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Jüdische Rundschau · 1925-12-08 · Heft 96 (8.12.1925) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 96 (8.12.1925)
Date
1925-12-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Einzcbmrnmrr 0,25 Goldmsrk r~1 rnnp '•;ץי r~1 V1 n r7 r—r>. /ך“־✓ ך־^״־׳ rנ־—־ש 1־ -; 11 ti!ץ 11! ו\ץו V'x \ u; L׳: / . •« n i \ \ ■ 11 V \ _ ׳ / 1 .־־ ז .v i ji ü\ ־ V ca ' r• Vi^tL.i.ci. Redaktion und Verlag W 15t Meinekestraßc 10. E^cheint jjj ״;!den Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition |j Anzeigen -Vcrv/altuilg monatlich 1,85 Goldmark, Vierteljährlich 5,25 Goldmark. $ Jüdische Rundschau Berlin W15. Mclackcstr. 10 ״,.«nfl»»<v>oo«»cnt» w«rd«D 10 der Wihroofl dar «lozclnea Liodar beracbacl y. Kummer 96 Berlin, 8. XU. 1925 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Afix«!£«nj>reia)8£e«pal1.hoapar«llU2ei)e0l50ü.'M. StelUo£«tac&e0.25G.-M. Ao1ai|!«D1rhlu01 01 eo ■t C und (*rait•(! oach mittag 4 Uhr. Telephon: Bismark 7165—70. Postscl e;kkonto: Berlin Nr. 17392. Fflr Oesterreich: Po*Up»rk*״*?narot Wioa Konto Nr. 15f>tV50. FGr Tschechoslowakei; rostsparkassenamt Prag. Konto Nr. Für Poloa Poslsparkasaenamt Werschau. Konto Nr. 150708. Redaktionaschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. כ״א כסלך. חרפ״ו XXX. Jatire. xionismui erstreb« fUr das (Qdlsche Volk die Sch&t!unq einer Ö!9ent:ich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.‘• & k®ä m Lemberg! Lemberg, 3. Dezember. (I. T. A.) Der Vorsitzende des [uiitshofcs 1׳ ranke teilte zu Beginn der Verhandlung mit, . h.ihe <Jcn Akt üher das neue Geständnis des Ukrainers ,yipliil OLszanski von dem Berliner Polizeipräsidium eran und bringe ihn in deutscher und polnischer Sprache zur;ric.-ung. . Das Protokoll besagt itn wesentlichen folgendes: Am 21. November 1025 meldete sich beim Berliner Polizei- ■׳jädium der Ukrainer Thoophil Olszanski und erklärte: , ich cs nicht auf mich nehmen kann, daß das Lcmbcrgcr;;ritt einen unschuldigen Menschen für eine von mir aus-;״hrtc Tat verurteil^ habe ich mich z.u der folgenden Er- ־;uiig cntschlosscn, die ich auch auf Befehl der Ukrainischen :;:.irischen Organisation ahgebc: Als Mitglied der Ukraini- V;1 militärischen Organisation habe ich am 5. September;} in Lemberg das Attentat gegen׳ den Präsidenten der .';’״sehen Republik Stanislaw Wojcicchowski durch Werfen;er bombe unternommen, das Attentat war aber nicht ge- ״״rn, tind der Student Stanislaw Steiger wurde dann als :;!:rintlichcr Attentäter fest genommen und steht jet/rt als .;!klagtcr vor einem Schwurgericht tu Lemberg. Nach dem;nt.1t habe icli von meiner Organisation den Befehl erhaben, die üren/c 11 ach Deutsch! a n d z u g c 11 c n , mich , den deutschen Behörden zu melden und eine ausführliche .Mdlung des Attentats zu geben. Das habe ich getan und dcrholc cs heute wieder. Olszanski gibt sodann eine kurze Lebensbeschreibung, j ist im Jahre ld05 in Chyrow (Galizien), als Kind ukrainischer ":m geboren und war seit seiner Knabenzeit iii der ukrai- :hon Bewegung tätig. Ein Schwager von ihm, ein Offizier r ukrainischen Armee, wurde von den Polett in der Ge- :enschaft erschossen. Seither hat sich sein Haß gegen :!len verstärkt. Der Wille, gegen die Unterdrückung der •Miner in ihrer Heimat durch die Polen zu protestieren, : schon das Motiv des seiner/citigen Attentats gegen den '׳.