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Neue jüdische Presse · 1902-11-28 · Heft 5 (28.11.1902) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 5 (28.11.1902)
Date
1902-11-28
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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erbarmungslos abweiien werden- Dem gegenüber wird wieder betont, daß das Geschleckt der Gogol scheu Revisoren in Rußland in Abnahme begriffen und ein Beamtenstand im allmäligen Erstehen ist, der europäische Grundsätze und westlicke Moral zu bethätigen sich bemüht. Aus dieser Wahrnehmung schöpft man die Hoffnung, daß die neue sozialreformatorische Aktion nickt allzusehr durch bureaukratisches Asiateuthum beeinträchtigt werden wird. Aus alle Fälle hat man es mit einer That zu thun, die sich sympathisch von dem unterscheidet, was bisher aus diesem Gebiete Tradition war. Es liegt ihr wenigstens ein menschliches Motiv zu Grunde. Man sagt sich: Aus den Städten treiben wir die Juden aus; Grundbesitz lassen wir sie nicht erwerben; wir stoßen sie auS dem Laude, aber die Pforten des Auslandes öffnen sich ihnen nickt. Was also mit ihnen a'nsangen? Und, im Wege dieser Erörterungen gelangte man dazu, die Ausarbeitung oes Gesetzentwurfes, von dem hier die Rede war, anzuorduen. Selbst der allgewaltige Herr Pobedonoszcff hat nicht opponiert- Im Gegenteil: selbst aus Kreisen, die zum russiicken Nationalismus neigen, kamen Aeußerungen der Zustimmung, in denen u. A. aus das Beispiel der jüdischen Sekte der Karaiten hingewiescn wurde, die in Südrußland ja sogar in Galizien sich als ackerbautreibende Kolonisten ganz vortrefflich bewährt haben. Für das Ausland hat die Sache nach zwei Richtungen hin ein bestimmtes Interesse. Einmal — weil die Gefahr der in keinem Falle erfreulichen Immigration aus Rußland gebannt ist; dann aber auch, weil man diesem Gesetze und seiner Tendenz entnehmen kann, daß — wie mächtig auch noch der reaktionäre Sinn in Rußland waltet — da und dort das streben nach Reformen nicht mehr bintangehalten werden kann. Der in Ausarbeitung begriffene Gesetzentwurf bedeutet zudem noch die Ankündigung eines menschenwürdigen Daseins für viele Hnnderttausende, die bisher in alten Fragen, die Bürgerrecht. Bürgerehre, Brod und Unterkunft angehcn, vogelsrei waren. Das Gesetz bedeutet eine Rückkehr zu den humaneren Ideen Alexander ll.; eine Abkehr von der harten, uneuropäijchen und degoutanten Ueberlicserung Alexander III. Bücherbesprechnngen. NcuJuöäa. Entwurf zum Wiederaufbau eines selbstständigen jüdischen Reiches von C- L- Ä- Als Beitrag zur Vorgeschichte des Zionisnius herausgegeben von Heinrich Löwe. Berlin. Verlag Jüdische Rundschau 1903. Das Schriftcken ist für denjenigen, der sich , mit der Gesckichte des modernen Zionismus intensiv befaßt, als ein Dokument aus der Vorgeschichte desselben sehr wicktig. Ob wir es aber einem größeren Publikum ohne weiteres empfehlen können, möchten wir immerhin Lczweiseln, da es manche Absurditäten und Unrichtigkeiten enthält. Der Verfaffer — die Broschüre ist in den vierziger Jahren erschienen — erkennt in der Wiedervereinigung des jüdischen Volkes zu einem Staatsverbande den letzten Zweck des Streitens der jüdischen Nation und hält für die Wiedererrichtung des jüdischen