Emst Vogel ist ein braver Knabe, verkehre nur wieder fleißig mit ihm". „Das beabsichtige ich auch. Ernst ist sehr gescheidt und weiß sehr viel. Er ist mir lieber ÄS alle meine Mitschüler. — Aber liebe Mama, wenn ich wüßte, daß es Dich nicht aufregt, möchte ich noch etwas, über die, erwähnte Sache mit Dir sprechen." »Da ich Dein Wort habe, daß Du Dich nie taufen lassen wirst, regt mich die Unterhaltung darüber weiter nicht auf. Also sprich —" „Ich habe Dir doch von Ernst's kleiner Schwester erzählt, die so allerliebst zu schwatzen verficht —" „Nun? — was ist's mit der?" „Sie hat mich gefragt, ob ich kein Jude wäre, ich wäre wohl so wie die Sabbathfrau. Da ist es mir erst eingefallen, daß wir doch eigentlich gar nicht wie Juden leben, alle diese allen Gebräuche, auf die Vogels so großen Wert legen, um die kümmem wir uns doch nicht —" Frau Kohn atmete tief aus. „In meinem elterlichen Hause find sie alle gehalten worden." „Wer wir halten fie doch nicht, wir leben Loch ganz wie die Christen — und dennoch wäre eS Dir fo entsetzlich wenn ich —" „Sprich es nicht aus," rief sie abwehrend, „ich kann es nicht hören." „Sei doch unbesorgt, liebe Mama. Du hast nach dieser Richtung hin nichts von mir zu fürchten. Ich habe es Dir versprochen, und wenn Du willst, schwöre ich es Dir." „Gieb mir die Hand daraus." „Hier hast Du meine Hand darauf, daß ich unter keinem Verhältnisse, daß ich nie und nimmer aus dem Judentum . austreten werde. Bist Du nun mhig?" „Ganz ruhig, liebes Kind." „Wer nun. bitte liebe Mama. sage mir. weshalb wäre Dir das eigentlich so entsetzlich?" Sie siihr sich mü der Hand gegen die Stirn, während ihr vorhin so bleiches Angesicht sich mit leiser Röche überzog. „Weshalb mir das so entsetzlich toäre? — Siehe, wenn ein Kind jüdischer Ellern seiner Religion untreu wird und sich taufen läßt, dann zerreißen die Eltern ihr Obergewand, als ob Las Kind ihnen durch den Tod entrissen wäre und fie sitzen sieben Tage trauernd auf der Erde." Frankfurter Israelitisches Familienblatt. „Nun ja, das ist auch so ein alter abergläubiger Gebrauch." „Ein alter Gebrauch ist es allerdings — ob ein abergläubiger?" — „Mama, ich bitte Dich!" — „Um was, liebes Kind?" „Um Aufklärung." „Um Aufklärung" — Sie drückte die Hand gegen die Stirn und atmete tief auf. „Ich habe Dein Wort, daß Du nie" — „Du hast mein Wort, Mama, daß ich nie aus der Dir so teuren Religionsverbindung austreten werde. Und daß ich mein Wort halten werde, davon bist Du hoffentlich überzeugt." „Davon bin ich fest überzeugt und darum will ich Dir offen gestehen, daß es mir nicht so ganz leicht ist. Dir die Aufklärung, die Du verlangst zu geben." „Wie? Du kannst mir nicht sagen, weshalb es Dir so entsetzlich wäre, wenn ich" — „Nun ja, Du hättest Dir das eigentlich selbst sagen können. Wir Juden sind doch in der Minorität, werden ohne jeden Grund von allen. Seiten beschimpft, gelästert, und wenn möglich in unserm Erwerb beeinträchtigt. Erscheint es Dir da nicht feige, diese Minorität durch Deinen Austritt noch zu verringern? und zu der Majorität überzutreten, aus keinem anderen Grunde, als weil dieselbe diejenigen, die ihr nie etwas zu Leide gethan haben, verfolgt und bedrückt? Findest Du von diesem Gesichtspuntt ans den Uebertritt zu der herrschenden Religion dem Charakter eines Mannes von Ehre entsprechend?" Felix war glühend roth geworden.' „Ich danke Dir, liebe Mama, Du hast mir die Augen geöffnet. Jetzt werde ich nicht nur um Deinetwillen, sondern ebenso sehr um meiner selbst willen nie wieder an den Uebertritt denken." „Das wußte ich ja, mein hochsinniger Knabe ist einer solchen Gemeinheit nicht fähig." „Gewiß nicht. Aber, verzeihe wenn ich Dich dränge, wenn Du nicht willst, brauchst Du mir doch nicht zu antworten. — Es scheint mir nämlich, als ob das, was Du mir jetzt gesagt, nicht der einzige Grund ist. weshalb Du ineinen Uebertritt verdammen würdest — möchtest Du mir nicht auch den anderen Grund mittheilen?" Sie wechselte die Farbe. „Du hast ganz recht, liebes Kind, was ich Dir gesagt habe, ist nicht der einzige Grund, ist nicht einmal der Hauptgrund" — „Und wolltest Du mir den Hauptgrund nicht auch mittheilen?" Nr. 6. „Wenn Du cs wünschest, gewiß. Nur wird mir das nicht so ganz leicht,.es ist das, ich möchte sagen, mehr Herzenssache. — Ich glaube Dir schon einmal erzählt zu haben, daß in meinem elterlichen Hause die religiösen Observanzen mit derselben Strenge beobachtet worden sind, wie z. B. bei Vogels." „Jawohl, das hast Du mir doch vorhin gesagt." - (Fortsetzung folgt). Voranzeigen. ~ Verein „Tiferes Bachurim". Sonntag, den 7. ds., abends 8*/* Uhr, rat Bereinslokale, Hermesweg 25/27 (Religionsschule): Bortrag. Gäste willkommen. Verein Montefiore. Mittwoch, den 10. Dez., abends 9 Uhr, im Saale der „Suvpenanstalt", Theobaldstraße: Vortrag. Gäste willkommen. Vereinigung zur Pflege jüdischer Lebensanschauung. Mittwoch, den 10. Dez., abends 8»/i Uhr, im Saale der „Loge zum Adler", Seilerstraße 22: Bortrag. Gäste willkommen. Wochen-Kalender. Freitag, 5. Dezember 1902, 5. Kislew 5663. . Sabbath-Anfang: 4 Uhr. Samstag. 6. Dezember 1902, 6. Kislew 5668. Sabbath-Ausgang: 5 Uhr 15 Minuten. WM- Wir ersuchen diejenigen unserer geehrten Leser, bei denen noch kein Abonnentensammler gewesen ist und die auf unser Blatt abonnieren wollen, unS solches Mitteilen zu wollen. Bereits erschienene Nummern werden gern nachgeliefert. Unregelmäßigkeit in der Zustellung wolle man uns gefl. sofort melden. Unsere Frankfurter Leser müssen das Blatt jeden Freitag Nachmittag zwischen 12-4 Uhr erhalten. Da einige Unregelmäßigkeiten seitens Abonnentensammler vorgekommen sind, so senden wir zur Kontrolle unser Blatt dieses Mal den bei «ns eingetragenen Frankfurter Abonnenten unter Streifband zu. OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOQOOOOOOOOOOOOOO< uuuelen und IBijouterien von den einfachsten bis zu den feinsten. PAUL TUBBEN Juwelier 2 Goethestrasse 2. OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO Silberne Besteeke ete. ete. Verkauf nach Gewicht. Enorme Auswahl. 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