׳״rcii Staatschef Polens, pilsud.ski. Als nun bekannt gcrJcn war, daß Präsident Wojcicchowski 'nach Lemberg,;: früheren Hauptstadt der Westukraine, kommt, habe ich י eigener Initiative meinem Kommandanten vorgcschlagen, ■־;:׳. mit der Ausführung des Attentats auf den Präsidenten in rherg zum Protest gegen die oolnische Herrschaft in Ost- Oitn z.u beauftragen. Eine Woche vor dem Attentat he- •;etc der Kommandant Olszanski nach Lemberg, gab ihm ״me Instruktionen »nd s.tciitc ihm andere Personen vor, :1 Befehle er blind ausz.11 führen haben werde. Mir wurde v!;lcn _— erklärte .Okzmski weiter — daß ich nach dem den der Bombe nicht flüchten, sondern mich verhaften; :ו soll, damit in meinem nachfolgenden Prozeß die Unter-;׳kkung der Ukrainer in Ostgalizicn zur Sprache kommen Am Tage des Attentats erhielt ich die in grau gelbes ::'.r angeschlagene und mit einer Schnur festgebundent '־he. Sic war walzenförmig, 10 an lang. Man hat mir :Konstruktion der Bombe genau ausoinnudergeset/t, damit;׳ vor Gericht eine detaillierte Schilderung geben könnte. Ich . '׳ mich photographieren, damit nach meinem Tode ein i von mir bleiben kann. Olszanski gibt die Adresse des!'׳,;;rapheij an, ebenso nennt er das Kino-Theater, in '-hem er am Abend vorher der Vorführung eines bestimmten /:s beigewohnt hat. Am Tage des Attentats hat Olszanski * drei verschiedenen!hinkten der Stadt auf das Vorbeifahren g Vagens des Präsidenten gewartet, um das Attentat aus- ■::ren. An zwei Stellen gelang es Olszanski nicht, rechtg an den Wagen heranzukoinmen, einmal wegen dos zu "׳(;len Fahrens, ein zweites Mal wegen des zu großen '^lumandrangcs. Erst in der Lcgioncngassc schritt er an ■msUihrimg des Attentats. Olszanski gibt eine Beschreibung 1 ' Personen, die während des Werfens der Bombe in seiner; gestanden haben. Er schilderte die Bombe so, daß 1 ,'י unter den Pferden des Präsidenten zu lieg־!!! kam. Sic : 'cdirrte aber nicht. Es entstand eine Panik, alles flüchtete.; ü.'^ki wollte seiner Instruktion gemäß mit einem mitl'::״chtcn Revolver auf den Präsidenten schießen, all'in!;:■«־hfolgcnde Kavallerie versperrte ihm die Aussicht. Er dann ruhig längs der Legbnengasse weiter. Er sah, eine Anzahl Personen und ein Polizist in ein Haustor ' l-cg!oncngas.sc liefen. Ein Polizist kam Olszanski enta'• Olszanski blieb stehen, zog seine׳ Uhr, cs war genau *r am Nachin'ttag. Er erwartete, daß der Poli ist ihn | •hin wird, dieser ging aber weiter. Hierauf ging [;^'ki {n einen Park, legte seinen braunen Mantel ah und | . ‘inen schwarzen an. Den Revolver warf er später in I Kartoffelfeld. Am nächsten Tage reiste Olszanski zu |;׳ Eltern nach Chyrow, von dort reiste er nach Przc- | :,'•!m seine Studien fortzusetzen. Dort erreichte ihn aber L :;i seiner Organisation, i ns Ausland zu reisen, |י .ts einem größeren Kreis von Personen bekannt war, r frdas Attentat ausgeführt habe. Olszanski erklärte weiter, I rr Steiger iiiclit keime und überhaupt niemals mit I verkehrt habe, die der ukrainischen revolutionären I 1 '״׳mg fern standen. I Die Erklärung der Verteidigung. I Schluß der Verlesung des Olszanski-Aktcs führte I . ״’:gcr Dr. Grek aus, man habe jetzt einem wichtigen I ,*•gewohnt, dem Geständnis eines Menschen, der sein I , tn entlasten will. Es wäre gut, wenn auch die höheren I ,':bvanifen und der Oberstaatsanwalt Maüija, die Steigee I;,׳ Böses angetan haben, ihr Gewissen entlasten würden. I ,y^k stellt eine Reihe Anträge, die dahin gehen, die I weiter auszudehnen, um die Wahrheit der von I .',.