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Neue jüdische Presse · 1902-10-31 · Heft 1 (31.10.1902) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 1 (31.10.1902)
Date
1902-10-31
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Sel«"LsA>-5 ,tj> - ~.\?^.'z~ lNächdruckverboten)./: > KtMtzrer-Md PäMgiert^M Mt -dem Ende des frohen Festes, das Wir! den letzten Tagen gefeiert haben,/send wir in FraMürterMraeKtiHes ^nitten&lSit:: j;: -; Winter eingetreten. WährendFrühling /und. voll schmerzend sein Äuge vorderen Herrlichkeit sich schloß, es gewahrte voll Staunen das Meer, daß donnernd sein' Gestade umtoste, jetzt voll-Freundlichkeit "den Rücken ihm/ Lot, jetzt in heißem Grimme Vernichtung und Untergang brachte, und es sah auch Mge Winter kältend auchaufdes »Äiüt And Frühling und Sommer vergehen so rasch; unH 'Mn der Winter wieder an unsere Thüre pocht, iin das Feuer wieder prasselt in / den Häuser« Gesegneten und die Rosen der Armut Me nster der Elenden zieren, da erschrecken wir oft schütteln den Kops und murmeln: „Ach, der ater ist schon wieder da. wie rasch vergeht doch Zeit." - Ja wohl,' unaufhaltsam entschwindet die Zeit- »g läßt sie vergehen ans Tag, sie wechselt Mond u Monden uiä selbst das Jahr ermüdet nicht s:en Schritt. Und ihr Schritt ist schnell. Mit, berischer Hast eilt sie dahin, von Tag zu Mond, , Jahre vom Mond, und nur die Bahn, die /Hinter sich gelassen, ist dem Auge des Sterbhen sichtbar, keinen Zoll weit vermag er vor zu sehen: Das Ziel der Zeit, das sie so hastig M, bleibt ein ewiges Rätsel. Wo wird sie blich halten, nachdem sie die Bahn durchmessen, keuchend endlich ruhen und absetzen ihre »ssagiere, die Menschen? Denn einem Zuge gleichet die.Zeit. Seht den Zug dort sausend dahinfahren über die üen Schienen? Wie er pustet und dampft, er rennt und jagt, willenlos, verstandlos. gefügiges Werkzeug jn der Hand des Führers! der Zug ist dichtgedrängt voll Menschen, aner, Frauen. Knaben. Mädchen, alle sind ' beisammen, alle haben sich in die Hand des hrers begeben. Sie sehen das Ziel nicht, wohin ^fahren, und der Fleck, den ihr schwaches Auge aßt, im selben Nu ist er für immer. entomcken. Sie fahren vorbei an schönen, reichretm Fluren, wo das goldene Kornfeld wogt, die grüne Rebe winkt und die Eiche Schatten det. Sie fahren vorbei an öden, trostlosen , den, wo der Sonne heißer Strahl sengend ksherniederfährt, wo kein Quell die Lippe labt Lin Strauch je Schutz gewährt. Und siehe, M deckt sie gar plötzlich die dichteste Nacht, in s kein Funke des wonnigen Lichts ihr erschrecktes ze mehr trifft, und banges Schweigen legt sich sie und zage Furcht und bleicher Schrecken; rasch weiter stürmt der rasende Zug und giebt neues Licht Mut und Stärke ihnen der. Und immer weiter geht es, immer weiter Ddem großen Ziele, das doch keiner vorausbt. Das kann nur der Führer. Der steht gig da. von Dampf' umwallt und Feuer, gesen ruht seine Hand am Steuer, diese Hand, der das Wohl und Wehe so vieler abhängt, j liebt feine Passagiere und sorgt für ihr Heil, er kennt auch das Ziel jedes einzelnen unter 'Von Station zu Station läßt er ihrer ige aussteigen, aber immer weiter läßt er fen den Zug, der leerer wird und leerer von htion zu Station: Wird der Zug ganz leer M noch vor dem Ziel, oder werden auch einige Mmen zu dem letzten großen Ort, da der Zug steht, ganz stille und nicht mehr weiter weil das Ende erreicht ist? — Wer vermag zu Wissen?-! Wer es ist auch schließlich gleichgültig, ob ' es wissen, oder nicht, ob wir es erreichen oder ht; ist doch des Menschen Aufgabe ja nur, zu Stunde der Gegenwart mit dem ihm verenen Geist das Wtige zu erkennen und mit : ihm verliehenen Kräften es zu üben'. Aber hl dem, der den, Führer, erkennt und ihm vertritt kindlich glaubendem Sinn. Dieser hier, o wie oft ist er gar verkannt, o wie oft gar ileugnet worden! Es trat ein Volk auf mit Hellem ge und kühnem Sinn, das hielt Umschau im Life der Natur, und es sah den Himmel.