Reiches einzig und allein Nord-Amerika mit seinen großen, schwach bevölkerten Territorien für geeignet. Dem muß natürlich energisch widersprochen werden, denn es ist sowohl für jeden Zionisten, als auch für jeden gesetzestreuen Juden eine felsenfeste Thatsache, daß das indische Volk seine alte Herrlichkeit nur auf dem Boden des Heiligen Landes erlangen kann. Es giebt auf der ganzen Welt — ideell und materiell betrachtet — nur ein Stück Erde, auf dem der Jude .Jude" werden und bleiben kann, und dieses stück Erde ist Palästina. Unrichtig ist es ferner, wenn der Verfaffer die Hoffnung des jüdischen Volkes mit der Macht des jüdischen Kapitals zu realisieren gedenkt und sich deshalb an unsere assimilierten Finanzgrößcn wendet. Das jüdische Kapital ist eine Fabel, welche die Judenhaffer ersonnen haben, nm den Neid zu schüren; in Wirklichkeit ist das jüdische Volk bettelarm. Das Zentrum unseres Volkes liegt in Rußland und Galizien und hier hungern und verhungern unsere Brüder. Die Handvoll assimilierter Millionäre hat uns stets mehr geschadet als genützt- Nur die Einigkeit unseres gesamten Volkes kann uns zu positiven Erfolgen führen- Die Standarte, um die das jüdische Volk sich einmütig scharen muß, um seinen Siegeslauf anzutreten, das Nationalhciligtum, zu dem hin alle Herzen wie ein Schlag schlagen muffe», ist die von Gott geoffenbarte Thora. Nur sie kann uns im Exil die Einigkeit geben, die notivendig ist, um ganz Juda zu einer einzigen Thar, der größten nach dem Untergange unseres Tempels und unstrer Zerstreuung in alle Winde, zu begeistern und zu befähigen. Geht so der Zionisnius Hand in Hand mit der Neugeburt seiner Anhänger auf dem Boden der Thora, dann wird aus dem Schulte des Exils das jüdische Volk als herrlicher Phönix ersetzen. Das Wort Gottes an die Menschheit ist von Zion ausgegangen; ihm wird dann auf Zion eine bleibende Stätte gesichert sein. 6. Briefkasten. B. F. ^Ul^ä^ien zählt unter <> Millionen Einwohnern -'59 000 Juden, die Hauptstadt Bukarest unter 282 ^>»0 Einwohnern 43 <>00 Juden- Fast die gesamte jüdische Bevölkerung Rumäniens ist im Laufe des vorigen Jahrhunderts aus Rußland cingelvandert. An Verschiedene. Sie bezweifeln, daß selbst in Oesterreick ein Profcffor denkbar sei, wie er im Anfänge unseres Romanes geschildert wird. Wir treten den Beweis au, indem wir Ihnen eine Notiz mitteilen, weiche die letzte Nummer des Wiener jüdischen Volksblattes enthielt: Von Czernowitzer Mittelschulen. Czcrnowitz, Stadt der Freiheit und des Anstandes! Du kannst dich einer Anzahl van Jugenderziehern rühmen, die zu besitzen auch Wien stolz wäre- Es war ein alter Profcffor — er ist jetzt schon halb selig Abe^ Hinterlagen hat er doch seinen Schülern einen seiner schnapswitze, die ihn besonders beleuchten und die ich hier noch mehr beleuchten will. Meiner Seel. . . Das war ein Lehrer. Der Herr Profcffor wollte sich besonders auszeichnen und da witzelte er. Ja, wenns noch ein Witz wäre! Er pruste die darstellende^ Geometrie, plötzlich ergreift ihn die Witzwut. Der Schüler, der geprüft wurde, antwortete nicht so ganz richtig; da wollte er auch leuchten und sprach: „Ick will Ihnen glauben, denn Glauben macht selig und ich will jelig werden, aber nicht Selig heißen. Ja, wie sagt man denn