‘”י־ ki genau geschilderten Tatsachen und Umstände zu I -c״. I . Die Erklärung des Staatsanwalts. I;Staatsanwalt erklärt, auch jetzt, nach der Verlesung I . Ö'^ändnisscs Olszanskis, halte er die Beschuldigung gegen I Steiger aufrecht Um Olszanskis Geständnis zu I;׳icn, teilt der Staatsanwalt mit, er habe genauen Bericht I .5 daß in Oppeln (Oberschlcsiai), ein gewisser fan I ■״'ki vor deutschen Behörden ebenfalls ein Geständnis I ׳:; hat, daß er Mitglied einer revolutionären Organisation II c <änc Bombe erhalten hat, mit der er den Präsidenten I י chowski ln Lemberg ermorden sollte. Der Einvernahme Kuc/ynskis .wohnte ein gewisser Pawel Madattra bei, der hierüber ein Protokoll aufgesetzt und es den polnischen Behörden übergeben hat. Dieses Protokoll übergibt der Staatsanwalt dem Vorsitzenden zur Verlesung. Ein neuer. Verteidiger Steigers. Lemberg 3. Dezember. (J. T. A.) Zu Beginn der heutigen Sitzung meldete sieh der bekannte Warschauer Rechtsanwalt Dr. Eugen Szmvarowski beim Gericlitsvorsitzcndai als Verteidiger Steigers. Szmyarowski wurde zu diesem Schritt durch die polnische Liga für ״Menschenrechte veranlaßt. Die Zahl der Verteidiger Steigers ist damit auf sichen gestiegen. Lemberg, *1. Dezember (J.*T. A.) Zu Beginn der Sitzung im Prozeß Steiger teilt der Vorsitzende mit, daß die tulgenden Anträge der Verteidigung abg'clchnt worden sind: anzufragen die Eisenbahndircktion, ob der 7.ug, mit dem Olszanski seinerzeit Lemberg verlieft, wirklich eine Verspätung erlitt; nac.h/.upriifen, ob die Angaben Olszanskis mit Bezug auf seinen Pliotographeii und auf das Kino.stück, welches am ■1. September 1021 in einem gewissen Kinoihe.iter gespielt worden ist, aurh .stiiiui!«•!!; vom Berliner Pnli/eipräsidiuni *len ('1<»1t von Olszanski deponieren An/ug, den er am läge des Attentats getragen hatte, ein/iifordern; ebenso das von Olszanski der Berliner Polizei übergebene Modell der zum Attentat gebrauchten Bombe. . . Hierauf erhebt sieh Rechtsanwalt Dr. Szmyarowski zu einer Ansprache, in der er ungefähr nnsführt: Der Staatsanwalt hat sich gestern bemüht, den Inhalt des Geständnisses ■,Olszanski!; zu bagatellisieren. Ich habe mich mehrere Stunden iir die Olszauski-Akten vertieft und konnte mich als kühl abwägender Mensch ihrer starken Beweiskraft nicht entziehen. Ich bitte, sich die Einzelheiten genau in Erinnerung zu bringen. Ich. bin nicht überrascht, wenn der Staatsanwalt seine Meinung über Steiger auch jetzt lucht;indem will, denn er ist ja der einzig׳ Verantwortliche und -- ich muß es sagen — auch Schuldige, an dom, was hier geschieht. Diejenigen aber, die nicht als sensationslustigc Zuhöror, sondern als Mitverantwörtliche der Verlesung des Aktes Olszanski hier beigewohnt haben, werden verstehen, daß der gestrige Tag für den Prozeß historisch geworden ist. Der ganze Prozeß ist eine Kette fataler gerichtlicher Irrtümer; der Ols/anski-Akt muß einen Wendepunkt bringen und das große Werk der Gerechtigkeit aufbauen helfen. Wer bis be-ute noch nicht überzeugt gewesen isf, der muß jetzt die Ürber/eugmig gewinnen, daß Steiger ein Opfer fataler Irrtümer geworden ist, die min gutzumadien sind. Olszanski sprach wi.c e.in Matsch! der sich genau au die Wahrheit hält. Der Staatsanwalt lut sieh auch auf das Geständnis eines gewissen Kucryßski vor den preußischen Behörden bezogen, hat aber dabei mellt erwähnt, daß ja Kuczynski sich' mit der Tat Olszanskis in Zusammenhang gebracht hat. Wenn also der Staatsanwalt die Verlesung׳■ des Berichtes eines gewissen Konfidenten beantragt, so beantragt -die Verteidigung, den ganzen Akt Kuczynski;!11/11־ fordern und ihn zu verlesen. Erst dann wird der Zusammenhang klar werden. Es wird sich dann hcrausstellen, daß zwischen den Aussagen Olszanskis und Kuc/ynskis keineswegs ein Gegensatz bestellt, sondern daß sie sich gegenseitig