-er in plichem Blau hoch übex ihn sich wölbte, es sah Sonne, die so gewaltig ihn strahlte, daß Schaudern den Tod allmächtig in seinen _ walten, blühendes Leben knicken,? Erg und.Verwesung bringen — und ach, rer/ war ja nicht zu sehen. Dampf und ' wallte ihn stets —: Da ward irre sein ist^ind in knechtischer Furcht warf es sich nieder W Himmel. Sonne, Meer und Tod — und der Führer lächelte milde und lenkte weiter seinen Zug. Und es verging lange, lange Zeit. Die Leute wurden älter und klüger Sie erkannten bald,, daß der Himmel nur Lust, Sonne und Meer nur leblose Masse und der Tod nur das Aufhören des Lebens sei, und sie wandten sich ab von dem, was sie bisher verehrt, und der Vater Zeus stürzte von seinem hohen Sockel herab, so furchtrar. daß er's Genick brach und sein Adler erschreckt wvonslog, und sein Bruder, der Neptun ersäufte sich elbst im Ozean und ward nicht mehr gesehen — aher den Führer selbst in all seiner Größe und Erhabenheit erkannten sie deshalb doch nicht. Wohl ward ihre Erkenntnis mächtig' gefördert durch einen Mann, der eine neue Lehre ihnen offenbarte, die gar vieles Treffliche enthielt, aber dieser Mann trübte selbst seine Lehre und von der Wahrheit ward ihnen nur ein Teil. Und wieder vergingen Jahrhunderte, da traten Leute aüf, die schier viel klüger waren als alle zuvor, und 'ihr Verstand war so scharf und ihr Herz war so kalt, so eisig kalt, und eine Lupe hatten sie vor ihren Augen, mit der sie alles ganz genau sehen konnten, viel genauer als mit bloßem Auge, und sie hätten sich fest vorgenommen, nur an das zu glauben, was sie mit ihrer Lupe sehen und an sonst nichts —' und.freilich, mit der Lupe konnten sie den Führer noch viel weniger sehen, als mit bloßem Auge, denn mit einer Lupe sieht man ja 'nur kleine Sachen gut — und iveil ihr Stolz. es nicht zuließ, anzunehmen, daß es etwas gebe, was sie nicht sehen, glaubten sie lieber, daß ein Zug führerlos ohne Schaden fahren könne, was doch ein Unsinn ist — —' und der Führer lächelte wieder und lenkte weiter seinen Zug. —•■ Heil uns. dem Volke/ dem Gott in seiner Lehre die Offenbarung gegeben, ' deren rechtes Verständnis ja doch nur wir haben. Denn siehe! Das Buch der Lehre/liegt heute im Urtext den Gebildeten aller Völker offen da. Was aber machen manche damit? Mt der kritischen Sonde gehen sie daran und zu historischen Studien mißbrauchen sie es. Wir aber lassen wie alljährlich so heute den schlichten Sinn ihrer hehren Worte zu uns reden, wir hören, daß am Anfänge Gott allein es war. der Himmel, Erde und was sie füllt erschaffen, daß er sie uranfänglich, aus Nichts, als fteier Herr geschaffen, daß also gut sein muß die Erde, gut auch in seinem Ursprung der-Mensch auf ihr — und freuen uns dessen. — - (Nachdruck verboten). Alte Neuigkeiten und neue Altertümer. Was gäben wir doch darum, wenn uns — modern gesprochen — ein Zeitungsblatt auf den Redaktionstisch geflogen käme, aus den ersten Jahrhunderten, Jahrtausenden der. Menschheit, die der Wiederbeginn der Thora uns nach den Festen alljährlich wieder vor die Seele führt Da sehen wir die eine, einzige Noafämilie in einer Welt' voll Entartung und Verderbnis auf wunderbare Weise aus dem allgemeinen Untergang gerettet, wir sehen das Geschleckt der himmelstürmenden Turmbauer in Zersplitterung auseinändergehen/wir sehen einen Abraham und Lot aus der Zerstörung blühender Städte in Lossagung von ihrer -Umgebung, ihre eigenen Wege -gehen; aber es muß doch auch damals gescheite, über das gewöhnliche Niveau hervorragende; Männer gegeben haben'; wie haben diese sich zu.den sin das Leben so tief einschneidenden Katastrophen gestellt, wie hat man' darüber gedacht,-hat man v Notiz genommen, und in wie; weit, diese ’ Reihe anderer kulturhrsiorssW Fragen;« )em denkenden