da - . ." Er wandte sich an einen seiner treu ergebenen Schüler, ein Trottel von Paprika; und der ließ hören: „Selig möcht' ich werden, aber selig mckt heißen; denn Selig ist ein Jud', ein Jud' ist ein Schwindler, ein Jud' ist ein Betrüger." Allgemeine Heiterkeit im Langohrenauditorium. Der Herr Profcffor gab sich auch redliche Mühe, dieses Verdienst für sich in Anspruch zu nehmen, und da wiederholte er es wörtlich, zum Ergötzen der Obgenannten. Ja, wird man fragen, ließen sich denn die jüdischen Schüler dies gefallen, sind denn die so blöd, um nicht ein solches Benehmen zurückzuweijen? . Ja, ich muß es leider sagen, eö existieren jetzt überhaupt keine jüdischen Schüler mit einem Selbstbewußtfein. Diese Erfahrung habe ich überall erlangt. Wenn der Herr Professor eine Schularbeit auf Samstag verlangt, was ihm im allgemeinen verboten ist, dann hat er. doch die Ausrede, daß beim Befragen, ob jemand Samstag nicht schreibe, kein jüdischer Schüler ausstand! Und dann, man ist schon daran gewöhnt; fast jeden Tag, ohne Unterschied, hört man dasselbe. Und dann wundere man sich, daß man dagegen eine Gleichgiltigkeit provoziert, wie man sie nirgends sieht. Ja, ist das eine Mittelschule, wo derartiges vorkommt? Ich bezweifle sehr. — Freiheit weht in Czernowitz — aber leider nur vor den Wahlen und leider nur dort, wo es am Finstersten ist und dakann sich das I. Stadtgymnasium rühmen, die höchste Spitze der Unkorrektheit erreicht zu haben, dorthin leider dringt kein Lichtstrahl. Voranzeigen. Verein „Tifercs Bachurim". Sonntag, den 30. ds., abends 83I* Uhr, int Vereinslokale, Hermeswcg 25/27 (Religionsfchulc): Vortrag. Gäste willkommen. Verein Montefiore. Mittwoch, den 3. Dez., abends 9 Uhr, int Saale der „Snppenanstalt", Theobaldstraße: Vortrag. Gäste willkommen. Vereinigung zur Pflege jüdischer Lebensanschauung. Mittwoch, den 3. Dez., abends 8»/« Uhr, im Saale der „Loge zum Adler", Seilerstraße 22: Vortrag. Gäste willkongmen.. Woche»-Kalender. Freitag, 28. November 1902, 28. Cheschwan 5663. Sabbath-Anfang: 4 Uhr. ■■ Samstag, 29. November 1902, 29. Cheschwan 5663. Sabbath-Ausgang: 5 Uhr 15 Minuten. Sonntag, 30. November 1902, 30. Cheschwan 5663. Erster Tag Rausch hachaudesch. Montag, I. Dezember 1902, 1. Kislew 5663. Zweiter Tag Rausch hachaudesch. > , 8 Sllc Snmelen | § und o O _ O IBijouterien O § von den einfachsten bis zu Q 0 den feinsten. q Silberne Bestecke Juwelier 2 Goethestrasse 2. O O o o o o etc. etc. O o Verkauf nach Gewicht. , q Enorme Auswahl. 9 o Concur reizlos! Gelegenheitskauf von nur (Eichten Perser Teppichen in prachtvollen Mustern und in allen Grössen, sowie Türkische Handstickereien zu sehr billigen Preisen. Orientalisches Teppich - Haus. W. Gabai aus Konstantinopel GiMhestrassc 22. w Konstantinopel. München. -WP 0 0 0 Heidt’s Flussu. Seefischhandlung ' (vorm. Krembsler) Bergerstrasse 28. Täglich frische Fluss- und Seefische liebender Hecht, Barben, Beesem, Bamberger Spiegelkarpfen. Jeden Tag von 4—9 Uhr gebackene Fisehe. (Nur in Fruchtin gebacken.) {lannen- J Äbf allholz bestes Feuer-Anmachholz per Ccntner UL 1.30, bei Abnahme von 10 Ccntner UL 1.20. Ferd. Schmidt, fiolz~ und Kohlen-flandlung 11 Kleine Pfingstwcidstraße 11. 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