erganzen. Verteidiger Dr. Landau schließt sich dem Antrag an und fordert ferner die Verlesung der Notizen in den Zeitungen ״Hnynt“ und ״Kattowif/er Zeitung“, in denen näheres über das oGcsiändms Kuc/ynskis gesagt ist. Der Gerichtshof bcschließt, diesem Antrag zu/ustimmen. Es wird darauf die betreffende ״Hnynt“־Notiz verlesen, aus der hervorgeht, daß Kuc/.ynski sich als Komplize Olszanskis nusgegeben hat u!1d daß Olszanski in seinen seincr/cit'gcn Angaben vor dem Ik'.ithcucr Gericht u. a. auch Kuc/ynski als seinen Helfer genannt hat. Verteidiger Dr. Rosenkranz beantragt angesichts des Umstandes, daß von clor Staatsanwaltschaft geladene Zeugen über die Glaubwürdigkeit der Pasternak vernommen worden sind, atich die Ladung solcher Zeugen, die bekunden werden, daß die Pasternak selbst in einen sehr unangenehmen Prozeß verwickelt gewesen war, und daß sic oft und bet wichtigen Gelegenheiten zu Ungunsten anderer gelogen hat. ■ * Es ist für einen außerhalb der Lcmbcrgcr Atmosphäre stehenden Beobachter einfach unverständlich, daß das Lcmbcrgcr Gericht den Versuch macht, die Angaben des wirkliehen Täters Olszanski einfach als nicht vorhanden zu betrachten. Während der Gerichtshof bis vor kurzer Zeit sich Mülic gegeben hat, wenigstens äußerlich sachlich und unparteiisch zu erscheinen, hat er in den letzten Tagen tinzweidciitige Beweise davon gegeben, daß er gegen den Angeklagten, d. h. gegen die Juden voreingenommen ist. Daraus folgt, daß nicht nur Polizei und Staatsanwaltschaft, sondern auch das über den Prozeßparteien stellende Gericht der Suggestion der antisemitischen Straße erlegen ist. In den letzten Tagen ist übrigens von der polnischen Presse die Behauptung aufgcstellt' worden, die Juden hätten den Ukrainern 60 0C0 Dollar gegeben, damit diese Steigers Schuld auf sich nehmen. Verteidiger I>r. Ringel trat schon in der Verhandlung vom •1. Dezember dieser Vorleumdung mit aller Schärfe entgegen. Sonnabend, den 5. Dezember, verlautete cs in Lemberg, daß das Bcwcisvcrfalircu am nächsten Vcrlnndhingstag geschlossen werden und dann der Staatsanwalt sein Plädoyer halten soll. Nach den Reden der sieben Verteidiger wird das Verdikt der Geschworenen fallen, ln einigen Zeitungen war Donnerstag, der 10. Dezember, als Schlußtermin des Prozcsccs angegeben. Diese Annahme ist unbegründet, da schon die Reden der Verteidiger viele Tage in Anspruch nchmen dürften. Außerdem ist noch’ immer die Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß eine Beweisaufnahme anläßlich des Olszanski- Geständnisses durchgeführt werden wird. Rundschau VäljccrbundUrai und PaLüsiina — Dfe Mossulfragc — Englisch-französische Cooperation kn Nahen Osien — Die Sonderstellung Palästina* - Mehr Boden 1 — El» Wort zu Chanukkah RW, 6. Dezember 1025. Der Völkerbundsrat wird sich in der Sitzung,, zu welcher er soeben in Genf zusammengetreten ist, mit einer Reihe von Fragen beschäftigen, die unmifterbnr unser Interesse verdienen. Zunächst ist wahrscheinlich, daß er den Bericht der Mandatskommission über ihre letzte Tagung cntgcgennchmen wird. Die ״Mandatskonimission hat bekanntlich nur die Verwaltung Palästinas im letzten Jahre behandelt, während Syrien für das. nächste Frühjahr zurückgcstcllt wurde. Es ist bisher nicht bekannt geworden, welches Rlsumc die Mandatskommission dem Völkerbund zu unterbreiten gedenkt. Im vorigen Jahre hat bekanntlich dieser Bericht längere Ausführungen über den Aufbau der jüdischen nationalen I tcinistütte enthalten mit einer abfälligen Kritik, die in der Sitzung des Rates vom englischen Außenminister Chaniberbiin