Leser durch ■ das: Studium, h Kapitel der Thora angeregt, ohne jede H aus eine auch nur einigermaßen befrie Antwort. -:'' Die Oberflächlichkeit findet sich lsi Lesen Problemen ab. - Die Unmöglichkeit „ihrH Lösung hat gewiß dazu beigetragen. die Kinder-, ener Zeit als eine stupide;/ inferiore: MaM aM zusehen, deren genauere Kenntniß nicht das hohe/ Interesse für sie rechtfertige. Und doch ist diese- Annahme unhaltbar; nicht nur weil zuverlässige Mische Ueberlieferungen dagegen sprechen, sondernauch weil der unbefangene historische Blick sie als unhaltbar zeigt. Daß ein Noa, daß ein Abraham; mitten in der Entartung ihrer Zeit sich aus' ihr erheben, zeugt dafür, daß er noch einen Boden,. )aß es Kreise und Bevölkerungsschichten gegeben - haben müsse, welche die allgemeine Entartung-' nicht teilten. . , . .-. Aber selbst diese Helden jener grauen. Ver^ gangenheit müssen in einem ganz anderen Lichte erscheinen, je nach der Kulturstufe, 'die ihre Zeit .eingenommen hat. War es wirklich eine indolente, rückständige Masse, aus der sich die Heroen erhoben, so bedurfte, es keiner besonderen Höhe, um ihre. Umgebung geistig und sittlich zu überragen. Stand'/ aber jene Zeit wirklich selbst auf einer hohen.: Kulturstufe mit ihrer Entartung und Verirrung. - so leuchtet das Beispiel der Helden um so glänzender durch -alle Zeiten und Völker und erklärt die ehrerbietige Scheu, mit welcher die Menschheit seit Jahrtausenden zu diesen ihren .Leitsternen emporblickt. -. Da mutet es uns denn wie ein Märchen.' aus Tausend und einer Nacht an, die Rachricht, die aus fernem transatlantischem Westen zu uns gelangt daß - der Osten aus seinem historischen Todesschlaf erwacht sei und zu sprechen begonnenhabe./Nicht ein ephemeres Zeitungsblatt, sondern 20,000 aus der Zeit vor Abraham herrührende Tafeln sind - aufgefunden worden, die uns über jene Epoche reiches, ungeahntes Licht versprechen. Wir lassen über diesen merkwürdigen Fund hier den Original-Bericht der New-Pörker Times vom 4. Oktober d. I. folgen: . Unterirdische Ausgrabungen bei Nippur. von Professor Hilprecht. . Enthüllte Teile der alten Geschichte „Königs-Täfelchen", Die Geschichte Babylons bis zu Abrahams Zeit/ Vergraben in Debris. - Philadelphia, 4. Okt; Die wunderbare Ge-; schichte der dunklen Jahrhunderte zwischen der Schöpfung und dem Leben Abrahams ist jetzt entschleiert worden durch die zahlreichen Funde in den Ruinen Nippurs oder Babylons. Diese Funde wurden durch von der' Universität Pennsylvania ausgesändte Gelehrte gemacht. Professor H. W. Hilprecht, welcher an diesem Werke Teil nahm, ist eben von Constantinopel zur Universität zurückgekehrt, wo er achtzehn Monate mit der Classisizirung des Werkes beschäftigt war. ' ' Die Sammlung, die Prof. Hilprecht sichtete,/ umfaßt gegen 20 000 Thon-Täfelchen von der kaiserl. Bibliothek zu Nippur. Diese Bibliothek ist von Prof. Hilprecht schon seit zwölf Jahren entdeckt. Durch seine Bemühungen hat er bis jetzt einundachtzig derselben entziffert. Diemeisten der Täfelchen würden jetzt in's Ottoman. kaiserb Museum nach Constantinopel gebracht. Eine verhältnismäßig große Anzahl ist der Universität Pennsylvania überwiesen worden. . - - ', „Der Inhalt der von uns endeckten Tafeln", sagte Prof. Hilprecht. „wird die Ansichten über - den Kultur- und Wissensstand' dieses Volles" gänzlich verändern. Man wird sehen, daß die' Babylonier 2300 Jahre vor der christlichen Aera" schon wußten, daß die Erde rund sei. ihre Astronomen sahen die himmlischen Erscheinungen an wie wir jetzt. Tatsächlich ist Nippur aus sechzehn Städte entstanden, eine auf der andern gebaut.-; Der Grundboden dieser begrabenen Städte ist: noch.nicht gefunden. Viel von der-Tempel-Bibliothek ist hierher nach d/r Universität.Pennsylvania- - Stadt--u. Univ.-Bibl. Frankfurtam Main

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