zurückgewiesen wurde. Es ist möglich, daß sich die Kommission in diesem Jahre darauf beschränkt, dem Rat vorzuschlagen, den Bericht der Mandatarmacht zur Kenntnis zu nehmen. Der Völkerbund hat im Augenblick andere Sorgen und gerade die Lage in den beiden andern A-Maiulatsländern, Syrien und Mesopotamien, mag ein Grund mehr dafür sein, diesmal nicht über die Verhältnisse des friedlichsten und ruhigsten dieser Mandats-!ander, nämlich Palästina, zu sprechen. Es wäre allerdings gerecht, daß die Mandatskommission auf Grund der Erfahrungen .des letzten Jahres die falschen Anschauungen ihres vorjährigen Berichtes richtigstcllt, insbesondere was die Bewertung der jüdischen Aufbauarbeit betrifft. Eine der Hauptaufgaben des Rates ist diesmal die Entscheidung über die türkisch-mcsopotamischc Grenze, d. h. die Beendigung des Mo ssu I-Kon f li k t c s. Nach den letzten Meldungen der ״Times“ scheint die Türkei einzulenken und trotz ihrer Drohungen hofft man, daß sie nicht einen Krieg beginnen wird, der unabsehbare Folgen haben könnte. Vielleicht hat diese angebliche Stimnmngsändcrung der Türkei ihren Grund darin, daß die Türken auf Grund der Vorgänge der letzten Tage nicht mehr mit französischer Unterstützung rechnen. Denn es scheint, daß Herrn Jouvcnel in London klar gemacht worden ist, daß England eine unfreundliche Haltung Frankreichs in der Mossulfrage mit entsprechenden Gegendiensten vergelten würde. Und Frankreich ist selbst in Syrien in einer so prekären Lage, daß cs Interesse daran hat, den unterirdischen Konflikt mit England zu liquidieren. Wir haben bereits berichtet, daß nach dem Spruche des Haager Internationalen Gerichtshofes der Beschluß des Völkerbundsrates bezüglich Mossul einstimmig sein müsse. Nun hat schon vor einigen Tagen der ״Matin“ mit großer Bestimmtheit erklärt, daß zumindest ei:1 Mitglied des Rates gegen eine pro-englische Lösung des Konfliktes stimmen werde. Daraus schließt ״Manchester Guardian“, daß zwar wahrscheinlich nicht Frankreich selbst, aber einer von Frankreichs Vasallen dieser Gegner sein werde. Ob cs England gelingen wird, vielleicht jetzt mit Frankreichs Hilfe, den Gegner umzustimmen, stellt noch dahin. In England selbst besteht, wie wir bereits unlängst berichtet haben, nach wie vor eine Strömung für die Räumung Mesopotamiens und gegen die Verlängcrung des Mandats auf 25 Jahre, die im Fall einer positiven Lösung der Mossulfrage vorgesehen ist. Sollte eine einstimmige Entscheidung nicht zustande kommen, dann müßten die Verhandlungen zwischen England und der Türkei fortgesetzt werden. Es wnire dies ein Versagen der Völkcrbundsmaschineric in einer sehr wichtigen Angelegenheit. Ueber die englisch-französische Zusammena brit im Nahen Osten wird jetzt sehr viel gesprochen und gcschrieben. Die englische Presse teilt mit, daß der Außenminister den englischen Vertretern in Westasien, deren prominentester heute Lord Plumcr ist, bereits genaue darauf bezügliche Instruktionen hat zukonunen lassen. Nach den Erklärungen Jouvencls hat cs den Anschein, daß Frankreich seine Methode der Mundatsverwaltung der englischen anpassen will. Soeben wird gemeldet, daß Jouvcnel am 4. Dezember in Beirut die Vertreter des Libanon rusammcngcrufcn hat, und ihnen als ersten Schritt zur nationalen Unabhängigkeit eine Konstitutkon mit weitgehender Selbstverwaltung und französischcn Beratern in Aus'icht gesiel t ha•'. Er b:‘.onte, daß auch die übrigen Teile Syriens eine solche Selbst- , Verwaltung erhalten werden, sobald sie ihre feindseligen

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